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Full text of "Bezirksamt Tirschenreuth"

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für die Inventarisation der Kunstdenktnäler Bayeras. 



L Zweck des Inventars. Die Inventarisation hat den Zweck, den Gesamt- 
bestand des Königreichs an Kunstdenkmälern im weitesten Sinne wissenschaftlich fest- 
zustellen und zu beschreiben, dem Schutze und der Pflege dieser Denkmäler und 
damit der Kunst-, Landes- und Ortsgeschichte sowie der lebenden Kunst und der 
Heimatliebe zu dienen. 

II. Zeitliche Begrenzung. Die Inventarisation soll die Zeit vom 6. Jahr- 
hundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts umfassen. 

In besonderen Fällen kann auch über das 6. Jahrhundert zurückgegangen werden. 

III. Besitzverhältnisse. Die Inventarisation erstreckt sich auf die Denkmäler 
jeder Gattung im öffentlichen Besitz und auf die Baudenkmäler im Privatbesitz. Be- 
wegliche Denkmäler im Privatbesitz werden nur ausnahmsweise aufgenommen, z. B. 
wenn sie in kunstgeschichtlichem oder geschichtlichem Zusammenhang mit den Denk- 
mälern der Gegend von besonderem Interesse sind oder wenn sie mit dem Meister- 
namen bezeichnet sind. Öffentliche Sammlungen sind im großen und ganzen nicht 
zu inventarisieren ; es ist jedoch auf das für die Gegend besonders Wichtige hinzuweisen. 

IV. Gattungen der aufzunehmenden Denkmäler. Kirchliche und profane 
Kunstdenkmäler werden in gleicher Weise berücksichtigt. Der Begriff Kunstdenkmal 
ist dabei in weitestem Sinne zu nehmen. Ein bürgerliches Haus, ein Bauernhaus, ein 
Brunnenhaus oder Quellenhaus, eine alte Brücke, ein Wegkreuz, eine Martersäule etc. 
kann historisch, kunstgeschichtlich oder archäologisch von Interesse sein. 

V. Vollständigkeit des Inventars. Vollständigkeit muß im allgemeinen ange- 
strebt werden. Der Inventarisator hat zunächst zu fragen: Was ist das Objekt für 
die Kunst, für die Kunstgeschichte, Archäologie oder Geschichte wert? Er soll 
aber auch weiter fragen: Ist das Objekt für den Ort, für die Landschaft von Wert? 
Gar viele Bauten und andere Objekte haben nur rein lokale Bedeutung, bisweilen 
nur Wert als Staffage der Landschaft Es gilt, beim Volke durch die Berücksichtigung 
auch bescheidener Objekte die Wertschätzung des örtlichen Denkmälerbestandes zu 
wecken, die Liebe zu den heimatlichen Denkmälern rege zu erhalten. Es gilt auch, 
die typischen Landschaftsbilder der einzelnen Gegenden mit ihren uns lieb gewordenen, 
anheimelnden, so trefflich der Umgebung angepaßten und mit ihr verwachsenen Bauten 
durch kurze Würdigung und Betonung im Inventar zu schützen. 

Vor allem bei den Baudenkmälem in öffentlichem Besitz ist Vollständigkeit 
des Inventars notwendig. Ebenso bei den Burgen und Schlössern. Bei den bürger- 
lichen Wohnhäusern und den Bauernhäusern ist wenigstens das Typische des Ortes 
oder der Gegend ins Auge zu fassen. 

Bei den beweglichen Denkmälem kann vielfach nur eine Auswahl getroffen 
werden. Jedenfalls müssen aber Gegenstände von künstlerischem Werte , deren Er- 
haltung geboten ist, inventarisiert werden. Im allgemeinen gilt der Grundsatz: Je 
älter der Gegenstand ist, desto weniger darf seine Aufnahme der freien Wahl über- 
lassen bleiben. Mittelalterliche kirchliche Geräte und Gewänder werden z. B. aus- 
nahmslos aufzunehmen sein, kirchliche Geräte und liturgische Gewänder der Barock- 



Die Beschreibung der Ausstattung und Einrichtung geht von den bei der Wirkung 
des Innern am meisten mitsprechenden Denkmälern aus und schreitet der Über- 
sichtlichkeit halber in der Regel in einer bestimmten Reihenfolge voran. Also etwa : 
Deckengemälde, Altäre, Sakramentshäuschen, Chorstühle, Sedilien, Klanzel, Orgel, 
Beichtstühle, Taufstein, Skulpturen und Gemälde, die nicht in Verbindung mit Altären 
stehen, Glasgemälde, Epitaphien, Grabsteine, kunstgewerbliche Gegenstände, wie Türen, 
Gitter, Leuchter, Ampeln etc. Kirchliche Geräte undParamente in der Sakristei. Glocken. 

Ausnahmen von dieser Reihenfolge können unter Umständen zweckdienlich 
sein. Bei Kirchen mit vielen Seitenkapellen kann es z. B. sich empfehlen, die Aus- 
stattung der einzelnen Kapellen zusammen zu behandeln. 

Es darf nicht vergessen werden, daß die Beschreibung der Denkmäler in Wort 
und Bild stets die Hauptsache des Inventars sein soll. 

Die Ausführlichkeit der Beschreibung bemißt sich nach der Bedeutung des 
Denkmals. Bei der Baubeschreibung einer einfachen Dorfkirche ohne weiteres 
Interesse kann unter Umständen die ungefähre Angabe der Entstehungszeit (z. B. spät- 
gotisch) und eventueller späterer Veränderungen genügen. Im allgemeinen muß die 
Beschreibung klar, übersichtlich und knapp im Ausdruck sein. Sie soll das Charakte- 
ristische betonen. Ausdrücke, wie »in der gewöhnlichen Anlage«, »in der üblichen 
Komposition«, etc. sollen, wenn keine weitere Erklärung beigegeben wird, ver- 
mieden werden. Denn die Ausdrücke »gewöhnlich«, »üblich« etc. bedeuten vielfach 
nur für den genauen Kenner der Denkmäler der einzelnen Gegend ein bestimmtes 
Schema. Für den femer Stehenden besagen sie nichts. Urteile, welche den Wert 
eines Denkmals herabsetzen, wie »unbedeutend«, »mittelmäßig« u. a., sollen möglichst 
vermieden werden. Dagegen sollen bedeutende Arbeiten als solche besonders be- 
zeichnet werden. 

Bei den inventarisierten Goldschmiedearbeiten sind die Beschauzeichen und 
Meistermarken sorgfaltig zu beachten. 

Restaurationen sollen womöglich erwähnt, ihre Ausdehnung kurz charakterisiert 
werden. Bei wichtigeren neueren Restaurationen ist auch die ausführende oder 
leitende Kraft zu nennen. 

5. Behandlung der Inschriften. Mittelalterliche Inschriften können, so- 
feme sie historisch bedeutsam oder charakteristisch sind, wörtlich und in vollem 
Umfange mitgeteilt werden. Andere mittelalterliche Inschriften sollen summarisch 
verzeichnet werden. Für Inschriften aus späterer Zeit, insbesondere für Grab- 
inschriften, hat bei der Auswahl und Fassung eine größere Beschränkung einzutreten. 
Die Inschriften werden so weit als möglich mit ihren Abkürzungen wiedergegeben. 
Die Abkürzungen werden bei Bedarf nebenan in Klammem aufgelöst. Die Beisetzung 
der aufgelösten Jahreszahlen und Monatsdaten in Klammem empfiehlt sich in der 
Regel. Ergänzungen nicht mehr lesbarer Teile von Inschriften werden in eckigen 
Klammern [], Auflösungen oder erklärende Zusätze in runden Klammem () bei- 
gegeben. Bei Inschriften vor dem 14. Jahrhundert empfiehlt sich Abbildung. Ab 
und zu werden auch gotische Majuskel- und Minuskelinschriften als Proben dieser 
Schriftgattung abzubilden sein. Die Schriftart des Originals ist durch den ent- 
sprechenden technischen Ausdmck zu bezeichnen. 

Glockeninschriften, Bauinschriften, Autorinschriften werden aus allen Perioden 
womöglich stets im Wortlaut mitgeteilt. Gibt man nachmittelalterliche Grabinschriften 
nicht im Wortlaut, so muß man doch nicht nur das Jahr, sondern auch den Tag 
des Todes im Interessse der genealogischen Forschung kopieren. 

6. Statistische Übersichten. Der Einzelbeschreibung der Orte jedes 
Bezirksamts gehen historisch-topographische Angaben voraus. Diese geben kurzen 
und knappen Aufschluß über Größe, Lage, Bodenbeschaffenheit, Vorkommen von 
Baumaterialien, Siedelungsverhältnisse, Stammeszugehörigkeit, Handels- und Verkehrs- 
verhältnisse, territorialgeschichtliche Entwicklung, kirchliche Entwicklung (insbesondere 
Diözesanverband). 



Auf das Denkraälerinventar der einzelnen Orte folgt am Schlüsse des Bezirks- 
amts die kunststatistische Übersicht. In der kunststatistischen Übersicht sollen vor 
allem auch die Denkmälergruppen zusammenfassend charakterisiert. Schulzusammen- 
hänge und lokale Eigenarten beachtet, die kleinen Zentren lokaler Kunsttätigkeit 
angedeutet werden. Dabei können manche Notizen, die bei der £inzelbeschreibung 
wegbleiben mußten, verwertet werden. 

Zusammenfassende Behandlung in der Übersicht ist namentlich für die Denk- 
mäler volkstümlicher Kunst, wie Bauernhäuser etc., erwünscht. Doch sind auch 
aus diesem Gebiete die wichtigeren Beispiele bei den einzelnen Orten anzuführen, 
vielleicht mit Hinweis auf die zusammenfassende Darstellung. 

7. Register. Am Schlüsse eines Regierungsbezirkes wird ein Ortsverzeichnis, 
Künstlerverzeichnis, ein spezifiziertes Sachregister beigegeben. 

VII. Abbildungen. Abbildungen sollen in möglichst großer Zahl gegeben 
werden. Dabei darf nicht nur das kunstgeschichtlich Wichtige berücksichtigt werden. 
Auch kleine, unscheinbare Denkmäler, in welchen sich die lokale Eigenart der 
Gegend oft mehr wiederspiegelt als in den größeren Denkmälern, sind hier gleich- 
mäßig zu beachten. All die kleinen Verschiedenheiten, die der Inventarisator 
z. B. beim Studium der Dorfkirchen im Grundriß (s. besonders die TurmsteUung), 
im Aufbau und vor allem in den Einzelformen (z. B. Türformen, Maßwerke, 
Rippenprofile, Schlußsteine, Turmdächer, Turmfenster, Turmgüederung etc.) findet, 
sollen in t)rpischen Beispielen im Bilde vorgeführt werden. Neben Grundriß, Schnitt 
und Einzelformen ist vor allem auch Außenansichten Beachtung zu schenken. Oft 
beruht der Wert des Baues, z. B. einer Dorfkirche, wesentlich auf der Silhouette des 
Äußeren. Oder die reizvolle Wirkung hegt im Verhältnis des Baues zu der Land- 
schaft, zu seiner Umgebung. 

Die Abbildungen sollen sich namentlich auch auf Profandenkmäler erstrecken. 
Stadttürme, Burgen, Häuser sind oft mehr den durch die Zeitbedürfnisse geforderten 
Veränderungen und der Verwitterung ausgesetzt als Kirchen, verdienen also schon 
aus diesem Grunde ein Festhalten im Bilde. Bei mittelalterlichen Wohnhäusern, Rat- 
häusern ist detaillierte Aufnahme, unter Umständen mit den Grundrissen der ein- 
zelnen (jeschosse, mit Schnitten, Fassade etc., besonders erwünscht. Wichtige, ver- 
steckt liegende Bauteile, z. B. alte, interessante Dachstühle, sind besonders zu be- 
rücksichtigen. 

Alte Ortsansichten, alte Pläne, auch Stadtpläne, können eine höchst erwünschte 
Beigabe sein. 

VIII. Karten. Jedem Bezirksamte wird eine Übersichtskarte seines Gebietes 
in geeignetem Maßstabe beigegeben. 

IX. Drucklegung. Lichtdrucke werden in der Regel auf Tafeln im Format 
des Textes im Text eingeschaltet. Gegenstände aber, zu deren würdiger Wiedergabe 
ein größeres Format nötig ist, z. B. Interieurs großer Kirchen, große Flügelaltäre etc., 
werden in einem Ergänzungsatlas im Formate des Tafelwerkes von Oberbayem ver- 
einigt. Der Ergänzungsatlas wird am Schlüsse eines Bandes oder eines Regierungs- 
bezirkes beigegeben. Er ist gesondert käuflich. Bauzeichnungen, wie Grundrisse, 
Schnitte etc., sollen der bequemen Benutzung halber in Klischeedruck stets im Texte 
eingeschaltet werden, wenn nötig auf eingefalteten Tafeln. 

X. Erscheinungsweise. In der Regel soll das Inventar eines einzelnen 
Bezirksamts — wenn die Raumverhältnisse es gestatten, mit der dazu gehörigen 
unmittelbaren Stadt — ein in sich abgeschlossenes Heft bilden, mit eigenem Titelblatt, 
eigener Seitenzählung und eigenem Inhaltsverzeichnis. 

Die Hefte erscheinen gesondert und sind einzeln käuflich. 



I 



in 






DIE KUNSTDENKMÄLER 



DES 



KÖNIGREICHS Bayern 



^ 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DES 



KÖNIGREICHS Bayern 



HERAUSGEGEBEN IM AUFTRAGE DES 



KCL. BAYER. STAATSMINISTERIUMS DES INNERN 
FÜR KIRCHEN- UND SCHUL-ANGELEGENHEITEN 



Zweiter Band 

REGIERUNGSBEZIRK 

Oberpfalz und Regensburg 

HERAUSGEGEBEN VON 

GEORG HAGER 



XIV BEZIRKSAMT TIRSCHENREUTH 




MÜNCHEN 

DRUCK UND VERLAG VON R. OLDENBOURG 

1908 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



VON 



Oberpfalz & Regensburg 



Heft XIV 



BEZIRKSAMT 



TIRSCHENREUTH 



BEARBEITET VON 

FELIX MADER 



MIT 15 TAFELN, 104 ABBILDUNGEN IM TEXT 

UND EINER KARTE 




MÜNCHEN 

DRUCK UND VERLAG VON R. OLDENBOURG 

1908 



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ALLE RECHTE VORBEHALTEN 




Vorwort. 



Die Denkmälerinventarisation des Bezirksamts Tirschenreuth hat Herr Bezirks- 
amtmann Kgl. Regierungsrat Sebastian Fackelmann mit regem Interesse gefördert. 
In entgegenkommendster Weise wurden wir von der gesamten Pfarrgeistlichkeit unter- 
stützt, wofür wir zu herzlichem Danke verpflichtet sind. Der Frau Priorin des Zister- 
zienserinnenklosters Waldsassen, Ehrwürden Frau M. Michaela Zelzner, schulden 
wir gleichfalls verbindUchsten Dank. Zu danken haben wir ferner den Herren 
Lehrern und Bürgermeistern des Bezirkes. 

Wesentliche Förderung hat unsere Arbeit durch den Kgl. Bauamtmann in 
Weiden, Herrn Rudolf Laun, erfahren. Wir verdanken ihm nicht bloß Unter- 
stützung bei den Aufnahmen in Waldsassen, sondern auch eine Anzahl photo- 
graphischer Aufnahmen. Dem Bauführer am Kgl. Landbauamt Weiden, Herrn 
Heinrich Hartig, haben wir für eifrige Mitarbeit bei den Aufnahmen in Wald- 
sassen und einigen anderen Gelegenheiten zu danken. 

Herr Graf Hugo von Walderdorff ist uns auch bei diesem Heft bei Durch- 
sicht der Korrekturfahnen hilfreich zur Seite gestanden. 

Verbindlichst zu danken haben wir außerdem für stets bereitwillige Unter- 
stützung den Herren: Dr. Franz Ludwig Baumann, Kgl. Reichsarchivdirektor in 
München, Dr. Joseph Breitenbach, Kgl. Kreisarchivar in Amberg, Geh. Rat Dr. 
Gg. Ritter von Laubmann, Direktor der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München, 
Prälat Dr. Paul Kagerer (f), Dompropst und Generalvikar in Regensburg. 

Das DenkmȊlerinventar des Bezirksamtes wurde ausgearbeitet von Herrn 
Dr. Felix Mader unter Benützung von Notizen des Unterzeichneten über die 
Klausurräume und die kirchlichen Geräte in Waldsassen. Die Aufzeichnung der 
kirchlichen Geräte in der Kappel verdanken wir Herrn Architekt Prof. Friedrich 
Karl Weysser. 

Einen Teil der archivalischen Recherchen hat Herr Kreisarchivsekretär 
Dr. Joseph Knöpfler in Amberg übernommen. Von ihm stammt auch der historische 
Teil der Einleitung. 



VI Vorwort. 

Die Photographien zu Fig. 13, 36 und 37 wurden von Herrn Ba.uaxi:itrixaiin 
Laun in Weiden, die Aufnahmen zu Fig. 77, 90, 93 und Tafel XIII vom Unter- 
zeichneten, die Aufnahmen zu Fig. 3, 4, 25, 31, 34, 61, 88, 92, 94, 96, 97, ^q, 100, 
lor, 103, 104 und zu Tafel V von Herrn Dr. Fklix Madek, die Aufnahme zu P'ik- ^7 
von Herrn Pfarrer Oottkriko Mayer in Leonberg zur Verfügung gestellt, alJe 
übrigen Zeichnungen und Aufnahmen stammen von Herrn Architekt Prof. Kriei>rich 
Karl Weysser in München. Die Karte hat Katasterzeichner Ono Lindne^^ ver- 
fertigt. 

Die Klischees sind von der Kunstanstalt Brend'amour & Co. in München 
ausgeführt worden. 



München, im Juli 1908. 



DR. GG. HAGER, 

Kgl. Konservator, 
Leiter des Bayerischen Nationalmuseums und des 
Kgl. Generalkonservatoriums der KunstdenkmäLler 
und Altertümer Bayerns. 



--1 



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EINLEITUNG. 

Das Bezirksamt Tirschenreuth hat einen Flächeninhalt von 718,63 qkm. Es 
zählt 49 Gemeinden mit 253 Ortschaften, darunter drei Städte: Bämau, Tirschen- 
reuth und Waldsassen, sowie fünf Märkte : Falkenberg, Konnersreuth, Mähring, Mitter- 
teich und Waldershof. Die Einwohnerzahl betrug bei der Volkszählung von 1905 
33918 Seelen. (Über weitere statistische Angaben vgl. Ortschaften Verzeichnis des 
Königreichs Bayern, LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern, 
herausgegeben vom Kgl. Bayer. Statist. Bureau, München 1904, S. 962 ff. — Hans 
Braun, Statist. Amtshandbuch f. d. Regierungsbezirk Oberpfalz u. v. Regensburg, 
Regensburg 1903, S. 6oflf.) 

Das Bezirksamt grenzt östlich an das Königreich Böhmen, südlich an das 
Bezirksamt Neustadt a. W.-N., westlich an das Bezirksamt Kemnath, nördlix:h an das 
Bezirksamt Wunsiedel (O.-Fr.) und an das Königreich Böhmen. 

Der Bezirk hat Anteil am Böhmerwald, am Vorland des Fichtelgebirges und 
am Naabbergland. Die bei Bämau entspringende Waldnaab und die Wondreb durch- 
fließen das Gebiet. Außerdem verleihen die zahlreichen, zum Teil ausgedehnten 
Teiche der Gegend ein eigenes Gepräge. 

Die nutzbare Bodenfläche umfaßt 25875 ha Wald, 13895 ha Wiesen, 293 ha 
Weiden, 2202 ha Hutungen, 22821 ha Acker- und Gartenland. Die Teiche umfassen 
879 ha. I 

An Steinmaterial besitzt der Bezirk Granit in der Waldnaabgegend. Bei Mitter- 
teich und Griesbach wird Basalt gebrochen. Fabriken für Tonwaren befinden sich 
in Mitterteich, Tirschenreuth und Waldsassen. (Vgl. W. Götz, Geographisch-Histo- 
risches Handbuch von Bayern, München u. Leipzig I [1903], 873 ff., wo Näheres über 
die Bodengestalt etc. des Bezirks. — C. W. Gümbel, Geologie von Bayern, Kassel II 
[1894], 492 ff.) 

Zur Zeit der Gauverfassung gehörte das ganze Gebiet des jetzigen Bezirks- 
amtes Tirschenreuth zum bayerischen Nordgau und zwar zur sog. regio Slavorum, 
die noch völlig von Slaven besiedelt war. Als nach Herzog Tassilos III. Sturz (788) 
und der Unterwerfung Bayerns unter die Frankenherrschaft die Markgrafschaft auf 
dem Nordgau gegen die Slaven, speziell die böhmischen Tschechen von Karl dem 
Großen errichtet worden war, gehörte unser Gebiet, obwohl noch immer slavisch 
besiedelt, doch formell schon zum eigentlichen Markgebiet, dem Vorlande der Grenz- 
grafschaft des Nordgaues. (Vgl. K. Gareis, Oberpfalzisches aus der Karolingerzeit, 
Forschungen zur Kultur- u. Literaturgeschichte Bayerns, herausgeg. von K. v. Rein- 
HARDSTöTTNER, Ansbach u. Leipzig, VI. Bd. 1898, S. i ff.) Noch 805 war Premberg 
bei Burglengenfeld der nördlichste deutsche Grenzpunkt gegen die Slaven, genau 

Heft XIV. I 



2 xrr 

loo Jahre später war die Orea^e ':ts la de 1 mc ':r::-^s-nt-':e:i. inc ins. r r_ Tihr- 
hundert drang man etwa bis zur 'X Lr^wAr - \r litr zr ilcr» Trsl ms^r-sr« Oe^ietes 
war also auch noch im ic. Janrum^iert ji -^">*-^cn H-::»:cti ^n«i z-^'i-Jrre^ mr c-zc- 
mehr sog. regio Egere, einem. T-t'l ier j-^ri rr-x-t: Su." ii-im. Ii^i^^e r"e-x~: E^ere 
wurde erst im ii. Jahrhcniiert k:L«:ii^:r;r: in«: .rr-^in-r-rn rir ü'i?^ X:z^-^*i'nz, -?p rieht 
besonders das hst gäiL:l:«:he Feilen der ^rn^rü — rrj: .'-j-namen := -^r^i^^nen: Ge- 
biete (Mähring hieß ßr^er U^^l: . hi^-zr^n iiL? i^ir^^t ^^irz-^-^rü ier • "rrz^ruimen- 
endmig — renth. Über cÜe iiav-.-^-hes • i— ^.i-n *-*? ^ r:>ertm «--c- :•rr:s^ ^ ^i- Oa^rL, 
Geschichte des Egertindes, S. rö ^ Vr. ii-ra I« €j.-31« \»..ri.r-t:i^?cfiAit. S- -$.5 f. — 
Ders., Entwickelimc^^escri-«:h:e Eayer::^. ^(.:z^l-:Ica I : jcr. . -*. •:u -I^ir iet^rfnreiliÄö 
Ansicht, daß der noniüche Teil ier \Liri.znf^T.^. 5«n».»i »ir iiem E^iwiii^- i«rm der 
Germanen wahrscheinlich von Nortsiten ":e' .lÄrr: -wir i:e -i**:i iorm :nit »i«?Tr >lirko- 
mannen zu einem speziellen Vjütsstamz:. ieii • :«irT""^-::-^*nc:Ti. Ter:n:ircht '".i rre;^ ^-H- 
ViERLiNG, Die slavischen AE<ie«feLjr:i':f!i zi r^- rri. zc.T^^-t rzr _V=ir:r:r«: l*-irie im-i 
Urgeschichte Bayerns, XJY ioc2 . 1S5 rV. WI : 105 . : j ^i ir-: I ui>. I»Te KOr::>e 
der Germanen, EX. B«l, 2. Abel:.: r**-e Eivers. L^f-rj-^ : icf. S. 5^ i =:«i Be-^r recii'^n^ 
dieses Bandes durch Riezler in -ier F<:-J*i:£e rzz W^irL-t-^^r. Jcirjr,r 10C5. N'r. 252- 

Znr Geschichte der NLirit^nfscrLin xif i^rTi N.ririi v^^ 'Zi-t iLnleiriirT^eii zi: 
Heft I n. VL Im Jahre 1077 ^Ing di5 =jr-i,r--u:''^«:he Xr^r. xzz :== N-ririii acu' die 
schwäbischen Dipoldinger über, ts »feü er^tcrr J^i-tne t-rTeü ies 12. J^-rrhuridercs 
hören wir von einer Tätigkeit der l»:rcMz^er -^ ir-jerr-r »k'. :rc: «^15 iiiS ^esiirtete 
Familienkloster der Dipoldinger. Reicher: . ocrt. ^-ri :r..t \^: jitr:! im Eger-in^i aus- 
gestattet. Dippersreuth, Fraueareuth, Gr.Li :crr .:':: ^-« •••'en diij.i. IfRai-l, Mon. 
Egrana, Xr. 53. — Doeberu Reg. d. l*:r«:l.: -^^r. Nr. 3^, I ".e B^rsturrg'j::!-: dieser 
Besitzungen und des von Konig Kocmd dem R.»:<ter ^-r^r^rrvTe- H:'":en5tein Hö«el- 
stein] durch Kaiser Friedrich L im Jj.hre ii>2 'v,:'. lei Ritt. C.«i «iirl. epi>c- Kat. 
I, 258 und MR XXVU. Nr. 41/ 

Unser Gebiet war abo in der Frj.^-:e:t vie< i;. 'a"~ .n :ert> jt«. t3centeils Reichs- 
gut. Daneben besaßen aber die Markcriifen ju«:h E:^rr^:*er. juL-eriem gab es Lehen- 
güter im Besitze der Sulzbacher. Lei:ch:ecreri:er c j-. ».e >:«:h le-gen wir*L ^Vgl. 
DoEBERL, Markgrafschatt, S. 40, 

Das für alle Zeit bedeutsamste Ereicn:^ vzi ur.^er G<' iet war di^ Gnmdung der 
Zisterzienser- Abtei Waldsassen, gleich der Gr^Lr.ij^r.g vc- Reichen :ach ein Werk der 
Dipoldinger Markgrafen. IVr Klosterxiu bec-Lr.n ar>i i. « »vieler 11 33. nachdem 
Markgraf Dipold II. die Bruder mit dem n-::^ea loni le<k:>.er.kt hane. An der 
Spitze der kleinen Schar stand iierwich. vten die S.ige jl1> F. i'cn von Wolroerstein 
(Wolmundstein) bezeichnet. ^GRAin, Mon K^rana. S. 2:^4 — I'^-.ErEKL. Reichsunmittel- 
barkeit und Schutz Verhältnisse der /ister/ienser-.V' :e: Wal :^i->en. Gv^nnasiaiprogranun, 
Passau 1886, S. II f. — Hinhack. Die liründun^ cct Z:-te:.*:en<er- Abtei Waldsassen, 
Gymnasialprogramm, Eichsiätt iSoo. S. 10 n^. Ani 12. Jv.i 11 70 und in Gegenwart 
Kaiser Friedrich I. die Weihe der Klosterkirche st.i::. iiKAii, Mon. Egrana, Nr. S;."* 

Wie es bei allen Zisterzienserklostem der F.1II war. wurde auch für Wald- 
sassen sehr bald die Reich^unmittellKirkeit Lii:<i.esprcchon. Es geschah dies im 
Jahre 1147. (MB. XXIX a, Jv);. Vgl. PotBbKL a. a. O.. S S n.' Durch Schenkungen 



Einleitung. 9 

und Kauf wuchs der Besitz des Klosters immer mehr, so daß bis zu Beginn des 
14. Jahrhunderts der größere Teil unseres Bezirkes zum »Stiftland« gehörte. Hof- 
teich (bei Mitterteich) schenkte im Jahre 1138 Bischof Siegfried von Speyer und sein 
Bruder Gottfried von Wolfsölden, (Gradl, Mon. Egrana, Nr. 56.) 1181 bestätigt 
Herzog Friedrich von Böhmen die Schenkungen seines Vaters in Böhmen und in 
der Umgebung von Mähring. (Ebenda, Nr 92.) Im Jahre 12 17 tauschte Waldsassen 
die Herrschaft Tirschenreuth, welche durch die Sulzbacher Erbtochter Elisabeth auf 
die Grafen von Ortenburg übergegangen war, gegen Seebarn und zwei Höfe in ßiber- 
bach ein. (Ebenda, Nr. 138. — Moritz, Stammreihe und Geschichte der Grafen 
von Sulzbach, Abhandlgn. d. Hist. Kl. d. Kgl. Bayer. Akad. d. Wissensch., I. B., 
Teil 2 [1833], I, 341 f.) Leonberg wird um 12 17 von dem Ministerialengeschlecht 
der Leonberger erworben. (Gradl, Nr. 202.) 1259 schenkt der letzte Staufe die 
Dörfer Wondreb, Beidl und Grindelbach an das Kloster. (MB. XXXI a, 587. — 
Gradl, Nr. 236.) Waldershof schenkten die Leuchtenberger im Jahre 1263. 
(Gradl, Nr. 248.) 1298 folgte der Kauf von Liebenstein, das die Parsberger nach 
dem Aussterben der Liebensteiner im Mannesstamm durch Heirat erworben hatten. 
(VO. XXXII, 197 ff. Vgl. Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen 
Cieschichte VI, 100.) Schließlich ging auch Falkenberg, Schwarzen seh wall und Alt- 
neuhaus von den Leuchtenbergern auf Waldsassen über; es war dies im Jahre 1294 
bzw. 1309. (Gradl, Nr. 457, 458.) Auch Bämau mit Umgebung kam 1296 bzw. 
1313 in den Besitz des Klosters, jedoch nur vorübergehend. (Vgl. Gradl, Nr. 486. — 
Bavaria II, i, 630.) 

Der Besitz Waldsassens war demnach zu Beginn des 14. Jahrhunderts ein um- 
fangreicher geworden. Die Organisation des Stiftslandes in verschiedene Gerichte ent- 
wickelte sich mit der Ausdehnung des Besitzes. (Berichte bestanden in Waldsassen, 
Tirschenreuth, Falkenberg, Waldershof usw. Die Inkorporation der meisten Pfarreien 
unseres Bezirkes mit dem Stift lief neben der Gütererwerbung her. (Vgl. Janner, 
(»eschichte der Bischöfe von Regensburg, II, 9 f.) 

Alle diese Besitzungen, die bis zu Beginn des 14. Jahrhunderts Bestandteile 
des Stiftslandes geworden sind, hatte zuvor zum teil der eingesessene Adel der 
Falkenberger, Liebensteiner u. a. inne, zum teil die Grafen von Sulzbach und nament- 
lich die Landgrafen von Leuchtenberg; inwieweit als Eigentum oder als Reichslehen, 
kann im einzelnen nicht immer festgestellt werden. 

Neben Waldsassen ist zu Beginn des 14. Jahrhunderts das Reich begütert. Es 
besitzt einen schmalen Gebietsstreifen an der Südgrenze des Bezirks mit den Orten 
Bärnau, Hohenthan, Grießbach und den zum Amte Floß gehörigen Orten Plößberg, 
Schönkirch und Wildenau. Rudolph von Habsburg hatte durch die Revindikations- 
gesetze von 1273 und 1274 das vielfach entfremdete Reichsgut zurückgefordert, und 
von dieser Maßnahme waren auch die bezeichneten Orte an der Südgrenze unseres 
Bezirkes getroffen worden, die nach dem Aussterben der Grafen von Sulzbach in 
staufischen Besitz übergegangen waren. (Vgl. Einleitung zu Heft IX, B.-A. Neu- 
stadt a. W.-N., S. 3 f.) 

Neben dem Reichsgut treffen wir um diese Zeit als erste wittelsbachische 
Besitzung in unserem Gebiet die Gegend um Fuchsmühl, die als Bestandteil der 



4 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Herrschaft Waldeck im Jahre 1283 an Herzog Ludwig den Strengen gekommen war. 
(Lang, Bayerns alte Grafschaften, Nürnberg 1831, S. 207. Vgl. Einleitung zu Heft X, 
B.-A. Kemnath, S. 3.) Femer war Kloster Reichenbach mit der Propstei Hohenstein 
in unserem Gebiet begütert. 

Das wichtigste politische Ereignis des 14. Jahrhunderts in unserem Gebiet war 
die Erwerbung des an der Südgrenze gelegenen Reichsgutes ftir die Krone Böhmens 
durch Kaiser Karl IV. Bämau erwarb er um 1350 vom Kloster Waldsassen (Hub- 
mann, Chronik von Bämau, Araberg 1865, S. 20), die zum Amte Floß gehörigen 
Orte erklärte er 1358 als Eigentum der Krone Böhmens. (Vgl. die ausftihrliche Dar- 
stellung in der Einleitung zu Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 4 f.) 

Bämau wurde 1343 zur Stadt erhoben. (Hubmann, S. 19 f.) Tirschenreuth, 
woselbst Abt Johann IV (1329 — 1339) eine Burg erbaut hatte, erhielt 1364 durch 
Kloster Waldsassen Stadtfreiheit. (VO. XXII, 34 f.) 

Die Reichsunmittelbarkeit des Stiftslandes Waldsassen fand durch die Kaiser 
des 14. Jahrhunderts wiederholt Bestätigung, zuletzt 1360 durch Karl IV. (Doeberl, 
Reichsunmittelbarkeit und Schutzverhältnisse der Zisterzienserabtei Waldsassen, S. 28. — 
Kreisarchiv Amberg, Standbuch 503.) 

Nicht lange dauerte der Besitz Böhmens in der Oberpfalz. Schon 1373 gab 
Karl IV. dem bayerischen Herzog Otto, Markgrafen von Brandenburg, gegen Ver- 
zicht der Witteisbacher auf Brandenburg neben anderen oberpfälzischen Besitzungen 
Böhmens auch die Herrschaft Floß pfandweise, damit von unserem Gebiete Plöß- 
berg und Schönkirch (ohne Wildenau). Nicht lange nachher kam auch Bämau 
mit Wildenau wieder in den Besitz der Witteisbacher. Herzog Johann, der zweite 
Sohn des Königs Ruprecht, eroberte Bämau 1405 im Krieg gegen König Wenzel, 
und so fiel Bärnau mit Umgebung und Wildenau an die Kurpfalz. (Hubmann a. a. O., 
S. 29.) Nach König Ruprechts Tode wurden seine Lande geteilt, wobei Bämau und 
Wildenau in den Anteil des Herzogs Johann fielen. (Tolner, Historia Palatina, 
Frankfurt a. M. 1700, Cod. dipl., S. 154.) Von Johann dem Neunburger gingen 
beide auf seinen Sohn Christoph von Dänemark über und von diesem im Jahre 
1448 an dessen Oheim Otto von Mosbach. Unter dessen Sohn Otto II. (seit 1461) 
erhob König Georg von Böhmen Ansprüche auf Bämau und andere oberpfalzische 
Gebiete und wußte denselben 1465 zu einem Vertrag wegen der böhmischen Lehen 
zu bewegen, wonach unter vielen anderen Orten der Oberpfalz auch Bämau mit 
Wildenau als böhmische Lehen erklärt wurden. (Vgl. Lommer, Die böhmischen 
Lehen in der Oberpfalz I, Gymnasialprogramm, Amberg 1907, S. 50 ff.) 

Das kleine zum Amte Floß gehörige Gebiet (PlÖßberg und Schönkirch) hatte 
seit 1373 die Geschicke des Amtes Floß miterlebt (vgl. Einleitung zu Heft IX, 
B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 5 f.) und war 1449 in den Besitz des Herzogs Heinrich 
von Niederbayem gekommen. 

Kloster Reichenbach verkaufte 1442 seine Propstei Hohenstein an Waldsassen. 
(MB. XXVn, 429.) 

Unser Bezirk gehörte demnach um die Mitte des 15. Jahrhunderts größtenteils 
zum Stiftland Waldsassen. Daneben bestehen nur verhältnismäßig sehr kleine Gebiets- 
anteile flir die Kurpfalz, für Bayern-Landshut und Mosbach und die kleine böhmische 



Einleitung. g 

Enklave Ottengrün. (Eine annähernd zutreffende Vorstellung über den damaligen 
Gebietsbestand im Bezirksamt gibt die Karte von Hugo Graf von Walderdorff, 
Die Oberpfalz unter Pfalzgraf Johann, beigegeben der Abhandlung von Chr. Häutle, 
Die Oberpfalz und ihre Regenten in den Jahren 1404 — 1448, VO. XXVII. [Die 
Walderdorff sehe Karte verzeichnet den Gebietsbestand um 1443.]) 

Bei den Husiteneinfallen, die in der Oberpfalz so verheerend wirkten, hatte 
unser Gebiet wiederholt schwer zu leiden. 

Dem Stifte Waldsassen, dessen Ansehen und Macht immer mehr wuchs, wurde 
eine innere Spaltung, die in die Frühzeit des 15. Jahrhunderts fallt, für die Zukunft 
verhängnisvoll. Abt Konrad II. wurde nämlich 141 1 durch eine Visitationskom- 
mission abgesetzt, vielleicht aus politischen Gründen, und an seine Stelle Bartholo- 
mäus Ermesreither als Abt erwählt. (Binhack, Waldsassen von 11 33 — 1506, II, 33. 
Vgl. DoEBERL, Reichsunmittelbarkeit Waldsassens, S. 39 f.) Abt Konrad unterwarf 
sich jedoch dem Urteil nicht, sondern zog sich in die Feste Falkenberg zurück und 
appellierte an die Kurie; der Gegenabt Ermesreither aber faßte in Tirschenreuth 
festen Fuß, und bald war das Stiftland in zwei Parteien geteilt. Konrad begab sich 
in den Schutz des Ffalzgrafen Johann und versprach ihm Öffnung der Schlösser 
Liebenstein, Tirschenreuth und Falkenberg; Ermesreither aber begab sich in den 
Schutz des Burggrafen Johann von Nürnberg. Den Pfalzem gelang es, die Burggräf- 
lichen aus Tirschenreuth zu verdrängen. Auf dem Konzil zu Konstanz wurde end- 
lich 141 5 Abt Konrad anerkannt, starb aber schon 141 7. Auf Grund der Urkunde 
von 141 1, worin Pfalzgraf Johann dem Abte von Waldsassen Schutzrecht verleiht, 
beanspruchten nun dessen Nachfolger in der Folge ein erbliches Vogteirecht über das 
Stift. Zunächst wußte sich Waldsassen seine volle Reichsunmittelbarkeit zu wahren, 
ja 1434 wird der Abt von Waldsassen durch Kaiser Sigismund sogar mit dem Titel 
»princeps« ausgezeichnet. (Doeberl, Reichsunmittelbarkeit, S. 40 ff., 49.) 

Großes Unheil brachte dem Stifte der Landshuter Erbfolgekrieg im Jahre 1504. 
Am 4. August dieses Jahres überfiel der markgräfliche Hauptmann von Wunsiedel 
Alexander von Luchau das Kloster, plünderte es völlig aus und steckte Kirche und 
Kloster in Brand. Außerdem äscherte er noch eine große Zahl von stiftischen 
Dörfern ein. (Binhack, Waldsassen von 11 13 — 1506, U, 82 ff.) 

Waldsassen erholte sich von diesem Unglück wieder. Dagegen hatte es bald 
schwere Konflikte mit der Pfalz bezüglich des Schutzverhältnisses zu bestehen. Die- 
selben endigten damit, daß Abt Georg III. im Jahre 1537 eingekerkert und abgesetzt, 
Waldsassen aber zur pfalzischen Landsasserei herabgedrückt wurde. (Binhack, 
Waldsassen von 1507 — 1648, S. 13 ff. — Doeberl, S. 51.) Das Stift, das inzwischen 
auch die Schrecknisse des Bauernkrieges zu kosten gehabt hatte (Beiträge zur 
Bayerischen Kirchengeschichte IV, 49 ff.), kam nun unter kurpfalzische Administration. 
Als erster versah diese Johann von Weze, Bischof von Konstanz und Abt von 
Reichenau von 1537 — 1548, darauf sein Vetter Heinrich Rudolf von Weze, der 1560 
auf sein Amt resignierte. Waldsassen wurde nun ganz zur Kurpfalz gezogen, und 
als 1560 Pfalzgraf Richard von Simmem die Administration übernahm, wurde auf 
Grund der kurfürstlichen Verordnung von 1556 im ganzen Stiftland die lutherische 
Religion allgemein eingeführt. Das Kloster verfiel der Säkularisation. 



6 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Wenden wir unsem Blick wieder auf die Südgrenze unseres Bezirkes I I 

Im Jahre 1499 fiel die Hälfte der Herrschaft Floß (Schönkirch und Plößberg, 
auch Wildenau gehört jetzt zum Amte Floß [Hermann Frhr. v. Reitzenstein-Reuth, 
Geschichte der Familie von Reitzenstein, München I (1882), 6]) an die Kurpfalz, 
die andere Hälfte kam 1505 infolge des Kölner Spruches an das Herzogtum Neu- 
burg. Bezüglich der weiteren politischen Entwickelung dieses kleinen Gebietsteiles 
verweisen wir auf die Einleitung zu Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 8 f. 

Die wiederholten Glaubensänderungen im Verlaufe des 16. Jahrhunderts führten 
1592 zu einem Aufstand in Tirschenreuth, der zu der Ermordung des verhaßten 
kurfürstlichen Hauptmannes zu Waldsassen, Valentin Windsheim, führte. 

Überaus ereignisvoll wurde für unser Gebiet das 17. Jahrhundert. Beim 
Kloster Waldsassen, wo bisher außer dem Kloster keine weitere Ansiedelung bestand, 
begannen seit 1613 die drei Brüder David, Elias und Daniel Geisel aus Calw in 
Württemberg, die schon im 16. Jahrhundert als bürgerliche Zeugmacher und Schön- 
färber in Tirschenreuth ansässig waren, einen Ort zu bauen, der aber erst 1693 
Marktrecht erlangte. (Kreisarchiv Amberg, Urkunden St. E. Nr. 2031.) 

Die schwerste Zeit der Leiden, die unser Gebiet je mitgemacht hat, begann 
mit dem 30jährigen Kriege. Als Kurfürst Friedrich V., der Winterkönig, am 
8. November 1620 die Schlacht am Weißen Berge verloren hatte, wurde er in die 
Reichsacht erklärt und mit deren Vollstreckung für das Gebiet der Oberpfalz 
Herzog Maximilian von Bayern beauftragt. 1628 schenkte der Kaiser dem Herzog 
Maximilian (seit 1623 Kurfürst) die ganze Oberpfalz als Kriegsentschädigung. Dabei 
waren aber die zahlreichen böhmischen Lehen in der Oberpfalz (von unserem Ge- 
biete Bämau), die Friedrich V. ebenfalls abgesprochen worden waren, ausgeschlossen, 
erst 163 1 (25. März) wurden auch diese Maximilian übertragen. (Vgl. Lommer, 
a. a. O., 80 ff.) Somit fiel unser ganzes Gebiet, auch das als pfalzische Landsassen- 
schaft geltende Stiftland Waldsassen, an Bayern. Nur Plößberg, Schönkirch und 
Wildenau, als Bestandteile des Amtes Floß, verblieben bei Pfalz- Neuburg. Die 
schwersten Kriegsjahre waren 1632 — 1634 und 1648. Mitterteich wurde 1632 von 
den Kaiserlichen eingeäschert, Tirschenreuth, das 1633 fast völlig abgebrannt war, 
wurde 1634 von den Schweden eingenommen, 1641 und 1648 abermals gebrand- 
schatzt. Das gleiche Schicksal erlitt Waldsassen, woselbst Königsmark im Jahre 1648 
das Schloß in Brand stecken ließ. Falkenberg wurde 1648 ebenfalls eingenommen. 
Wie schw^er der Krieg gehaust hatte, zeigen die Summen der Kriegsunkosten, die 
fiir die Jahre 1628 — 1649 im Pflegamt Bämau 22,631 fl., bei der Stadt Bärnau 
49,749 fl., beim Amte Tirschenreuth 97,404 fl., bei der Stadt Tirschenreuth 249,780 fl. 
und beim Kloster Waldsassen 132,030 fl. betrugen. (Kreisarchiv Amberg, Dreißig- 
jährige Kriegsakten Nr. 4191 und 4192, jetzt Nr. 1622 und 17 15.) 

Unter dem Kurfürsten Maximilian erfolgte die Gegenreformation in unserem 
Gebiete. (Vgl. Mathias Högl, die Gegenreformation im Stiftland Waldsassen, 
Regensburg 1905.) Im Gebiet des Amtes Floß wurde 1652 das Simultaneum ein- 
geführt. (Vgl. VO. XV, 131.) 

Kurfürst Ferdinand Maria gab das Kloster Waldsassen im Jahre 1669 bzw. 
schon 1661 dem Zisterzienser Orden wieder zurück und stellte es zunächst unter 



Einleitung. ^ 

Administration des Klosters Fürstenfeld. 1690 aber wurde Waldsassen durch den 
Kurfürsten Max Emanuel wieder als Immediatstif^ errichtet. Bereits 1676 hatte der 
Wiederaufbau des Klosters begonnen und 1704 war derselbe vollendet. Fast den 
ganzen früheren Grundbesitz vereinigte das Stift, allerdings unter bayerischer Ober- 
hoheit, wieder in seiner Hand. 

Abermals wurde unser Gebiet Schauplatz kriegerischer Ereignisse im spanischen 
Erbfolgekrieg. Der österreichische General Styrum lag 1703 in Tirschenreuth im 
Winterquartier und verlangte vom Kloster Waldsassen eine Kontribution von 
300,000 fl. 

17 14 brachte Herzog Theodor von Sulzbach durch Einlösung des neuburgischen 
Anteils die Herrschaft Floß, damit von unserem Gebiete Wildenau, Schönkirch und 
Plößberg, an Pfalz-Sulzbach. Als sein Enkel Karl Theodor von Pfalz-Sulzbach 1777 
Kurpfalz und Kurbayern in seiner Hand vereinigte, fielen auch diese Gebiete an 
Pfalz- Bayern. 

Am 6. August 1785 wurde in Tirschenreuth der Germanist Johann Andreas 
Schmeller geboren. (Jon. Nicklas, Joh. Andreas Schmellers Leben und Wirken, 
München 1885. — Konrad Hofmann, Joh. Andreas Schmeller, Denkrede der K. 
Bayr. Akad. d. Wissensch., München 1885. — VO. XL, 195 if. — Bayerland 1891, 
S. 604 ff.) 

In den napoleonischen Kriegen hatte unser Grenzgebiet viel durch Truppen- 
durchzüge zu leiden. 

Die größten Umwälzungen brachte das beginnende 19. Jahrhundert. Auf 
Grund des kurfürstlichen Aufhebungsdekretes vom 29. Dezember 1802 wurde am 
II. Februar 1803 die reiche Zisterzienser- Abtei Waldsassen aufgehoben und das 
gesamte Vermögen derselben zum Staate gezogen. Aus dem neugewonnenen Ge- 
biete wurden 1804 nach der neuen Gerichts- und Verwaltungsorganisation Bayerns 
zwei Landgerichte gebildet: Waldsassen aus den aufgelösten Klosterrichterämtern 
Waldsassen, Mitterteich, Konnersreuth, Hardeck, Waldershof und Wiesau, wozu noch 
das Ritterlehen Fuchsmühl und die bayreuthischen Ortschaften Reutlas, Dörfias, 
Pfaffenreuth und Manzenberg kamen, sodann das Landgericht Tirschenreuth aus 
den ehemaligen Klosterrichterämtern Poppenreuth, Mähring, Wondreb, Großkonreuth, 
Liebenstein, Falkenberg, Neuhaus und Tirschenreuth, wozu noch das aufgelöste 
kurfürstliche Landrichteramt Bämau kam. 

Der Preßburger Friede von 1805 hob die böhmischen Lehen auf und teilte 
sie Bayern zu. 

Bei der Einteilung des Königreiches in 15 Kreise im Jahre 1808 kam unser 
Gebiet zum Naabkreis, bei der Teilung in 9 Kreise 18 10 zum Mainkreis, 181 7 zum 
Obermainkreis und 1838 zum Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg. 

Das immer noch böhmische Ottengrün mit Emestgrün wurde 1846 von Bayern 
gegen Altalbenreuth und Schönlind von Böhmen eingetauscht und zum Landgericht 
Waldsassen gegeben. 

Bei Errichtung der Bezirksämter 1862 wurde aus den Landgerichten (späteren 
Amtsgerichten) Waldsassen und Tirschenreuth das Bezirksamt Tirschenreuth 
gebildet. 



8 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Die Klostergebäude von Waldsassen wurden 1864 von den Zisterzienserinnen 
erworben, der Markt Waldsassen 1896 zur Stadt erhoben. 

In kirchlicher Beziehung hat unser Gebiet immer zur Diözese Regensburg 
gehört. Über die Verhältnisse in Neualbenreuth in der ersten Hälfte des 19* Jahr- 
hunderts vgl. Matrikel R., S. 454. 



LITERATUR. 

Die in Heft I, B.-A. Roding, S. 8 — 20, und in Heft IV, B.-A. Parsberg, 
S. s — 17 gegebenen Literaturhinweise haben in der Hauptsache auch für das Bezirks- 
amt Tirschenreuth Geltung. Für das ganze Gebiet kommen namentlich die bei 
Waldsassen verzeichneten Veröffentlichungen Binhacks zur Geschichte dieses 
Klosters in Betracht. Wir notieren außerdem: 

Zu I. Geschichte. Heinrich Gradl, Geschichte des Egerlandes (bis 1437), 
Prag 1893. — Fr. X. Lommer, Die böhmischen Lehen in der Oberpfalz, I, Programm 
des Kgl. Gymnasiums Amberg 1907. — Schuegraf, Materialien zur Chronik 
mehrerer Orte des Landgerichtes Tirschenreuth, 1828. MS. im Hist. Ver. O. 40/1. 

— Handschriftliche Ortsbeschreibungen, 1844 — 1845 von den damaligen Ortslehrem 
verfaßt, besitzt der Hist. Verein von Oberpfalz und Regensburg von folgenden Orten : 
Beidl, Fuchsmühl, Konnersreuth, Mitterteich, Schönkirch, Tirschenreuth und Walders- 
hof. Die weiteren sind bei den einzelnen Orten angegeben, desgleichen die spezielle 
ortsgeschichtliche Literatur. 

Zu 3. Kirche und Schule. Georg Brunn er, Geschichte der Reformation 
des Klosters und Stiftlandes Waldsassen, Erlangen 1901. — Mathias Högl, die 
Gegenreformation im Stiftland Waldsassen, Regensburg 1905. 

Zu 6. Topographie und 7. Karten. Karte der Umgebung von Wald- 
sassen, Mitte des 16. Jahrhunderts, Reichsarchiv München, Plansammlung Nr. 3122. 

— Karte der Umgebung von Waldsassen, gezeichnet 1579 durch Stephan Poeder, 
ebenda Nr. 3121. — Libellus Chronologicus et Topographicus deß fr. Pfaltzgr. 
Pflegambtß unnd Grichts Flosserbürg im Fürstenthumb Neuburg etc., durch Chri- 
STOPHORUM VoGELiUM Pastorem Regenstuffianum, Anno Salutis M. D. C., Kreis- 
archiv Neuburg, Lit. Pfalz-Neuburg, A. 2105721- — Beschreibung (Mappa) des 
Amts Flossenburg durch Pfarrer Christoph Vogel zu Regenstauf, 1600. Mit 
einer Übersichtskarte und acht Detailplänen, Kreisarchiv Amberg, Plansammlung 
Nr. 1197. — Flossisch Grossen Saal Buchs Pars I und II, De Anno 1667, 
Reichsarchiv München, Ger. Floß, Nr. 5 und 6. — Joseph Plass, Geschichtliche, 
geographische und statistische Darstellung des oberpfalzischen Amtsgerichtsbezirkes 
Tirschenreuth. (Für das Amtsgericht Waldsassen liegt nur eine unvollständige 
Materialiensammlung vor.) MS. im Besitze des Herrn Direktors L. Auer im 
Kassianeum in Donauwörth. (Vgl. dazu J. Traber, Lehrer Joseph Plaß, der Ge- 
schichtsschreiber der Oberpfalz. Eine Skizze seines Lebens und Wirkens. Donau- 
wörth [1899]. — VO. LI, 315 — 322. — Bayerland 1899, S. 96; 1900, Nr. 9, 



Abkürzungen häufiger genannter Werke. g 

zweites Blatt. — Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft VI, B.-A. Cham, Vorwort.) — 
Friedrich Martin, Landkarte des Stiftes Waldsassen. (19. Jahrh.) Copiert nach 
einer Landkarte vom Jahre 1680. Plansammlung der Hof- und Staatsbibliothek 
München, Mappe XI, 270. — J. Weidner, Waldnabtal und Steinwald, Weiden 1907. 



ABKÜRZUNGEN 

häufiger genannter Werke. 

BiNHACK, Waldsassen von 1133 — 1506, I, II. — Franz Binhack, Die Äbte des Zisterzienserstiftes 

Waldsassen von 11 33 — 1506, 2 Abteilungen, Programme des Kgl. Gymnasiums Eichstätt 

1887 (l. Abt.) und 1889 (2. Abt.). 
Binhack, Waldsassen von 1507 — 1648. — Franz Binhack, Geschichte der Zisterzienser- Abtei 

und des Stiftes Waldsassen von 1507 — 1648, Programm des K. Gymnasiums Eichstätt 1891. 
Binhack, Jahresgeschichten von Joh. Gg. Ruprecht. — Franz Binhack, Jahresgeschichten des 

Stiftes und Klosters Waldsassen von Johann Georg Ruprecht, Regensburg IQ03 
Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756. — Franz Binhack, Geschichte des Zisterzienserstiftes 

Waldsassen von der Wiederherstellung des Klosters (1661) bis zum Tode des Abtes 

Alexander (1756), Regensburg und Amberg 1888. 
Binhack, Abt Wigand. — Franz Binhack, Geschichte des Zisterzienserstiftes Waldsassen unter 

dem Abte Wigand von Deltsch (1756 — 1792), Programm des Kgl. Gymnasiums Eichstätt 1896. 
Brenner. — Joh. B. Brenner, Geschichte des Klosters und Stiftes Waldsassen, Nürnberg 1837. 
Brunner. — Gg. Brunner , Geschichte der Reformation des Klosters und Stiftlandes Waldsassen 

bis zum Tode des Kurftlrsten Ludwig VI., Erlangen 1901. 
Destouches, Statistik. — Jos. v. Destouches, Statistische Beschreibung der Oberpfalz, i. u. 

2. Teil, Sulzbach 1809. 
Doeberl, Markgrafschaft. — M. Doeberl, Die Markgrafschaft und die Markgrafen auf dem bayeri- 
schen Nordgau, Mtlnchen 1894. 
Götz. — WiLH. Götz, Geographisch -Historisches Handbuch von Bayern, i. Bd., München und 

Leipzig 1903. 
Gradl, Mon. Egrana. — Heinrich Gradl, Monumenta Egrana, i. Bd., Eger 1886. 
Gradl, Egerland. — Heinrich Gradl, Geschichte des Egerlandes (bis 1437), Prag 1893. 
Högl. — Mathias Högl, Die Gegenreformation im Stiftlande Waldsassen, Regensburg 1905. 
Janner. — Ferdinand Janner, Geschichte der Bischöfe von Regensburg, 3 Bde., Regensburg 

1883— 1886. 
Matrikel R. — Matrikel des Bistums Regensburg, Regensburg 1863. 
MB. — Monumenta Boica, München 17^3 ff. 

Piper. — Otto Piper, Burgenkunde. Mit Burgenlexikon. 2. Aufl., München u. Leipzig 1905/06. 
Riezler. — Sigmund Riezler, Geschichte Bayerns, 6 Bde., Gotha 1878— 1903. 
Reg. Boic. — Regesta sive rerum boicarum autographa, herausgeg. von K. H. v. Lang, M. Frhr. 

V. Freyberg und G. Tu. Rudhart, 13 Bde., München 1822 — 1854. 
Rosenberg. — M. Rosenberg, Der Goldschmiede Merkzeichen, Frankfurt a. M. 1890. 
Schönwerth. — Fr. Schönwerth, Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen, 3 Bde., Augsburg 

1857— 1859. 
VO. — Verhandlungen d. Hist. Ver. von Oberpfalz u. Regensburg, Bd. I — LVIII, 1831 — 1907. 
Zimmermann, Kalender. — Jos. Ant. Zimmermann, Chur- Bayrisch-Geistlicher Calender, V. Theil, 

Das Herzogthum der ObernPfaltz, München (1758). 



ALTHERRGOTTSKAPELLE. 

Wegkapelle im Wald nordöstlich von Wondreb. Matrikel R., S. 462. — Ka- Wegkapeiie. 
lender für kath. Christen, Sulzbach 1907, S. 103 — 105. 

1676 infolge eines Gelöbnisses erbaut. Ganz kleiner, vierseitiger Bau von 
ca. 3 ni im Geviert. 

Auf dem Altärchen die barocke Holzfigur Gott Vaters. 

Die Kapelle ist ein volkstümliches Wahrzeichen in den ausgedehnten Wäldern 
im Nordosten unseres Gebietes. 

ALTNEUHAUS. 

BURGSTALL. VO. XXXI, 277--288: XXXIV, 256 f.; L, 130. — Reg. Burgstaii. 
Boic. V, 28, 154. — Brenner, S. 58. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 457 — 459, 531, 
532. — J. Weidner, Waldnabtal und Steinwald, ^Veiden 1907, S. 16. 

Ursprünglich wohl Besitz der Falkenberger, dann Leuchtenbergisch. Seit 1294 
bzw. 1309 dem Kloster Waldsassen gehörig. (VO. XXXI, 266, 269, 372. Vgl. 
auch S. 68.) 

Die Burg muß schon frühzeitig verfallen sein. Sie erhob sieh auf kühn ge- 
türmten Granitfelsen über dem linken Naabufer ca. eine Stunde südlich von Falken- 
berg. Die Anlage war klein. Heute ist nur mehr der im Halbkreis verlaufende 
Abschnittgraben kennbar, der das Burgterrain vom Hinterland trennte. 

BÄRNAU. 

VO. V, 216, 222; XXn, 246 f., 332; XXVI, 146; LIII, 195. — Reg. Boic. IV, Literatur. 
646. — Mati'Häus Merian, Topographia Bavariae, Frankfurt a. M. 1644, S. 9. — 
Zimmermann, Kalender V, 112 f. — Pelzel, Kaiser Karl IV., Prag II (1781), 588, 590. — 
Destouches, Statistik, S. 350 f. — F. J. v. Lipowsky, Nazional Garde Almanach 1814, 
S. 106. — Brenner, S. 66, 71 f., 85, 91 f., 94. — Pl. Stumpf, Bayern, München 
1852, S. 524. — Bavaria II, i, 630 ff. — Bühmer-Huber, Reg. Karl IV. (1346 — 1378), 
Nr. 1539, 1803, 1887, 5376. — G. Hubmann, Chronik der Stadt Bärnau, Amberg 
1865. — W. Küster, Das Reichsgut in den Jahren 1273 — 1313, Leipzig 1883, S. 98, 
102. — Otto Kleemann, Die Grenzbefestigungen im Kurfürstentum Bayern zur 
Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges, München 1885, S. 23. — Gradl, Mon. Egrana, 
Nr. 486, 525, 613. — Binhack, Waldsassen von 1133 — 1506, I, 75 f.; II, 10. — 
Gradl, Egerland, S. 63, 128, 178, 187, 213, 296, 306, 366, 389. — K. Staudinger, 
Geschichte des kurbayerischen Heeres, München I(i 901), 232, 243. — Götz, S. 878 f. 



tt XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

■. — ScHUEGRAF, Materialien zur Chronik von Bämau, 1830. MS. im Hist. Ver. O. 60. 
— W. Steinhauser, Chronik von Bämau, 1845. MS. im Hist. Ver. O., 61 ii. 61/,. 
i. Ansicht auf der Karte des Christophorus Vogel von 1600, vgl. das Nähere 

S. 8. {Fig. I.) — Stich bei Merian, Topographia Bavariae, 1644. (Fig. 2.) — 
Ortsbild auf einer Grenzkarte zwischen dem Pflegamt Bämau und der Heirschaft 
Tachau. 17. Jahrhunden. Im Rathaus saal 
zu Bämau. (Vielleicht von 1669. VgL 
Hubmann, S. 70.) — Ortsbild auf einer 
Grenzkarte zwischen dem Fliegamt Bämau 
und der Herrschaft Tachau. 17. Jahr- 
hunden, Reichsarchiv München, Plan- 
sammlung Nr. 1931. (Vielleicht von 1669, 
wie oben.) 

KATH. PFARRKIRCHE ST. 
NIKOLAUS. Matrikel R., S. 448. — 
Hubmann, S. 18, 70, 77, 85 f. — Kirchen- 
bau 1732, Kreisarchiv Amberg, Bämau 
Amt, Nr. 1203, Faflz. 17. — Zahlungsrück- 
stände des Stukkateurs Andrioli, ebenda, 
Nr. 1405, Fasz. 18. — Bauten am Kirch- 
turm 1754 — 1771, ebenda, Nr. 331, Fasz. 18. 
— Altanen Ovation 1791, ebenda Nr. 1175, 
Fasz. 18. 

Das Ortsbild von Bämau bei Chri- 
stophorus Vogel zeigt den Westturm der 

Flg. 1. Bkrniu. Aniicht auf Vogel. Kam an '^ so 

Amte« Fio«tBbürB von 1600. Kifche ohne Dach. Es scheint also damals 

an der Kirche gebaut worden zu sein. 

Neubau t733. Maurermeister ist Joh. Gg. Diller von Amberg, dem der ein- 
heimische Meister Philipp Mühlmayr weichen muO. 1736 wird die Kirche durch 
Hieronymus Andrioli stukkiert. Derselbe stellt auch die zwei Nebenaltäre und die 
Kanzel in Stuck her. Für die Altarblätter wird Smichäus ausersehen. (Vgl. über 
ihn S. 37.} (Kreisarchiv Amberg, Nr. H03 und 1405.) Über Andrioli bemerkt der 
Pfleger (4. Sept, 1736), daß er sin hiesigen Landen verschiedene Proben mit all- 
seithigem Conlento dißfahls abgelegt habe«. (A. a. O. Nr. H03,) Über Andrioli 
vgl. Kunstdenkmaler der Oberpfalz, Heft XII, B.-A. Beiingries I, S. 150. 

1800 brannte die Kirche ab. Neuh erst eilung 1808. Die drei Altäre nebst 
Kanzel wurden aus der Franziska» er kirche in Amberg erworben, die Orgel aus 
Kloster Waldsassen, wo sie im Chor gestanden war, zugewiesen. (Hubmann, 
S. 88, 90.) 

1839 abermals Brand. 1840 wurden drei Altäre aus dem Dom zu Bamberg 
, erworben. Von diesen sind heute noch die Altarbilder vorhanden: Martyrium 
des hl. Andreas, des hl. Johannes Ev. und Auferweckung des Lazarus. Sie werden 
dem Oswald Onghers zugeschrieben. (Hubmann, S. 97.) 

Einrichtung neu. 

Kelche, i. Silber, vergoldet. Muschelwerkrokoko. Beschau zeichen Augs- 
burg. Jahresbuchstabe V {= 1771 — 1773). Meislermarke POM im Queroval. — 
2. Silber, vergoldet. Drehformen des Rokoko. Meistermarke fehlt. Beschau zeichen 
undeutlich. 



KATH. FRIEDHOFKAPELLE 
ST. MICHAEL. Matrikel R., S. 448. 

— HUBUANN, S. 61, 79. 

Der Friedhof, ursprünglich an der 
Pfarrkirche, wurde 1590 an die heutige 
Stelle verlegt. (Hubmann, S. 61.) 1770 
brannte die Friedhofkapelle ab und 
wurde in den nächsten Jahren neu ge- 
baut. (Ebenda, S. 79.) 

Bescheidener rechteckiger Raum. 
Tonne mit Stichkappen. 

Altar mit vier Säulen und zwei 
Seitenfiguren, In Nußbaum foumiert. 
Barock. Bild neu. Der Altai stammt 
lokaler Tradition zufolge aus der Do- 
minikanerkirche in Regensburg. 

An der Wand südlich vom Altar 
Steintafel. Übertüncht und unleser- 
lich. Wohl auf die Errichtung des 
Friedhofes bezüglich. (Vgl. Hubmann, 
S. 61.) 

KATH. WALLFAHRTSKIRCHE 
DES GEGEISSELTEN HEI- 
LANDES, gen. Steinberg -Kirche. 
Matrikel R., S. 448. — Hubkann, S. 78, 
83. 95- 

1778 geweiht. (Matrikel R.) 1819 
Chorerweiterung. (Ebenda.) 

Eingezogener, dreiseitig geschlos- 
sener Chor mit zwei Jochen. Tonne mit 
Stichkappen. Schiff zu drei Jochen mit 
Segmentanschluß an den Chor. Spiegel- 
decke mit Stichkappen, Sakristei nörd- 
lich vom Chor. Dachreiter über dem 
Westgiebel. 

Deckenbilder. UberderOrgel 
Inschrift: Johann Fischer von Nah hat 
die Kirche ijg4 malen lassen. Im 
Chor Darstellungen aus dem Leiden 
Christi. Durch Restauration geschädigt. 
Im Schiff die 14 Nothelfer in maß- 
vollen Rokokorahmen. Ansprechende 
Arbeiten. 

Hochaltar. Mischung von Ro- 
koko und Klassizismus. Vier Säulen. 
Im Glasschrein kleines Barock figürchen : 
Christus an der Säule. Seitenfiguren 
St. Florian und Wendelin. Um 1790. 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 






»5 



Seitenaltar an der Südwand des 
Chores. Über der Mensa großes Kruzifix 
mit Mater dolorosa. Holzfiguren. Um 1790. 

Kanzel. Im Stil des Hochaltars; 
einfach. 

An Stelle der Seitenaltäre neben 
dem Triumphbogen in zwei Muschel- 
nischen Holzfiguren: Immakulata und 
St. Joseph. Um 1790- 

Orgelgehäuse barock. 

Älterer Kreuzweg. 

Die ganze Einrichtung ist in Weiß 
und Gold gefaßt. Stilvolles, ansprechendes 
Interieur. 

KATH. KIRCHE ST. ELISA- 
BETH. Matrikel R., S. 448- 

1556 erhält der Pfleger zu Bämau 
den Befehl des Pfalzgrafen Wolfgang, das 
Kirchlein St. Elisabeth abzubrechen und 
die etwa vorhandene Glocke ins Zeughaus 
zu schicken. (Kreisarchiv Amberg, Rep. 25, 
Akt. 1186. Damach Hubmann, S. 52 zu 
korrigieren.) 1656 wurde das Kirchlein 
wieder hergestellt. (Hubmann, S. 6q.) 

Dreiseitig geschlossener Raum mit 
Flachdecke. Westlich Dachreiter mit 
Spitz heim. 

Die Kapelle besitzt eine beachtens- 
werte Ausstattung mit figürlichen und deko- 
rativen Malereien aus der Zeit um 1700. 
An der Decke : Magdalena salbt die Füße 
Christi; St. Elisabeth pflegt die Kranken. 
An den Wänden : Elisabeth pflegt einen 
Aussätzigen; Christus erscheint ihr; Elisa- 
beth als Patronin der Kranken. Über y^^ ^ Bi„,„ 
den beiden Portalen Brustbilder des hl. Hoiifigur si. Eiiubtib in dtr EHubcihcDkirch«. 
Rupert und der hl. Helena. An der Empor- 

brüslung; Johannes v. Nep. und die vier Kirchenlehrer. Die Stelle von Stukkaturen 
nehmen ornamentale Malereien ein. Am Sockel mehrfach verletzt. Slinimungs- 
volles Interieur. Bei der Seltenheit dekorativer Malereien aus der Barockzeit sorg- 
fältiger Erhaltung wert. (Fig. 3.) 

Altärchen. An der Predella Inschrift: /WC SACELLV D/VAE ELISA- 
BETHAE RACRVM A CALVINISTJS ANNO 1556 DESTRVCTVM POST 
INTEGRVM SECVLVM ANNO 1656 PER LIBERALES MANVS FVIT 
REDIFICATV. Zwei mit Weinlaub und Trauben umwundene Säulen. In der 
Mittelnische bemalte Holzfigur St. Elisabeth. (Fig. 4.) Um 1500. Gut. Seiten- 
figuren St. Barbara und Katharina unter Voluten- Bai dachinen. Um 1656, Im oberen 
Auszug Olbiid St. Magdalena. Knorpelwerk Verzierungen. Fassung Weiß und Gold. 



Kanzel mit kannelierten Pilastem. Bilder der Evangelisten. Einfach. Aus 
der Erbauungszeit. 

Kirchenstühle in Fichtenholz. Nach Art von ChorstiiWen behandelt Ein- 
fach. Aus der Erbauungszeit, 

ANLAGE UND BEFESTIGUNG DER STADT. 1343 erlaubt 

■ Ludwig der Bayer dem Kloster Waldsassen, sein Dorf Bämau zu einer Stadt 

zu erheben und mit Mauer und Graben zu umgeben. {Hubmann, S. 19 f.) Karl IV. 



Fig. S' Bämau. Ligeplan der Sudt mich dem KalailcrbU». 

verleiht den Bämauern 1351 die Stadtrechte von Tachau. (Böhmi£r-Huber, Reg. 
Karl IV., Nr. 1394-) Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde also die Befesti- 
gung angelegt. 

1428 wurde Bämau durch die Husiten eingenommen, (Würdinger, Kriegs- 
geschichte von Bayern etc., München I (1868), 170. — Eberhard Winueck, Leben 
König Sigismimds, herausgeg. v. Ha<;en, Leipzig 1886, S. 186.) 

Um 1538 wird die Stadtmauer als baufällig bezeichnet und über deren Reparatur 
verhandelt. (Hubmann, S. 48.) Ein Brand zerstörte 1622 den oberen Stadtturm und 
die »Zimmers der Stadtmauer auf eine längere Ausdehnung. (Ebenda, S. 66.) Die 
Wiederherstellung muß bald erfolgt sein, wie Merians Stich ausweist. Die Bedachung 
bestand aus Schindeln. (Hubmann, S. 86.) 

■ Zur Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges wird die Befestigung als gut bezeichnet. 
(ÜiTO Kleemann a. a. O.) 1783 — 86 werden Reparaturen an der »mehrfach ein- 



Bärnau. — Beidl. 17 

gefallenen und vielfach ruinösen« Stadtmauer gemeldet. (Kreisarchiv Amberg, Bärnau . stadt- 

A X XT /: \ befestigung. 

Amt, Nr. 126.) 

Im Laufe des 19. Jahrhunderts fielen die Stadtmauern allmählich ein. (Hub- 
mann, S. 86.) Jetzt sind nur mehr an ein paar Stellen geringe Reste derselben vor- 
handen. (Auf dem Stadtplan Fig. 5 mit fettem Strich bezeichnet.) 

Das ehemalige PFLEGESCHLOSS im Nordwesten der Stadt (Fig. i) ist 
verschwunden und an seiner Stelle ein Schulhaus erbaut. 

Die HÄUSER der Stadt infolge mehrfacher Brände neu. 

Auf dem Marktplatz STEINSTANDBILD des hl. Johannes v. Nep. Der steinstand- 
Inschrift am Sockel zufolge errichtet von dem kurfürstlichen Pfleger Gg. Ferdinand 
Christoph Franz Frhr. Daniel von Froschheim, 1^22, Granit. H. ca. 4 m. 

Über ein STEINKREUZ mit Hufeisen am Weg nach Böhmen vgl. Schön- steinkreuze. 
WERTH II, 255. — Über ein weiteres großes STEINKREUZ an der Stadtmauer 
vgl. ebenda. Beide konnten nicht mehr erfragt werden. 



BEIDL. 

VO. XXII, 53, 339, 349; LIII, 196. — MB. XXXI a, 587. — Reg. Boic. I, 
199; IV, 220, 318. — Brenner, S. 49, 59, 100, 103, 113. — Jannrr III, 306, 443. 
— Gradl, Mon. Egrana, Nr. 63, 236, 355, 374, 376, 379, 504. — Binhack, Wald- 
sassen von 1133 — 1506, II, 37. — Brunner, S. 158. — Hügl, S. 83 f. — Joseph 
DiPPEL, Geschichte der kath. Pfarrei Beidl, 1876. MS. im Hist. Ver. O. 77. 

Ansicht auf der Karte des Christophorus Vogel von 1600, vgl. das Nähere S. 8. 

KATH. PFARRKIRCHE MARIA HIMMELFAHRT. Matrikel R., Pfarrkirche. 
S. 449. 

1402 dem Stift Waldsassen inkorporiert. (Janner III, 306.) 

Über dem Südeingang 17 J2. Am Turm /7J7. Baumeister war Frater Philipp 
Muttone von Waldsassen. (Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 92 u. 138.) 
Der alte Mauerbestand wurde vermutlich wieder benutzt wie bei Wiesau. 1890 
Restauration. 

Eingezogener, gerade geschlossener Chor mit zwei Jochen. Langhaus mit drei 
Jochen. Durchgehends Tonne mit Stichkappen. Sakristei südlich vom Chor. West- 
turm mit Spitzhelm. Die Außenwände durch stark vorspringende Pfeiler belebt. 
Die Pfeiler sind durch Rundbögen verbunden. 

Die Wände innen beleben gekuppelte Pilaster. An denselben die großen 
Stuckfiguren St. Wolfgang, Heinrich (r), Notburga, Isidor, Barbara und Ignatius 
von Loyola. 

Deckengemälde in gemalten Rokokorahmen. Szenen aus dem Marien- 
leben. Der ursprüngliche Charakter infolge Restauration nicht mehr bestimmbar. 

Hochaltar. Hoher Barockaufbau mit vier Säulen, Bildern und Seitenfiguren. Einrichtung. 
Mensa und Tabernakel freistehend. 

Seitenaltäre. Barock mit je zwei Säulen und Bildern. 
Kanzel mit Laub- und Bandwerk; einfach. Um 1732. 

Stuhlwangen. Die gleichen wie in der Pfarrkirche zu Tirschenreuth. 
(Vgl. S. 73-) 

Heft XIV. 2 



iS X[V. B.A. Tinchcnrenüi. 

Taiifsti-in. Schale mit Krührokoko- Festons auf BalustersockeL Stein, Aaf 
drill IH-rkd Imlfm-sehnit/tf tlnippe der Taufe Christi. Um 1731. 

Kelihc, 1. Silber, leil vergoldet. Kupa mit Überiang. Breite AkantEcs- 
rnnkcit mit h;nnHski>iitVhen, l'm i6go. Ohne Marken. — a. SUbcr, veigoWet. 
IjimIi- \md lUindwerkurnamentc mit ge|UArteii Engelsköpfcben. Am Fuß und Knpa 
Kiimil!« (rot in rotl. l'm 1730. lk'S<hau wichen undeutlich, Meistermarke itj> im 
r)rfipiiü. - .1. SillioT. vernoUtet. Rukokomuschelwerk. Zweite Hälfte des 18. Jahr- 
htmdcrtü. Heschuu/eirhen X im Oval. Meistermarke ^*j im Herz. 

Itliii'kon ni-H. 

An der SiuKoite der Kirthe neben der Sakristei 
Siein, i>enuilt. 

Aul dem l-riedhol s. hmiiHleisemos C.RABKREU 

KAl'KI.I.K ST. l.KONHARl). Ostlich an d 
Kcluuit. Kerhle< kiner Ruum mit *wei K reu zjnutge wölben. 

AldiT. ltilt>M-lifr RokokiMufUiu mit drei Figure 
und Si'lHiMiiin, Scitlidi stnimlurtijso Rokokoschnitiereier 
eine Arbeit des Heidlet Sihnil/ors, der 1777 die Kanzel 
FIuü unil jene in Wut/ lertinte. tVj;l. Kunstdenkmälet 
H.A. Neusliidt a. \V. N.. S. ,u. 15S.) 

!•■ K l K I ) n ( H* R A 1' K 1 , 1 . li Reehtevkiger Raum ; 
i-lmhde.ke, Linriehlirnj; modern. 

Auf der Oris!\usiiht bei Voi;n, besitzt die Friedhofl 
«eile Meheiiileii lurm mit Holm. Vielleicht war die Kap 
mit der W;iUf;iUrlskirehe Hl. Itltit, welche bis zum t6. Jah 
(Uh.innk«. S. .oj.) 

Die miltcl:dlerliche FRIKDHOFI' MM AU KRUNt 
S|>il/l)o^entor mit KeliiMem Oewimde. Uio einst wohl vorh 

An der Straüe iwcli ScIionlWht SIKIN Al.TAR fi 
hmiener Oninitbloik. Darüber Relief: Zwei Kngel mit M 
(lern Sieitmitar S<himleld:u-h auf Hol/goriist. Drei weiter 
Ordnung beünilen sich rings um das Dorf. 

ERN ESTGRÜN 

siehe OTT K NT. RUN. 

FALKENBERG 

VC. XXI, as-73; XXVI, .3i-.'Si; XXXI, 255- 
115 f.; L, iz9f.; I.I, 6; LIIl, 196; LV, 44. — MB. XiV 
IV, 164,461,488, 586; V, j8, 514. — F.A.Okkelus, Remm 
bürg I (1763), 74. — Destolches, Sl.iiistik, S. 352. — 1 
Garde Almanach 1815, S. 98. — J. B. Brenner, Die Lan 
Rothenburg, 1834, S. 66 fr. — Bremser, S. 25. a, 57 f., 
17», 188 f. - K. Hohn-, Atlas von Bayern, 1840. IV, 91 
— Ka!i-n.l.rr f. kath. Christen, Sulzbach 1852, S. 91— 93; 1. 
Krii-KSKesrhiditc von Ifciyem, München I (r868), 170. — 



Falkenberg. in 

Mon. Zollerana 11, Nr. 356, 357, 365. — Janner UI, 306, 410, 443. — Gbadl, Mon. 
Egrana, Nr. 74, 81, 108, 343, 347, 353, 416, 417, 428, 430, 457—59- 469. 53i. 53*- 
— BiHHACK, Waldsassen von 1133 — 1506, i, 57; II, 17, 33, 37, 61, 67. — Gradl, 
Egerland, S, 6a, lao, 366, — K. Staudinger, Geschichte des kurbayerischen Heeres, 
München I (1901), 118, 233. — Brunner, S. 160 f. — Götz, S. 879 f. — Piper, 
S, 614. — J. Weidner, Waldnabtal und Steinwald, Weiden 1907, S. 11 — 15. 



Fig. 6. FilkenbcTg. WcgkupcILe mit Tolcnbretlern und KrcuIileinFn. 

Platzer, Notizen zur Geschichte von Falkenberg, s. a. MS. im Hist. V, O. 119. 
— J. L, Mayr, Geschichte und Topographie des Schlosses und Marktes Falkenberg, 
1874. MS. im Hist. Ver. O. 244. — A. Hegner, Beschreibung von Falkenberg, 184g. 
MS. im Hist. Ver. O. IZ2. — Schuegraf, Notizen über Falken berg, 1850 (?). MS. 
im Hist. Ver. O. 121. 

Miniaturansicht von 1621 im Reichsarchiv München, Oberpfalz Nr. 239, Plan 10. 
(Fig- 7.) 



30 XIV. B.-A. Tinch«Dr«nth. 

KATH. PFARRKIRCHE ST. PANKRATIUS. Matrikel R., S. 449- 
1402 dem Stift Waldsassen inkorporiert, (Janner III, 306.) 

1595 liefert der Tirschenreuther Baumeister Hans von Kotza ein Projekt zur 
Kirchen Vergrößerung unter Beibehaltung des mittelalterlichen Ostturmes. (Kreis- 
archiv Amberg, Geistliche Sachen, Nr. 4000. [Mit Kotzas Rissen.]) 1683 — 87 fand 
ein Neubau statt. Derselbe wurde in den jüngsten Jahren durch einen modernen 
Neubau ersetzt. Beschreibung der älteren Kirche VO. XXVI, 358 ff. 
Einrichtung neu. 



Kelche, i. Silber, vergoldet. SechspaOfufi und Vasennodus. Ohne Schmuck. 
Beschauzeichen Augsburg. Meistermarke AX> im Queroval. — a. Silber, vergoldet. 
Klassizistische Zierformen. Der Umschrift zufolge Schenkung des kurfUrstl. Rates 
Wolfgang Christoph v. Spitzel auf Unterspann, tjSt. Beschauzeichen München 
zwischen 8 und /. Meistennarke J8 im kombinierten Queroval. 

Glocken neu. Von den älteren Glocken trug eine die Inschrift: anno dni 
m cccc xxtt hoc opus fecif magister connrattus Uckdenberger Hvis ratisponests tn orure (I) 
marie virgin. — Die andere von M^nus Gabriel Reinburg in Amberg, 1717. 
(J. Gg. Böhm, Falkenberg, 1845. MS. im Hist. Ver. O. 113.) Über die Regensburger 
Glockengießerfamilie der Lichtenberger vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft U, 
B.-A. Neunburg v. W., S. 91. 

KATH. FRIEDHOFKAPELLE ST. JOSEPH. Matrikel R., S. 450. 

Bescheidener kleiner Bau mit eingezogenem halbrunden Chor. ■ Flachdecke. 
Kuppeldachre iter. 

Im Nordosten des Marktes malerische WEGKAPELLE. (Fig. 6.) Vor 
derselben Gruppen von TOTENBRETTERN. Ebenda zwei verstümmelte 
. STEINKREUZE. Ohne Zeichen. 

HÄUSER. Vielfach neueren Charakters. 

HAUS NR. 30. Gotisierende Fenster, Profiherte Spitzbogentüre mit ein- 
gemeißeltem Hufeisen. Holzgiebel. An einem Fenstersturz Inschrift: /JJV 7"^'^ 



Falkenberg. 31 

Arkaver. {1639 ist Anton Arkauer Richter in Falkenberg. [Wildenauer, MS. im 
Hist. Ver. O. 900.]) 

BURGRUINE. Geschichte und Baugeschichte. Das Geschlecht Buc 
der Falkenberger wird seit Mitte des 12. Jahrhunderts zumeist in Urkunden erwähnt, ^*'' 
die das Kloster Waldsassen betreffen. (VO. XXI, 33—36.) Die letzten Falkeoberger 
erscheinen noch um Mitte des 13. Jahrhunderts. (Gradl, Mon. Egrana, Nr. 208. 
aai, 231). Ihr Geschlecht muß um diese Zeit erloschen sein, denn 1180 (i. Sept.) 
nennt sich Landgraf Gebhard V. von Leuchtenberg »von Falkenberg«. (Reg. Boic. IV, 
116.) Über die Art des GüterUberganges vgl, VO. L, 120, Anm. i. 



Flg. S. FKlkcnberg. LigFpIan dei Mirktei und der Buigniine nach dem Kiuilerblan. 

Am 24. August 1290 tritt Burggraf Friedrich von Nürnberg sein Pfandrecht 
auf Falkenberg dem Kloster Waldsassen ab. (Stillfried und MäRCker, Mon. Zol- 
lerana II, Nr, 199. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 417.) Demnach war vorher eine 
Verpfändung an den Burggrafen erfolgt. Zur Wiedereinlösung von Seiten der 
Leuchten berger kam es nicht, vielmehr ging Falkenberg 1194 bzw. 1309 definitiv 
in den Besitz des Klosters Waldsassen über. (Gradl, Mon. Egrana, Nr. 457, 458. 
— VO. XXXI, 261, 266, 272.) 

Das Schloß war in schlechtem baulichen Zustand an Waldsassen gekommen 
und geriet im Laufe des 14. Jahrhunderts infolge der mißlichen Verhältnisse des 



22 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Burgruine. KlostcFs (VO. LI, 6) noch mehr in Verfall, so daß Abt Konrad U. (1393 — 141 7) 
Geschichte, gezwungen war, es gleichsam von Grund auf neu zu erbauen. (Binhack, Waidsassen 
von 1 133—1506, U, 37.) 

Sein Nachfolger Nikolaus III. erbaute zur Zeit der Husitenkriege im Zentrum 
des Schlosses einen Bergfried, den sog. »Husitenturm«. (Binhack, S. 45-) 

Ln Mai 1428 wurde Falkenberg von den Husiten überfallen. Ob die Burg 
sich ergeben mußte, läßt sich nicht konstatieren. (Eberhard Windecke, Leben 
König Sigismunds, herausg. v. Hagen, Leipzig 1886, S. 186.) 



ii:il,'/m\ll||l)|l)W/ 

\\\\\lli/rtiieN\v^JÄ 




Fig. 9. Falkenberg. Grundriß der Burgruine. 



Weitere Bauten werden unter dem Abt Nikolaus IV. zum Jahre 1465 gemeldet. 
(Binhack, S. 61. — VO. XXI, 60.) 

Am 5. Juli 1648 begann Königsmark die P>ste zu belagern. Er besaß nur 
zwei kleine Geschütze. Nach dem Eintreffen größerer Geschütze und verstärkter 
Mannschaft aus Eger erfolgte am 10. Juli ohne weitere Beschießung die Übergabe. 
(Reichsarchiv München, Dreißigjähriger Krieg, Nr. 752, S. 192, 196. — VO. XXI, 60.) 

Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges verordnete der Kurfürst, daß 
man die Feste »wonit rasieren, doch wenigstens eingehen und nichts mehr daran 
pauen lassen sollte, wie dann von selbiger Zeit an nichts mehr darin gepaut oder 
gebessert worden, wardurch es zu iezigen ruin kommen ist«, schreibt der Chronist 



Fatkenberg. 3* 

Ruprecht um 1678. (Binhack, Jahresgeschichten von Job. Gg. Ruprecht, Regensburg bui 
1903, S. 32. — VO. XXI, 68; XXVI, 207 ff.) Die Veranlassung zu dem Befehl war '^"' 
die Absicht, bei etwaigen künftigen Kriegen das Sich festsetzen der Feinde zu ver- 
hindern. So verfiel die Burg nach und nach. 



1809 wurden die Steine zum Pfarrhofbau aus der Ruine genommen. Bei 
dieser Gelegenheit trug man den Husitenturm um etwa ein Drittel ab; die zierliche 
Sandsteinfassade der Kapelle ward zertrümmert. (VO. XXI, 69.) 



24 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Burgrcinc. 
Ee«c hrei bung. 



Toitunn. 



Kapelle. 



Bergfried. 



Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Ruine auf Staatskosten erhalten. 

Beschreibung. (Lageplan Fig. 8. — Grundriß Fig. 9. — Schnitte Fig. 10. 
— Ansichten Tafel I u. II, Fig. 11 — 14.) Die Ruine liegt unmittelbar über dem 
Markt Falkenberg, an der Südwestspitze einer Hügelzunge, die gegen Westen, Süden 
und Norden mit senkrecht abfallenden Granitwänden endigt. Auf diesen Seiten war 
die Burg völlig uneinnehmbar. Ein breiter und tiefer Halsgraben trennte gegen 
Osten und Südosten den Burgbering vom Hinterland. Vor demselben lag im Mittel- 
alter vielleicht eine Vorburg. Die Abbildung von 1621 (Fig. 7) gibt allerdings 
keinerlei Andeutung einer solchen. 

Der Grundriß der Feste zeigt im Zentrum den zur Zeit der Husitenkriege 
erbauten Bergfried. (Fig. 9 [i].) Nach Osten und Westen schließt sich daran, dem 
Terrain folgend, je ein Gebäudekomplex, dessen Außenmauern beiderseits ungefähr 
die Form eines gestelzten Rundbogens beschreiben. (2 und 3.) An den Vereini- 
gungspunkten springt gegen Norden ein turmartiger Brunnenbau (4), gegen Süden 
der ebenfalls turmartige Torbau aus (5). 

Die Burg besaß weder Ringmauern noch Schildmauern. Beide waren bei der 
Enge des Platzes nicht wohl möglich. Dafür erhielt sie eine bedeutende Höhen - 
entwicklung, so daß die Untergeschosse der Wohngebäude, die keinerlei Öffnungen 
nach außen zeigen, eine hinlängliche Wehrhaftigkeit und Unzugänglich keit schufen. 
Hiezu kam noch die außerordentlich günstige Gestaltung des Terrains, die einen 
Angriff überhaupt nur von der Ostseite her denkbar macht. 

Der Zugang war von Osten her, wo eine Zugbrücke in den Tor türm führte. 
Von den zwei Freipfeilern, die die lange Brücke stützten, ist einer noch ganz er- 
halten (Fig. 9 [6]), vom zweiten ein kleiner Rest. Fig. 7 zeigt noch hölzerne 
Unterpfeilerung der Brücke. Der rechteckige Zugang besitzt im Gewände ringsum 
einen Falz, in den die aufzieh bare Brückenklappe einfiel. (Fig. 11.) Zwei Rollen, 
über welche die Ketten liefen, waren in der Mauer unmittelbar über dem Türsturz 
angebracht. Die Maueröffnungen zu denselben sind innen und außen erhalten. 
(Über diese Einrichtung vgl. Piper, S. 284 f.) Außen zwei Podestkragsteine, innen 
Kanal für Balkenriegel. 

Das Eingangsgeschoß besaß gegen Süden und Westen je eine Schlüsselscharte. 
Im Geschoß darüber drei ebensolche Scharten. (Fig. 11.) 

Im zweiten Obergeschoß des Torturms befand sich die Kapelle. Sie hatte 
gegen Süden einen balkonartig vorspringenden Altarerker von rechteckiger Form. 
Die mächtige Konsol vorkragung ist erhalten. (Fig. 11, 13.) Ein in Haustein hergestellter 
Spitzbogen, dessen Träger noch zu sehen sind, führte in den Altarerker. Der 
Kapellenraum selber besaß ein Rippengewölbe, dessen Anfanger erhalten sind. An 
der Ost- und Westwand je eine rechteckige Nische mit Falz im Steinrahmen. 

Vom Torbau aus gelangt man zunächst gegen Norden in einen schmalen An- 
bau, der die Verbindung zwischen den Geschossen des Torturms und den Wohn- 
gebäuden im Schloß herstellte. (Fig. 9 [7]. Von da aus betritt man den engen 
Innenhof der Burg (8), welcher den Bergfried umgibt; nördlich und südlich vom 
Bergfried bildet er nur enge Winkel. Der quadratische Bergfried steht noch in 
einer Höhe von ca. 14 m. Der Zugang befindet sich westlich, ca. 5 m über dem 
Boden und ist rundbogig. (Fig. 14.) Innen Kanal für Balkenriegel. Die 1,90 m 
starken Mauern zeigen unregelmäßige Quadertechnik mit Ausflickungen. Zuweilen 
Kropfquadem, öfters Zangenlöcher. Im Inneren sind noch fünf Geschosse erhalten. 



a6 XIV. B,-A. Tirschenreuth. 

, Nur die Balkendecke des untereten ruht auf einem Mauerabsatz, die weiteren Stock- 
■ werksgebälke sind in die Mauer versenkt. Neue Treppen fuhren auf die Plattform 
des Turmes, woselbst man eine interessante Aussicht genießt. 

In dem westlich vom Bergfried gelegenen Wohnbau (Fig. 9 [2]) sind zwei 
Geschosse mit großen Fensteröffnungen erhalten. Letztere sind im Stichbogen über- 
deckt und haben samtlich Seitenbanke. Unter der ersten Fensterflucht eine Reihe 
runder Rüstlöcher. An Stelle des letzten Fensters im Obergeschoß gegen Norden 
eine türartige Öffnung; außen zwei Kragsteine. (Fig. la.) Wohl ein Aborterlcer. 



Fig. i>. FnlkenbccE. Aniicht der BKrEtuine von NocdEn. 

Im Östlichen Wohnbau (Fig. 9 [3]) sind drei Geschosse erhalten. Im Stichbogen 
überdeckte große Fensternischen mit je zwei Sitzbanken. Im Untergeschoß Keller 
mit Tonne. 

Im Brunnenbau (Fig. 9 [4]) hat sich ein Obergeschoß erhalten. Zwei hohe 
Fenster gegen Norden. An der Nordwestecke schmale Fensternische mit einer 
Seitenbank. Außen an dieser Stelle zwei Podestkragsteine. Das Untergeschoß, 
wohl einst Brunnenstube, hat nach Norden, also nach außen, eine spitzbogige 
Türöffnung mit steinernem Gewände, an der Nordwestecke eine schmale Fenster- 
nische mit einer Seitenbank, (Tafel I.) Der in Felsen gehauene Brunnenschacht 
ist verschüttet. Nach auß;n deckt ihn eine bis auf die Talsohle laufende Mauer. 
(Fig. 10, Schnitt C— D.) 

Wie Fig. 7 zeigt, besaß die Feste einstmals über den Wohngeschossen noch 
ringsum vorgekragte Wehrgänge, die wohl in Holz aufgezimmeri waren. 

Bauanalyse. Die Ruine läßt drei Bauphasen erkennen, die sich in der 
Mauertechnik deutlich unterscheiden. Den ältesten Bestand stellen die Umfassungs- 
mauern des Ost- und Westflügels dar, aber nur von der Sohle ab auf die Höhe 
von 3—4 m. (Tafel I, Fig. 11.) Die piimitive Technik, die kleine, derb zuge- 
hauene Granitsteine in reichlicher Mörtelbettung verwendet, deutet auf das ii. Jahr- 
hundert. 



l-i 



z8 XIV. B.-A. Tinchenreutb. 

Einer weileren Periode gehört der Bergfried sowie der To 
' des Einlaßgeschosses an. Beide zeigen unsorgfaltige Quader 
Kropfquadem, öfters Zangenlocher, Wie schon bemerkt, entsi 
demnach auch der Unterteil des Torbaues, zur Zeit der Husitt 
Wendung des Rundbogens bei der Einsteigöffnung des Bergfrii 
verdient ausdrückliche Erwähnung. 



Die dritte Periode schuf das sämtliche übrige Mauerwerk 
cliarakterisiert sich durch unsorgfältige Bruch steintechnik. Da der 
Osten, westlich neben dem Torbau und östlich vom Brunnen, 
bündige Anläufe zeigt, so kann, wenn auch nicht sicher, auch bei 
teilen auf eine, doppelte Bauperiode geschlossen werden, fiir wel 
der Abte Konrad JI. und Nikolaus IV. in Frage kommt. (Vgl. ( 

Über Sagen vgl. VO. XXI, 70 und Schönwerth U, 41g, 



FOCKENFELD. 

EHEM. SCHLOSS. Reg. Boic. III, 316. — Brenner, S. 70, 109, 195, 229. 
Gradl, Mon. Egrana, Nr. 267. — Binhack, Waldsassen von 1133 — 1506, II, 2$, 45, 
85, 90. 

Ansicht in Emailmalerei auf einer silbernen Tabatiere des Abtes Alexander j 
von Waldsassen. Um 1750. (Fig. 15.) Aus der Sammlung Franz GREB-München 
jüngst in den Besitz des Bayerischen Nationalmuseums übergegangen. 



Das Gut Fockenfeld ging 1362 in den Besitz des Klosters Waldsassen über. 
(Gradl, Egerland, S. 231.) Vorher hatten es die Schirndinger inne. (VO. XXXIII, 13.) 
Im 18. Jahrhundert Sommeraufenthalt der Mönche. Jetzt in Privathänden. 

Der Bau des jetzt stehenden, durch einen Brand in neuerer Zeit teilweise be- 
schädigten Schlosses begann unter Abt Alexander um 1750, (Binhack, Waldsassen 
von 1661 — 1756, S. 165.) Dessen Nachfolger Wigand von Deltsch vollendete den- 
selben, Baumeister war der Laienbruder Philipp Muttone. (Binhack, S. iii, Anm. 7.) 

Um einen rechteckigen Innenhof gliedert sich der vierflügelige, geschlossene 1 
Gebäudekomplex. Im Nord-, West- und Siidflügel Okonomieräume. Der OstflUgel 
bildet das Wohngebäude. Langgestreckte, sehr stattliche Front zu zwei Geschossen, 
überragt von dem dreigeschossigen Mittelpavillon, Dieser wie die Eckrisalite durch 
Pilaster belebt. Im Mittelbau Portal, flankiert von je zwei gekuppelten Säulen, 
darüber gebrochener Giebel. Drei seh ifliges Vestibül mit vier Mittelpfeilcin. Eine 
Doppelstiege führt zum Obergeschoß. Eisengitter mit Rokokoschweifwerk. 

Das Obergeschoß enthält im Mittelpavillon einen hohen Saal mit zwei Fenster- 
reihen übereinander. Das Deckengemälde mit Darstellung des Abendmahles war 
1768 von Elias Dollhopf (vgl. S, 59.) gemalt worden. (Benhack, Waldsassen von 
1661 — r7s6, S. 145.) Durch den genannten Brand vernichtet. 



30 



XIV. B.-A, Tirschenreuth. 



Ehem. Die Kapelle, die Abt Wigand mit fünf Altären versah, soll sich im Erd- 

Schiofl. ggschoß an der Südostecke befunden haben. Daher an dieser Stelle auf Fig. 15 ein 

Dachreiter. Jetzt gänzlich verändert und unkenntlich. (Binhack, Abt Wigand S. 17.) 

Über die von Marazzi in Fockenfeld ausgeführten Stuckarbeiten vgl. Binhack, 

Kloster Waldsassen von 1661 — 1756, S. 138. Dieselben sind zerstört. 

Abgebro- Bei Fockenfeld befand sich schon im Mittelalter eine KIRCHE ST. URSULA. 

ebene Kirch c^gj^^j^j^g^^ S. 109.) Auf Karte Nr. 3122 (vgl. das Nähere S. 8) ist sie abgebildet, 

auf Karte Nr. 31 21 (vgl. S. 8) nicht mehr, sie scheint demnach vor 1579 schon 
zerstört worden zu sein. Um 1660 erfolgte der Wiederaufbau. (Binhack, Jahres- 
geschichten des Joh. Gg. Ruprecht, S. 23.) 1767 wurde sie durch Smichäus (vgl. 
S. 37) mit Malereien geschmückt. (Binhack, Abt Wigand, S. 7.) Auf Fig. 15 sichtbar. 
1820 abgebrochen. (J. Moller, Konnersreuth, MS. im Hist. Ver. O. 400.) Die schöne 
Barockstatue der hl. Ursula kam in die Pfarrkirche zu Konnersreuth. (Vgl. S. 44.) 



Wallfahrts- 
kirche. 



Geschiebte. 



Beschreibung. 



Einrichtung. 



FUCHSMÜHL. 

KATH. WALLFAHRTSKIRCHE U. L. FRAU. Matrikel R., S. 460. 
— Kalender f. kath. Christen, Sulzbach 1850, S. 93 — 98. — J. Bäuml, Der Maria- 
hilfsberg bei Fuchsmühl, o. O. 1888. — Restauration 1846 — 1847, Kreisarchiv Amberg, 
Zugang 65, Nr. 175, Fasz. 9.. 

1688 erbaute Franz Heinrich Dionys Frhr. v. Froschheim, Hofmarksherr von 
Fuchsmühl, auf dem sog. Hahnenberg eine Marienkapelle und stellte darin ein 
Marienbild, eine Kopie des Passauer Maria-Hilfbildes, zur Verehrung auf. Der An- 
drang von Wallfahrern führte bald zur Vergrößerung der Kapelle und weiterhin zur 
Erbauung einer großen Kirche, die 17 12 begonnen, 1726 geweiht wurde. (Bäuml.) 

Westlich orientiert. Rechteck ohne ausgeschiedenen Chor mit zwei einge- 
zogenen Türmen im Osten. Vier Joche ohne Einschluß der Türme. Tonne mit 
Stichkappen. Gekuppelte Wandpilaster. Sakristei südlich vom Hochaltar. (Neu.) 
Am zweiten Joch von Westen springen nach Süden und Norden schmale Seiten- 
flügel aus, die im Erdgeschoß niedrige Kapellenräume, in den Obergeschoßen Ora- 
torien enthalten. Am vierten Joch (von Westen) ist gegen Norden eine Kapelle von 
rechteckiger Form angebaut, in der wohl die ursprüngliche Wallfahrtskapelle (wenigstens 
im Mauerwerk) sich erhalten hat. Zwischen den Türmen die Orgelempore. Außen 
Lisenengliederung. Die Turmfassade mit Pilastern. Die Türme erheben sich nur 
wenig über die Firsthöhe des Daches und schließen mit einem sehr flachen Zeltdach. 

Hochaltar. Hoher, schlanker Aufbau, in Nußbaumholz foumiert. Vier 
Säulen flankieren das Altarbild. (Dieses neu.) Seitenfiguren St. Georg und St. Elisabeth. 
Auf den geschweiften Giebelschenkeln Gewandengel, ebensolche aut dem Giebel 
des säulengeschmückten oberen Auszuges. Um 1700. Der Altar stammt aus der 
Deutschherrenkirche St. Ägidius in Regensburg. (Bäuml, S. 31.) Am Gebälk 
Wappen des Hoch- und Deutschmeisters Pfalzgrafen Ludwig Anton (f 1694) oder 
Franz Ludwig (seit 1695). 

In der Wallfahrtskapelle Barockaltar. Das Gnadenbild umgibt eine Strahlen- 
mandorla mit Engelchen. Darüber holzgeschnitzter Baldachin. Um 1726. 

Kanzel. Im Stil des Hochaltares. Mit Akanthusschnitzwerk. 

Orgel. Barock. Teilweise erneuert. 

Am südlichen Eingang eisernes Gitter. Um 1726. 



Fuchsmtthl. — Griesbach. ^i 



Kelche, i. Silber, teilvergoldet. Zusammengesetzt aus. zwei zeitlich und Waiifahrts- i 

stilistisch verschiedenen Teilen. Fuß sechspaßförmig mit Gravierungen: Madonna, »«"c c. 
Engelsköpfchen und Fruchtgehänge. Um 1600. Schaft und Kupa mit Uberfang um 
1650. — 2. Silber vergoldet. Rokokoschweifwerk. Bez. /7J'0. Beschauzeichen K im 
Vierpaß. Meistermarke j^ im Dreipaß. 

SCHLOSS. Im 13. Jahrhundert sind in der Umgebung von Fuchsmühl die Schloß. 
Edlen von Fossenhofen (Gradl, Mon. Egrana, Nr. 373) und Kloster Waldsassen be- 
gütert. (Fuchsmühl im Besitze des Klosters Waldsassen und der Familie Heckel, ' 
Illustriertes Extrablatt zum Regensburger Anzeiger 1895, S. 2off. — Gradl, Mon. 
Egrana, Nr. 358.) 1348 verkauft Waldsassen verschiedene seiner Güter (den Mühl- 
hof, Tirschnitz, Oberreuth und den Fürstenhof) an Konrad Heckel von Erbendorf. 
(Bavaria II, i, 660. Vgl. VO. XLII, 2T2.) 1363 wird Hans Heckel von der Fuchs- 
mühl (Fossenmühl) genannt. (Gradl, Geschichte des Egerlandes [bis 1437], Prag ' 
1893, S. 235.) Um 1394 ist das Gut im Besitz des Landgrafen Johann I. von Leuchten- 
berg, der es von Hans Heckel gekauft hat. Im genannten Jahr wird es anläßlich 
eines Vergleiches zwischen dem Landgrafen und dem Pfalzgrafen Ruprecht d. J. dem 
letzteren zugeteilt. (Stillfried und Märcker, Mon. Zollerana V, Nr. 314. — VO. 
LI, 15.) 1432 wird die Lösung des an Waldsassen verpfändeten Schlosses dem 
Kurfürsten Ludwig zugesprochen. (VO. XXVII, 32, 90.) In der Folge hatten die 
Trautenberger das Lehengut inne. (VO. XXII, 49.) 1657 verkauften sie es an die 
Daniel von Froschheim. Nach dem Aussterben dieses Geschlechtes im Jahre 1820 
wurde es dem Freiherm Friedrich von Zentner und nach dessen Tod 1835 ^^^ 
Freiherren v. Zoller verliehen. (Bavaria II, i, 659.) 

Die einfachen Gebäude bilden einen geschlossenen Bering. Zugang durch 
einen niedrigen Torturm mit Pyramiden dach. 

Neben demselben südlich die SCHLOSSKAPELLE MARIA OPFERUNG, schioß- 
(Matrikel R., S. 460.) kapciic. 

Laut Inschrift 1752 gebaut. 1870 restauriert. 

Rechteckiger Raum mit fünf Jochen ohne ausgeschiedenen Chor. Tonne mit 
Stichkappen. Wandpilaster. 

Deckenbilder. Gering. Um 1752. 

Altar und Kanzel einfaches Rokoko. Um 1752. 

An der südlichen Wand Grabstein für Georg Christoph Daniel von Frosch- Grabstein, 
heim, f 1685, 75 Jahre alt, und seine Frau Eva Susanna, geb. Nothaft von Weißen- 
stein, t 1660. Mit Ehewappen. 

Wohngebäude. Einfach, klassizistisch. 

Am Feldweg von Schloß Fuchsmühl nach Tirschnitz BILDSTOCK. Auf Bildstock, 
hoher Säule Bildhäuschen mit Pyramidendach. Am Sockel lyoö. Granit. H. ca. 4 m. 

GRIESBACH. 

VO. LUI, 197. — Reg. Boic. IV, 646; V, 246. — Brenner, S. 66, 71. — 
M. Küster, Das Reichsgut in den Jahren 1273 — 131 3, Leipzig 1883, S. 102. — 
Gradl, Mon. Egrana, Nr. 486, 525, 613. — Binhack, Waldsassen von 11 33 — 1506, 
I, 75. — Binhack, Abt Wigand, S. 6. — Brunner, S. 157. — Hügl, S. 93f., 116. 
— (Schuegraf), Materialien zur Geschichte von Griesbach, s. a. MS. im Hist. Ver. 
O. 654. 



3« 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Pfarrkirche. 



Einrichtung. 



Kelch. 



Glocken. 
Stein kreuz. 



KATH. PFARRKIRCHE ST. MARTIN. Matrikel R., S. 450. 

Ursprünglich Filiale von Wondreb. Durch Abt Anselm (17 10 — 1724) getrennt. 
(Brenner, S. 205.) Kirchenbau 1800. (Matrikel R.) 

Eingezogener Chor mit einem Joch und dreiseitigem Schluß. Langhaus mit 
drei Jochen. Im Chor und Langhaus Flachtonne mit Stichkappen. Sakristei südlich 
vom Chor. Westturm mit Helmdach. 

Altäre klassizistisch. Der Hochaltar wurde 1801 von dem Schreiner Joseph 
BuUing von Tirschenreuth verfertigt. Das Altarbild malte im gleichen Jahre der 
Tirschenreuther Maler Maurus Fuchs. (J. Gierster, Historisch-statistische Notizen über 
Griesbach, 1845. ^S. im Hist. Ver. O. 358.) 

Kanzel mit einfachen Laub- und Bandwerkschnitzereien. Um 1730. 

Tauf st ein. Holz. Klassizistisch. 

Orgelgehäuse. Flottes Rokoko. Stammt aus dem Klosterchor von Speins- 
hardt. (Gierster.) 

Im Chor vier Nischen mit den Holzfiguren der vier Kirchenlehrer. Barock. 

Kelch. Silber, teilvergoldet. Kupa mit Uberfang. Akanthusranken. Am 
Fuß silberne Medaillons mit Leidenswerkzeugen. Um 1700. Beschauzeichen Eger(?). 
Meistermarke IM im Queroval. 

Glocken. Zwei von Johann Divall in Amberg, 1801. 

Am Weg nach Mähring STEINKREUZ mit Pflugschar in Umrissen. Ein 
Kreuzarm abgeschlagen. Granit. 



GROSSKONREUTH. 



Pfarrkirche. 



Einrichtung. 



Kelche. 



Pfarrhof. 



VO. X, 354, 358, 360 f. — MB. XIV, 409; XXVII, 12, 32. — Th. Ried, 
Codex chronologico-dipl. episcop. Ratisbon., Regensburg 1816, Nr. 280. — Böhmer, 
Reg. imp. von 911 — 1213, Nr. 2652. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 53, 93. — Jos. 
WiLH. Wittmann, Chronik der Pfarrei Großkonreuth, MS. im Pfarrarchiv. 

KATH. PFARRKIRCHE ST. JOHANNES BAPT. Matrikel R., S. 450- 

Die 1726 konsekrierte Kirche (Matrikel R.) wurde durch den Bämauer Maurer- 
meister Philipp Mühlmayr erbaut. (Kreisarchiv Amberg, Bämau Amt, Nr. 1203, 
Fase. 17. [16. u. 29. April 1732.]) Vgl. S. 12. Turm zweifellos mittelalterlich. (Fig. 16.) 

Eingezogener quadratischer Chor im Ostturm. Tonnengewölbe. Achse von Chor 
und Schiff verzogen. Schiff zu drei Jochen. Kreuzgratgewölbe. Wandpilaster. Sakristei 
dem Chor östlich vorgelegt. Turm oben achteckig mit achtseitigem Spitzhelm. 
Im ersten Obergeschoß des Turmes zeigen sich innen zwei Reihen von Holzankem. 
Bruchsteinmauem. (Über Holzanker vgl. Piper, S. 144 ff.) 

Handwerkliche Deckenbilder um 1726. 

Drei einfache Altärchen um 1726. Mit Akanthusseitenranken. 

Tauf stein. Becken auf kanneliertem Achteckschaft. 

Kelche, i. Silber, vergoldet. Laub- und Bandwerkornamente. Am Fuß 
und Kupa farbige Emails. Um 1730. Beschauzeichen K im Vierpaß. Meister- 
marke MM. — 2. Silber, vergoldet. Rokokomuschelwerk. Beschauzeichen Augsburg. 
Jahresbuchstabe G (= 1745 — 1747). Meistermarke ^ im Herz. 

PFARRHOF. In einem Zimmer klassizistischer Ofen. Rund, mit einge- 
zogenem Aufsatz. Dieser schließt mit einer Vase. Gelbe Glasur. 



An der Straße nach Tirschenreuth STEINKREUZ. Ein Kreuzbalken ab- s 
geschlagen. Granit. Ohne Zeichen. 

GRÜN. 

Am Ende des Dorfes gegen Südosten steinerner BILDSTOCK. Auf hoher i 
Säule vierseitiges Bildhäuschen, dessen Pyramiden dach in ein Kreuz übergeht. Granit. 
H. ca. 4 m. 



t.-A. Tirschenreuth. 



GUMMELBERG. 



WALLFAHRTSKAPELLE U. L. FRAU. Zu Waldsassen gehörig. Matrikel 
R-, S. 458. — Kalender f. kath. Christen, Sulzbach 1884, S. 64—66. 

In jüngster Zeit abgebrochen. Neubau in der Nähe des ursprünglichen 
Standortes. 

HARDECK. 

B. EHEM. SCHLOSS. VO. XXXIII, 171—188; L, 144- — Reg. Boic. V, 330- 

— Brenner, S. 74, 81, 94, 107, 179, — Bavaria II, i, 658. — Binhack, Waldsassen 
von 1133 — 1506, I, 7s; II, 22 f. — Derselbe, Waldsassen von 1507 — 1648, S. 41- 



Die Feste Hardeck ging 1316 aus dem Besitz der Leuchtenbei^er durch Kauf 
an das Kloster Waldsassen über (Gradl, Mon. Egrana, Nr. 368, 644) und blieb, 
von einem kurzen Zwischenbesitz abgesehen, bis zur Säkularisation bei Waldsassen. 
Seitdem in Privatbesitz, die Güter zertrümmert. (VO. XXXIII, 185.) 

Das jetzige Schloß wurde um 1708 erbaut. (Binhack, Waldsassen von 1661 — 
I7SÖ, S. 157.) 

Doppelgeschossi ger Bau auf rechteckigem Grundriß mit einer Flucht von sieben 
Fenstern an den Langseiten. In der Mitte der beiden Schmalseiten springen poly- 
gone Erker vor, die vom Boden aufgehen. (Fig. 17,) 



HÖgelstein. — Hohenthan. 35 

HÖGELSTEIN. 

KATH. KIRCHE ST. NIKOLAUS. Nebenkirche von Mähring. Matrikel Kirche. 
R., S. 452. — VO. X, 344 — 362; L, 148. — Reg. Boic. III, 184. — Oefele, Rerum 
boicarum scriptores, Augsburg I (1763), 409. — Böhmer-Ficker, Reg. imp. von 11 98 
— 1272, Nr. 2379. — Brenner, S. 33, 75, iio. — Bavaria n, i, 636. — Janner 
I, 624; n, 183; III, 467. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 93, 189,-245, 254, 299, 686. — 
Gradl, Egerland, S. 56, 68, 85, 154, 306. — Schuegraf, Propstei Hohenstein, 1831, 
MS. im Hist. Ver. O. 187. 

Die einsam in den ausgedehnten Wäldern nördlich von Mähring gelegene Geschichte, 
kleine Kirche ist der einzige Überrest der ehem. Propstei Hohenstein. Hohen- 
stein war durch Kaiser Konrad II. dem Kloster Reichenbach geschenkt worden 
(MB. XXVII, 32. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 93), welches daselbst für seine 
umliegenden, vom Markgrafen Dipold im Jahre 1135 geschenkten Güter eine Propstei 
gründete. 1442 verkaufte Reichenbach die ihm ungelegene Propstei an das nahe 
Waldsassen. (MB. XXVII, 429.) 

Die um Mitte des 1 2. Jahrhunderts erbaute Kapelle (Ried, Cod. dipl. episcop. 
Ratisb., Regensburg 1816, Nr. 259) wurde 1659 — 1661, nachdem sie lange »öd 
gestanden«, durch Waldsassen wieder hergestellt. (Kreisarchiv Amberg, Waldsassen 
Amt, Nr. 451, Fasz. 16. — Binhack, Waldsassen von 1507 — 1648, S. 89.) Um 1890 
brannte sie ab und wurde darnach unter Verwendung des alten Mauerbestandes 
neu errichtet. 

Eingezogener quadratischer Ostchor. Langhaus zu zwei Fensterachsen. Der Beschreibung, 
kleine Dachreiter neu. Vor dem Brande befand sich an der südlichen Langhausseite 
gegen Osten ein romanisches rechteckiges Schlitzfenster. (Auf einer vom Pfarramt 
Mähring uns zur Verfügung gestellten Aufnahme der Brandstätte deutlich erkennbar.) 
Es wurden demnach bei der Neuherstellung im 17. Jahrhundert die romanischen 
Reste wieder verwendet. Mauerdicke i m. Die jüngste Neuherstellung hat den 
Bau völlig modernisiert. 

Am Altar schöner Rokokotabemakel mit Engelhermen. Seitlich zwei gut Altar, 
geschnitzte Bilderaltärchen mit Laub- und Bandwerkomament. 



HOHENTHAN. 

VO.XXXm, 11; XL, 122; Lin, 197; LIV, 226. — Reg. Boic. IV, 646; V, 246. 
— Brenner, S. 66, 71, 177. — Bavaria II, i, 630. — W. Küster, Das Reichsgut von 
1273 — 1313, Leipzig 1883, S. 102. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 486, 525, 613. — 
Binhack, Waldsassen von 1133 — 1506, I, 75. — Brunner, S. 156. — Högl, S. 91, 
97 f., III. — Neckermann, Beginn der religiösen Wirren im Stiftland Waldsassen 
1555, Beilage zur Augsburger Postzeitung 1903, S. 6 f. — Schuegraf, Materialien 
zur Geschichte von Hohenthan, s. a. MS. im Hist. Ver. O. 670. — J. Hell, Hohen- 
than, 1845. MS. im Hist. Ver. O. 375. 

Ansicht auf der Karte des Christophorus Vogel von 1600, vgl. das Nähere S. 8. 

KATH. PFARRKIRCHE ST. BARTHOLOMÄUS. Matrikel R., Pfarrkirche. 
S. 451. 

3* 



36 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Pfarrkirche. 



Einrichtung. 



Kelche. 



Glocken. 



Chronostichon im Chor: Vt gLorIfICetVr BarthoLoMaeVs atq Ve In Ipso 
DeVs (= 1729). Erbaut durch den Bärnauer Maurermeister Philipp Mühlmayr. 
(Kreisarchiv Amberg, Bärnau Amt, Nr. 1203, Fasz. 17 [16. u. 29. April 1732].) Vgl. 
S. 32. Am Turm ij86. 

Eingezogener quadratischer Chor mit Spiegelgewölbe. Langhaus zu drei Jochen 
mit Tonne und Stichkappen. Wandpilaster. Sakristei nördlich vom Chor. Westturm 
mit Kuppeldach. 

Deckenbilder mit Szenen aus dem Leben des hl. Bartholomäus in mäßig 
großen Medaillons. Restauriert. 

Drei einfache Altäre um 1729. Bilder neu. Johann Gebhardt von Prüfening 
malte 17 17 für Hohenthan das Bild des Kirchenpatrons. (Binhack, Waldsassen von 
1661 — 1756, S. 142.) Das Schicksal des Bildes ist unbekannt. 

Kanzel mit den Reliefs der Kirchenväter. Am Schalldeckel Putten und 
St. Paulus. Um 1729. 

Taufstein. Bez. iy()8. Einfach. 

Kelche, i. Silber, teilvergoldet. Laub- und Bandwerkomamente. Kupa mit 
Uberfang. Beschauzeichen Eger. Meistermarke TAP im Queroval. Um 1730. — 
2. Silber, vergoldet Klassizistische Festons und Rosetten. Beschau zeichen Augsburg. 
Jahresbuchstabe z (= 1779 — 1781). Meistermarke 0X8 im Queroval. (Rosenberü, 
365: Caspar Xaver Stipeldey.) 

Glocken neu. (Die älteren Glocken verzeichnet bei Hell: i. Balthasar 
Blatzer von Eger, 1692. [Vgl. S. 54, 62.] — 2. Joh. Erhard Kissner von Stadtam- 
hof, 1786.) 

PFARRHOF. Steintafel mit Wappen des Abtes Alexander (1744 — 1756) 
von Waldsassen mit der Jahreszahl 1752, 



HOHENWALD. 



Bildstock. 



Vor dem Dorf an der Straße nach Tirschenreuth steinerner BILDSTOCK 
Umgeworfen. Bez. 172g, Granit. 



KAPPEL. 



Wallfahrts- 
kirche. 
Literatur. 



Geschichte. 



KATH. WALLFAHRTSKIRCHE DER HL. DREIFALTIGKEIT. 
Zur Pfarrei Münchenreuth. Matrikel R., S. 453. — Brenner, S. 195, 212. — Kalender 
f. kath. Christen, Sulzbach 1857, S. 84 — 89; 1884, S. 67 — 69. — Oberbayer. Archiv XVII 
(1857), 103 u. Tfl. II. (Wallfahrtsmedaille.) — W. Wildenauer, Beschreibung der 
Wallfahrts-Kirche »Kappl«, Pfarrei Münchenreuth, Tirschenreuth 1880. — Gurlitt, 
Geschiebe des Barockstiles und des Rokoko in Deutschland, Stuttgart 1889, S. 200. 
(Grundriß S. 199.) — F. Binhack, Geschichte der Dreifaltigkeitskirche bei Wald- 
sassen, Eichstätt 1890, Programm des Kgl. Gymnasiums, S. 77 — 90. — Rechnungen 
von 1645 — 1661, Kreisarchiv Amberg, Waldsassen Amt, Nr. 451, Fasz. 16 (»Capelle 
St. St. Trinitatis nechst Münchenreith«.) 

Geschichte. Auf dem Glasberg bei Münchenreuth stand schon im Mittel- 
alter eine Kirche zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit. Im Husitenkrieg und im Lands- 
huter Erbfolgekrieg wurde sie zerstört, aber beidemale wieder aufgebaut. Abbildung 



Kappcl. 37 

der nach 1504 wieder erbauten Kirche auf Karte Nr. 3122 (vgl. das Nähere S. 8). Waiifahrts- 
Zur Zeit des Kalvinismus sank sie abermals in Trümmer. 1645 — '^4^ erfolgte "««"cne. 

Gcschi eilte« 

der Neubau einer Kapelle, in der Oberst August von Fritsch 1652 einen Hochaltar 
stiftete. (Vgl. Lorenz Westen rieder, Beyträge zur vaterländischen Geschichte, 
München IV [1792], 187 f.) 

Die Kapelle wurde für den Volksandrang zu klein, und so erfolgte von 1685 — ^9 
der Bau der heutigen Kirche. 

Der Meister dieser originellen Bauschöpfung ist den Chroniken zufolge Georg 
Dientzenhofer. (Binhack, S. 85. — Derselbe, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 129.) 
Die bestimmte Ausdrucksweise der Chronisten, die Dientzenhofer als den »kunst- 
reichen Erbauer« der Dreifaltigkeitskirche feiern, der verdiene, unsterblich im Ge- 
dächtnisse fortzuleben, macht es zum mindesten sehr wahrscheinlich, daß Dientzen- 
hofer den Bau nicht bloß ausführte, etwa nach einem Entwurf des Abraham Leutner 
(vgl. S. 105), sondern daß er denselben auch erdachte. Dafür spricht auch der Um- 
stand, daß zwischen der Kappel und der Klosterkirche in Waldsassen keinerlei 
künstlerische Berührungspunkte bestehen. Über Gg. Dientzenhofer vgl. Hugo 
ScHMERBER, Beiträge zur Geschichte der Dientzenhofer, Prag 1900, S. 10 u. 17. — 
OiTO Weigmann, Eine Bamberger Baumeisterfamilie um die Wende des 17. Jahr- 
hunderts, Straßburg 1902, S. 19 f. Dientzenhofers Originalgrundriß für die Kappel 
befindet sich in der Bibliothek des Bayer. Nationalmuseums, Nr. 4584, S. 272 — 274. 

Den kunstvollen Dachstuhl schuf der Zimmermeister Johann Schenkel von 
Waldershof. (Wilden auer, S. 15.) Über Schenkel vgl. Kunstdenkmäler der Ober- 
pfalz, Heft X, B.-A. Kemnath, S. 15. 

1689 war der Bau vollendet. Die Konsekration erfolgte im gleichen Jahr. 
(Matrikel R. [nach Wildenauer, S. ii erst 17 11.]) 

Die Kirche entbehrte aber noch der Stukkaturen und Malereien. Die Kuppel- 
gemälde ließ Abt Eugen (1724 — 1744) durch Anton Smichäus (Schmichäus) ausführen. 
(Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 93.) Über Smichäus vgl. Gottfried Joh. 
Dlabacz, Künstlerlexikon für Böhmen, Prag II (1815), 124. — Bohumil Matejka, 
Topographie der Historischen und Kunstdenkmale im Bezirk Laun, Prag 1897, S. 71. 

Auf die gleiche Zeit weist der Stil der Stukkaturen hin. Auch die Orgel ver- 
dankt dem Abt Eugen ihre Entstehung. (Binhack, S. 93.) 

Am 3. März des Jahres 1880 ging das Dachwerk der Kirche und der Türme 
durch einen Brand zu Grunde. Die Gewölbe hielten glücklicherweise stand. Die 
Wiederherstellung erfolgte im gleichen Jahre. (Wildenauer, S. 15.) 

1903 — 1905 erfolgte mit Staatsunterstützung eine gründliche bauliche Restau- 
ration. 

Beschreibung. (Grundriß Fig. 18, Schnitt Fig. 19, Ansichten Tafel III u. IV.) Beschreibung. 
Bei der Anlage der Kirche wurde zur Veranschaulichung des Mysteriums der Trinität 
die Dreizahl in origineller, teilweise ans Gesuchte grenzenden Art durchgeführt. 
Der Grundriß bildet einen Dreipaß. In den drei einspringenden Winkeln erheben 
sich drei Rundtürme. Das Ganze umläuft ein schmaler Gang, dessen Grundrißlinie 
jener des eingeschlossenen Baues folgt. 

Jede der drei Halbrotunden wird durch eingezogene Pfeiler in drei kleinere 
Kapellen gegliedert, die durch Quertonnen mit Stichkappen überwölbt sind. Die 
mittlere dieser Kapellen nimmt die volle Höhe des Raumes bis zur Wölbung ein, 
die beiden Seitenkapellen dagegen sind zweigeschossig : unten der Altarraum, darüber 
ein Oratorium mit offener Holzbalustrade (Fig. 19). Über den eingezogenen Pfeilern 



3» XIV. B..A. TirsehenreWh. 

erhebt sich in jeder der Halbrotunden eine Halbkuppel. Sie ruht auf einem gebälk- 
artig gegliederten breiten Gesims, Über jeder Kuppel eine enge Laterne. Die 
Gewölbefläche, welche die drei Halbkuppeln verbindet, heißt im Volksraund »Triangel«. 
Die eingezogenen Pfeiler zwischen den Kaptellen sind mit gekuppelten Pilastem 
besetzt. Die einspringenden Eckpfeiler zwischen den drei Halbrotunden werden 
durch eine eingebundene Säule am Eckpunkt und zwei seitliche Pilaster gegliedert. 




Sämtliche Pilaster und Ecksäulen tragen korinthisierende Kapitelle. Das krätlige 
Hauptgesims, dessen Fries unter Abt Eugen mit Laub- und Bandwerk stukkiert 
wurde, schließt das System der Wandbelebung. 

Das Äußere ruft die Erinnerung an slavische Bauten wach. Die bimförmigen 
Kuppeldächer dreier Türme und Laternen, die hohe Rotunde über dem niedrigen 
Umgang, daKU spärlich belebte Wände, das alles zusammen bildet eine ungewohnte 
Erscheinung. 



K»ppel. 39 

Die hohe Begabung, die trotz der nicht zu verkennenden Schwächen aus dieser ' 
eigenartigen Schöpfung spricht, hätte zweifellos noch bedeutende Werke geschaffen, 
wenn Georg Dientzenhofer nicht so früh aus dem Leben geschieden wäre. Am 
3. Februar 1689 starb er in Waldsassen, wohl noch ehe der Bau der Kappel gänzlich 



Fig'ig. Kippet. SchnlttldEt Wall&hrQkirchc. 

vollendet war. (Btnhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 129.) Von Interesse ist 
es, das Volksurteil über die Kappel zu hören: es äußert sich in den Worten des 
Klosterchronisten, die Kirche sei ein »wunderbares und kaum irgendwo auf Erden 
vorkommendes Kunstwerk«. (Binhack, S. 85.) Es muO übrigens bemerkt werden, 
daß die in der Kappelkirche verwirklichte architektonische Idee nicht absolut neu 
ist. Schon 1675 war beim Bau der Dreifaltigkeitskirche auf dem Aimesberg bei 
Kemnath der gleiche Gedanke, wenn auch in bescheidenerer Form, aufgetaucht. 



40 XIV. B.-A. Tirecbenreulh. 

Das Fehlen der nötigen Mit- 
tel scheint aber dort die Aus- 
führung verhindert zu haben, 
(Vgl. Kunst denk mäler der 
Oberpfalz, Heft X, B.-A. 
Kemnath, S. i4f.) Vgl. auch 
den eigenartigen Grundriß 
der um 1670 entstandenen 
Kirche in dem der Heimat 
der Dientzen hofer benach- 
barten Westemdorf. (Kunst- 
denkraäler von Oberbayem, 
S. 1543, 1690.) 

Die maßvolle Stukkie- 
r u n g gehört der Periode 
des frühen Rokoko an, ent- 
stand also zweifellos unter 
Abt Eugen gleichzeitig mit 
der Bemalung der Halb- 
kuppeln. 

Die Polychromie der 
Kirche ist auf den Grundton 
Weiß gestimmt. Die Pilaster 
und Säulen zeigen grün- 
grauen Marmor, die Gesimse 
Tönung in Rosa, das Laub- 
und Bandwerk in den Fliesen 
Gelb und Weiß, in den Ton- 
nen Weiß und Gelb auf blaß- 
grünem Grund. Die Halb- 
kuppeln sind gänzlich mit 
figürlicher Malerei überzogen. 
DenKuppelmalereien 
des Smichäns liegt als Thema 
das Gloria Patri tt FUio et 
Spiritui sancto zugrunde. 
In der ersten Rotunde die 
Anbetung Gott Vaters durch 
alle Stände der Menschheit ; 
Fiit lo Kappcl Kunici dtr w^ifihrukircht '" ^^^ zweiten die Glorie 

des Sohnes Gottes bei seiner 
Auferstehung; in der dritten die Glorie des hl. Geistes, dargestellt durch sein Wirken 
vor und nach der Menschwerdung Christi. Im »Triangel» Engelgruppen zu je drei 
Figuren, die das Sanctus singen. 

In den zwei Seitenkapellen jeder Halbrotunde befindet sich je ein Wand- 
gemälde. Erste Kapelle: Weltschöpfung und Verbot des Baumes im Paradies. — 
Zweile Kapelle: Menschwerdung Christi und Kreuzestod. — Dritte Kapelle: Pfingst- 
fest und Leitung der Kirche durch den hl. Geist. 



Kappel 

Innenansicht der Wallfahrlskirche 



XIV. B.-A. TirschcnrcutI 



Sämtliche Malereien haben durch die Zeit, die Decken malere ieo außerdem 
durch den Brand (1880) Schaden gelitten. Zudem hatte Smichäus auf Verlangen 
des Auftraggebers die Gemälde mit Ölfarben gemalt, was sich für deren Bestand als 
sehr nachteilig erwies. (Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 142.) Immerhin 
aber läOt auch der heutige Zustand erkennen, daß es sich um tüchtige Schöpfungen 
handelt. 



49 XIV. B.A. Tincbenreuth. 

Altäre. Jede der drei Rotunden besitzt drei Altäre. Sie stammen aus der 
Zeit um 1690. Die Hauptaltäre sind in rötlichem Stuckmarmor ausgeführt. Je vier 
Säulen, Altarblatt und zwei Seitenfiguren in weißem Stuck. Gute AufbauteD. Die 
getrennt stehenden Mensen besitzen getriebene, versilberte Antependien mit Akanthus- 
ranken und Fruchtstücken. Um 1715. Wohl von Gg. Göhringer in Eger. Vgl. S. 116. 
Die Seitenaltäre sind in Holz ausgeführt. Je vier Säulen. Im oberen Auszug gut 
geschnitzte Engel. Altarbilder. 

Kanze! (Fig. ao). Sehr gute Schöpfung um 17^0. Am Korpus Evangelisten- 
reliefs, auf dem Schalldeckel deren Symbole. Der Schalldeckel endigt mit dem von 
Engeln umschwebten Symbol der Trinität. Das reiche Akanthusschnitzwerk ist mit 
Bändern durchsetzt. 

Orgel (Fig. 21). Hohes, schmales Gehäuse mit I-aub- und Bandwerk- 
schnitzereien. Daneben ist älteres Akanthusschnitzwerk wieder verwendet. Die 
elegante Stukkierung an der balkonartigen Vorkragung erinnert an die Stukkaturen 
des Paul Marazzi am Oratorium der Gäste in Waldsassen. (Vgl. S. 106.) 

Kirchenstühle. Um 1690, Mit Pilastem, Rahmenwerk und Akanthus- 
aufsatz. Gut. (Tafel IV.) 

Beichtstuhle. Zwei mit Akanthusschnitzwerk. Um 1 700. Zwei mit Rokoko- 
schnitzereien. Mitte des 18. Jahrhunderts. 



Apostelleuchter. Schmiedearbeiten im Laub- und Bandwerkstil. Um Apo.icii.uchwr. 
1730. Gut. 

Am Altar der Verkündigung zwischen den Leuchtern bemalte Holzfigur HoiiüguRn. 
St Maria mit Jesuskind. Gute Barockarbeit. H. im. — Am Altar der Immakulata 
bemaltes Holzfigürchen St. Afra. Sehr gute Barockarbeit. H, 0,90 m. 

In der südlich von der Kirche stehenden kleinen Kapelle befindet sich eine 
Reliefgruppe der Krönung Mariens. (Fig. 22.) Holzschnitz werk. Die drei Figuren 
gesondert. Um 1520. H. 1,35 m. Jetzt unbemalt. Die Gruppe hat sich wohl aus 
der unter den Äbten Andreas, Nikolaus und Valentin {1512 — 1529) nach der Zer- 
störung im Bayerischen Erbfolgekrieg wiedererbauten Dreifaltigkeitskirche erhalten. 
(Bdjhack, S. 78.) 

Kelche, i. Silber, vergoldet. Ohne Schmuck. Beschau zeichen Augsburg. G«ite. 
Meistermarke Ali im Queroval. — z. Silber, teilvergoldet. Kupa mit Uberfang. 



44 XIV. B.-A. Tincbeomnh. 

Zwischen Akanthusranken an Fuß und Kupa je drei (arbige Emaib mit biblischen 
Szenen- ADfan« des 18. Jahrhunderts. IJeschau zeichen Eger, Meistermarke JHP 
im Queroval. — 3. Silber, vetiroldet. Kujia mit Uberfang. An Fuß und Kupa je 
drei getriebene Medaillons niii Passionsszenen, dazwischen Engel mit Leidenswerk- 
zeugen. .Anfang des 1 8. Jahrhunderts. Beschauzeichen Regensburg. Meistermarke SO 
im Üval. 'Fig. aj." 

Meßkännchen mit Platte. Silber, vergoldet. Reichgetriebenes Rokoko 
muschelwerk mit Blumen und Tieren. Vorzü:;hche .\rbeiL (t^g. a^.) Beschau- 
zeichen Augsburg. Jahresbuch Stabe \ (= 1757 — 59). Meistermarke ^^ im Dreipafl. 
(RosE.vBERU, 375 : Georg Ignaz Bauer.) Vgl. S. 67. Länge der Platte 0,38 m. Höhe 
der Kännchen o,iS m. 

Die KRF.LZWEGSTATIONEN von Waidsassen nach Kappel ließ Abt 
Albert Hausner eirichten. Im 1698. yßiSH.tCK, Wald^A-^sen von 1661 — 1756, S. 31.) 



KONNERSREUTH. 



VO. XXII, s: LIU, 196. — MB. XXXIa, 496. — Zimmermann, Kalender V, 
320. — I)EST0tcHE5, Statistik, S. 401. — I.iPOwsi;v, Nazional (Jarde .\bnanach fiir 
das Königreich Bayern 1815, S. 160 f. — Bresner, S. 95, 109, 114, 170, 229. — 
Bavaria II, i, 658. — Brlnner, S. 149 f , 171 ff., 180 ff. — Houl, S. 93. 
Ansicht auf den Karten Nr. 3131 und 3 tu (vgl. das Nähere S. 8). 
KATH. PFARRKIRCHE ST. I.AURENTIUS. Matrikel R., S. 451- — 
VO. XXII, 785. 

Um 1565 von Münchenreuth getrennt. iBinhack, Jahresgeschichten von Joh. 
(Jg. Ruprecht, S, 6.) Neulau unter Abt Wigand (777—81. (Matrikel R. Vgl. Binhack, 
Abt Wigand, S- 6.) 

Eingezogener Chor mit einem Joch und dreiseitigem Schluß. Schiff zu drei 
Jochen. Sakristei dem Chor östlich vorgelegt. Westturm, im Chor und I.anghaus 
Tonne mit Stichkappen. Ciekuppclte Wandpilaster. An der 
Decke Rahmenwerk. Turm mit Kuppeldach. 

Drei Altäre in einfachem Rokoko mit Säulen und 
Bildern. Mensa und Tabernakel des HochalLirs freistehend. 
Um ,,80. 

Stuhl Wangen. Hübsches Rokoko. 
Taufstein. Kufenartiges, achtseitiges Becken mit 
gebrochenen Seitenwänden. Kurzer, achtseitiger Sockel. 
Granit. Späteste Gotik. [Fig. 24.) Auf dem Deckel holz- 
Tiufsinn in der PfirAitcht. geschnitzte Gruppc der Taufe Christi. 18. Jahrhundert. 

Orgel gehäuse mit .\kanthusschnitzwerk. Cm 1 700. 
Am Triumphbogen vergoldete Holzfigur St. Ursula. Gute Arbeit um 1730. 
H. ca. 1,60 m. Stammt aus der abgebrochenen Kapelle bei Fockenfeld. (Vgl. S. 30.) 
Kelch. Silber, teil vergoldet. Kupa mit Uberfang. Akanthusranken mit Engels- 
köpfchen. Um 1700. Ohne Marken. 

Glocke. Umschrift zwischen Zinnen und Spitzbogenfries in gotischen Mi- 
nuskeln : Christoph glocktngieser zv nvrinbfrg gos mich goltts wert bleibt ewig glavb 
dem mit that bist selig. Dchm. 1,03 m. Die nämliche Inschrift auf einer Glocke 



Konnersreuth. — Leonberg. 4 g 

in Premerzhofen bei Beilngries. (Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft XIII, Pfarrkirche. 
B.-A. Beilngries II, Amtsgericht Riedenburg, S. 97.) 

Am Ende des Dorfes gegen Waldsassen bescheidene KAPELLE. Kapelle. 

Vor derselben an der Straße steinerner BILDSTOCK. Auf vierseitigem Bildstock. 
Schaft tabernakelartiger Aufsatz mit handwerklichen Reliefs : Simon von Cyrene hilft 
Jesus das Kreuz tragen, Jesus am Kreuz, die Himmelskönigin, Wappen des Stifters. 
Der Inschrift am Schaft zufolge gestiftet 16^2 durch den Bäcker und Bürgermeister 
Lorenz Eckhard. Granit. Höhe 1,30 m. 

LEONBERG. 

VO. LIII, 197. — Reg. Boic. II, 342; III, 470. — Brenner, S. 34 f., 66, 91, 
137 f., 205. — BöHMER-FiCKER, Reg. imp. von 1198 — 1272, Nr. 4476. — Gradl, 
Mon. Egrana, Nr. 167, 168, 171, 179, 202, 303. — Binhack, Waldsassen von 1133 — 
1506, I, 31. — Derselbe, Waldsassen von 1507 — 1648, S. 8. — Derselbe, Wald- 
sassen von 1661 — 1756, S. 50. — Gradl, Egerland, S. 74, 83, 88, 89, 104. — 
M. DoEBERL, Die Landgrafschaft der Leuchtenberger, München 1893, S. 7. — Brunner, 
S. 149. — HöGL, S. 96, 168. — Benedikt Marr, Leonberg, 1845. MS. im Hist. 
Ver. O. 222. 

KATH. PFARRKIRCHE ST. LEONHARD. Matrikel R., S. 452. Pfarrkirche. 

152 1 wird Leonberg von Tirschenreuth getrennt und zur selbständigen Pfarrei 
erhoben. (Brenner, S. 137. Vgl. ebenda, S. 44.) 

Neubau mit Benützung eines gotischen Turmes und vielleicht auch Chores 
vor 1726. In diesem Jahre Konsekration. (Matrikel R.) Den Neubau führte der 
Bämauer Maurermeister Philipp Mühlmayr auf. (Kreisarchiv Amberg, Bämau Amt, 
Nr. 1203, Fasz. 17 [16. u. 29. April 1732]). Vgl. S. 36. 

Eingezogener, gerade geschlossener Chor mit zwei Jochen. Kreuzgratgewölbe. 
Langhaus zu drei Jochen mit Tonnengewölbe. Am östlichen Joch des Langhauses 
springen zwei Kreuzflügel mäßig aus. Quertonne mit Stichkappen. Wandpilaster. 
Am Gewölbe einfaches Rahmen werk mit Perlstäben. Turm und Sakristei südlich 
vom Chor. Der Turm geht vom ersten Obergeschoß ab ins Achteck über. Kuppel- 
dach mit Laterne. Am Turmaufgang Spitzbogen mit Fase. 

Hochaltar. Das Altarbild St. Leonhard ist von einem tüchtig geschnitzten Einrichtung. 
Rahmen mit Akanthusranken und Engeln umgeben. Um 1726. Antependium mit 
Abendmahlsrelief. Um 1750. Mensa und Tabernakel vom Aufsatz getrennt. (Fig. 25.) 

Seitenaltäre. Muschelnischen für Figuren. Je zwei Seitenfiguren. Im oberen 
Auszug Engelgruppen. Rokokoantependien. Gut. 

Kanzel. Am Korpus Szenen aus dem Leben des hl. Leonhard in Reliei. 
Am Schalldeckel Evangelistensymbole. Um 1726. 

Tauf stein. Steinkufe mit Kamiesprofil. Achtseitiger Rand und achtseitiger 
niedriger Sockel. Granit. Späteste Gotik. (Fig. 26.) 

Stuhlwangen und Beichtstühle um 1726. 

Orgel. Flottes Rokokogehäuse mit dem Wappen von Waldsassen und dem 
des Zisterzienserordens. Inschrift im Werk: Johann Conrad Prandensteiner Orgel- 
macher zu Stadt am Hof 1748, (Marr.) 

Neben den Seitenaltären je ein Wandschrein mit Muschelnische für eine Statue. 
Reiches Akanthusschnitzwerk umgibt die Nischen. Aus der Zeit des Hochaltars. 



XIV. B..A. TirecheDreuth. 



Leonberg. 



47 



Am nördlichen Seitenaltar Reliquienaltärchen mit Filigranarbeiten in Pfarrkirche. 
Rokokorahmen. 

Am südlichen Nebenaltar Miniaturholzschnitzereien: St. Bernhard und Miniatur- 
St. Leonhard in Barockrahmen. Wohl von Andreas BurgL Vgl. S. ii8. In der 
Mitte daselbst Madonnen relief aus Wachs 
auf Spiegelhintergrund, umgeben von Fili- 
gran. In schönem Rokokorahmen. 

Schmiedeiseme Apostelleuchter, ^^^, Apostei- 

im Chor mit Laub- und Bandwerkmdtiven, ^ ^ leuchter. 

im Schiff mit Rokokoschweifwerk und Ro- 
setten. (Fig. 27). 




Geräte. 



Fig. 36. Leonberg. 
Taufstein in der Pfarrkirche. 

Monstranz. Kupfer und Silber. 
Um das Gehäuse St. Emmeram und St. Leon- 
hard. Akanthusranken um 17 10. 

Kelche. Silber, vergoldet, i. Laub- 
und Bandwerkomamente. Am Fuß und 
Kupa farbige Emails. Um 1730. Beschau- 
zeichen Eger. Meistermarke TAF im Oval. 
— 2. Laub- und Bandwerkomamente. Mar- 
ken undeutlich. — 3. Rokokoschweifwerk. 
Sehr tüchtig. Beschauzeichen Augsburg. 
Jahresbuchstabe J (= 1749 — 1751). Meister- 
marke ^j£ im Herz. 

Meßkännchen mit Teller. Silber. 
Klassizistische Festons und Rosetten. 
Ende des 18. Jahrhunderts. Beschauzeichen 
Augsburg. Meistermarke 0X8 im Oval. 

(Rosenberg, 365: Caspar Xaver Stipeldey.) — Meßkännchen mit Teller. 
Silber, vergoldet. Laub- und Bandwerkomamente. Ohne Marken. 

Glocken neu. (Inschriften der älteren [nach Mark]: /. AVE MARIA etc. — docken. 

2. 5. dctfs s, fortis s, inmortalis et s. Leonarti (?) anno domini M^ cccc^ Ixxntt, — 

3. Johann Georg Jordan in Eger, 1741.) 

FRIEDHOFKAPELLE. Eingezogener halbmnder Chor. Im Schiff zwei Friedhof- 
Fensterachsen. Flachdecke. kapeiie. 

Hübsches Altärchen. Rokoko. 

OLBERGKAPELLE. Holzgruppe: Christus und drei Jünger. 17. — 18. Jahr- öiberg- 
hundert. v^v^n^- 




Fig. 37. Leonberg. 
Apostelleuchter in der Pfarrkirche. 



48 XIV. B.-A. Tirschenreath. 

LIEBENSTEIN. 

BURGRUINE. VO. XXXH, 181—200. — MB. XIV, 428; XXVO, 3a; 

XXIX, 25. — Reg. Boic. IV, 674. — Brenner, S. 39, 54, 61, 67 f., 86, 98, 172, 

189, — BavariaU, i, 635. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 167, 471, 503. — Binhack, 

Waldsassen von 1133 — 1506, I, 57 f. — 

Gradl, Egeriand, S. 6a, 127. 

Ansicht auf der Karte des Christo- 
PHORüs Vogel von 1600, vgl. das 
Nähere S. 8. {Fig. 28.) 

Geschichtliches. Liebenstein 
war Stammsitz des Geschlechtes der 
Li eben stein er, die seit Mitte des 12. Jahr- 
hunderts urkundlich erwähnt werden. 
(Gradl, Mon. Egrana, Nr. 63, 75, 85, 93.) 
Fig. .8. u.ben,iöfl. An«cht .uf Vog=i, Karte *'^K^° ^°*^^ '^«^ '3- Jahrhunderts scheint 

dc> Amici FlDucnbQrK ron 160a. das Geschlecht im Mannesstamm aus- 

gestorben zu sein, denn 1798 verkauft 
Dietrich von Parsberg mit Zustimmung seiner Gemahlin Elisabeth, die dem Lieben- 
steiner Geschlecht angehörte, sein Schloß Liebenstein an den Abt Theodorich und 
Konvent von Waldsassen. {VO. XXXII, 187, 197 ff.) 

Abt Theodorich befestigte Liebenstein mit großen Mühen. (Binhack, Wald- 
sassen von 1133 — 1506, I, 58.) Die Feste scheint demnach in verwahrlostem Zu- 
stand auf Waldsassen gekommen zu sein, Abt Franz (1338—1347} umgab sie noch 



mit einer »äußeren Mauer«, worunter wohl ein Zwinger zu verstehen sein dürfte. 
(Ebenda, n, 9.) 

Wie Falkenberg wurde Liebenstein seit etwa Mitte des 17. Jahrhunderts dem 
Verfall überlassen. (Vgl. S. 22 f.) Es wird gemeldet, daß die Burg schon seit 1634 
nicht mehr bewohnt war, (Binhack, Jahresgeschichten von Joh. Gg. Ruprecht, S. 22.) 

Bis zur Säkularisation befand sich in Liebensiein ein Richteramt. 



Lieb«nsinn. 4^ 

Beschreibung. Die Burg lag an der Ostspitze einer kurzen, von Westen 1 
nach Osten verlaufenden Hügelerhebung, nördlich vom Dorfe I.iebenstein. Nach ' 
Osten, Süden und Norden Sleilabfälle mit kühnen Granitwänden. {Profil Fig. 29.) 



Fig. 30, Lodennühi. DreifaltigltiEusäule. 

Gegen Westen, von wo der Zugang erfolgte, schnitt ein Halsgraben den Burgbering 
von dem weiteren kurzen Hügelrücken ab. Vielleicht lag daselbst gegen Westen 
eine kleine Vorburg, was nicht mehr sicher zu konstatieren ist. 

Von der nicht großen Anlage hat sich nur gegen Nordosten Über den steilen 
Granitwänden ein Mauereck erhalten, das nach innen zu ca. 4 m hoch ist. Die 

Heft XIV. 4 



go XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

äußere Schale zeigt Eckquadern, außerdem unsorgfaltiges Mauerwerk mit Ziegel- 
auszwickungen. 
Bildstock. An der Straße nach Tirschenreuth steinerne BILDSTOCK. Vierseitiger Bild- 

tabernakel mit Spitzhelm. Granit. H. ca. 3 m. 

LODERMÜHL. 

Bildsäulen. An der Straße steinerne BILDSÄULE. (Fig. 30.) Über dem Kapitell Relief 

der hl. Dreifaltigkeit in Mandorlenform. Am Sockel Relief: St. Andreas. Der In- 
schrift an der Rückseite des Sockels zufolge Stiftung des Johann Andreas Ziegler 171g. 
Granit. H. ca 4 m. 

Gegenüber auf der anderen Seite der Straße ähnlicher BILDSTOCK mit 
vierseitigem Bildhäuschen. Umgestürzt. 

MÄHRING. 

Pfarrkirche. VO. XXII, 37, 50, 253; LIII, I98; LIV, I97. — Reg. Boic. I, 328, 352. 

Zimmermann, Kalender V, 322. — Dkstouches, Statistik, S. 354. — Kalender für 
kath. Christen, Sulzbach 1898, S. 76 — 87. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 98, 109. — 
Gradl, Egerland, S. 63, 67, 69, 71, 164.' — Brunner, S. 151 f. — Högl, 
S. 14, 93, 116. 

KATH. PFARRKIRCHE ST. KATHARINA. Matrikel R., S. 452. — 
VO. XXII, 285. 

Ursprünglich Filiale von Griesbach. Um 1565 getrennt. (Brenner, S. 170.) 
Im Jahre 1660 wurde der ahe »hilzere« Turm abgebrochen und dafür der jetzige 
gemauerte erbaut. (Binhack, Jahresgeschichten von Joh. Gg. Ruprecht, S. 23.) 1771 
wurde die Kirche mit Benutzung des alten Chores und Tumies neugebaut. (Bin- 
hack, Abt Wigand, S. 6.) 

Eingezogener, gerade geschlossener Chor mit Spiegelgewölbe. Langhaus zu 
drei Jochen. Flachtonne mit Stichkappen, daran einfaches Rahmenwerk. Sakristei 
südlich vom Chor, Turm nördlich am ersten und zweiten Joch des Langhauses mit 
Eingang im Untergeschoß. Kuppeldach. 
Einrichtung. Drei einfache Barockaltäre mit Bildern. Am Hochaltar hübscher Tabemakel- 

bau. Um 1730. (Lokaler Tradition zufolge stammt der Tabernakel aus Bämau, 
also wohl ursprünglich aus der Franziskanerkirche zu Amberg [vgl. S. 12].) 
Geräte. Monstranz. (Fig. 31.) Gelbguß, vergoldet. Sechspaßfuß mit gravierten 

Renaissanceomamenten. Gehäuse noch ganz gotisch. 16. Jahrhundert. H. 0,50 m. — 
Monstranz. Kupfer und Silber. Mit Akanthusranken. Um 17 10. 

Kelche, i. Silber, vergoldet. Sechspaßfuß und Vasennodus. Ohne Schmuck. 
Beschau zeichen Augsburg. Meistermarke BJ im Queroval. — 2. Silber, vergoldet. 
Klassizistische Festons und Rosetten. Beschau zeichen Augsburg. Jahresbuchstabe Z 
(= 1779 — 81). Meistermarke AM im Queroval. 
Glocken. Glockcn. I. Zweizeilige Umschrift in Renaissancemajuskeln: HANS STA IN 

GOS MICH GOT ZV LOB VND ER GLINCH{\) SCHEDLICHE WEDERQ.) 
VORDREIJVQ.) ICH VND DIDOENiS) PEBAINiS) ICH MDLXXX6 NCLASij) 
REISENFCKi}.) HANS DIBL M, D. MRZ, (= Hans Stain goß mich, Gott zu 



Mihring, g I 

Lob und Ehr kling ich, schädliche Wetter vertreib ich, und die Toten bewein ich. i 
1586. Nikias Reiseneck (?) Hans Dibl M. D. MRZ.) Am Mantel: JÖRG DIBL ' 
DERZEIT K. F. R. Außerdem Kreuzigungsrelief. Dchm. 0,85 m. (Über den 
Amberger Glockengießer Hans Stain vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft X, 



Kg. ,.. Mähring. SpälBOÜKh« MoDSInni in dir Pfarrkirghl. 

fi.-A. Kemnath, S. 44 f., 100. Eine ganz ähnliche Inschrift hat eine Glocke des 
Hans Stain in Obemdorf [Vgl. ebenda S. 65.]) — 3. Magnus Gabriel Reinburg von 
Amberg, 1718. 

Auf dem Platz vor der Kirche BILDSÄULE mit modemer Marienstatue. Biidi 
Granit. Um 1700. H. ca. 5 m. 

Im Markt mehrere malerische FACHWERK- und HOLZHÄUSER. F.ch 
Ähnlich denen in Neualbenreuth. (Vgl. S. 56 ff.) '*''" 



52 



Kirche. 



Beschreibung. 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



MARCHANEY. 



KATH. KIRCHE ST. JAKOBUS MAIOR. Nebenkirche von Schwarzen- 
bach. Matrikel R., S. 456. — MB. XXVII, 7, 12, 32. — Ried, Codex dipl. episcop. 
Ratisbon., Regensburg 181 6, Nr. 280. — Brenner, Waldsassen, S. 177, 195, 212. — 
Gradl, Mon. Egrana, Nr. 37, 53, 93. — Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 92. — 
Gradl, Egerland, S. 53, 56, 154. 

1599, zur Zeit des Kalvinismus, wurde die mittelalterliche Kirche abgebrochen. 
Die Steine verwendete man beim Bau des oberen Fischteiches zu Tirschenreuth. 
(Binhack, Waldsassen von 1507 — 1648, S. 41, 85. [Der bei diesem Anlaß erwähnte 
Hans Kotzer ist jedenfalls identisch mit dem Baumeister Hans von Kotza^ vgl. S. 20 
und VO. XXU, 379.]) 

Neubau 1733 (Matrikel R.) vermutlich durch Frater Philipp Muttone (vgl. Bin- 
hack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 138.) 

Vierpaßförmige Anlage mit verlängertem Chor. (Grundriß Fig. 32.) In den 
vier Kreuzarmen flache Halbkuppeln mit Stichkappen. Im Chor kommt hiezu ein 
Joch mit Flachtonne und Stich kappen. Über der Vierung erhebt sich eine Flach- 
kuppel mit einer hohen, engen Laterne im Zentrum. Dieselbe überragt die Dach- 
vierung nach Art eines Dachreiters. (Ansicht Fig. ^^,) 

Der Baumeister des idyllisch unter hohen Linden gelegenen Kirchleins schuf 
seinen Plan wohl unter dem Eindruck der Kappelkirche, aber mit entsprechend ein- 
facheren Mitteln. Die Kirche ist der einzige kleinere Bau dieser Art im Gebiet. 




Fig. 32. Marchancy. Grundriß der Kirche. 



Dcciccnbilder. 



Einrichtung. 



Deckenbilder. Im Chor: Schlacht zwischen König Ramiro und den Sara- 
zenen bei Clarijo (844) mit der Erscheinung des hl. Jakobus. In der Kuppel: 
Jakobus bei der Verklärung Christi; bei der Todesangst am Olberg; seine Enthaup- 
tung; Pilger (?) sehen über einem Tempel eine Erscheinung. Über der Orgelempore: 
Pilger beten am Sarkophag des Apostels. In der Laterne: die hl. Dreifaltigkeit. Die 
Gemälde befinden sich in defektem Zustand. Sie scheinen gute Arbeiten gewesen 
zu sein und gehören jedenfalls einem der Maler an, die durch Waldsassen beschäftigt 
wurden, vielleicht dem Smichäus oder Dollhopf (Vgl. S. 37, 59.) 

Hochaltar. Bescheidener Barockaufbau um 1733 mit drei Figuren. 

Nebenaltäre neu. 

Kanzel. Um 1733. 



Marchaney. — Mitlerhof. ■ 



Orgel mit hübschem Barockgehäuse. 

An den Wänden die barocken Holzfiguren der zwölf Apostel. Um 1733. 

Kelch. Silber, teilvergoldel. Kupa mit Uberfang. Am Fuß getriebene Ktk 
Heil igen brüst bi Ide r : St. Jakobiis, Bernhard und Michael. Akanthus ranken. Bez. 
/Ajö. Marken: zweimal JHF im Queroval. 

MITTERHOF. 

OKONOMIEGUT ' des Klosters Waldsassen. Spakrer, Das Klostergut üi 
Mitterhof, Kalender für kath. Christen, Sulzbach 1905, S. 64 ff. 

In einem Zimmer des Obergeschosses schöner Rokokoofen. Gelb glasierter 
Ton. Geschweirte Sihouette mit eingezogenem obern Aufsatz, Muschelwerk mit 
Rosen girlan den. Zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. 

Am Hof kleine KAPEl.l.E. Rechteckiger Raum aus zwei Bauzeilen: Altar- Kai 
räum wohl aus dem frühen 17. Jahrhundert mit einem schmalen Rundbogen- 
fensterchen. Im 18. Jalirhundert westlich verlängert. 

Altarraum durch ein Eisengitter abgeschlossen. Schöne Arbeit um 1700. 

MITTERTEICH. 

VO. XXXV, 153—284; I-in, 198. — Reg. Boic. I, 150, 338, 334; H. 4; 
IV, 54. — Zemmkrmann, Kalender V, 321. — Destouchks, Statistik, S. 398. — 
LiPOwsKY, Nazional- Garde- Almanach f. das Königreich Baiem 1816, S. 71 f. — 



54 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Brenner, S. 26, 46, 121, 138, 176, 178, 185 f. — K. Hohn, Atlas von Bayern, 
1840, IV, 123. — Bavaria II, i, 660. — Janner II, 196, 299. — Gradl, Mon. 
Egrana, Nr. 98, 117, 166, 171, 179, 322. — Gradl, Egerland, S. 69, 74, 78, 82, 
83, 89. — Götz, S. 883. — Högl, S. 10, 44, 65, 79 f., 166, 233. — Adam Denner- 
lein. Der Marktflecken Mitterteich, 1845. ^'^S. im Hist. Ver. O. 699. 

Ansicht auf den Karten Nr. 31 21 und 3122 (vgl. das Nähere S. 8). 
Pfarrkirche. KATH. PFARRKIRCHE ST. JAKOBUS MAJOR. Matrikel R., S. 452. 

Modemer Neubau mit Ausnahme des südlich vom Chor stehenden Turmes. 
Bauinschrift am Turm: ERB A VT 1606. (Vgl. Bin hack, Jahresgeschichten von 
Joh. Gg. Ruprecht, S. 13.) Quadratisch, mit Gurtgesimsen. Birnförmige Kuppel mit 
Laterne. 
Geräte. Monstrauz. Silber, teilvergoldet. Am Fuß Engelsköpfchen und Frucht- 

schnüre. Um das Gehäuse zwei Engel mit Geißelsäule und Hysopstengel, oben 
Maria als Himmelskönigin. Um 1650. Beschauzeichen Augsburg. Meister- 
marke BH im Queroval. 

Kelche, i. Silber, teilvergoldet. Mit Akanthusranken. Am Fuß Putten 
mit Leidenswerkzeugen und drei Heiligenbrustbilder in Silber. Gut. Um 1700. 
Beschauzeichen Eger. Meistermarke JMF im Queroval. — 2. Silber, vergoldet. 
Laub- und Bandwerk mit Gittern. Am Fuß und Kupa farbige Emails. Um 1730. 
Marken: Zweimal MM im Vierpaß. — 3. Silber, vergoldet. Rokoko-Treibwerk. Be- 
schauzeichen Augsburg. Meistermarke ITH. (Rosenberg, 377: Joseph Tobias Hezebik.) 

Meßkännchen mit Teller. Laub- und Bandwerk mit Gittern. Marken : Zwei- 
mal MM im Vierpaß wie oben. 
Glocken. Glocken neu. (Die älteren Glocken verzeichnet bei Dennerlein: i. Spät- 

gotisch mit Umschrift: ave maria etc. — 2. Balthasar Platzer in Eger, 1609. — 
3. Joseph Ulrich Schelchshorn in Regensburg, 1707.) 

Friedhof- KATH. FRIEDHOFKAPELLE MARIA HILF. Matrikel R., S. 453. 

kapeiic. ^^^ ^^^ -p^j^g ^^g Baudatum 1780, 

Eingezogener halbrunder Chor mit drei Stichkappen. Langhaus zu zwei Jochen. 
Flachtonne mit Stichkappen. Kuppeldachreiter über dem Chor. 
Einrichtung. Deckengemälde. Im Chor: die hl. Dreifaltigkeit, angebetet von den 

Engeln und den 24 Ältesten. Im Schiff Totentanzszenen : Tod und Säugling, Tod und 
Schütze, Tod und Mädchen vor dem Spiegel, Tod und Matrone. 

Altar. Tabernakel in vergoldetem Kupfer. Rokokoschweifwerk und Blumen- 
stücke. Dahinter auf die Wand gemalte Rokokoarchitektur. Um 1780. 
Preundlicher Raum mit einheitlicher Stimmung. 
Rathaus. RATHAUS. 1699 erbaut. (Dennerlein.) Einfacher Bau. An der öst- 

lichen Schmalseite vorspringender Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel. 
Stein stand- Auf dem Marktplatz STEINSTANDBILD des hl. Johannes v. Nep. Am 

Sockel I7S7» Granit. H. ca. 4 m. 

Über die Sage von den Hankerln zu Mitterteich vgl. Schönwerth II, 315. 



bild. 



MÜNCHENREUTH. 

Pfarrkirche. KATH. PFARRKIRCHE ST. EMMERAM. Matrikel R., S. 453. — 

VO. LIII, 198. — Reg. Boic. I, 328; IV, 594; V, 156. — Brenner, S. 24, 128. — 
Gradl, Mon. Egrana, Nr. 98, 436, 578. — Brunner, S. 148 f. — Hügl, S. 73, 75. 



MUnchenreuth, — Ncualbenreuth. 



55 



Ansicht auf den Karten Nr. 3121 und 3121 (vgl. Pfa 

das Nähere S. 3). 

Gotische Anlage, in der Barockzeit verändert. 
1689 konsekriert. (Matrikel R.) 

Eingezogener quadratischer Chor im Ostturm mit 
SpiegelgewOlbe. Langhaus flachgedeckt. Sakristei mit 
Fächergewölbe (17. — 18. Jahrhundert), dem Chor östlich 
vorgelegt. Der Turm geht oben ins Achteck über. 
Kuppeldach mit Laterne. Fenster im Chor und I-ang- 
haus spitzbogig; im Chor das gekehlte Gewände er- 
halten. An der Südwand des Chores Türe mit ge- 
drücktem Kleeblattbogen zum anstoßenden Requisiten- 
raum. 

Chor und Schiff besitzen Deckengemälde Ein. 

mit Szenen aus dem Leben des hl. Emmeram. 18. Jahr- 
hundert. Gute Arbeiten. 

Hochaltar mit Akanthusseitenranken. Um 1770. 
Besseres Altarbild : St. Emmeram. Auf der Rückseite 
bez. VF piiuc ijgö. (Vennutlich Vitus Fuchs. Vgl. 
S. 66.) Seitenfiguren St. Florian und Sebastian. Gute 
Barock tiguren. 

Seitenaltäre. Rokoko; einfach. 

Kanzel. Frührokoko. Am Korpus Evange- 
listenreliefs. Gefallig. Um 1730, 

Taufstein. Muschelschale auf ornamentiertem 
Balusterfuß. Quarz. Wohl erste Hälfte des 17. Jahr- 
hunderts, 

FRIEDHOFKAPELLE. Bescheidener Bau Fri 

des 18. Jahrhunderts mit Dachreiter. Auf dem ein- 
fachen Altärchen Ölbild mit Darstellung von Aller- 
heiligen. Bez. GMF lygj pinx. Beachtenswert. 

(Vgl. S. 140.) Flg. 3,. Mü„.h.nr.u.h. 

Außerhalb Münchenreuth am Weg nach Eger die t^' '"«'i^ Manrr.. bh 

sog, »WEISSE MARTER«. (Fig. 34.) 1713 durch 

den Euerer Bürger Johannes Adler errichtet. (Vgl. Michl vom Beru, Die Kapelle 
der hl. Dreieinigkeit bei Münchenreuth und Pechtnersreuth, Thierstein o. J,, S. 4 ff,, 28.) 
Auf der Säule Gruppe der Trinität. Am Fuß derselben der Schutzengel. Granit. 
H. ca. 5 m. Die Säule ist mit einem hölzernen Gehäuse überbaut. 

NEUALBENREUTH. 

VC. XXn, gl. — Reg. Boic. IV, 246, 258; V, 373, 418, 419. — Brenner, S. 79, Pf,, 
96 f., 106. — Bavaria II, i, 660. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 360, 362, 644, 657, 678, 
679. — M. DOEBERL, Die Landgrafschaft der Leuchten berger, München 1893, S, 7. 
KATH. PFARRKIRCHE ST. LAURENTIUS. Matrikel R., S. 453- 
Über dem Triumphbogen Wappen von Eger und Jahreszahl 1^33- Restaii- 
rationsdatum 1882. 



56 XIV, B.A. Tirschenreuth. 

Eingezogener Chor mit geradem Schluß. Zwei Joche. Tonne mit Stichkappen. 
Im Langhaus Spiegeldecke mit Stichkappen. Die l-ängswände in der Mitte segment- 
formig ausgeschweift. Gekuppelte Wandpilaster. Turm und Sakristei südlich vom 
Chor. Außen LisenengÜederung und Fen stemm rahmungen. Imposanter Turm mit 
Lisenengliederung und abgerundeten Ecken. Das oberste Geschoß mit Pilastem und 
gebrochenen Gesimsen. Kuppeldach mit Laterne. 



Deckengemälde. Im Chor figurenreiche Darstellung des Martyriums des 
hl. Laurentius. Beachtenswertes Barockgeniälde, wohl um 1733. Im Langhaus mehrere 
Medaillons. Handwerklich. 

Hochaltar. Mensa und Tabernakel freistehend. Gute Früh rokokoarbeit 
mit I^ub- und Bantl werk Schnitzereien. Putten. An der Tabernakeltiire Relief des 
hl. Abendmahles. Um 1733- Der an der Chorwand befindliche Hochbau modern 
mit allem Altarblait. 

Nebenaltäre modern. .\n der Nordwand des Langhauses kleiner Neben- 
altar. Um 1733. Drei gute Figiirchen. 

Kanzel. Gute Arbeit um 1733. Am Kor[>us Reliefs: Der gute Hirte, Auf- 
erstehung Christi, St. Stephanus und St. LaurentiuN. Figuren reich er Schalldeckel 
mit den Evangelistensymbolen, außerdem Petrus und Paulus nebst Puttenengeln. 



NenalbenreuCh. 



FTg. 36. Nc Halbe nnuth. Fjichwf 



l.-A. Tlnchcnrculh. 



Fig. 3t. Neuilbennuih. Fichwcriihiui. 

Taufstein. Gebuckeltes Becken auf blumenkelchartigem Fuß. Granit. i7.Jahrli. 

Stuhlwangen. Akanthusranken mit Muscheln. 

Orgel. Barockgehäuse mit Marienstatue um 1733. 

Gegenüber der Kanzel große bemalte Holzfigur St. Christophorus. Barock. 
Weitere Barock figuren an den Wänden. 

Im Chor vier Ölbilder mit Szenen aus dem Jugendleben Jesu. 18. Jahrhundert. 

Ziborium. Silber, vergoldet. Kupa mit Uberfang. Laub- und Bandwerk- 
omamente. Am Fuß und Kupa Emails (rot in rot). Um 1730. Beschauzeichen 
Eger, Meistermarke JMF. Außerdem N B B. Der Inschrift zufolge Schenkung des 
Pfarrers Joh. Andreas Ludwig von Liebeneck. 

Glocken. Von Georg Hirschfeld, 1645 und Mathias Divall. Weitere Kon- 
statierung wegen Unzugänglichkeil nicht möglich. 

Im Dorfe mehrfach malerische FACHWERKHÄUSER. {Fig. 35—39) 



OTTENGRÜN. 



KATH. WALLFAHRTS- UND EXPOSITURKIRCHE ST. SE- 
BASTIAN. Zur Pfarrei Neualbenreuth. Matrikel R., S. 454. — Kalender f. kath. 
Christen, Sulzbach 1886, S. 80—85. 

Uberdem Westeingang Wappen der Wemdl von Lehenstein, dazu _/■_/■ JV- V-L- 
(= Johann Joseph Werndl von Lehenstein) und Wappen der Weller von Molsdorf, 
dazu MS- W- VLG- WE- V-M- (= Maria Sophia Wemdl von Lehenstein, 
geb. Weller von Molsdorf.) Uie Genannten ließen 1727 an Stelle eines kleineren 
Kirchleins den heutigen Bau errichten. (Sulzbacher Kalender S. 81.) 



OnengrOD. 



59 



Eingezogener Chor mit einem Joch und dreiseitigem Schluß. Tonne mit ' 
Stichkappen. Im Langhaus Spiegeldecke. Sakristei südlich vom Chor. Kuppel- 
dachreiter über dem Chor. 

Deckenbilder. Im Chor Darstellungen aus dem Leben Maria. Restauriert, i 
Im Langhaus als Mittelbild Maria Krönung. In den Ecken die Arche Noahs, Besuch 
der drei Engel bei Abraham, Jakobsleiter, Rettung Lots. In der Hohlkehle vignetten- 
artige Darstellung von Prozessionen und Krankeoheiluogen. Die Deckenmalereien 
schuf Elias Dollhopf aus Tachau unter Ernst von Werndl. Vollendet 1770. 
(Sulzbacher Kalender, S. 82. Dollhopf wird daselbst irriger Weise als Tirschen- 
reuther bezeichnet.) Über Dollhopf vgl. Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 145. 
— Nagler, Künstlerlexikon II, 435, — Gottfried Joh. DlabacJ, Künstlerlexikon 
für Böhmen, Prag I (1815), 334. 

Hochaltar mit vier Säulen und Seite nfiguren. Um 1727. Das Altarblatt, 1 
die Pfeilbeschießung des hl. Sebastian darstellend, ist eine Kopie des Altarbildes 
von Hans von Aachen in der Sebastians kapeile der Michaelskirche in München. 
(Vgl. Kunstdenkmale von Oberbayern, S. ro3S.) Die Kopie ist wohl nach einem 
Stich gefertigt. Am Gesims Wappen der Werndl. 

Nebenaltäre im Langhaus. Gute Rokokobauten mit je zwei Säulen und 
geschweiften Streben. Mitte des 18. Jahrhunderts. Der südliche trägt das Wappen der 
Molsdorf mit dem Wemdlwappen im Herzschild, der nördliche die Wappen der 
Werndl und der Hirschberg zu seiten des Ordensschildes vom hl. Grabe (?). 

An der Nordwand des Chores dritter Nebenaltar. Guter Rokokoaufbau 
mit geschweiften Streben. Wappen wie am nördlichen Nebenaltar im Langhaus. 






XIV. B.-A, Tirschenreuth. 



Kanzel. Gutes Rokokowerk mit Putten am Korpus und Schalldeckel. Am 
Korpus außerdem Reliefs : Jesus lehrt im Tempel, das kananäJsche Weib, die Heilung 
der Blutflüssigea. (Fig. 40.) 



Siuhlwangen. Barock, handwerklich. 
Beichtstühle mit Akanthusschnitzwerk. Um 1727. 
Orgel mit Akanthusschnitzwerk. Um 1727. 

Kelche. Silber, vergoldet. Laub- und Bandwerkornamente. An Kupa und 
Fuß H eih gen brüst bilder. Der Inschrift zufolge Stiftung des Johann Joseph Wemdl 



Ottengrün. — Pfaflfenreuth. 6l 

von Lehenstein, Herrn auf Ottengrün und seiner Gemahlin Maria Sophia, geb. Weller waiifahrts 
von Molsdorf, 1720, Beschauzeichen Eger. Meistermarke undeutlich. *'*^ ** 

Geräte. 

Reliquienmonstranzen. Auf dem Hochaltar und dem Nebenaltar im 
Chor stehen ca. 10 Reliquienmonstranzen. Vergoldetes Kupfer und Silber. 
Sonnenform mit Rokokomuschelwerk. 

SCHLOSS. Ottengrün (mit Ernestgrün) kam 1396 durch Tausch von den Schloß. 
Leuchtenbergem an Waldsassen. (Gradl, Egerland, S. 222, 234, 285. — Reg. 
Boic. XI, 74.) Im 17. Jahrhundert treffen wir als Leheninhaber die Burhuß 
(VO. XXII, 148, 242, 469) und die Daniel von Froschheim (Hubmann, Chronik der 
Stadt Bärnau, Amberg 1865, S- 7 0» ^"^ i^- Jahrhundert die Werndl von Lehenstein. 
Ottengrün war böhmisches Lehengut und kam erst 1846 durch Tausch an Bayern. 
(Vgl. Einleitung S. 14, 7) Jetzt im Besitz der Familie v. Günther. 

Das Schloß ist ein klassizistischer Bau des 19. Jahrhunderts. 



PFAFFENREUTH. 

PROT. FILIALKIRCHE. Zur Pfarrei Redwitz (O.-Fr.). Statistische Be- Filialkirche. 
Schreibung der protest. Pfarreien im Königreich Bayern, Nürnberg 1898, S. 195. — 
VO. XXXIII, 53, 56, 94, 151 ff. 

Eingezogener Chor im quadratischen Ostturm. Langhaus zu drei Jochen. Im 
Chor und Langhaus Tonne mit Stichkappen. Im Langhaus Wandpilaster. Sakristei 
südlich vom Chor. Portal an der südlichen Langhausseite rundbogig; sehr breit. 
Gewände mit Stab und zwei Kehlen. Der Turm erhebt sich nicht über den Giebel 
des Langhauses. Flaches Pyramiden dach. An der Ostseite hinter dem Altar spitz- 
bogiges Schlitz fenster. Die großen Rundbogenfenster an der Süd- und Westseite 
später ausgebrochen. Schallöffnungen in gedrücktem Spitzbogen ; sehr spät. Mauer- 
werk, soweit zugänglich. Bruchsteinwerk. 

Das Untergeschoß des Turmes gehört der Frühgotik an. Das Langhaus und 
das Obergeschoß des Turmes wurden, wie das Portal, die Art der Wölbung und die 
Schallöffnungen des Turmes anzeigen, in der Frühzeit des 17. Jahrhunderts erbaut. 
Portal und Schallöffnungen geben Zeugnis für das lange Fortleben der gotischen 
Formensprache. 

Altar. Zwei gedrehte Säulen mit Weinlaub. Dazwischen Nische mit ge- Einrichtung, 
schnitzter Kreuzigungsgruppe. Diese noch stark gotisierend. Seitlich oblonge Tafel- 
bilder: Petrus und Paulus, und Akanthusseitenranken. Im oberen Auszug Engelchen 
und Akanthusschnitzwerk. Um 1708 wie die Betstühle. 

Kanzel. Gedrehte Säulchen mit Weinlaub. Um 1708. 

Betstühle. Einfach. Bez. iyo8, 

Orgel. Rokoko mit Flügeltüren; einfach. 

Doppelte Empore mit Balusterbrüstungen an der West-, Süd- und Nordseite Empore, 
des Langhauses. Die Untersichten sind mit Blumen- und Rankenwerk bemalt. 
Konturzeichnungen in Schwarz auf weißem Grund. Zuweilen blaue oder rote 
Lasuren. Die Baluster der Galerien weiß mit rotem Geäder, die Durchzüge grau 
marmoriert. Originell und ansprechend. Um 1708. 

Ziegelpflaster mit Fischgrätenmusterung. 



62 XIV. B.A. Tirschenreuth. 

PIRK. 

An der Straße nach Tirschenreuth steinerner BILDSTOCK. Vierseitiger 
Bilcttabernakel auf säulenartigem Schaft, wie häufig in der Gegend. 17. — 18. Jahr- 
hundert. Granit. H. 3—4 m. (Fig. 41.) 



PLÖSSBERG. 



VO. V, 223; XXIV, 13. — Reg. Boic. III, 416. — Schleis v. Löwenfeld, 
Oberpfiilzisches statistisches Wochenblatt, Sulzbach 17941 S. 112, 127. — Bavaria II, 
I, 634. — Fr. X. I.OMMER, Die böhmischen Lehen in der Oberpfalz I, Amberg 1907, 
S. 93, 98 ff. — Flossisch Großes Saal- 
Buch 1667, Reichsarchiv München, Ger. 
Floß, Nr. 6. S. 989 ff. — B. Dt!cK, Plöß- 
berg, 1845. MS. im Hist. Ver. O. 481. ~ 
J. Hell, Monographie von Plöüberg, 1845. 
MS. im Hist. Ver. O. 480. 

Ansicht auf der Karte des Chri- 
sroPHORös Vogel von 1600; vgl. das 
Nähere S. 8. 

SIMULTANPFARRKIRCHE 
ST. GEURG. Matrikel R., S. 428.— 
Statistische Beschreibung der protestan- 
tischen Pfarreien im Königreich Bayern, 
Nürnberg 1898, S. 252. 

1854 neugebaul (Matrikel R.). Ein- 
richtung völlig neu. 

Chrlstophorus Vogel notiert in 

seinem Libellus Chronologicus (vgl. das 

Nähere S. 8) folgende »Monumenta«: 

»1506 obiit Florian Ochs. 1579 obiit 

Anna Maria von Reitzenstein. 1600 obiit 

Wolff Sigmund! von Rosenau.c (f. 38 b.) 

1845 befanden sich folgende Grab- 

Fig. 41. virv sitinenier Biidsiocfc. Steine in der bald darauf abgebrochenen 

Kirche: i. Anna Elisabeth von Sazen- 

hofen auf Wildenau, Treffelstein und Plößberg, geb. von Schheben, f 5. Dezember 

1692, 43 Jahre alt. — 2. Wolfgang Paul von Sazenhofen, Herr auf Wildenau, 

Treffelstein und Plößberg. f 8. Okt. 17//, 53 Jahre alt. — 3. Wolfgang Anton von 

Sazenhofen, geb. 23. Juli 1717, f 13. Juli 1782, der letzte männliche Sprosse aus 

dem Hause Wildenau von dem Geschlechte Fuxberg und Treffelstein. (Pronadl, 

Hist.-topogr. Notizen über Wildenau, 1845. MS. im Hist. Ver. O. 815/1.) 

Von den älteren Glocken war die größte bezeichnet: Balthasar Blatzer, 1703. 
(Hell.) 

Vor der Kirche STEINSTANDBILD des hl. Johannes von Nepomuk. 
Zufolge der Inschrift am Sockel Stiftung des Wolfgang Anton von Sazenhofen. Das 
Chronostichon ergibt 1702. Granit. H. ca. 4 m. 



Plößberg. — Schönficht. — Schönkirch. 63 

EHEM. LANDSASSENGÜT. Das eingesessene Geschlecht der Plößberger Landsasse n< 
wird vom 12. — 14. Jahrhundert erwähnt. (Quellen u. Erörterungen I, 242, 274. — *^"'' 
Gradl, Mon. Egrana, Nr. 279, 292.) Ihm folgten die Gleißenthaler seit 1357. (Bavaria.) 
1360 übergibt KLarl IV. Plößberg dem Herzog Johann als böhmisches Lehen. 
(LoMMER, S. 18.) Im 16. Jahrhundert werden die Prenger, Trautenberger, Gich, Ochs, 
Gfeller, Rosenau genannt (Bavaria.) Im 17. Jahrhundert sind Lehensträger die 
Raitenbach, Reitzenstein und Sazenhofen (Schleis v. Löwenfeld, S. 113), welch 
letztere das Gut bis zum Aussterben der Linie im Jahre 1782 innehatten. Von da 
ab wurde es durch einen kurfürstlichen Administrator verwaltet. (Schleis v. Löwen- 
feld, S. 127.) 

Das unbedeutende Schloß wurde 1751 nach einem Brande neu aufgebaut; später 
Pfarrhof. (Duck.) Jetzt Wirtshaus. 



SCHÖNFICHT. 

BURG STALL. VO. XXI 31, 55 f.; XXVI, 195 ff.; XXXIII, 27, 185; LI, 35 f. Burg.taii. 
— Hund II, 8. — Bavaria II, i, 633. — Stillfried und Märcker, Mon. Zollerana II, 
Nr. 261. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 208. — Binhack, Waldsassen von 1133 — 1506, 
II, 29. — Derselbe, Waldsassen von 1507 — 1648, S. 41. 

Ansicht auf der Karte des Christophorus Vogel von 1600; vgl. das 
Nähere S. 8. 

Schönficht kam 1402 von den Leuchtenbergem an Waldsassen. (VO. XXXIII, 27.) 
Schon 1583 wird das Schloß als »eingegangen« bezeichnet. (VO. XXVI, 195.) 

Der auf ebenem Terrain gelegene Burgstall befindet sich am nördlichen Ende 
des Dorfes Schönficht. Er bildet eine Insel in dem heutigen Dorfweiher. Mauer- 
werk fehlt. 

SCHÖNKIRCH. 

VO. V, 223; XXIV, 31, 134; XXVI, 146; XXXIII, 18, 123, 131. — Schleis 
V. Löwenfeld, Oberpfälzisches statistisches Wochenblatt, Sulzbach 1794, S. 128 f. — 
Krennkr, Baierische Landtagshandlungen von 1429 — 1513, München X (1804), 187, 
195, 316. — Destouches, Statistik, S. 356. — Bavaria II, i, 634. — Gradl, Eger- 
land, S. 295, 314, 366. — Flossisch Großes Saal-Buch 1667, Reichsarchiv München, 
Ger. Floß Nr. 6, S. 1069 — 1102. 

Ansicht auf der Karte des Christophorus Vogel von 1600; vgl. das 
Nähere S. 8. 

SIMULTANE SCHLOSSKAPELLE ST. MICHAEL. Zur katholischen schloß, 
und protestantischen Pfarrei Plößberg. Matrikel R., S. 428. — Statistik der pro- ^»p*^'*^- 
testantischen Pfarreien im Königreich Bayern, Nürnberg 1898, S. 252. 

Einschiffige gewölbte romanische Kirche mit profanem Obergeschoß. (Grund- 
riß Fig. 42, Schnitte Fig. 43, Details Fig. 44, Ansicht Fig. 45.) Wenig eingezogener 
quadratischer Chor im Ostturm mit gratigem Kreuzgewölbe. Das Langhaus umfaßt 
zwei Joche mit gratigen Kreuzgewölben zwischen einem Mittelgurtbogen, der auf 
Wandpfeilem ruht. Die Kämpfer der Pfeiler bestehen aus Platte, zwei Wülsten und 
einer Hohlkehle. Die Gewölbe sind rundbogig, mit leichtem Stich. 



64 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Der einmal und zwar sehr tief abgestufte Triumphbogen besitzt ein Gesims 
■ aus Platte und hohem Wulst, das bis an die Seitenwände des Schiffes verläuft. 
An den östlichen Ecken des Chores zwei derbe Kragsteine in Schildform. (Fig. 44.) 
Sämtliche Fenster im 17. oder 18. Jahrhundert vergrößert oder neu ausgebrochen. 
Nur an der Ostseite des Chors ist das schmale romanische Rundbogen fensterchen 
erhalten. Das ursprüngliche Portal befand sich an der Südseite gegen Westen. 
Rundbogig, jetzt vermauert. Der heutige Westeingang mit Vorzeichen späteren 
Datums. 



ERDGE5CH0SS 



OBEROESCHOSS 



^ 



Das Obergeschoß ist von der hölzernen Empore aus mittels Leiter zugänglich, 
ursprünglich wohl von außen von einem Anbau aus, worauf die halb zugemauerte 
Nische an der Westmauer hinweist. Der Raum hat nach Süden ein rechteckiges 
Schlitzfensterchen, daneben eine größere Fensternische mit Seitenbänken. jetzt zu- 
gemauert. (Fig. 42.) Weiter gegen Osten abermals eine Mauernische. An der 
Nordwand drei kleine Fenster, eines mit weiter Mauernische. In den Turm führen 
zwei Eingänge, deren rimdbogige, gefaste Gewände der Spätgotik angehören. Der 
Gesamtraum war ursprünglich zweifellos durch Holzwände in mehrere kleinere Räume 
abgeteilt. 

Die Kirche ist innen und außen verput/t. An Abfallstellen kommen am 
Untergeschoß des KirchenschifTes und des Turmes Quadern von 30 — 35 cm Höhe 



Schönkirch, 6 g 

zum Vorschein. Dagegen ist das profane Obergeschoß und der Turm über dem 
Chorgewölbe in Bruchsteinmauerwerk ausgeführt, letzterer mit Eckquadern, 

Der Unterschied der Mauertechnik in den beiden Cieschossen fuhrt zur An- 
nahme, daß das Obergeschoß und der Turmbau über dem Chor erst dem späteren 




Mittelalter angehören, während das romanische Uniergeschoß schon in i 
Hälfte des la. Jahrhunderts entstand. Tatsächlich reicht die Geschichte des Edel- 
sitzes in Schönkirch über das 14. Jahrhundert nicht zurück, (Vgl. das Folgende.) 
Der Turm besitzt heute ein niedriges Pyramidendach. Um 1600 schloß er mit 
Satteldach und Treppengiebeln wie die VoiiELSche Ansicht dartut. 

Heß XIV. 5 



66 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Schloß- 
kapellc. 



Einrichtung. 



Schloß. 



Bildstock. 



Steinkreuz. 



PFCIUR KÄMPFER. 
IM LANGHAU5 



KÄMPFER AM 
CHORBOGEN 




T- 

«7 



ä 



Da das VoGELsche Ortsbild keinen Schloßbau in Schönkirch angibt, darf ver- 
mutet werden, daß noch um i6oo das Obergeschoß der Kirche bewohnt wurde. 
Der Kirchhof war jedenfalls befestigt. 

Altar. Geschnitzte Gruppe der Kreuzigung umgeben von einem üppigen 
ovalen Akanthusrahmen. Seitlich Durchgänge, darüber die Figuren der Apostel 
Petrus und Paulus. Um 1700. 

Stuhl Wangen. Dieselben wie in der Peterskirche zu Tirschenreuth. Vgl. S. 78. 
Die Kirche besitzt noch altes Ziegelpflaster mit Fischgrätenmusterung. 
SCHLOSS. Besitzer von Schönkirch kennt man erst seit dem 14. Jahr- 
hundert. 1343 wird Gottfried der Gleißenthaler zu Schönkirch genannt. (VO. 

XXXm, 13.) Schon 1397 treften 
wir daselbst die Kagrer (Bavaria), 
denen im 15. Jahrhundert die Red- 
witzer (VO. XXXni, 32, 149), Pars- 
berger (VO. XXIV, 34) und Wilden- 
felser folgten. (VO. XXV, 140; 
XXXIII, 54.) Nach den Wilden- 
felsern hatten die Spameck das Gut 
inne, und zwar seit 1546. (Bavaria.) 
1577 erwarben es die Petzenstein, 
1607 die Reitzenstein. (Flossisch 
Großes Saal-Buch. — Reichsarchiv 
München, Obere und junge Pfalz, Plößberg und Wildenau, Nr. 17.) Im 19. Jahr- 
hundert ging der Sitz durch Heirat von den Reitzenstein auf die Podewils über. 
Das Schloß ist ein einfacher, zweigeschossiger Bau der Barockzeit. 
Am Ende des Dorfes an der Straße nach Plößberg steinerner BILDSTOCK. 
Vierseitiger Bildertabernakel mit Spitzhelm und Kugel. Am Sockel Hufeisen und 
unleserliche Inschrift. Granit. H. ca. 3 m. (Vgl. den verwandten Bildstock bei 
Tirschenreuth, S. 83.) 

Daneben STEINKREUZ. Granit. Ohne Zeichen. 

Am Weg nach Wildenau steht ebenfalls ein BILDSTOCK von gleicher Art 
wie eben beschrieben. 



KRAGSrSNE 

IN DEN Ost L 

CHORCCKCN ^ 




Fig. 44. Schönkirch. Details an der Schloßkapelle. 



Pfarrkirche. 



Deckcnbilder. 



SCHWARZENBACH. 

KATH. PFARRKIRCHE ST. MICHAEL. Matrikel R., S. 455. — 
VO. XXII, 246 f, 412 if. ; XXX, 90; LIII. 199. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 179, 484. 
— Brunner, S. 155 f-, 176 ff. — Hügl, S. 71. 

Erbaut 1723 (Matrikel R.) durch den Bärnauer Maurermeister Philipp Mühl- 
mayr. (Kreisarchiv Amberg, Bärnau Amt, Nr. 1203, Fasz. 17 [16. u. 29. April 1732].) 
Vgl. S. 150. 

Eingezogener, gerade geschlossener Chor mit zwei Jochen. Langhaus mit 
drei Jochen. Eingezogene Pfeiler. Im Chor und Langhaus Tonne mit Stichkappen. 
Sakristei und Turm südlich vom Chor. Turm mit Kuppel und Laterne. 

Deckenbilder in kleineren Medaillons. Gemalt 1800 — 1801 von Vitus Fuchs 
und dessen Sohn Maurus, beide von Tirschenreuth. (Aufzeichnung im Pfarrarchiv.) 
Vgl. S. 55. Restauriert. 



Schwarienbach. 67 

Hochaltar. Mensa und Tabernakel freistehend. Einfaches Barock um 1723- pfar 
Hauptfigur St. Michael vor gemaltem Hintergrund. ^■'"" 

Scitenaltäre. Im Aufsatz {>la.sschrein für Figuren, umgeben von Schnitz- 
rahmen mit Laub- und Bandwerk. Um 1730. 

Kanzel. Rokoko; einfach. 

Stuhl Wangen. Ähnlich denen in der Pfarrkirche zu Tirschenreuth. Vgl. S. 73, 



Fig. 43. Schünliirch. Aniichl der SchloBkapcJk van Sudoiun. 

Monstranz. Silber, teilvergoldet. Sehr gute Rokokoarbeit. Um das Ge- 1 
häuse ein Silberkranz und freischwebendes Rankenwerk in Rosettenform. (Tafel V.) 
Beschau zeichen Augsburg. Jahresbuchstabe O (= 1759— 1761). Meistermarke BAUB 
und B im DreipaL*. (Rosenberg, 375: Georg Ignaz Baur.) 

Kelche, i. Silber, vergoldet. Laub- und Bandwerk Ornamente. Um 1730. 
An Fuß und Kiipa farbige Emails Marke MH im VierpaO. — 2. Silber, vergoldet. 

5° 



68 XIV. B.-A. Tirschenreuth, 

Pfarrkirche. Klassizistischc FcstoDS Und Rosctten. Beschauzeichen Augsburg. Jahresbuchstabe D 
Geräte. (= 1787— 1789. Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft X, B.-A. Kemnath, S. 57.) 
Meistermarke cxs im Queroval. (Rosenberg, 365: Caspar Xaver Stipeldey.) 
Ampel. Kupfer, versilbert. Akanthusranken. Um 17 10. Gut. 
Glocke. Glocke. Umschrift zwischen vier Reifen: regina cell letare allelviga (I) 

maicter (I) hans ivrnknopf pvrger zv regencpvrg ISSS» Dchm. 0,80 m. Über Hans 
Turnknopf vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., 
S. 158, 166. 

Steinstand. Auf dem Platz vor der Kirche unter großer Linde STEINSTANDBILD 

• St. Johannes Bapt. auf vierseitigem, profiliertem Sockel. Zufolge Inschrift am 
Sockel Stiftung des Johannes Andreas Ziegler auf der Lodermtihle 17 jg. Die Figur 
lebensgroß. Gesamthöhe ca. 4 m. Granit. 

Wegkapelle. An der Straße nach Tirschenreuth WEGKAPELLE. Am Eingang 177g- 

Ganz aus Granit erbaut, auch das Dach. Auf dem Altärchen Steinrelief: 
Pietä. Am Sockel 177g, 

stcinkreuze. An der gleichen Straße nächst dem Dorfe Gruppe von drei STEINKREUZEN. 

Ohne Zeichen. Eines sehr versunken. Granit. 



SCHWARZENSCHWALL. 

B«rg.,taii. BURGSTALL. VO. VI, 152; XXI, 51fr.; XVI, 141 f.; XXXI, 256, 263(1., 

277 — 285; XXXIV, 255 f.; L, 130. — Reg. Boic. V, 28; XI-, 217, — Bavaria II. 
'» ^ZZ- — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 457 — 459, 531, 532. — J. Weidner, Waldnab- 
tal und Steinwald, Weiden 1907, S. 15 f. 

Gleich Altneuhaus (vgl. S. 11) ursprünglich wohl Falkenberg isch. Dann Besitz 
der Leuchtenberger, von denen es 1294 bzw. 1309 auf Waldsassen übergeht. 
(VO. XXXI, 266, 269, 372.) Um 1387 befindet es sich im Besitz des Marquard 
von Redwitz, der es an Peter Pfreimder verpfändet. (VO. LI, 32.) Dieser verkauft 
es 1401 wieder an Waldsassen. (Ebenda, S. 39.) 15 13 wird Schloß Schwarzen- 
schwall noch genannt (VO. XXI, 52), seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr. 

Die Burg lag auf der rechten Naabseite, etwa ^/^ Stunden südlich von Falken- 
berg, auf mächtigem Granitvorsprung wie Altneuhaus. Auch hier ist nur mehr der 
Abschnittgraben zu erkennen. 

Über Sagen vgl. VO. XXI, 53 und Schönwerth II, 417. 



STEIN. 

Kirche. KATH. KIRCHE ST. LAURENTIUS. Expositur von Beidl. MatrikelR., 

S. 449. — VO. XXII, 285. — BiNHACK, Waldsassen von 1507 — 1648, S. 33. — 
HÖGL, S. 63. 

Nach der Matrikel von 1433 im Mittelalter selbständige Pfarrei. (Matrikel R., 
p. XVII.) 1643 Filiale von Beidl. (VO. LHI, 199.) 

An der nördlichen Langhausmauer außen Wappen des Abtes Wigand von Deltsch 
von Waldsassen mit Jahreszahl 1762, (Binhack, Abt Wigand, S. 6.) Baumeister war 
Frater Philipp Muttone. (Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 138.) 



Schwarzenbach 

Monstranz in der Pfarrkirche 



XIV. B.-A. Tirschenreut 



Stein. — Thanhausen. — Tirschenreuth. 69 

Eingezogener Chor mit zwei Jochen und halbrundem Schluß. Tonne mit Kirch«. 
Stichkappen. Das Langhaus schließt mit abgerundeten Ecken an den Chor. Drei 
Joche. Flachtonne mit Stichkappen. Wandpilaster. Sakristei südlich, Turm nörd- 
lich vom Chor. Turm mit Kuppeldach. 

Hochaltar. Rokokoaufbau mit vier Säulen und Seitenfiguren. Altarbild Einrichtung. 
St. Laurentius. Um 1762. 

Nebenaltäre, Kanzel, Orgel und Stuhlwangen einfaches Rokoko. 

Kelche, i. Silber, teilvergoldet. Kupa mit Uberfang. Breite Akanthus- 
ranken mit Tulpen und Engelsköpfchen. Um 1680. Beschauzeichen Augsburg. 
Meistermarke Ali im Oval. — 2. Silber, teilvergoldet. Laub- und Bandwerk mit 
Engelsköpfchen. Um 1730. Ohne Marken. 

Sechs Rokokoleuchter. Kupfer, versilbert. 

Rokokoampel mit Engelsköpfchen. Kupfer, versilbert. Bez. 1767. 



THANHAUSEN. 

KATH. KAPELLE ST. JOSEPH. (Ehem. Schloßkapelle.) Zur Pfarrei Kap die. 
Hohenthan. Matrikel R., S. 451. — Schuegraf, Materialien zur Geschichte von 
Thanhausen, s. a. MS. im Hist. Ver. O. 40/1 u. 670. 

Ansicht auf der Karte des Christophorus Vogel von 1600; vgl. das 
Nähere S. 8. 

1787 brannten Kirche und Schloß ab. Damach Neubau. Der Turm in den 
jüngsten Jahren erbaut. 

Rechteckraum mit Flachdecke. 

Ausstattung neu. 

Grabstein. Georg Christoph Ritschel von Hartenbach auf Thanhausen, Grabsteine. 
f 1676, 55 Jahre alt. Mit Wappen. Granit. 

Steintafel mit Wappen der Plankenheim und Jahreszahl 172J, 

EHEM. SCHLOSS. Die Ortsansicht bei Christophorus Vogel zeigt Schloß. 
Thanhausen mit einer Kirche, aber ohne Schloß. Das Gut kam 1586 von den 
Thandorfern an die Rosenau, 1604 an die Heldritt, 161 5 an die Thoß. (Bavaria II, 

I, 632.) 1667 ging das Gut an Georg Christoph Ritschel über. (Sperl, Der oberpföl- 
zische Adel und die Gegenreformation, Vierteljahrsschrift für Wappen-, Siegel- und Fa- 
milienkunde, herausgeg. vom Verein Herold in Berlin, XXVIII. Jahrgang [1900], 388.) 
Im 18. Jahrhundert finden wir daselbst die Ritschel, Präckhendorf, Plankenheim, 
Boslam (Bavaria), Grill (Zimmermann, Kalender V, 113), zuletzt die Korb (Destou- 
CHES, Statistik, S. 357). Jetzt Okonomieanwesen. 

Das Schloß ist ein ganz einfacher Bau nach dem Brand von 1787. 
An der Straße nach Hohenthan steinerner BILDSTOCK mit vierseitigem Biid$tock. 
Bildertabemakel, darauf Spitzhelm mit Kugel. Granit. H. ca. 3 m. 

TIRSCHENREUTH 

VO. XXII, I — 510; XLV, I — 54; LIII, 199. Vgl. ferner das Register zu VO., Literatur. 
Bd. I — 40, S. 501. — MB. XXIXa, 453; XXXIa, 497. — Reg. Boic. I, 334, 384; 

II. 88, 94, 322, 342; III, 470; IV, 524, 704; V, 28. — Hund II, 25. — Matthäus 



70 XIV. B..A. Tirschenreulh. 

Merian, Topographia Bavariae, 1644, S. 12. 

— Zimmermann, Kalender V, 314 ff. — 
Felix Andr. Oefelius, Rerum boicanim 
scriptores, Augsburg I (1763), 66, 73, 75, 
1S7. — Schleis v. LOwenfei-d, Oberpfal- 
zisches Wochenblatt 1800, S. 356 f.; 1802, 
S, 423. — Destouches, Statistik, S. 349. 

— V. LiPOWSKY, Naziona! Garde Almanach 
f. das Königreich Baiem 1816, S. 159 f. — 
Moritz, Stammreihe und Geschichte der 
Grafen von Sulzl>ach, Abhandig. d. Hist. 
Kl. d. Kgl. Bayer. Akad. d. Wissensch., Bd. I, 
Theil II (1833), I, 341 ff. — Brenner, 
S. 28f, 33, 59, 84, 86, 101, 105, 113, usf., 
123 ff-, i48f., 16s, 173 ff., 178, 183, 186 ff. 

— K. Hohn, Atlas von Bayern, Nürnberg 
1840, IV, 48. — Pl. Stumpf, Bayern, 

31 München 1852, S. 523. — Stillfried und 

.^ Märcker, Mon. Zollerana VII, Nr. 19, 25, 

\ 36. 51. 60. 76, 151- — Anton Frind, 

a Kirchengeschichte Böhmens, Prag 1(1864), 

I 354. — BoHMKK-FiCKEB, Reg. itnp. von 

i 1198— 1272, Nr. 905, 1071. — Janner II, 

^ 9, 292, 299, 407; III, 79, 443. — Gradl, 

f Mon. Egrana, Nr. 116, 138, 146, 149, 151, 

S- 167, 171, 179, 191. Vgl. ebenda das Re- 

3 gister S, 297. — Fr, Binhack, Waldsassen 

g von 1 133— 1506. I, 23, 26, 87; II, 4, 33 f., 

a- 61, 64, 74, 75, 77, 79. — Derselbe, Wald- 

sassen von 1507 — 1648, S. 10, 13, 17, 32, 

t 47, 50 f., 62 ff. — Derselbe, Waldsassen 

von 1661 — 1756, S. 50. — Gradi., Eger- 

land, S. 55, 57, 78, 130, 366. — K. Stai:- 

DiNGEK, Geschichte des kurbayerischen 

Heeres, München I (1901}, 230, 233, 243; 

II (1904), 779. 837, 904. — Brcnner, 

S. 153 ff. — Götz, S. 877 f. — Höül, 

S. 17 ff., 122 ff., 132 ff. — Jos. RUD. SCHUE- 

GBAF, Tirschenreuth, o. J. MS. im Hist, 
Ver. O. 40. — Steinhäuser, Ghronik von 
Tirschenreuth, o. J. MS. im Hist. Ver. O. 41. 
Projekt einer Neubefestigung 1 62 1 
(mit Plan), Reichsarchiv München, Ober- 
pfalz Nr. 239. ^ Stich bei Merian, Topo- 
graphia Bavariae, 1644. (Fig. 46.) — An- 
sicht von Nordwesten. Ölbild im Pfarrhof 
zu Tirschenreuth. 18. Jahrhundert. — 
Ansicht von Nordosten mit Einschluß des 



Tinchenreath. 



Fischhofes. Ölbild ebenda. Nach 1750. (Fig. 47,) — Ansicht von Nordosten. , 
Olbitd in der städtischen Sammlung in Weiden. 18. Jahrhundert. — Ansicht von 
Nordosten. Supraporte im Rathaussaal zu Tirschenreuth. Um 1800. 



Zweite HUtle dei li. Jihrhundeni. 

KATH. PFARRKIRCHE MARIA HIMMELFAHRT. \L-itrike! R., 1 
S. 456. — VO. XXU, 491 ff- — Reg. Boic I, 334; IV, 704. — Janner II, 9; III, 273, 
306, 450. — Beilage zur Augsburger Postzeitung 1856, Nr. 124. — Lotz, Kunst- 
topographie Üeutschlaods II (1863), 515. — Otte, Handbuch der Kunstarchäologie 
II (,88s), 3»7, S'o- 

Die älteste Pfarrkirche St. Peter (außer der Stadt gelegen) wird 1130 zuerst 
erwähnt. (Brenner, Waldsassen, S. 15). 1186 definitive Inkorporation mit Wald- 
sassen (VO. XXII, ZS^) '*99 erfolgt der Bau einer neuen Pfarrkirche im Orte 
selbst. (VO. a. a. O., S. 340 f.) 

Bei dem großen Brand, der 1475 Tirschenreuth heimsuchte, erlitt zweifellos 
auch die Kirche schwere Beschädigungen. Damit dürfte der Neubau des Turmes 
sich erklären, welcher der Bauinschrift zufolge 1487 erfolgte. (In VO. XXII sowie 
in der kunsigeschichtl. Literatur, dieaufVO. XXII fußt, infolge unrichtiger Lesung 148a.) 

Ein Brand im Jahre 1633 ergriff auch den Kirchturm. (VO. XXII, 173.) Dem 
Batibefund zufolge ging das Dach und das oberste Geschoß zugrunde. 

Die 1669 erfolgte Konsekration der Kirche (Matrikel R.) Wßt im Zusammen- 
halt mit den stilistischen Merkmalen schließen, daß der Bau des Langliauses um die 
Mitte des 17. Jahrhunderts erfolgte. Die beiden westlichen Joche wurden, wie unter 
Dach zu sehen, später angefügt. Das an der Emporbrüstung angebrachte Wappen 
ist das des Abtes Alexander Vogel von Waldsassen (1744 — 1756), wonach das 
Datum 1769 (VO. XXU, 493) zu korrigieren sein dürfte. Das Westportal ist aller- 
dings mit /7Ö9 bezeichnet. 

1848 wurden die Fresken übertüncht, (VO. XXU, 434-) Später erfolgte eine 
Umgestaltung der Einrichtung im Sinne der Neugotik. 

Baubeschreibung. ((Jrundriß Fig. 48.) Die Pfarrkirche ist eine drei- 1 
schiffige gewölbte Anlage mit stark überhöhtem, aber der selbständigen Beleuchtung 
entbehrendem Mittelschiff, mit einem einschiffigen Chor von der Breite des Mittel- 
schiffes. Der Chor hat zwei Langjoche und Schluß in fiinf Achteckseiten. Das 
Langhaus hat fiinf Joche. In den Winkeln von Chor und Seitenschiffen nördlich 
die Sakristei, südlich der Turm. 



XIV. B.A. Tirschenreulh. 



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{. 48. Tinchcnrtuih. GruodriE der Kfairkii 



Ttrschenreulh, ft 

Im Chor Netzgewölbe auf profilierten Wandkonsolen. Einfache Hohlrippen, pfar 
Die Schlußsteine als vorhängeode, rübenförmige Zapfen gebildet. Im Langhaus ''"«' 
tragen Rechteckpfeiler die runden Scheidbögen. Die Gewölbe sind grätige Kreuz- 
gewölbe. Das Westjoch der drei Schiffe nimmt eine mit drei grätigen Kreuzgewölben 
untermauerte Empore ein. 

Im Chor zweigeteilte Fenster mit Drei- bzw. Vierpässen im Maßwerk, Fenster 
im I^nghaus rundbogig. Die drei ersten von Osten mit gekehltem Gewände, die 
beiden westlichen mit 'glattem Gewände. 

Die Eingänge an der West-, Nord- und Südseite dem i8. Jahrhundert an- 
gehörig. Sehr einfach. 

Am Chor Schrägsockel, mehrmals durch spätere Eingriffe unterbrochen. 
Strebepfeiler einmal abgesetzt und ein Kaffgesims. Das Sockelgesims der Pfeiler 
liegt tiefer als der' Schrägsockel der Umfassungs- 
mauern. Nur am Pfeiler bei der Sakristei verläuft 
die gleiche Flucht. Die beiden Pfeiler am Chor- 
haupt schließen mit einfachem Pultdach, die Pfeiler 
gegen Südosten am Turm mit Giebel und Kreuz- 
blume. (Fig. 50.) Am I..anghaus durchlaufender 
Schrägsockel. Die Strebepfeiler einmal (kaum 
merklich) abgesetzt. 

Der Turm erhebt sich in sechs Geschossen. 
Gurtgesimse. Im Erdgeschoß an der Ostseite Bau- 
inschrift: iact>^ mair 1487. (Flg. 49.) Von den 
großen Schallöffnungen zeigen zwei den sog. Vor- 
hangbogen, zwei weiten Kielbogen. (Fig. 50.) 
Über dem letzten Gesims sind die Ansätze zum 
Übergang in das ursprünglich vorhandene oder 

wenigstens projektierte Achteck erhalten. Das p. Tinchennuih 

letzte Geschoß (als Türmerwohming eingerichtet) BauiüKhriH «n chor d« Pferrkirche. 

späteren Datums. Kuppeidach mit Laterne, 

Bauanalyse. Der Brand im Jahre 1475 zerstörte die Chor Wölbung und den Bau» 
Turm, der an anderer Stelle als der heutige stand, desgleichen wohl größtenteils 
die Umfassungsmauern und Strebepfeiler des 1299 errichteten Chores. Gleichzeitig 
mit der Erbauung des jetzigen Turmes im Jahre 1487 fand jedenfalls die Neu- 
wölbung des Chores statt. Bei Erbauung des jetzigen Turmes wurde dessen Nord- 
mauer auf die südliche Mauer des Chores aufgesetzt, In der Läutstube ist der durch- 
laufende Sockel des Chores erhalten, woraus hervorgeht, daß der Chor an dieser 
Stelle ursprünglich frei stand. Weitere Konstatierungen verhindert der reichliche 
Verputz. 

Altäre und Kanzel neu. ßnri 

Taufstei n. Achteckbecken mit segmentförmigem Übergang in den achteckigen 
Ständer. Vertiefte Füllungen. Spätes 16, Jahrhunderts. Verwandt mit dem Taufstein 
in Bernstein. (Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft X, B.-A. Kemnath, S. 19.) 

Stuhlwangen. Rahmenwerk mit Bekrönung in Akanthusschnitzerei. Um 1700, 

Orgel mit gutem Barockgehäuse. Erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. 

Im Chor an der Epistelseite bemaltes Holzrelief der Heimsuchung Maria. Hoii 
Nach 1500. Wohl vom Meister des in der Kapelle der schmerzhaften Mutter Gottes 
befindlichen Flügelaltares. (Vgl. S. 77 f.) H. i m, Br. 0,75 ra. (Fig. 51.) 



Die Kirche besitzt noch eine Reihe von barocken Pro/.esKionsstangen. 

ü eiche. I. Silber, teilvergoldet. Kupa mit Überfang. Breite Akanthusranken 
und Engelsköpfchen. Am Fuß Silbertnedaiüons mit Lei Jens werk zeugen. Um 1690. 
Ohne Marken. — 2. Silber, vergoldet. Kupa mit Überfang. An Fuß und Kupa 
Engelputten mit Leidens Werkzeugen. Am Vasennodus Kngelhemien. An Fuß und 
Kupa farbige Emails in Silberfassung mit Granaten. Um 17 10. Beschauzeichen 



Tirschenreuth. ^e 

Augsburg. Meistemiarke OB(.') — 3. Silber, teilvergoldet. Überfang an der Kupa. Pfar 
Akanthus ranken mit Engelsköpfchen. Beschauzeichen Augsburg, Meistemiarke un- •'='='' 
deutlich. Am Nodus; Tomas Niclas Passen/Q) ijiS. — 4. Silber, vergoldet. Laub- 
und Eiandwerkomamente, An Fuß und Kupa farbige Emails. Um 1730, Marken: 
zweimal HH im Vierpaß. — 5. Silber, vergoldet. Laub- und Bandwerk. An FuO 
und Kupa Emails (rot in rot). Beschau zeichen K im Schild(?). Meistermarke um 
im Vierpaß. — 6. Silber, vergoldet. Laub- und Bandwerk mit gepaarten Engels- 



köpfchen. Beschauzeichen Augsburg. Jahresbuchstabe C (= 1737 — 1739)- Meister- 
marke JI. im Queroval, (Rosenberg, z86: Jacob Luz.) — 7. Silber, teilvergoldet. 
I,aub- und Bandwerk. Kupa mit Uberfang. Beschauzeichen Augsburg. Mcisler- 
marke '^^i' im Herz. 

Ampel. Silber. I-aub- und Bandwerk mit Engelsköpfchen als Ketten-/ 
träger. Vergoldete figürliche Schilde, Beschauzeichen .Augsburg. Jahre sbuchstabe C 
(= '737— 1739)' Meistermarke ^ im Herz. — Vier Ampeln. Kupfer, versilbert. 
Rokoko. Eine bez. 17^6, eine 176g. 



76 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 




Fig. 5a. Tirschenreuth. 
Glocke in der Pfarrkirche. 



Wallfahrts 
kapeile. 



Pfarrkirche. G l o c k c n. I. Ohne Inschrift. H. 0,51, Dchm. 0,52 m. Wohl 13. Jahrhundert. 

Glocken, (pjg. ^g.) Vielleicht identisch mit einer aus der Niedermünsterkirche in Regensburg 

1814 nach Tirschenreuth geschenkten Glocke. (Aufzeichnung im Magistratsarchiv. — 

Es waren zwei Glocken überwiesen worden.) — 2. Umschrift 
in gotischen Minuskeln zwischen Zinnen und Spitzbogenfries : 
ave glock tst gosen in em marien vnd s clarn dvrch hans 
glockengies, Worttrennung durch Glocken. Am Mantel: 
gloria 1^11. Dchm. 0,80 m. Die Glocke wurde nach dem 
Brande von 18 14 aus der St. Klara-Kirche in Nürnberg nach 
Tirschenreuth geschenkt. (Aufzeichnung im Magistratsarchiv.) 
Über die Familie der »Glockengießer« in Nürnberg vgl. Kunst- 
denkmäler der Oberpfalz, Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., 
S. 136. 

Die übrigen Glocken nach dem Brande von 181 4 neu- 
gegossen. Drei der älteren Glocken waren 1644 von dem 
Glockengießer Johann Bergler aus Weimar im Schloß zu 
Tirschenreuth gegossen worden. (VO. XXII, 394. — Auf- 
schreibung im städt. Archiv.) 
KATH. WALLFAHRTSKAPELLE DER SCHMERZHAFTEN 

MUTTER GOTTES. Matrikel R., S. 456. — Zimmermann, Kalender V, S. 325. 

— Brenner, S. 213 ff. — Steinhauser, Die Gnadenkapelle zu Tirschenreuth, 
Regensburg 1854. — Oberbayer. Archiv XVII (1857), 100. (Wallfahrtsmedaillen.) 

— Kalender f. kath. Christen, Sulzbach 1874, S. 67—69. — Binhack, Waldsassen 
von 1661 — 1756, S. 93 — 99. — Hans Reldelbach, Die frommen Sagen und Legenden 
des Königreichs Bayern, Regensburg 1897, S. 128. — Staudinger-Mehler, Unsere 
liebe Frau von Tirschenreuth, Tirschenreuth 1904. 

1722 — 1723 erbaut. Auf den Altar wurde eine kleine, bemalte Tongruppe 
der Pietä übertragen, die ursprünglich an einer Linde im Norden der Stadt sich 
befunden hatte. (Die Gruppe ist ein Werk des Tirschenreuther Töpfers Adam Pehr. 
[Steinhauser, S. 199.]) 

Die Kapelle schließt sich an das zweite Joch (von Osten) des südlichen Seiten- 
schiffes der Pfarrkirche, gegen Süden ausspringend, an. (Vgl. Grundriß Fig. 48.) 
Quadratischer Raum. In den Ecken Pfeiler, die eine doppelte Flachkuppel tragen. 
An Stelle der oberen Flachkuppel ursprünglich eine Laterne mit Fenstern. (VO. 
XXII, 500.) An den Pfeilern Muschelnischen für Figuren. Außen gekuppelte Pilaster 
Am Südgiebel die Granitfiguren St. Rorian, Benedikt und Bernhard. 

In der unteren Kuppel Stukkaturen aus der Erbauungszeit : Akanthusranken 
mit Putten. Gut. 

Gemälde in den Kuppeln neu. 

Altar. Nur Mensa mit Tabernakelbau. Über dem Tabernakel im Glas- 
schrein das Wallfahrtsbild. H. ca. 30 cm. Seitlich zwei Rokokoschreine mit den 
stehenden, in Stoff und Filigran gefaßten Reliquien St. Silvans und Urbans. Aufbau 
vergoldetes Holz mit getriebenem, versilbertem Akanthuswerk beschlagen. (Vgl. die 
verwandten Arbeiten in Waldsassen S. 116.) Antependium versilbertes Kupfer, Rokoko. 

Zum Altar gehören sechs Rokokoleuchter. Kupfer, versilbert. 

Außerdem zwei kleine holzgeschnitzte Reliquienaltärchen. Miniaturholz- 
schnitzereien, von Filigran umgeben, in Rokokorahmen. (Fig. 53.) Dieselben 
stammen wohl von dem in Waldsassen mehrfach vertretenen Andreas Burgl. (Vgl. S. 118.) 



Einrichtung. 



Flg. tj. Tinchennutb. RcliquicnaltilrchcD in der PEurkirchc. 

An der Westseite der Kapelle bemalter in Holz geschnitzter FLÜGEL- i 
ALTAR. (Tafel VL) Derselbe befand sich frUher in der St. Peterskirche. Vor 
ca. 20 Jahren wurde er an die jetzige Stelle transferiert. (VO. XXII, 496.) 

Im Schrein figurenreiche Darstellung der Kreuzigung Christi, die durch die 
Szenen des geistlichen Schauspieles beeinflußt ist. AuOer den biblischen druppen 



78 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Waiifahrta- der hl. Fraucn, der höhnenden Gegner, der würfelnden Soldaten, des gläubigen 
apc e. Hauptmannes findet sich auch die Reiterfigur des blinden Longinus zur Rechten 

Flügelaltar. >r^, . . /yv, ,. 

Christi. (Über diese Darstellung- vgl. A. Hämmerle, Der Pappenheimer Altar im 
Dom zu Eichstätt, Programm des K. Gymnasiums Eichstätt 1906, S. 16. Daselbst 
weitere Literaturangaben.) Zu Seiten der Kreuzigungsgruppe stehen im Schrein 
die vier Relieffiguren St. Johannes Ev. und Johannes Bapt, St. Martin und Nikokus. 

Die Flügel enthalten Apostel- und Heiligenfiguren in zwei Reihen unter Spreng- 
werk. Rechts: Petrus, Paulus, Andreas und Jakobus; darunter: Johannes, Simon, 
Cosmas und Damian. Links: Thomas, Jakobus Min., Philippus und Bartholomäus; 
darunter: Urbanus, Georg, Thaddäus und Mathias (?). Die Zusammenstellung gehört 
einer modernen Restauration an. 

Außen an den Flügeln gemalte Passionsszenen: Christus am Olberg, die Ver- 
urteilung, (ieißelung und Domenkrönung. Übermalt. Höhe des Schreines 1,90, 
Breite (ohne Flügel) 1,95 m. 

Das Altarwerk gehört der Zeit um 15 10 an. Neben dem Altar aus Altenstadt 
(Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 21) das einzige 
erhaltene Altarwerk der Spätgotik in der nördlichen Oberpfalz. Der Schnitzer ver- 
stand es, in seinen Figuren mehrfach sinnende Innerlichkeit sprechend zum Aus- 
druck zu bringen. Seine (iruppenbildung ist klar und übersichtlich, sein Christus 
edel und im Körperlichen gut durchgebildet, der Gewandrythmus der Zeit ent- 
sprechend ruhig, zuweilen trocken. Der Altar ist erwähnt: Beilage zur Augsburger 
Postzeitung 1856, Nr. 132. — Lotz, Kunsttopographie Deutschlands II, 515. — 
Otte, Handbuch der Kirchl. Kunst- Archäologie II, 741. 
Olberg- Außen am Chor der Pfarrkirche gegen Südosten OLBERCjKA PELLE. 

kapeile. j^^^. jyoS, Bemalte Steinfiguren. Davor Eisengitter. Oberer Abschluß Baluster- 
galerie. Darüber Granitgruppe: Christus wendet sich vom Kreuz herab der 
hl. Luitgardis zu. (Die gleiche CJruppe, von dem Bildhauer Mathias Braun, befindet 
sich in Prag. [Ernest Denis, Prague, Paris und Prag, o. J., S. 33.]) 
Kirche KATH. KIRCHE ST. PETER. Matrikel R., S. 457. — VO. XXII, 495. 

St. Peter. i^^ Stundc uördHch von der Stadt gelegen. Um 1130 schon erwähnt. (Vgl. S. 71.) 

Bau der jetzigen Kirche um 1720. (VO. a. a. O.) 

Rechteck mit Flachdecke zu vier Fensterachsen. Chor durch einen ein- 
gezogenen Chorbogen abgetiennt. Moderner Dachreiter. Das Mauerwerk bewahrt 
keinerlei Anzeichen für mittelalterlichen Ursprung. 
Einrichtung. Altar neu. 

Stuhl Wangen. Rahmenwerk. Triglyphenfries und Bekrönung in flachem 
Rollwerk. (Vgl. die verwandten Arbeiten in der Kappel, S. 42). 

An der Südwand des Langhauses Ölbild: Der Geiger vor St. Kümmernis. 
Ölbild. Auf einem Altar erhebt sich das Kreuz, an dem die Heilige angeheftet ist. An 
den Altarstufen kniet der Geiger und spielt. Vor ihm liegt der Pantoffel, den sie 
ihm zugeworfen. Die Figuren im Kostüm des früheren 17. Jahrhunderts. H. ca. 60 cm. 
(Über die Sage von St. Kümmernis bzw. Wilgefortis vgl. Kunstdenkmäler der Ober- 
pfalz, Heft II, B.-A. Neunburg v. W., S. 57 und die daselbst angeführte Literatur.) 
Friedhof- KATH. FRIEDHOFKAPELLE ST. JOHANNES EV. Matrikel R., 

*^^p*^""- s. 457. — VO. XXU, 497. 

Einer Inschrift in der Kapelle zufolge ließ der aus Tirschenreuth gebürtige 
Vilsbiburger Tuchmacher Joh. Gg. Nebner die baufällige Kirche im Jahre 1783 neu 
aufrichten und mit Altar, Kanzel und Stühlen versehen. 



Tirschenreuth. 



79 



Bescheidener, dreiseitig geschlossener Bau mit Flachdecke. Kuppeldach reiter. 

Einfaches R okokoaltärchen. Bild neu. 

An der südlichen Friedhofmauer Grabsteine, i. Inschrift unleserlich. > 
Stilistischen Merkmalen zufolge zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Bürgerliches 
Wappen (springender Himd). Granit. — 2. Magdalena Siilgerin, f 1586. Mit 
bürgerlichem Wappen. (Kranit, — 3. Mit Relief einer Frau in ganzer Figur. Um- 
schrift unleserlich. Erste Hälfte des 17, Jahrhunderts. Granit. — 4. Johann Son eil, 
f 1573. Renaissanceädikula mit zwei Wappen. Quarz. Derbe Arbeit. (Die Frau 



\IV. B.-A. Tirschenreuth. 



stammte dem ^Vappen zufolge aus der Tirschenreuther Bürgerramilie Thum. Vgl. 

Vü. XX, 476.) 

1 ANLAGE UND BEFESTIGUNG DER STADT. Geschichtliches. 

' Die Befestigimg Tirschenreuths mit einer Mauer und dem »unteren Turm« (heute der 
»Klettnerturm* genannt) geschah durch Abt Johannes IV. (1313 — 1337). (Binhack, 
Waldsassen von 1133 — 1506, II, 4. — VO. XXII, 32.) Ein geschlossener Bering 
war das aber nicht. 1628 hatten die Tirschenreuth er allerdings vor, eine Mauer 
um die ganze Stadt zu fuhren, der Plan kam aber nicht zur Ausführung. (Binhack, 
Jahresgeschichten des Klosters Waldsassen von Joh. (ig. Ruprecht, S. 18 f.) So kam 
es, daß Tirschenreuth zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges nur an der östlichen 
I.angseitc eine Stadimauer besaß, welche die beiden Stadttore verband, (Vgl. 
Binhack, ebenda S. 16.) Dieselbe war, wie aus dem Befestigungsprojekt von 1Ö21 
(vgl. das Nähere S. 70) hervorgeht, mit einer Reihe von halbrunden MauertUrmen 
versehen. Die westliche Langseite dagegen schützte nur der ausgedehnte untere 
Stadtleirh; daher war Tirschenreuth im Winter, wenn die Teiche zufroren, wie ein 
»offen Dorf.* (Reichsarchiv München, Überpfalz Nr. 239. Mit Plan Nr. 9.) Diesen 
Umstand benutzten die Schweden, um am 8. Februar 1634 die Stadt mühelos zu 
nehmen, ebenso 1641 und 1648. (VO. XXII, 175, zog, aaS. — Hüilmann, Kriegs- 
geschichte II, 453, 4Ö1.) 

Auch zur Zeit des spanischen Erbfolgekriegcs behalf man sich mit Pallisaden 
und Brustwehren. (Ono Ki.eemanh, Die Grenzbefestigungen im Kurfürstentum 
Bayern zur Zeit des spanischen Erbfolgekrieges, München 1885, S. 22.) 

Der Grundriß der Stadt beschreibt annähernd die Form eines Rechteckes. 
(Lageplan Fig. 54, Ansichten Fig. 46 u. 47.) Ein langgestreckter, breiter Marktplatz 
teilt die Stadt von Süden nach Norden. Am Nordende liegt die Pfarrkirche. Ebenda 
stand früher das Schloß, östlich von der Kirche. Das Rathaus gliedert sich in die 
westliche Häuserreihe am Marktplatz in der Nähe der Kirche ein. Im Mittelalter 



Tirschenreuth. Sl 

Stand dasselbe inmitten des Marktplatzes. igSa — 1583 wurde es abgebrochen, »weills ai 
dem Prospekt des Plaz ziemlich benommen«, und an der heutigen Stelle »zierUcha ^ 
aufgebaut. (Binhack, Jahresgeschichten von Joh. Gg. Ruprecht, S. 8.) 

Von der Befestigung hat sich nur am Siidende der Stadt der sog. Klettner- 
turm erhalten. (Vgl. über ihn VO. XXU, 482 f. — Fig. 47.) In der Nähe des- 
selben gegen Norden ein unbedeutender Rest der ehem. Stadtmauer. Die beiden 
Stadttore nicht erhalten. 

Über die Teiche, welche die Stadt umgaben, vgl. VO. XXII, 451 fT. Der 
vollständige Wasserbering wurde erst von 1616 — 1625 vollendet. (Binhack, Jahres- 
geschichten des Joh. Gg. Ruprecht, S, 16.) 

EHEM. SCHLOSS. VO. XXII, 468fr. 

Abt Johannes IV. (1323—1337) begann den Bau des Schlosses. (B(nhack, Kh 
Waltlsassen von 11 33 — 1506, II, 4.) Den hohen Turm (Fig. 47) erbaute Abt Nikolaus III. 
(1417 — 1433). {Ebenda, S. 45.) 1615 wurde das Schloß über den Schloßgraben 
hinaus bis an die Schloßmühle erweitert. (Binhack, Jahresgeschichten von 
Joh. Gg. Ruprecht, S. 16.) 1633 brannte es ab. (VO. XXII, 173.) Nur der hohe 
Turm blieb stehen. Seit dem Brande des Jahres 1814 ist auch dieser gefallen. 
Den alten Abbildungen zufolge war derselbe ein Rundtumi. Unter dem Dache 
trug er einst einen gezimmerten Wehrgang. Die Kragsteine sind auf Fig. 46 u. 47 
noch kennbar. 

Jetzt erhebt sich auf dem Schloßplatz das Institut der Schul Schwestern. 



8i XIV. B.-A. Tirschenrenlh. 

FISCHHOF. VO. XXir. J05, 47« ff 

Die »Grangia Vischhove* war ein stattlicher Okonomiehof des Klosters Wald- 
sassen, dessen Anlage zweifellos mit dem Übergang 'l'irschenreuths an Waldsassen 
zusammenhängt. Er lag auf einer Inse! in dem nunmehr ausgetrockneten oberen 
Stadtteich. (Fig. 47.) Der jetzige Bau stammt im wesentlichen vom Jahre 1680. 
(BiNHACK, Jahresgeschichten von Job. Gg. Ruprecht, S. 25.) 1748 — 1750 erbaute 
der Waldsassener Ijiienbruder Phihpp Muttone (vgl. S. 150) die mächtige steinerne 
Zugangsbriicke über den Teich. (Binhack, Waldsassen von 1661—1756, S. 138.) 



Flg. S7. Tinchcnrculh. DniMtigkcilBÜulc am Weg nach Pilkenbng. 

Langgestreckter zweigeschossiger Bau mit hohen Giebeln. Den Hof umschließen 
schmale, niedrigere Nebengebäude. (Fig. 55.) Am Nordflügel Kapelle in Form 
eines ausspringenden Rundturms. Innen gedrückte Kuppel mit Interne. Geschmie- 
detes Rokokogitter mit dem Wappen des Abtes Wigand von Deltsch (1756— 1792). 

Die aus Granitquadern erbaute Brücke hat zehn Joche. Das dritte Joch vom 
Fischhof her ist als Fallbrücke (aus Holz) eingerichtet. An der Südwestseite Wappen 
des Abtes Alexander. Vgl. VO. XXII, 277 ff. 

Im Fischhof ist jetzt das K. Landgericht und Rentamt untergebracht. 



Tirschenreuth. — Waldershof. 8^ 

Über die Legende vom Provisurritt des Mönchs Gerhard vgl. Binhack, Gym- 
nasialprogramm Eichstätt 1890, S. 68 ff.) 

RATHAUS. VO. XXII, 476 f. Rathaus. 

Von dem 1582 — 1583 neugebauten Rathaus (vgl. oben S. 81) blieb bei dem 
Stadtbrand im Jahre 1814 die Fassade unversehrt. 

Am Erker ißSj, Dreigeschossiger Bau. (Fig. 56.) Fenster mit geradliniger 
Verdachung. Das Portal wird umrahmt von Halbsäulen, darüber sitzt ein Gebälk ohne 
Giebel. Der Erker ruht auf reich profiUerter Steinvorkragung, die in einen bärtigen 
Kopf endigt. An der Vorderseite des Erkers Wappen der Kurpfalz (und PL C.) 
und von Waldsassen. An den Schmalseiten vier bürgerliche Wappen. (Die 
VO. XXII, 476 f. gegebene Erklärung trifft nicht in allem zu. Vielleicht handelt es 
sich um die Wappen der vier Bürgermeister des Jahres 1583.) 

Ältere BÜRGERHÄUSER fehlen infolge mehrfacher Brände. 

Beim Chor der Pfarrkirche, gegen den Marktplatz zu, steinerne DREI- Dreifaitig- 
FALTIGKEITSGRUPPE. Auf einem Granitpilaster die Figuren der drei gött- ^eitsgruppe. 
liehen Personen. Am Pilaster Immakulata. Seitlich St. Franziskus v. Assissi und 
Johannes v. Nep. 18. Jahrhundert. Handwerklich. Die Gruppe befand sich bis 1814 
auf dem Marktplatz. 

An der Straße nach Falkenberg, außerhalb Tirschenreuth, steinerne BILD- Bildsäule. 
SÄULE. (Fig. 57.) Über dem Säulenkapitell in Relief Darstellung des »Gnaden- 
stuhles«. Auf den seitlichen Ausladungen des Sockels die Figuren Maria und 
Johannis. Am Sockel Inschrift: Anna Margaretha Wittmanin 173g. Sockel teil- 
weise im Boden. H. ca. 4 m. 

In der Umgebung der St. Peterskirche zwei steinerne BILD STOCKE. Vier- 
seitige Bildertabernakel mit Spitzhelm und Kugel. An der nordwestlich stehenden 
die Inschrift WABE. Dazu ein Hufeisen und lögj. Die südöstlich stehende 
trägt an der Säule eine eiserne Hand, die nach Waldsassen weist. Sie führt des- 
wegen den Namen »die eiserne Hand«. H. ca. 4 m. 

BRÜCKE. Über den Mühlbachgraben steinerne Brücke mit den Steinfiguren 
St. Johannes v. Nep. und St. Helena. 18. Jahrhundert. 

WALDERSHOF. 

VO. XXII, 3, 118, XXVI, 171 ff. ; LIII, 201 ; LIV, 197. — Zimmermann, Literatur. 
Kalender V, 323. — Destouches, Statistik, S. 400. — Brenner, S. 26, 39, 52, 95, 
114, 117. — Bavaria 11, i, 658 f. — Binhack, Waldsassen von 1507 — 1648, S. 33. 

— Gradl, Egerland, S. 113, 172, 235, 398. — Beck, Geschichte des Eisens, Braun- 
schweig n (1893/1895), 690. — Götz, S. 884. — Högl, S. 14, 168, 189, 192, 198. 

— J. B. Mayr, Notizen zur Geschichte des Schlosses und Marktes Waldershof, 1 880. 
MS. im Hist. Ver. O. 272 c. 

Ansicht auf einer Grenzkarte zwischen Brandenburg und Amt Waldeck. (Fig. 58.) Ansichten. 
Graph. Sammlung des Bayer. Nationalmuseums ZGB. IV, p. 351. (Früher Reichsarchiv 
München, Plansammlung Nr. 3277. Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft X, 
B.-A. Kemnath, S. 10.) Wohl vom Jahre 1536. (Ebenda, S. 7. — Brenner, S. 155.) 

KATH. PFARRKIRCHE ST. SEBASTIAN. Matrikel R., S. 458. — 
VO. XXII, 285; XXXIII, 55 f. — Reg. Boic. IV, 334. 

1287 erhält die vom Kloster Waldsassen in Waldershof neuerrichtete Kapelle Pfarrkirche. 
Ablässe. (Gradl, Mon. Egrana, Nr. 380.) Um 1565 von Redwitz getrennt. (Brenner, 



84 XIV. B.-A, Tirschenreuih. 

. S. 170.) Die durch Abt Wigand von Dellsch 1789 neugebaute Kirche brannte 1807 
mit dem Markt ab. Darnacli neu hergestellt. (Brennkr, Waldsassen, S. 229. — 
RiNHAuK, Abt Wigand, S. 6.) 



SimmluDg des Uayet. Nilianilmuieunii, 

Eingezogener Chor mit zwei Jochen und dreiseitigem Schluß. Tonne mit 
St ich kappen. Langhaus zu vier Jochen. Flachtonne mit Stichkappen. Sakristei- 
ränme mit Oratorien im Obergeschoß zu beiden Seiten des Chores. Im Chor und 
Langhaus gekuppelte Wandpilaster. 



Turm an der Südseite des Langhauses am zweiten Joch von Osten ; fünf be- 
schösse hoch. In den drei unteren Geschossen befinden sich Schießscharten und zwar 
im Erdgeschoß und im zweiten Obergeschoß Maulscharten, im ersten Obergeschoß 
Maulscharten mit senkrechtem Sehschlitz. Kuppeldach und Laterne. Der Kirchturm 
war demnach zu Wehrzwecken ausgerüstet. Wahrscheinlich kam dazu früher noch 
ein befestigter Friedhof. (Über ähnliche Fälle, 
vgl. Piper, S. 33.) 

EHEM. SCHLOSS. 1263 schenkte Fried- 
rich, I^ndgraf von I^^euchtenberg, Waldershof an 
das Kloster Waldsassen zur Vergütung für zu- 
gefügten Schaden. (Gbadl, Mon. Egrana, Nr. 248.) 
Die Ansprüche des eingesessenen Ministerialen- 
geschlechtes der Waldershofer löste Waldsassen ab 
und so verzichtete Friedrich von Waldershof iz8o 
nach Empfang von zwei Mark Silbers auf all seine 
Rechte am Schloß Waldershof (in Castro dicto 
Wahhershowe), (Ebenda, Nr. 342. — Reg. Boic. 
I, 386,) 

Im l-aufe des 14. Jahrhunderts mehrfache 
Verpfandungen. (Mavr, fol. la.) 145g erhält 
Arnold von Hirchberg, gesessen zu Ebenöd, das 
Schloß lehenweise mit der Berechtigung, auf drei 
Jahre 40 fl. in dasselbe auf Klosters Kosten zu 
verbauen. (Reichsarchiv München, Waldsassener 
Kopialbuch l, S. 381,) ! 

Bis 1803 war das Schloß Richter w oh nung. 1 

Jetzt zu Mietwohnungen für Arbeiter einge- pig. s,_ waidtuhof. Wappcnswin d« 

richtet. Arnold na HirachbirB im bchloBhof. 



k i r c h e. 
Literatur. 



86 XIV. B.-A. Tirschenreuth« 

Ehem. Schloß. Am Ende des Dorfes gegen Westen auf ganz mäßiger Anhöhe gelegen. 

(Lageplan Fig. 59. — Ansicht Fig. 60.) Ursprünglich jedenfalls Weiherhaus. Um 
einen engen Innenhof, dessen Schmalseiten nach Süden und Norden liegen, grup- 
pieren sich drei Gebäudeflügel. Ein Schuppen im Norden schließt den Bering. 
Zwei Zugänge vom Osten her. Im Hof zwei Freitreppen am Westflügel. Die nörd- 
liche führt zu einem saalähnlichen Raum. Die übrigen Räume unregelmäßig verteilt. 
Erdgeschoß und zwei Obergeschosse. 

Am Westflügel im Innenhof Quarztafel mit Wappen der Hirschberger und 
Inschrift: Arnold vo hirspg 1471. (Fig. 61.) H. i m. 

Der 1471 von dem Hirschberger vorgenommene Umbau steht noch im 
wesentlichen vor uns. Die Tür- und Fenstergewände unprofiliert, erstere spitzbogig. 
An der Südseite außen teilweise quaderartiges Granit- oder Quarzmauerwerk aus 
älterer Zeit. Der Unterteil des Mauerwerkes vom Boden auf (Phyllitbruchsteinwerk) 
gehört möglicherweise der romanischen Zeit an. Mehrfach malerische Motive. 

WALDSASSEN. 

Kloster- K AT H. PF A RRKI RCH E ST. JOHAN NES EV. EHEM. ZISTER- 

ZIENSERABTEIKIRCHE. Matrikel R, S. 457. — VO. VI, isoff.; XVII, 
246 ff.; XXXIII, 178 ff.; XXXIX, 10 fl".; XLI, 211 ff.; LIU, 200 f.; LV, 185 ff. — 
MB. XXIXa, 507, 521; XXXIa, 392, 452, 490, 492, 496. — Reg. Boic. I, 136, 
150, 199 u. a — Caspar Bruschiüs, Monasteriorum Germaniae praecipuorum ac 
maxime illustrium Centurio prima, Ingolstadt 1551, S. 68 ff. — Caspar Jongeunus, 
Notitia Abbatiarum Ordinis Cisterciensis, Köln 1640, III, 3 — 12. — Matthäus 
Merian, Topographia Bavariae, Frankfurth 1644, S. 83. — Gasp. Bruschiüs, Chrono- 
logia Monasteriorum Germaniae praecipuorum, ed. M. Simon Bornmeister, Sulzbach 
1682, p. 242 — 266. — M. Zacharias Theobaldus junior, Caspari Britschii redivivi 
gründliche Beschreibung des Fichtelberges, Nürnberg 1683, S. 34 f. — A. W. Ertl, 
Chur-Bayerischer Atlas, Nürnberg 1690, Zweiter Teil, S. 253 — 256. — Aug. Sar- 
TORius, Verteuschtes Cistercium, Prag 1708, S. 976 — 989. — Joannis de Ellenbogen 
Abbat. Waldsass., De Vita venerabilium Monachorum monasterii sui, Bernard Pez, 
Bibliothcca Ascetica, Ratisbona VIII (1725), 467 — 490. — Wigulei Hund, Metro- 
polis Salisburgensis, ed. Gewold, Ratisponae III (1729), 314 f. — Wenzeslai Xav. 
Neumann a Puchholz deductio historica praetensionum Regni Bohemiae ad advo- 
catiam Monast. Waldsassensis, Pragae 1737. — Zedler, Universallexikon, I^ipzig u. 
Halle LH (1747), 1482 ff. — Zimmermann, Kalender V, 291 — 320. — F. A. Oefele, 
Rerum Boicarum Scriptores, Augsburg I (1763), 50 — 87. (Ottonis Chronicon Wald- 
sassense.) — Schlüzers Staats-Anzeiger, Göttingen I (1782), 397 ff.; II (1782), 377 ff.; 
IV (1783), 258; V (1784), 98 ff. (Prozeß des Klosters mit seinen Unterthanen.) — 
Geographisches Statist.-Topogr. Lexikon von Baiepi, Ulm III (1797), S. 575 — 577 u. 
Zusätze, S. 192 ff. — Oberpfiilzisches Wochenblatt (von Schleis v. Löwenfeld), 
Sulzbach 1800, S. 71 ff. ; 1803, S. 26 ff. — Lipowsky, National- Garde -Almanach 
für das Königreich liaiern 1816, S. 181 f. -- J. Sendtner, Die Entstehung des 
Klosters Waldsassen (Romantisches Drama), Bavaria oder Gedichte vaterländischen 
Inhalts, München II (1818), S. i ff. — Jon. B. Brenner, (beschichte des Klosters u. 
Stiftes Waklsassen, Nürnberg 1837. — Vaterländisches Magazin, Erlangen 1837, 
Nr. 42 ff. — Joh. Andreas Schmeller, Die Entstehung des Klosters Waldsassen in 



Waldiassen. 87 

deutschen Reimen des 14. Jahrh-, VO. X (1846), 76 — 99. — Stillfried u. Maerckeb, i 
Mooumenta Zollerana, Berlin 1856 fF., II, Nr. 224, 300, 356, 357, 365, 655; III, Nr. 45, 
194, 196, 197, 100, 20I, 174; VI, Nr, 277. — Bavaria II, r, 656 ff. — Anton Frind, 
Kirchengeschichte Böhmens, Prag I {1864), 286 ff. — Kalender für kath. Christen, 
Sulzbach 1867, S. 74 — 80. — Würdinger, Kriegsgeschichte I, 191; II, 232, — 
Fr. Winter, Die Cistercienser des nordöstlichen Deutschlands bis zum Auftreten der 
Bettelorden, Gotha 1868 — 71, I, 38, 78, 82, 316, 324; II, 24, 74, 75, 78. — Leopold 
Jannuschek, Originum Cisterciensium tomus I, Wien 1877, S, 29 f. — Alb. Vierling, 
Erinnerungen aus der Oberpfalz, Weiden 1878, S. 83 ff, — Fr. Benno Fuchssteiner, 
Beschreibung der Klosterkirche zu Waldsassen, Amberg, o. I. — Stephan Ehses, 



Quellen u. Literatur z. Geschichte d. bayerisch-pfälzischen oder Landshuter Erbfolge- 
krieges 1504 — 09, Würzburg 1880, S. 24 f. — Seb. Brunner, Ein Cistercienserbuch, 
Würzburg 1881, S. 71 r — 730, — Mitteilungen des Vereins f. Geschichte d. Deutschen 
in Böhmen, XX (1881), 263 f. (Waldsassener Gebiet in Böhmen.) — Janner I, 624; 
11, 8 ff., 294 f.; lU, 241, 446; vgl. Register S. 651. — Doebehl, Reichs unmittelbarkeit 
und Schutzverhältnisse des ehem. Cistercienserstiftes Waldsassen, Eger 1884. — 
Kleine Chronik der Cistercienser- Abtei und des Marktes Waldsassen, Oberpfälzische 
Blätter 1885, Nr. 41—55 (von Fr. Binhack). — Gradl, Mon. Egrana, passim. — 
Fr. Keinz, Die Gründung des Klosters Waldsassen, Altdeutsches Gedicht, zur 
Schmellerfeier aus der Handschrift neu herausgegeben, München 1885. — Doeberl, 
Reichsun mittelbarkeit und Schutz Verhältnisse der ehem. Cistercienserabtei Waldsassen 
in den drei ersten Jahrhunderten ihres Bestehens, Programm des K. Gymnasiums 
Passau 1886. — Fr. Binhack, Die Abte des Cistercienserstiftes Waldsassen von 
1133 — 1506, I. Abfeilung, Programm des K. Gymnasiums Eichstätt 1887. — Derselbe, 
Geschichte des Cistercienserstiftes Waldsassen von der Wiederherstellung des Klosters 
(1661) bis zum Tod des Abtes Alexander (1756), Regensburg u. Amberg 1888. — 
Derselbe, Die Abte des Cistercienserstiftes Waldsassen von 1133 — 1506, 2. Abteiig., 



88 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Kloster- 
kirche. 

Literatur. 



Handschriften. 



Programm des K. (iymnasiiims Eichstätt 1889. — Derselbe, Die Gründung der Cister- 
cienser- Abtei Waldsassen nebst den Erzählungen aus dem Leben Waldsassener 
Mönche und der Geschichte der Dreifaltigkeitskirche, Programm des K. Gymnasiums 
Eichstätt 1890. — Derselbe, Geschichte der Cistercienser- Abtei und des Stiftes Wald- 
sassen von 1507 — 1648, Programm des K. Gymnasiums Eichstätt 1891. — Sparrer, 
Erziehungsinstitut in W., Kalender für kath. Christen, Sulzbach 1892, S. 70 ff. — 
Heinrich Gradl, Geschichte des Egerlandes (bis 1437), Prag 1893, S. 55 ff. (Vgl. 
Register S. 431.) — Doeberl, Älteste, ungedruckte Waldsassener Chronik, VO. XLV 
(1893), 116 ff. — A. Koch u. J. Wille, Regesten der Pfalzgrafen am Rhein, I, Inns- 
bruck 1894, Nr. 40, 237, 704, 1039, 1078, 2075, 2725, 6652. — Gg. Hager, Die 
bayerischen Cisterzienserkirchen des Mittelalters, Monatsschrift des Hist. Ver. v. 
Oberbayern 1893, S. 73 — 77. — Fr. Binhack, Geschichte des Cistercienser-Stiftes 
Waldsassen unter dem Abte Wigand von Deltsch (1756 — 1792), Programm des 
K. Gymnasiums Eichstätt 1896. — Derselbe, (beschichte des Cistercienserstiftes Wald- 
sassen unter Abt Athanasius Hettenkofer von 1800 — 1803, Programm des K. Gym- 
nasiums Passau 1897. — Derselbe, Geschichte des Cistercienserstiftes Waldsassen in 
den Jahren 1798 u. 1799, Cistercienserchronik XI (1899), 225 ff. — Derselbe, Ge- 
schichte d. Klosters Waldsassen unter dem Abte Athanasius Hettenkofer 1798 — 1799, 
Passau 1899. — Drei Jahre aus der Geschichte der Abtei Waldsassen (1792 — 1795), 
Cistercienserchronik XII (1900), 225 ff. — Gg. Brunner, Geschichte der Reformation 
des Klosters und Stiftlandes Waldsassen bis zum Tod des Kurfürsten Ludwig VI., 
Erlangen 1901. — K. Staudinger, Geschichte des kurbayerischen Heeres, München 
I (1901), 232, 234, 242, 320, 365; II (1904), 611, 904. — P^R. Binhack, Erlebnisse 
der Cistercienserabtei Waldsassen unter Karl Theodor, Regensburg 1902. — Derselbe, 
Jahresgeschichten des Stiftes und Klosters Waldsassen von Johann Gg. Ruprecht, 
Regensburg 1903. — Neckermann, Der Beginn der religiösen Wirren im Stiftland 
Waldsassen, Beilage zur Augsburger Postzeitung 1903, S. 5 ff. — F. B. (Franz 
Binhack), Der geweihte Boden der Klosterkirche zu Waldsassen nach der Sage und 
Geschichte, Regensburg 1903. — Cistercienserchronik XVI (1904), 181 f. — Mathias 
HöGL, Die Gegenreformation im Stiftlaad Waldsassen, Regensburg 1905. — Sparrer, 
Die Konsekration der Cistercienserkirche Waldsassen, Kalender für kath. Christen, 
Sulzbach 1906, S. 97 f. — Chronik der Gemeinde Waldsassen von 1694 — 1906, 
W^aldsassen 1906. 

Chronicon Waldsassen se (Urkundensammlung zur älteren Geschichte Wald- 
sassens), Reichsarchiv München, Kloster Waldsassen, Fasz. I, Nr. 3. — Visitationen, 
Rechnungsauszüge etc. von 1672 — 17 17, ebenda, Fasz. I, Nr. 35 b. — Privilegien des 
Klosters Waldsassen, 1524, ebenda, Fasz. II, Nr. 18. — Geistliche Sachen (Gottes- 
dienststiftungen etc.), 18. Jahrh., ebenda Fasz. VI, Nr. 40. — Bauten 1601 — 1604, 
Kreisarchiv Amberg, Klöster und Pfarreien, Fasz. 16, Nr. 909. — Kirchenrenovierung 
1626, Kreisarchiv Amberg, Amt Waldsassen, Fasz. 26, Nr. 667. — Acta Waldsassensia, 
MS. (18. Jahrh.) im Pfarrarchiv Waldsassen. (Vgl. über dieselben Gradl, Mon. 
Egrana, p. IV.) — Auszug aus der politischen Geschichte von Waldsassen, verfaßt 
um 1796. MS. im Hist. Ver. O. 44. — Waldsassische Besitzungen. MS. (18. Jahrh.) 
im Hist. Ver. O. 879. — Reichsunmittelbarkeit Waldsassens, verfaßt 1707, kopiert 
1826 von Ferd. Jos. Platzer. MS. im Hist. Ver. O. 45. — Geschichte von Wald- 
sassen, von einem Exreligiosen, um 1806. MS. im Hist. Ver. O. 51. — Topographia 
posthuma Waldsassensis olim Monasterii, zwischen 1803 — 1825. MS. im Hist. Ver. 
O. 275. — J. Gg. Friedrich, Waldsassen im gegenwärtigen Zustand, 1845. ^^^' ^^^ 



Waldsassen. 89 

Hist. Ver. (). 54. — Jos. Barth. Mayr, Geschichte des Schlosses Waldsassen, 1880. Kloster- 
MS. im Hist. Ver. O. 272a. 

Ansicht auf Karte Nr. 3122 im Reichsarchiv München, vgl. S. 8. (Fig. 63.) — Ansichten. 
Ansicht auf Karte Nr. 31 21, ebenda, vgl. S. 8. — Grundriß des Klosters und Ortes 
Waldsassen, zwischen 1618 und 162 1, Reichsarchiv München, Plansammlung Nr. 1087a, 
1087 b, 1087 c. (Mit ausgedehnten Befestigungsprojekten nach Vaubanschem System.) 
— Plan zu einer Neubefestigung 1621, Reichsarchiv München, Oberpfalz Nr. 239, 
Plan 8. (Fig. 65.) — »Geometrischer Abriß des Closter: und Neuerbaudten ordts 
Waldsassen«, verfertigt 1670 von Ferdinand Jakob Stilp von Waldsassen, Reichs- 
archiv München, Plansammlung Nr. 3294. (^Tafel VU.) — Kopie des Stilpschen Orts- 
bildes, ebenda, Plansammlung Nr. 3295. — Ansicht vor 1690 bei Ertl, Churbayri- 
scher Atlas II, 252. (Fig. 67.) — Grundriß der Kirche und des anstoßenden Kloster- 
gebäudes. Bez. F. P. M. Wohl nach dem vorhandenen Baubestand aufgenommen 
von Frater Philipp Muttonc (1733 — 1775 [Bin hack, Waldsassen von 1661 — 1756, 
S. III, 137 f.j). Sammlung des Hist. Ver. v. Oberpfalz u. Regensburg. — Ansicht 
des Klosters mit der nicht zur Ausführung gekommenen Abtei. (Fig. 69.) 18. Jahr- 
hundert. Original unbekannt. Eine photographische Aufnahme im Besitz der Frau 
Regierungsdirektor Therese Glaser in München, eine weitere in der Sammlung 
des Hist. Ver. v. Oberpfalz u. Regensburg. 

Baugeschichte von 1133 — 1676. Die Zisterzienserabtei Waldsassen nimmt BaugcscWchtc 
unter den Klöstern Deutschlands eine bedeutende Stelle ein. Die Gründung des ''°" "33-t676. 
nachmals so mächtigen wie vielgeprüften Klosters umranken poesievolle Legenden. 
Die Deckengemälde im Chor der heutigen Klosterkirche verewigen die Szenen, welche 
die Legende über die Einsiedelei Gerwichs in der Köllergrün, über das Zusammen- 
treffen mit seinem Jugendfreund, dem Markgrafen Dipold, und die an dieses Zu- 
sammentreffen sich anschließende Klostergründung zu schildern weiß. (Vgl. Bin hack. 
Die Gründung der Cistercienser- Abtei Waldsassen, [1890], S. 25 ff. — Hans Reidel- 
BACH, Die frommen Sagen und Legenden des Königreichs Bayern, Regensburg 
1897, S. 56.) 

Der Stifter von Waldsassen ist Markgraf Dipold von Vohburg. (Vgl. Ein- 
leitung S. 2.) Dem Chronicon Waldsassense zufolge begann am i. Oktober 11 33 
der Klosterbau. (Oefele I, 54. — Vgl. Mon. Germ. SS. XV b, 1089. — Gradl, Mon. 
Egrana, S. 264. — Jannuschek a. a. O.) Die landschaftliche Lage der Neugründung 
in einer flachen, wasserreichen Umgebung am Ufer der Wondreb entspricht ganz 
den Gepflogenheiten des Ordens. (Vgl. Dohme, Die Kirchen des Cistercienserordens 
in Deutschland, Leipzig 1869, S. 20 f.) Die Besiedelung geschah vom Kloster Volken- 
rode in Thüringen aus. (Oefele I, 56. — Binhack, Die Gründung der Cistercienser- 
abtei Waldsassen, S. 15 f.) Waldsassen galt als die hundertste Klosterstiftung des 
blühenden Zisterzienserordens. (Binhack, ebenda, S. 43.) Vgl. S. iii. 

1147 nimmt König Konrad IIL die Neugründung unter seinen Schutz. (MB. 
XXIX a, 297.) 

Die junge Stiftung wuchs allmählich heran, und so wurde es ihr möglich, unter 
dem Abte Daniel, der den Chronisten zufolge der fünfte Vorsteher von Waldsassen 
war, an Stelle der älteren kleinen Kirche eine große Basilika zu erbauen, die am 
12. Juni II 79 in Gegenwart Kaiser Friedrichs und vieler Fürsten durch Bischof Kuno 
von Regensburg geweiht wurde. (Gradl, Mon. Egrana, Nr. 87. — Janner II, 11.) 
Sie wurde, wie bei den Zisterziensern gewöhnlich, der hl. Jungfrau geweiht. Der 
zweite Patron war der Apostel Johannes. (Oefele I, 56.) 



90 XIV. B,-A. TincbeDmitb. 

Die von Kuno geweihte Kirche stand, wenigstens im Mauerwerk, bis 1681. 
Beim Neubau des Barock kl osters wurde sie gänzlich niedergerissen, um der heutigen 
Kirche Platz zu machen. (Vgl. S. 103.) 

Wir verschieben die Beschreibung der romanischen Basilika, um zunächst die 
weitere Baugeschichte des KJosters zu verfolgen. Dieselbe beweist, daß in Wald- 
sassen sowohl die Eigenart als die künstlerische Bedeutung des Zislerzienserordens 
vollauf zur Geltung kam. 



AbülduDg d« Klonen auf Kine Nr. 3111 in Reichunhiv Münchtn. 

Eine größere Bautätigkeit scheint unter dem Abt Eberhard {1220— 1246) ge- 
herrscht zu haben. Der Chronist berichtet, daß er viele Werkstätten habe erbauen 
lassen. (BiNHACK, Waldsassen von 1133 — 1506, I, 30. [Brl'schius, Klonasteriorium 
. . . prima Centuria, p. 70 spricht von wariis structuris et aedificüs«.]) 

Abt Giselbert (1267 — 1270) heß einen Relinuienschrein für den Hochaltar 
anfertigen, der aber beim Brand der Kirche im Jahre 1504 zugrunde ging. (Binhack, 
ebenda, 1, 47.) 

Obwohl um die letztgenannte Zeit über Bauten in Waldsassen nichts verlautet, 
werden gerade in diesen Jahren drei dem Kloster angehörige Baumeister wiederholt in 
Urkunden genannt. 1265, iz68 und 1271 erscheint der Mönch Wolfram als »magister 
operisi oder »magister lapidum«. (Gkadl, Mon. Egrana, Nr. 250, 267 und 285.) 
IZ77 wird der Mönch Heinrich und 1281 der Mönch Friedrich als solcher genannt, 
(Ebenda, Nr. 322 und 348.) Vgl. Joseph Neuwirth, Geschichte der christl. Kunst 
in Böhmen, Prag 1888, S. 384. 

Unter dem Abt Ulrich II. (1304 — 1310) wurde um 1306 an die Westseite der 
Kirche die Paradieskapelle angebaut. (ÜEt'ELE I, 68. — Binhack, Waldsassen von 
1133—1506, I, 72.) 

Die St. Jakobskapelle wird zu Zeiten des Abtes Johannes III. (1310 — 1323) 
zuerst erwähnt. (Ebenda I, 76.) Den Chronisten zufolge soll sie identisch sein mit 
der späteren Walburgiskirche. (Vgl. S. 91}.) 

Abt Johannes IV, (1323— 1337) restaurierte die Mauer vom Brauhaus bis zum 
Krankenhaus mit dem Bienenturm (~cum lurri apiarii« [Oefee.e, 69J ; andere Leseart: 
aviarii [Vogellurni]), auch erbaute er vom Paradies bis zum Hause der Gäste eine 
Mauer, die mit einer Galerie (.cum ambitu desupcr decenter ornaluma [Oefklk, 69J) 
versehen war. (Binhack, ebenda, II, 4.) Dieser Verbindungsgang, der vielleicht 



nur in Holz gezimmert war, diente im Notfall wohl auch als Wehrgang. Im Jahre i 
1494 wurde er wieder abgebrochen. (Oefele, 69.) Eine ganz gleiche Anlage finden 
wir später an der Mauer, welche die Vorhalle der Kirche mit dem befestigten Abtei- 
schloß verband. (Vgl. S. 96.) Die Galerie diente wohl als Verbindungsgang zwischen 
Kloster und Abtei. (Vgl. Binhack, S. 87.) 

Auch eine Wärmestube (»stubam hyemalem«) erbaute Johann IV, beim Kranken- 
haus und einen Turm bei der »alten« Abtei. Nach der Verwüstung des Klosters 
im Jahre 1504 (vgl. S. 92) wurden aber alle diese Bauten nicht mehr aufgebaut, 
sondern gänzlich beseitigt. (Oefele, 69.) 

Der Bau eines befestigten Schlosses, das zugleich als neue Abtei diente, wurde 
unter Abt Johannes VI. (1433 — 1461) begonnen, unter seinem Nachfolger Nikolaus IV. 
(1461 — 1479) vollendet, (Binhack II, 51 u. 61.) Die Veranlassung dazu gab eine 
zweimalige Plünderung, die das Kloster vom benachbarten Böhmen aus im Jahre 
1430 und 1433 zu erdulden hatte. (Oefele I, 75. — Andreas von Regensbubg, 
ed. Georg I.eidinger, München 1903, S. 404, 487. — Binhack, S. 45, 48.) Eine 
Befestigungsanlage in dieser Form bildet eine bei mittelalterlichen Klosterbauten 
seltene Erscheinung. Über die Gestalt der Waldsassener Abteifeste sind wir aus 
den späteren Abbildungen genügend unterrichtet. Vgl. Tafel VII u. Fig. 65, 66 u. 67. 

Abt Nikolaus IV. erneuerte auch das Dach der Kirche, deckte den Turm, den 
der Chronist als sturris pulcherrima« bezeichnet (Oefele, 78), mit Blei und ließ 
die Kirche nfenster vergrößern, um mehr Licht im Innern zu schaffen. (Binhack, 
S. 61.) Die Basilika bekam also damals gotische Fenster. Da über die Erbauung 
eines Turmes zuvor in der Chronik nichts erwähnt wird, so muß angenommen 
werden, daß Nikolaus IV. den Turm nicht blos mit Blei deckte, sondern daß er 
ihn neu erbaute. Vorher besaß Waldsassen den von der Rege! vorgeschriebenen 
hölzernen Dachreiter, wohl über der Vierung, Auch der massive spätgotische Turm 
war, wie aus Tafel VII hervorgeht, ein Vierungsturm, aber wesentlich größer als die 
gotischen Vierungstürmchen bei Zistersienserkirchen zu sein pflegten. 



Ulrich III. (1479—1486) ließ die Keller wölben und stellte viel Schadhaftes von 
neuem her. Zu seiner Zeit stürzte der Turm der Kellerme isterei durch einen Brand 
zusammen. (Binhack, 68.) Die Bäckerei, die vorher außerhalb der Umfriedung 
lag, wurde durch Erhard I. (i486 — 1493) innerhalb des Klaustrums verlegt. Der 
Bau eines neuen Refektoriums, einer neuen Bibliothek und eines neuen Parlatoriums 
begann um 1495, *"-^ ^^^^ ^S°4 noch nicht vollendet. (Ebenda, S. 71 und 75.) 



92 XIV. ti.A. Tirschenrcuib. 

Schwere l.ei<Icn brachte der I.andshuter ErbfoIgekricH "her <ias Stiftland un<l 
das Kloster selbst. Am 4. August 1504 überfielen die Markgräflichen unter Alexander 
von Luchau Waldsassen, raubten das Kloster vollständiß aus und steckten es in Brand. 
Der ausfiihrliche Bericht des Chronisten erzahlt, daß infolge der herrschenden Hitze 
das Bleidach des Kirchturms und die drei Glocken schmolzen. Das ganze Kloster 
brannte aus, nur ein Wohnraum der I^ienbrüder und die KcHemieisterei mit der 




Kapelle des hl. Johannes blieben unversehrt. (Oefrle, 83 fF. — Hinhack, Wald- 
sassen von 1133 — 1506, II, 82 ff.) Unter der Johanneskapelle ist nicht eine Kapelle 
der Klosterkirche, sondern die Johanneska pelle vor der Pforte zu verstehen. 
[Vgl. über sie S. 99.) Das Abteischloß mit seinen Befestigungen hatte dem Feinde 
getrotzt. Der Versuch, mit l.ist Einlaß zu bekommen, war mißglückt. (Binhack, 
S. 87.) 

Den Wiederaufbau des Klosters vollendete Abt Andreas (1512 — 1524) mit der 
Wiederhei stetlimg der Basilika, die am 8. Dezember 1517 feierlich geweiht wurde. 
(Binhack, Waldsassen von 1507 — 1648, S. 4 f.) Die Umfassungsmauern und vielleicht 
auch die Wölbungen hatten beim Brande keinen wesentlichen Schaden gelitten und 
wurden wieder verwendet, wie der Baubestand um 1670 erweist. (Vgl. Tafel VII.) 



Waldsassen. 



93 



Der baufreudige Abt errichtete auch eine neue Bibliothek. Vom nahen Glasberg Kloster- 
ließ er in bleiernen Röhren Wasser mitten in den Kreuzgang des Klosters fuhren. ''*'^*^"*' 
Der Brunnen daselbst hatte drei große, aus Erz gegossene Becken, in welche sich 




Fig. 66. Waldsassen. Grundriß der K]o<itergebäiide um i6i8 auf Karte Nr. 1087 b im Rcichsarchiv München. 



das Wasser aus 28 Röhren ergoß. Über dem Brunnen erhob sich ein großes 
steinernes Kruzifix. Man las am untersten Becken die Verse: 

Hoc opus Andreae impensis stat pluribus Abbae, 
Qui ^elidi liquidas f Otitis amavit aquas. 
nie quoqu has reparat consumtas ignibus aedes 

Anno Domini IS2J, 

(Bruschius, Monasteriorum (lermaniae Centurio prima, fol. 73 b. Kine 

andere Version bei Binhack, Waldsassen von 1507 — 1648, S. 5.) Auch über der 
BibUothek fehlte ein Distichon nicht. (Ebenda.) 

Das fortschreitende 16. Jahrhundert sah noch die Aufstellung kostbarer Altäre 
in der Kirche, die Abt (icorg III. (1531 — T537) herstellen ließ. Der nämliche 



94 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Kloster- errichtete eine neue Orgel und deckte die Kirche mit schwarzem Schiefer. (Binhack, 
^^'^^*^- a. a. O., S. 23.) 

Baugeschichte. 

Auch der Administrator Rudolph von Weze (1548 — 1560) restaurierte die 
Klostergebäude, teils baute er sie neu, wie die Bäckerei, das Bräuhaus, die Mühle 
und die Kanzlei, die mit einem polygonen Treppenturm (Tafel VII) versehen war. 
(Ebenda, S. 32.) 

1575 ^^ird ein Brand gemeldet, der die Klostergebäude vielfach beschädigte. 
(Binhack, S. 40.) 

1601 ist der Dachstuhl des Schlosses gänzlich baufällig. Der »Nümbergische« 
Baumeister schlägt vor, das Schloß um einen Gaden höher zu bauen und mit 
»welschen« Giebeln zu versehen, femer einen Schnecken und eine Küche anzu- 
bauen. (Kreisarchiv Amberg, Nr. 909. [Mit den Baurissen.]) Der Heidelberger 
Baumeister Johann Schoch hat gegen das Projekt Bedenken. Die Ausfuhrung 
geschah erst 1606. Tatsächlich wurden zwei hohe (Üebel aufgemauert und die 
Fenster vergrößert. (Binhack, Jahresgeschichten von Johann Gg. Ruprecht, S. 13.) 

Um 161 8 bestand die Absicht, Waldsassen als Grenzfestung mit einem aus- 
gedehnten Befestigungsgürtel zu umgeben. (Reichsarchiv München, Oberpfalz Nr. 239. 
[Vgl. ebenda Plansammlung Nr. 1087 abc.]) Das Projekt wird 1621 als zu teuer 
erklärt. Der Hauptmann Moritz Wilner schlägt vor, sich mit der Anlage einer 
Zitadelle beim neuerrichteten Friedhof zu begnügen. (Ebenda, Nr. 239.) 

Anläßlich der Zurichtung der Kirche unter dem Jesuitenpater Johannes Balsterer 
wird 1626 erwähnt, daß die Tüncher »alle seulen und die auszüg oder grädt in den 
seitengewölbern geweist und getüncht« hätten. (Kreisarchiv Amberg, .Nr. 667.) Die 
Seitenschiffe besaßen demnach Rippengewölbe. Ob dieselben der Wiederherstellung 
nach dem Brande des Jahres 1504 angehörten oder auf ältere Zeit zurückgingen, 
läßt sich nicht entscheiden. Die Decke des Mittelschiffes wird bei dieser Tünchung 
nicht erwähnt. Entweder war dieselbe ein Holztabulat oder man unterließ die 
Tünchung der Kosten halber. 

1633 wurden durch einen Brand auf dem Abteischloß von den vier Eck- 
türmen der Ringmauer zwei zerstört. 1648 ließ Königsmark das Schloß und die 
Kanzlei in Brand stecken, doch schonte er das Konventgebäude. (Binhack, Wald- 
sassen von 1507 — 1648, S. 54, 89.) 

Soviel zur Baugeschichte von Waldsassen vor der Restitution an die Zisterzienser 
im Jahre 1669. ^^^^ ^^ diese Restitution sich anknüpfende Neubau erfolgte zwar 
auf dem "gleichen Platze und in gleicher Situierung der Gebäude untereinander, 
beseitigte aber alle mittelalterlichen Baubestände vollständig mit einziger Ausnahme 
des Abteischlosses, bei dessen Wiederherstellung die alten Umfassungsmauern zweifel- 
los wieder benutzt wurden. 

Die im Jahre 1670 verfertigte Abbildung des Ferdinand Stilp (Tafel VII) im 
Zusammenhalt mit den Grundrissen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (Fig. 65 
und 66 [vgl. S. 89]) geben w^ertvolle Aufschlüsse über die mittelalterliche Anlage 
von Waldsassen, die unsere Kenntnisse über die deutschen Zisterzienserbauten des 
Mittelalters mit interessanten Beiträgen bereichem. 

Die II 79 geweihte Kirche war demnach eine kreuzförmige basilikale Anlage 
mit fünf staffeiförmig angeordneten Apsiden gegen Osten. Das Querhaus war vor- 
springend, wie aus der Stilp sehen Ansicht mit ziemlicher Sicherheit geschlossen 
werden kann. Den Übergang vom Querhaus zu den Apsiden vermittelten quadra- 
tische bzw. rechteckige Räume, von denen der mittlere die Höhe des Hauptschiffes, 



Waldsassen. 95 

die seitlichen dagegen die Höhe der Nebenschiffe hatten. Die Dachbildung auf kioj 
Tafel Vir, namentlich das deuUich ausgedrückte Pultdach am nördlichen Kreuzschiff- '" 
arm lassen über die bezeichnete Gestaltung keinen Zweifel, 

Ob die romanische Basilika gewölbt oder flachgedeckt war, läßt sich nicht 
sagen ; man darf vermuten, daß der mit französischer Klosterbaukunst offenbar wohl- 
vertraute Baumeister außer den Apsiden wenigstens die denselben vorgelegten 
Quadrate mit Wölbung versah, vielleicht auch die Seitenschiffe. 



Die Chorgestaltung der romanischen Kirche Waldsassens, fiir die unter den 
deutschen Zislerzienserklöstem nur eine völlig gleichartige Parallele bekannt ist, 
nämlich Slams in Tirol, entstand offenbar auf Grund eines unmittelbaren Zusammen- 
hanges mit französischen Ordensbauten. In Frankreich war dieser Chortypus, nach- 
dem die Kluniazenser denselben aufgegeben hatten, von den ältesten Zisterzienser- 
kirchen wieder aufgenommen worden. (Vgl. Dehio und Bezolü, Die kirchliche 
Baukunst des Abendlandes, Stuttgart I (1892), 533. — Über Slams vgl. Gc. Hager, 
Kunststudien in Tirol, Beilage zur Allgemeinen Zeitung 1897, Nr. 77, S. af.) Der 
Stamser Chor ist nur [eilweise und sehr verändert erhalten, dagegen bietet der 
Kluniazenserbau zu Thalbürgel bei Jena, obwohl vom Chor nur die Grundmauern 
stehen, ein charakteristisches Beispiel fiir die bezeichnete Choranlage. (Vgl, Leh- 
FELDT, Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Großherzogtum Sachsen ■ Weimar- 
Eisenach, Verwaltungsbezirk Apolda, S. 208 ff. — Gg. Hager, Die Hirsauer Kloster- 
reform und die romanische Baukunst Bayerns, Monatsschrifl d. Hist. Ver, v. Ober- 
bayem 1894, S. 106,) 

Ob das Fi liations Verhältnis zu Volkenrode auf den Waldsassener Kloster- und 
Kirchenbau von unmittelbarem Einfluß war, läßt sich schwer konstatieren. Aller- 
dings besaß auch Volkenrode apsidalen Chorschluß, aber nur mit drei Apsiden. 
Jedenfalls beweisen die Konstatierungen über die Waldsassener Choranlage die öfters 
gemachte Beobachtung, wie wenig eine starre Typik bei den Bauten der Zisterzienser 
maßgebend war. 



J 



o6 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Kloster- ^^ '3°^ crbautc Paradies (Vorhalle) hatte vor allem auch die Bestimmung, 

kirche. als Begräbniskapelle für die adeligen Familien zu dienen, die ihre Grablege in 
Baugeschichte. Waldsassen stifteten. (Vgl. BiNHaCK, Waldsassen von 1133 — 1506, I, 72.) Ob etwa 
vorher eine offene Vorhalle an der Stelle sich befand wie in Maulbronn, läßt sich 
nicht angeben. Um 1670, also wohl mindestens seit der Wiederherstellung des 
Klosters nach dem Brande von 1504, trug das Paradies ein steiles Satteldach von 
der Giebelhöhe des Mittelschiffes und hatte die Weite der drei Schiffe der Kirche. 
Vielleicht war es doppelgeschossig angelegt, wenigstens in der spätesten Zeit. Die 
wehrgangartig vorgekragte Holzgalerie an der Abschlußmauer zwischen Paradies 
und Abteischloß (Tafel VII) legt die Vermutung nahe, daß über der Galerie und dem 
Obergeschoß der Vorhalle eine direkte, gesicherte Verbindung zwischen Kloster und 
Abtei bestand. 

Der von Nikolaus IV. erbaute Turm erhob sich an Stelle des ursprünglichen 
Dachreiters über der Vierung der Basilika. Beim Brande von 1504 blieb offenbar 
das Mauerwerk bestehen, so daß sich die Wiederherstellung im wesentlichen aut 
neue Bedachung beschränkte. Der Stilp sehen Zeichnung zufolge (Tafel VII), mit der 
die Ansicht bei Ertl übereinstimmt, wenn man von der Dachform absieht, ging der 
Turm über viereckigem Unterbau oben ins Achteck über. Den beiden Ansichten 
zufolge gehörte er nicht zu jenen graziösen Schöpfungen der gotischen Steinmetz- 
kunst, wie sie sich bei Zisterzienserklöstern im späteren Mittelalter mehrfach finden, 
aber er besaß bedeutende Dimensionen, da er offenbar ohne Einziehung über der 
Vierung sich erhob. Die Detailformen lassen sich allerdings aus den Abbildungen 
nicht erkennen, auch wissen wir nicht, inwieweit die architektonische Gliederung 
des Turmes beim Brande im Jahre 1504 beschädigt wurde. War das in größerem 
Umfang der Fall, dann ist es sehr leicht möglich, daß bei der Wiederherstellung 
die nüchternen Formen der spätesten Gotik zur Sprache kamen. 

An den nördlichen Kreuzschiffarm war eine Kapelle angebaut, die nach der 
Stilp sehen Klosteransicht polygonen Schluß ohne Choreinziehung besaß. Der 
Grundriß von 162 1 (Reichsarchiv München, Oberpfalz Nr. 239) verzeichnet gleichfalls 
polygonen Schluß (Fig. 65), die Grundrisse Plan Nr. 1087 abc (vgl. S. 89), halbrunden 
Schluß, Nr. 1087 b überdies Strebepfeiler. (Fig. 66.) Das Gesamtergebnis der, wie 
ersichtlich, ungenauen Aufnahmen, dürfte sein, daß es sich zweifellos um eine gotische 
Kapelle handelt. Ein derartiger Kapellenanbau an der Stirnseite des dem Konventbau 
abgewendeten Querschiffflügels findet sich häufig. Wir erinnern an Heilsbronn 
(Heydeckerkapelle), Ebrach (Michaelskapelle), Bebenhausen, (iclegentlich ist die 
Kapelle in den Winkel zwischen Kreuzschiff und Langhaus eingebaut, so in Arns- 
burg und Riddaggshausen. In Walderbach, wo das Kreuzschiff fehlt, baute man die 
Kapelle an die Nordwand des Langhauses. (Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft I, 
B.-A. Roding, S. 192 f.) Da an der bezeichneten Seite der Kirche der Friedhof zu 
sein pflegte, — auch in Waldsassen war das der Fall (vgl. Tafel VII, Nr. 18), — so 
standen diese Kapellen offenbar mit dem Friedhof in Zusammenhang. Bei Bebenhausen 
bestehen zu dieser Annahme genügende Anhaltspunkte (Paulus, Die Zisterzienserabtei 
Bebenhausen, Stuttgart 1886, S. 83 f.), ebenso bei Heilsbronn. (Stillfried, Kloster 
Heilsbronn, Beriin 1877, S. 59.) Die Ordenskonstitutionen selber geben keinen 
Aufschluß, doch sei auf die ältere Klostersitte hingewiesen, derzufolge auf dem 
Kirchhof eine Kapelle sich befand. (Martenk, De Antiquis Monachorum Ritibus, 
Lugduni I [1690], 818.) Vielleicht war die Waldsassener Kapelle dem hl. Michael, 
dem Patron der Toten, geweiht. Sicher ist, daß es eine Michaclskapelle an der 



Waldsassener Klosterkirche gab. (Pez, Bibliotheca Ascet. 1. c, p. 487. — Binhack, ) 
Gründung des Klosters Waldsassen . , ., Eichstäit 1890, S. 73.) Auch die Heydecker- 
kapelle in Heilsbronn war wahrscheinlich eine Michaelskapelle. (Stiluried, S. 45, 59.) 



An Altären werden erwähnt: Der Dreifahigkeitsaltar, der Altar B. Mariae 
Virginis, die Altäre des hl. Nikolaus, der Apostel Petrus und Paulus, des hl. Bardio- 
lomäus, des hl. Andreas ; femer der Magdalenen- und Katharinenaltar. {Reichsarchiv 
München, Kloster Waldsassen, Fasz. VI, Nr. 40. — Binhack , Waldsassen von 
1133 — 1506, II, 77. — VO. XXÜI, 178.) Neben dem Katharinenaltar führte eine 
Thüre auf den Friedhof, (Binhack, Der geweihte Boden der Klosterkirche zu Wald- 
sassen, S. 6.) Im Paradies standen zwei Altare: Der Apostelaltar (»Zwölf botenaltan) 
(Reichsarchiv München a. a. O. — Brenner, S. 99) und der Altar der eill^usend 
Jungfrauen (sbeatorum martirum decem Milium Militum ac iindecim milium virginumi), 
den Taut von Henenberg 1310 stiftete. (Gradl, Mon. Egrana, Xr. 583 u. 6zz.) 



98 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Kloster- Das mittelalterliche Waldsassen war reich an Begräbnisstätten des oberpfalzischen 

..^7^!**' Adels. Im Chor der Klosterkirche ruhten mehrere Glieder aus der Familie der 

egra niss cn. Lg^jj^gj-g^fg^ y^jj Leuchteubcrg. Ein Grabmälerverzeichnis in der Chronik des 

Kaspar BRUSCfflus (Reichsarchiv München, Kloster Waldsassen, Fasz. I, Nr. i, fol. 12), 
das offenbar von einer genau unterrichteten Persönlichkeit auf Grund von Augen- 
schein dem Manuskript eingefügt wurde, um ungenaue Angaben des Bruschius zu 
verbessern, zählt folgende Leuchtenberger Grabstätten auf: 

»Zur rechten Handt 

Ao 1272 Elisabetha Landtgräfin von Leichtenberg, ain Tochter Heinrichs 
Grafen von Orttenburg, Rhue im vriden. 

Auf der Linckhen Handt deß Chores, 

Under disen Mermelstain ist begraben Her GebhardusLandtgraf von Leichtenberg. 

Auf ainen anndem Stain steht, 

Da ist begraben die Frau Elisabetha Landtgräfin von Leichtenberg ein Tochter 
eines Grafen von Orttenburg mit Ihren Sohne vnnd ////.« 

Unter einem »grossen zerbrochenen Stain« ruhte Landgraf Friedrich, Abt zu 
Langheim und Ebrach, zuletzt Bischof von Eichstätt, f 1329. (Vgl. Binhack, Wald- 
sassen von II 33 — 1506, II, 6.)*) 

Die gleichen Grabstätten sah auch Wiguläüs Hund im Jahre 1562 im Chor 
der Klosterkirche. (Hund, Bayrisch Stammenbuch U, 2 — 5.) Außerdem befand 
sich nach Hunds Angabe daselbst auch das Grab des Landgrafen Friedrich (II.), 
des Gemahls der Elisabeth von Ortenburg. (S. 3.) Diese Angabe ist vielleicht 
irrig. Hund bemerkt, daß er den Grabstein des als Bischof von Eichstätt ver- 
storbenen Landgrafen Friedrich nicht gesehen habe, weil man ihm die »Kapelle 
der Landgrafen« nicht zeigte. Nach dem zweifellos zutreffenden Verzeichnis des 
Chronisten befand sich aber der damals schon zerbrochene Grabstein des Bischofs 
tatsächlich im Chor der Klosterkirche, auch ist von einer außerhalb der Kirche be- 
findlichen Kapelle der Leuchtenberger sonst nirgends die Rede. 

Außer den Leuchtenbergischen Grabmälem befand sich im Chor der Kloster- 
kirche nahe bei dem »Heuslein des Leibes des Herren« das Grabdenkmal des am 
30. April 1404 verstorbenen Weihbischofs Johannes (»Bischof von Ebron«), der einst 
Konventual in Waldsassen gewesen war. Sein Denkmal wird als »monumentum 
egregium« bezeichnet. (Reichsarchiv München, Fasz. I, Nr. i, fol. 11.) Vgl. über 
ihn Binhack, Waldsassen von 1133 — 1506, II, 38. 

Das Grabmälerverzeichnis in der Chronik des Kaspar Bruschius berichtet 
endlich noch über das Grabdenkmal eines Grafen von Sulzbach, das im Chor der 
Klosterkirche sich befand: »Zur rechten Hand, wie man hinfür gehet, stehet auf 



^) Zu dem Verzeichnis sei folgendes bemerkt: i. Der auf der linken Seite des Chores be- 
grabene Gehhard ist der nach 1244 verstorbene Landgraf Gebhard III. (Vgl. Gradl, Mon. 
Egrana, Nr. 205. — Wittmann, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Abhandlungen der 
Hist. KL d. K. Bayer. Akad. der WUsensch., VI. Bd., i. Abtcü. [1850], 28.) — 2. Das Todesjahr 
der Landgräfin Elisabeth, Tochter des Grafen Heinrich von Ortenburg, wird sowohl vom Chro- 
nisten wie von Hund (Bayrisch Stammenbuch II, 3) mit 1272 angegeben, während Wittmann 
(S. 35) 1275 als wahrscheinlich bezeichnet. — 3. Eine weitere Landgrafin Elisabeth von Leuchten- 
berg, geb. Gräfin von Ortenburg, kennt die Geschichte der Leuchtenberger nicht. Hund (S. 3) 
bezeichnet sie als Tochter des Grafen Raboto von Ortenburg und eines Leuchtenbergers Hausfrau. 
Vielleicht liegt sowohl beim Chronisten wie bei Hund ein Lesefehler vor. In Frage käme Elisabeth 
von Orlamttnde, Gemahlin des Landgrafen Ulrich I. Sie starb vor 1328. (VO. L, 168.) 



Waldsassen. 



99 



ainen Grabstain, da ligt der Sohn Graf Gebhards von Sultzbach.« (A. a. O., f. 12.) Kloster- 
Dieser Stein ist noch erhalten. Er befindet sich in der Gruft der heutigen Kloster- '^»'^'**- 

1 • 1 -TT 1 r. Begräbnisstätten. 

Kirche. Vgl. S. 123. 

Der benachbarte Adel: die Nothafte, Schimdinger, Künsberg, Wirsberg, 
Sparneck usw. hatten ihre Begräbnisstätte im Paradies, nur Johannes von Tannberg 
zu Waldershof hatte sich vor dem Nikolausaltar, den er gestiftet, eine Grabstätte 
erworben (Reichsarchiv München, Fasz. VI, Nr. 40), ferner die Voitsberger, deren 
Grabstätte im KLapitelsaal vor dem Altar sich befand. (Gradl, Mon. Egrana, Nr. 483. 
— Reichsarchiv München a. a. O.) 

Von den Grabdenkmälern des Paradieses ist heute nur noch eines vor- 
handen. (Vgl. S. 124.) »Die alte Monumenta und Lapides Sepulchrales (deren zwar 
vil vorhanden gewesen), seynd aber per injurias temporum meistenteils zu grund 
gangen«, schreibt Zimmermann. (Kalender V, 317.) 

Was die Kirche an Altären, Bildern usw. besaß, wurde infolge der Bilderver- 
ordnung Ottheinrichs vom 8. Dezember 1555 allmählich beseitigt. (Brunner, 
Geschichte der Reformation des Klosters und Stiftes Waldsassen, S. 59, 69.) 1565 
erfolgte eine erneute Verordnung des Pfalzgrafen Richard zur Reinigung der Kirchen 
von »abgöttischen Bildern und Gemälden«. (Reichsarchiv München, Gerichte der 
Obern und Jungen Pfalz, Waldsassen Nr. 12.) Das Schicksal der in Frage kommenden 
Kunstwerke wird in Waldsassen wohl das gleiche gewesen sein wie später in 
Waldershof, wo sie verbrannt wurden. (Vgl. S. 151.) Zur Frage vgl. auch Kunst- 
denkmäler der Oberpfalz, Heft I, B.-A. Roding, S. 104 f. 

An Kapellen außerhalb der Kirche finden wir erwähnt die Johanneskapelle, Kapellen, 
genannt die Kapelle »vor der Pforte«. Sie lag vor der KJosterpforte und ist wohl 
identisch mit jener Johanneskapelle, die 1504 beim großen Brand unversehrt blieb. 
(Vgl. S. 92.) Zur Zeit der Reformation wurde sie profaniert. Die Chronisten ver- 
muten, daß sie zuzeiten des Abtes Johannes III. (1310 — 1323) erbaut wurde. 
(BiNHACK, Waldsassen von 1133 — 1506, I, 76.) 

Innerhalb des Klosterbezirkes lag ferner die Kapelle bzw. Kirche St. Wal- 
burga. Sie soll nach den Chronisten identisch sein mit der in der Frühzeit des 
14. Jahrhunderts zum erstenmal erwähnten St. Jakobskapelle. (Binhack, Waldsassen 
von II 33 — 1506, I, 76.) 1660 wurde sie neu hergestellt. (Derselbe, Waldsassen 
von 1507 — 1560, S. 89.) 

Die Kirche lag unmittelbar am nördlichen Tor der äußeren Ringmauer. 
{Tafel VII, Nr. 6.) Sie ging demnach zweifellos aus der bei allen Zisterzienser- 
niederlassungen gebräuchlichen Torkapelle hervor, wie solche noch z. B. in Heils- 
bronn (Stillfried, Kloster Heilsbronn, S. 88 ff.), Marienthal, Riddagshausen (Bau- und 
Kunstdenkmäler des Herzogtums Braunschweig, Kreis Helmstedt, S. 128, 139 ff.; 
Kreis Braunschweig, S. 177 f.) und Langheim erhalten sind. Sie dienten ursprüng- 
lich für den Gottesdienst der Frauen, denen der Zutritt zur grolkn Klosterkirche 
nur in der Oktav von deren Einweihung gestattet war. (Hugo Sejalon, Nomasticon 
Cisterciense, Solesmes 1892, p. 290, 397. — Dohme, Die Kirchen des Zisterzienser- 
ordens in Deutschland während des Mittelalters, Leipzig 1869, S. 16, 43.) 

Wie aus Plan Nr. 1087 a u. c (vgl. S. 89) sicher geschlossen werden kann, war 
die Walburgiskirche ein gotischer Bau mit Strebepfeilern am Chor. 

Zur Zeit der Säkularisation wurde die Kirche niedergerissen. 

Innerhalb des Klosterberinges lag femer auch die Allerheiligenkapelle, 
die 1678 noch erwähnt wird. (Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 3.) 



XIV. B.-A. TirachcDreuth. 



Flg. 69. WulduilCD. Aoiicht dtl Klojltn lui decVoEcIpcripckdve mit der nicht zai Aujfiihning gckonmriKii Abtei. 

Nach einem unbeksnnwn OriiliLi] um i;«i. 

I. Eccleiii. 1. Ablnda. }. Auli. 4. Domui OfHcSalium tt Hoipiium. s. BIblioleca. 6. Convcntu!. 

7. InAnniioiium cum Suctllo, 8. Atx antiqua. 

Eine wehere Kapelle in der Nähe des Klosters wurde die Kapelle szum 
Stock» genannt. 1556 berichtet der »Verwalter« vor der Visitationskommission, 
die Kapelle sei vor mehr als aoo Jahren zur Sühne fiir ein Sakrileg erbaut worden.*) 
Noch 1556 wird daselbst viel »Abgötterei« getrieben, weswegen der Hofprediger 
Ketzmann die »PartikuU hinwegnahm. (Reichsarchiv München, Kloster Waldsassen, 
Fasz. I, Nr. i, fol. iibff.) 

Zur Frage über die Disposition der mittelalterlichen Kloster- 
gebäude ergeben sich aus dem vorhandenen Material folgende Resultate: Das 

') Eine BSuerin habe bei der Kommunion die Hostie aus dem Muud genommen und io 
ihrem Schleier verborgen, om Zauberei damit zu treiben. Auf dem Heimweg wollte sie die 
hl. Partikel sehen and legte sie zu diesem Zwecke auf einen Baumstock im nahen Wald, konnte 
sie aber von dort nicht mehr erheben. Die in der Folge an dem Ort gebaute Kapelle erhielt 
daher den Namen iium Stockt. Vgl. die ehem. Kirche Stockbof bei Walderbach. (Knnsldenk- 
maler der Obeipfalz, Heft I, B.-A. Roding, S. 167.) 



Waldsassen. lOl 

Konventgebäude lag, wie auch heute, an der Südseite der Kirche, gruppiert um den Kiostcrgcbäude. 
Kreuzgang. Plan Nr. 1087 b (vgl. S. 89 Fig. 66), verzeichnet im Kreuzgarten gegen 
den Südflügel des Kreuzganges zu einen kleinen polygonen Bau, zweifellos die von 
Abt Andreas errichtete Brunnenkapelle. Vgl. S. 93. 

Im Ostflügel lag jedenfalls, wie überall gebräuchlich, der Kapitelsaal. Auch 
das Barockkloster verlegte denselben in den. Ostflügel. Vgl. S. 134. 

Im Westflügel lag die Pforte, daneben die Küche und das Refektorium, 
welches an die Kirche anstieß. (Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 125.) 
Die SriLPsche Klosteransicht läßt erkennen, daß dieser Westflügel hohe, kirchen- 
ähnliche Fenster besaß, wie sie den mittelalterlichen Zisterzienserrefektorien 
eigen waren. 

Dem Ostflügel liegt gegen Osten ein weiterer Gebäudeflügel vor, der 1670 
als Pfarrhof benützt wurde. (Tafel VII, Nr. 14.) Es handelt sich ofienbar um das 
ehemalige Krankenhaus des mittelalterlichen Klosters. Der Grundriß der Kloster- 
gebäude auf dem Befestigungsprojekt vom Jahre 1621 (Fig. 65) zeichnet an diesem 
Trakt gegen Osten einen kleinen polygonen Anbau: vermutlich die mittelalterliche 
Capeila infirmorum. In Heilsbronn ist dieselbe erhalten (Stillfried, S. 86 f.), wahr- 
scheinlich auch in Riddagshausen. (Hans Pfeifer, Kloster Riddagshausen, Wolfen- 
büttel 1896, S. 67.) Die interessante Infirmarie mit Kapelle und Chörlein in Eber- 
bach bietet eine weitere Parallele. (Karl Schäfer, Die Abtei Eberbach im Mittel- 
alter, Berlin 1901, S. 70 ff*.) 

An der Nordseite der Kirche lag das Abteischloß, über dessen Anlage die vor- 
handenen Abbildungen und Grundrisse weitgehenden Aufschluß erteilen. (Tafel VII, 
Nr. 1 1 ; Fig. 65 u. 66,) Das Schloß war ein drei Stock hoher Bau auf quadratischem 
Grundriß, umgeben von einer mit Wehrgängen versehenen Ringmauer, an deren 
Ecken vier Türme sich erhoben. Zwei davon waren Rundtürme (in der Diagonale), 
zwei quadratisch. (Detailrisse im Kreisarchiv Amberg, Klöster und Pfarreien Nr. 909.) 
Außer der Ringmauer lief ein breiter und tiefer Wassergraben. Eine Zugbrücke 
vermittelte den Zugang durch den südwestlichen Eckturm. (Reichsarchiv München, 
Oberpfalz, Nr. 239.) 

Das Abteischloß ist der einzige mittelalterliche Bau Waldsassens, der, im 
Mauerwerk wenigstens, beim Klosterneubau am Schluß des 17. Jahrhunderts stehen 
blieb. (Vgl. S. 103.) Die Anlage des Wassergrabens hat sich deutlich erhalten. 

Die »alte Abtei« wird noch zu Anfang des 16. Jahrhunderts erwähnt. (Bin- 
hack, Waldsassen von 1506 — 1648, S. 80. [Ebenda, S. 75.]) 

Der Komplex der Klostergebäude war von einer doppelten Ringmauer um- 
schlossen, von denen die innere das Kloster im engeren Sinne begrenzte, während 
die äußere Ökonomie- und Verwaltungsgebäude einschloß. Das äußere Tor befand 
sich nördlich von der Abtei (Tafel VII, Nr. 5). Unmittelbar daran schloß sich die 
obenerwähnte St. Walburgiskirche (S. 99) ; westlich von ihr lag das Richterhaus und 
das Kastenhaus. Ostlich schloß sich an das Tor das Wirtshaus an. (Tafel VII, Nr. 29.) 

Das zweite Tor gegen Westen, das »Untertor«, wird wohl erst in späterer Zeit 
entstanden sein. Die Ringmauern sind noch 1670 wohl erhalten. (Vgl. Tafel VII.) 

Den Gepflogenheiten des Ordens entsprechend, schloß sich der Niederlassung 
nicht einmal ein Dorf an. Erst im Verlaufe des 17. Jahrhunderts begann infolge 
der Niederlassung der Gebrüder Geisl eine größere Ortschaft um das Kloster sich 
zu entwickeln, die um 1621 noch innerhalb der äußern Ringmauer Platz findet, 
1670 aber dieselbe bereits überschritten hat. (Vgl. Fig. 65 u. Tafel VII. — Binhack, 



I03 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

t. Waldsassen von 1507—1648, S. 4», 87.) Über die Geisl vgl. auch Högl, Gegen- 
reformation im Stiftland, S. 16 ff. 

Was die Ausdehnung der mittelalterlichen Klosteranlage in Waldsassen betrifft, 
so dürfte dieselbe an Umfang dem heute stehenden Klosterbau kaum nachgestanden 
sein, wie ein Vergleich der heutigen Verhältnisse auf dem Situationsplan Fig. 70. 
und der alten Verhältnisse, wie sie Fig. 65 u. 66 und Tafel VII darstellen, ergibt. 
Hund (Bayrisch Stammenbuch II, 5), spricht von der »rechten grossen Kirchen*. 



Über die »grangiaeo, die zu dem Kloster gehörigen Wirtschaftshöfe bzw. 
Hammer- und Mühlwerke, geben die Abbildungen auf Karte Nr. 3121 und 3122 
(vgl. S. 89) eine annähernd verlässige Vorstellung. Vgl. Fig. 64. 
I Klosterneubau 1681 — 1704. Nachdem das Kloster seit ungefähr 1560 in- 

folge Einführung des proteslantischen bzw. kalvinischen Bekenntnisses leer gestanden 
war, erfolgte seit 1626 durch Kurrürst Maximilian die RekalhoHsierung des Slifts- 
landes und am i. .\ugust 1669 unter dem Kurfürsten Ferdinand Maria die Restitution 
des Klosters an den Zisterzienserorden. Die Wiederbesetzung geschah von Fürsten- 



Waldsassen 
Westfassade der Klosterkirche 



XEV. R.-A. Tirsi 



Fig. II. WBlduwn. Projekt dF< Fr. Hännann zu dnem LiicnalUr für die KL«nr1iirche, 168B. 

feldbruck aus. (Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 3.) Mit der Restitution 
war der vollständige Abbruch des alten Klosters und die Erbauung eines neuen im 
Sinne der Barockzeit verbunden. 

Schon 1676 war das Abteischloß, das seit 1648 (vgl. S. 94) in Asche lag, 
wieder hergestellt worden. (Binhack, Jahres gesch ich ten des Joh. Gg. Ruprecht, S. 25.} 
Dem Baubefund nach zu schließen, fand dabei eine vollständige VViedenerwendung 
der stehen gebliebenen Außenmauera statt, möglicherweise auch eines Teiles der 
Innenmauem. Vielleicht war schon damals die Erbauung einer repräsentativen Abtei 
im Sinne des Barock, ins Auge gefaßt, später wenigstens war das sicher der Fall, 
wenn der Plan auch nie zur Ausführung gelangte. 

Anders ging man beim Neubau von Kirche und Kloster zu Werk: der Ab- 
bruch der mittelalterlichen Gebäude war da ein vollständiger. 

Im Jahre 1681, als Waldsassen noch unter Fürstenfelder Verwaltung stand 
(vgl. M. Glonikg, Ein Abtleben aus dem 17. Jahrhundert [Abt Martin Dollmayr], 
Beilage zur Augsburger Postzeitung 1904, S. 10 ff.), begann man, die alten Konvent- 
gebäude sukzessive niederzureißen und neu aufzuführen. Sie waren bis 1690 im 
wesentlichen vollendet. Der Grundstein zur Kirche wurde 1685 gelegt. 1695 be- 
gannen die Stukkatoren und der Freskomaler ihre Tätigkeit, 1697 ging man an 
den Bau der beiden Türme und der Fassade. 1704 waren Kirche und Kloster voll- 
endet. (BiNHACK, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 125—134.) 



XIV, 1).-A. Tirschenreuth, 



Über die beteiligten Meister besitzen wir eingehendste Kunde. (Binhack, 
ebenda, S. 125—134.) Im Jahre 1681 wird Kaspar Feichtmajr aus Bemried als 
Maurermeister, Benedikt Schaidhauf als Palier genannt. (Binhack, S. 115. Vgl. 
K. Trautmann und Otto AufLEUER, Die K. Hofkirche zu Fürstenfeld, München 
1894, S. 4. — Gg. Hager, Die Bautätigkeit und Kunstpflege im Kloster Wessobrunn, 
München 1894, S. 250.) 



Wald&assen. 105 

Von 16S2 — 1690 treffen wir Abraham Leutner aus Prag als »Baumeisterc. Als 1 
sein »Gehilfe« oder auch »Maurermeister« ist Georg Dientzenhofer aus Aibling tätig. 
Daneben werden noch als »Paliere« dessen Bruder Leonhard Christoph (1685) und 
ein J. Köpfer (1687) genannt. 

Georg Dientzenhofer, der inzwischen {1685 — 1689 [vgl. S. 37]) auch die Drei- 
fall igkeitsltirche, die sog. »KappeU erbaut hatte, starb 1689. Sein Bruder Christoph 
folgt als Maurermeister, Jakob Schiesser als Palier. 

Seit 1691 erscheint als neuer Baumeister an Stelle Leutners Bernhard Schiesser, 
der sich mit Gg. Dientzenhofers Witwe verehelicht hatte. Er führte Kloster- und 
Kirchenbau zu Ende; Palier war sein Bruder Jakob. 

Was den schöpferischen Anteil der beteiligten Meister an dem großen Bau 
betrifft, so scheint nach den Bemerkungen des Chronisten soviel gewiß, daß die 
zwei türm ige Kirche nfassade nach dem Plane des Bernhard Schiesser entstand. 
{BiNHACK, S, 131.) Die früheren Pläne hatte jedenfalls Leutner geliefert, da er aus- 
drücklich als der »Baumeisteri bezeichnet wird. Inwiefern etwa ein Zusammen- 
arbeiten mit Georg Dientzenhofer stattfand, läßt sich um so weniger konstatieren, 
als unsere Kenntnisse über die weiteren Schöpfungen beider spärlich sind. Anklänge 
der Waldsassener Bauten an Leutners allerdings schon 1677 entstandenes Kupferwerk 
»Gründliche Darstellung der fünff Seyllen, wie solche von dem weitberühmbten 
Vitruvio, Scamozzio und anderen Vomehmben Baumeistern Zuesamben getragen . . . 
durch Abraham Leuthner von Grundt Bürger und Maurer Master der Königl, 



kirche. 
Klostemeubau. 



io6 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Kloster- Ncwcn Stadt Prag, 1677« finden sich nicht. Über Leutner vgl. Jos. Neuwirth, 
Prag, Leipzig und Berlin 1901, S. 30, iii. — Hugo Schmerber, Beiträge zur Ge- 
schichte der Dientzenhofer, Prag 1900, S. 17, 24. — Gurlitt, Geschichte des Barock- 
stiles in Deutschland, Stuttgart 1889, S. 200. Über Gg. Dientzenhofer, vgl. S. 37. 

Wer der Architekt des Erzbischofs von Prag war, den Abt Andreas von Plass 
1683 dem P. Nivard in Waldsassen empfahl, um das Bauprogramm zu besprechen, 
wissen wir nicht, auch nicht, ob derselbe wirklich beigezogen wurde. (Vgl. 
Schmerber, S. 47.) 

Als Zimmermeister war Johann Schenkl von Waldershof (vgl. S. 37), dann 
Thomas Wolf tätig. (Binhack, S. 128, 130.) 

1688 fertigte der Jesuitenbruder Johann Hörmann Entwürfe für die innere Ein- 
richtung der Kirche, die indessen nicht zur Ausführung kamen. Hörmann zeichnete 
einen Riß für den Hochaltar, acht verschiedene Risse für die Seitenaltäre in die 
Kapellen im Langhaus, zweierlei Kanzelprojekte, femer ein schönes Chorgestühl 
mit dreisitzigem Abtstuhl und zwei Varianten für Beichtstühle. (Joannes Hörmann, 
Delineationes Variae Cenotaphiorum, Altarium etc., Cgm. 2643, tom. 11, fol. 2 — 9.) 

Aus Hörmanns Skizzen geht hervor, daß damals die Absicht bestand, den 
Chor der Kirche durch einen unter dem Triumphbogen stehenden hohen Altar für 
die »weit leith« abzuschließen. Hörmann entwarf eine Gruppe von drei Altären 
als östlichen Abschluß der Laienkirche, (f. 3. — Fig. 71). Der dreisitzige Abtstuhl 
sollte wohl an der Rückwand dieses Altares, dem Choraltar gegenüber angebracht 
werden. Über Hörmann vgl. P. Jos. Braun, Die christliche Kunst, München IV (1908), 
S. 49 ff. Daselbst Abbildung einiger Entwürfe für Waldsassen: Seitenaltäre S. 53 u. 56, 
Kanzel S. 55. 

Nachdem der 1694 berufene Johannes Luchese nicht entsprochen hatte, über- 
trug man 1695 dem Johann Baptist Carlone die Stukkaturarbeiten in der Kirche 
und in den Sakristei räumen. Unter Beihilfe des Alexander Bemaskon, Franz 
Christoph Muttone und des Paoli vollendete Carlone die Arbeit im Jahre 1698. 
(Binhack, S. 135 f.) 

Gleichzeitig mit den Stukkaturen entstanden die Fresken der Kirche. Ihr 
Schöpfer ist Jakob Steinfels, ein Prager Maler. Er arbeitete in Waldsassen von 
169s — 1698. (Binhack S. 138 ff.) 

Die weiteren Künstlemachweise folgen bei der Beschreibung der einzelnen 
Gegenstände. 

Abt Eugen Schmid (1724— 1744) ließ 1735 durch den Frater Philipp Muttone 
unterhalb des hochliegenden Musikchores ein Oratorium für die Gäste einbauen. 
Paul Marazzii) schmückte es 1737 mit Stukkaturen im Laub- und Bandwerkstil der 
Zeit. (Binhack, S. 91, 138.) 

Weitere, die Architektur der Kirche betreffende Änderungen fanden in der 
Folge nicht mehr statt. 

Nachdem die mächtige Zisterzienserabtei im Jahre 1803 der Säkularisation 
verfallen war, wurde die Klosterkirche zur Pfarrkirche bestimmt, die Klostergebäude 
aber teilweise als Schule, teilweise als Fabrik benutzt. Im Jahre 1864 wurden die 
Konventgebäude von dem Kloster Seligenthal in Landshut erworben und zu einem 
Zisterzienserinnenkloster mit Erziehungsinstitut eingerichtet. 



*) Über die Stukkatorenfamilie Marazzi vgl. Gg. Hager, Die Bautätigkeit und Kunstpflcge 
im Kloster Wessobrunn, München 1844, S. 224. 



io8 XIV, B.-A. Tirschenreuth. 

Baubeschreibung. Die Kirche ist ein kreuzförmiger Gewölbebau mit 
Seitenkapellen am Langhaus, welche durch Durchgänge miteinander in Verbindung 
stehen, sonst aber als geschlossene Räume erscheinen. Der sehr lange Chor ist 
wenig eingezogen und hat geraden Schluß. Er umfaßt fünf Joche bzw. Fenster- 
achsen. Das Querschiff springt über die Hucht der Seiten kapeilen des Langhauses 
nicht vor. Das Langhaus hat drei Joche und dem entsprechend drei Paare von 



Seitenkapellen. Westlich liegt demselben ein Turmpaar mit Vorhalle und Orgel- 
empore vor. Im Winkel zwischen dem Chor und dem nördlichen Kreuzschiff vorae 
liegt ein nicht ausgebauter Turm und die im 19. Jahrhundert angefügte Pfarrsakristei. 
(Über den Turm vgl. Binhack, S. 16.) An der Südseite des Chores schließt sich 
der Konventbau mit ehemaligen Sakristei räumen an. (Grundriß Fig. 74, Längsschnitt 
Tafel IX, Querschnitt Fig. 75.) 



i 



XI 



WaldsaESCD. 1 09 

Im Chor Tonne mit Stichkappen auf fünf Achsen. Im Querhaus Tonnen- ( 
gewölbe. Über der Vierung erhebt sich auf Hängezwickeln eine Kuppel ohne 
Tambour; sie überragt demnach das Dach des Langhauses nicht. Im Mittelschiff 
des Langhauses drei Flach kupp ein auf Hängezwickeln zwischen Quergurten. Die 
beiden Geschosse der Seitenkapellen sind mit Muldengewölben überwölbt. Durch 
den ovalen Scheitelausschnitt des unteren eröffnet sich vom Altarraum aus der Auf- 
blick bis zur Wölbung des Oratoriums. Ein Balustergeländer umzieht den Ausschnitt. 



Hg. 76. Waldwwn. Anjrcht der Klnterkirchc von Nordoilcn. 

Die ganze Kirche ist ihrer Länge und Breite nach durch eine Gruft unter- 
kellert, die als Begräbnis für die Abte und Religiösen diente. Ihre Bodenfläche 
verläuft in einer leicht fallenden Linie mit dem Terrain Östlich der Kirche. An der 
Ostseite des Chores doppelter Eingang. Ein zweiter Zugang in der Vorhalle der 
Kirche über eine Treppe, 

Nur die Westfassade zeigt reichere Gliederung. Sie ist zweigeschossig an- 
geordnet mit vortretendem Mittelrisalit. (Tafel VIII.) Das UntergeschoO beleben 
toskanische Pilaster. Ein kräftiges Gebälk mit Triglyphenfrjes, dessen ausgeschnit- 
tenes Gesims im Mittelfeld ein Segraentbogen überwölbt, schließen das Untergeschoß. 
Im Mittelfeld das säulengeschmückte Portal, mit gebrochenem Giebel überdacht, 
und eine doppelte Fensterordnung. Das Obergeschoß wird durch jonisierende Pilaster 
geghedert. Über dem Dreiecksgiebel des Mittelfeldes die Steinfigur des Welterlösers. 
(Von Karl Stilp. [Binhack, S. 150.]) 

Die Türme erheben sich nur mit einem gedrückten Geschoß über das System 
der Fassade und schUeßen mit Kuppel und Laterne. 

Über dem Chorfirst befindet sich ein Kuppeldachreiter. (Fig. 76.) 



kirche. 
Stukkaturen. 



HO XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Kloster- Stukkaturen. Wände und Gewölbe der Kirche sind mit den üppigen, 

aber formenschönen und geschmackvollen Barockstukkaturen Carlones geschmückt 
Der Italiener verstand es, Klarheit und Übersichtlichkeit mit rauschender Formen- 
fiille zu verbinden. (Tafel X u. XI, Fig. 77.) 

Die Seitenwände beleben gekuppelte Pilaster mit Kompositkapitellen, dar- 
über eine Stuckkartusche mit einem kleinen Fresko. Zwischen dem Pilastersystem 
öffnen sich im Schiff die Seitenkapellen, im Chor nördlich die Fenster, südlich 
Oratorien. Ein kräftiges Gesims mit schwellendem Blätterstab, das die ganze Kirche 
umzieht, schließt das dekorative System der Seitenwände. 

Die Gewölbe teilte Carlone durch Quergurten, sparte aber im Chor die 
beiden mittleren aus, um Platz für ein durchlaufendes dreigliedriges Gemälde zu 
schaffen. Die großen Fresken werden von Blattstäben eingerahmt, die kleineren 
von Kartuschen. 

Carlone verflocht viele figürliche Motive in seine Stukkaturen: außer zahl- 
reichen Engelputten stehen auf dem Hauptgesims im Chor je acht große Gewand- 
engel, als Medaillonträger gedacht; im Schiff zwölf Propheten mit Schrifttexten, die 
auf die Fresken des zugehörigen Gewölbejochs Bezug haben. (Vgl. das Folgende 
S. 112.) In den Quergurten am Schiffgewölbe sieht man in flachem Relief die vier 
Kardinaltugenden mit ihren Symbolen, dazwischen Gruppen von kirchlichen Geräten 
und Insignien. Über den Eingängen zu den Seitenkapellen ordnete Carlone je zwei 
Personifikationen von christlichen Tugenden an, unter jeder ein Engelchen. Es 
sind folgende: Über der Apostelkapelle Charitas (einen Säugling stillend) und 
Abundantia (mit einem Rebzweig, an welchem Trauben hängen); in der Mittel- 
kartusche die Texte: 

CARITAS DESPONSATIONIS ' Jerem. 2. 

CUM ABUNDANTIA GAU DU 2 CoHnth. 

Von den Putten trägt einer eine Krone, der andere ist ohne Insignie. 

Über der Johanneskapelle Patientia (mit Palme) und Consolatio (mit Ahren- 
büschel). In der Kartusche: 

PER PATIENTIAM 
CONSOLATIONEM Rom, 15. 

Die Putten halten eine Lilie und eine Sonnenblume in der Hand. 

Über der Katharinenkapelle Bonitas (mit Pelikan) und Longanimitas (mit aus- 
gebreiteten Armen zum Himmel schauend). In der Kartusche: 

IMAGO 
BONITA TIS Sap. 7. 
IN LONGANIMI 
TÄTE 2 Cor, . . 

Ein Putto hält eine Vase, der andre drei Brode. 

Über der Benediktuskapelle Continentia (mit Geißel) und Castitas (mit Lamm). 

In der Kartusche: 

COCTINENTIAE 

PROPOSITUM 2 Mac, 14 

CUM OMNI 

CASTITATE i Tim, 3, 

Die beiden Putten tragen Füllhörner. 



Waldsassen 
isicht der Klosterkirche 



Waldsassen. 



III 



Über der Michaelskapelle Fides (mit Kreuz und Kelch) und Modestia (mit Kloster- 
Zepter). In der Kartusche: kirche. 

FIDEM JESU CHRISTI Rom. 22, Stukkaturen. 

INDUTI MODESTIA Col 12. 
Ein Putto hält eine Henne (?), der andre ein Vögelchen. 

Über der Magdalenenkapelle Benignitas (mit Pinienzweig) und Mansuetudo 

(mit Lamm). In der Kartusche: 

DABIS 

BENIGNITATEM Fs, 8. 

IN MANSUETUDINE 

SAFIENTIA Jacob. 3, 

Ein Putto trägt ein flammendes Herz, der andre drei flammende Herzen an 
einer Schnur. 

An der Brüstung der Orgelempore brachte Carlone die persische und phrygische 
Sibylle an, endlich an den vier Hauptpfeilem der Vierung die überlebensgroßen 
Gestalten der vier Kirchenlehrer. 

Über die der heutigen Auffassung vielfach femeliegenden Symbole vgl. Mundus 
Symbolicus . . ., a Philippo Picinello, auctus et in Latinum traductus a Augustino 
Erath, II Tomi, Coloniae Agrippinae 1729. Wir bemerken beispielsweise: Der 
Pinienzapfen ist Symbol der Benignitas. Als Begründung wird angeführt: »nux picea, 
solaribus radiis exposita, inscriptionem sustinet: CALORE FOETUS EXCLUDET. 
Hinc disces, suavi et aifectuosa agendi ratione res quasvis ab hominibus, etiam 
tenacissimis , extorqueri posse« etc. (1. c. I, 588). — Das zur Patientia gehörige 
Engelchen trägt eine Lilie. Begründung: Die Lilie wird von den Domen weder er- 
stickt, noch im Glanz getrübt. (1. c. I, 663.) — Der beschnittene Rebzweig der 
Abundantia spielt auf das Schriftwort an: »omnem palmitem, qui fert fructum, pur- 
gabit eum, ut fractum plus afferat« (I, 607); die drei Herzen, welche der zur 
Mansuetodo gehörige Engel an einer Schnur hält, bezeichnen wohl die Macht der 
Sanftmut über die Menschenherzen (in, 144), die drei Brode, welche der zur 
Longanimitas gehörige Engel trägt, weisen wohl auf die Parabel vom ungestümen 
Freund hin. (Lukas 11, 5 ff.) 

Die heutige Tünchung der Kirche in Weiß mit übermäßig viel Rosa entstammt 
dem 19. Jahrhundert. Eine weitere Tünchung hatte 1767 stattgefunden. (Binhack, 
S. 141.) 

Wand- und Deckenmalereien. Ein reichgegliederter Bilderzyklus belebt Wand- und 
die Wölbungen im Chor und Langhaus. Im Scheitel der Chorwölbung schildem ^^«cJ'""*»««««» 
fünf größere Gemälde die Gründung von Waldsassen, i. (vom Chorbogen ab) 
Bischof Ktmo entläßt Gerwich in die Einsamkeit. 2. Begegnung zwischen Gerwich 
und Markgraf Dipold in der Köllergrün. 3. Gerwich mit seinen Genossen reutet 
den Wald aus zum Klosterbau. 4. Gerwich wird vom hl. Bernhard eingekleidet. 
5. Der gute Hirte trägt Waldsassen, welches bei seiner Gründung das hundertste 
Kloster des Zisterzienserordens war, im 16. Jahrhundert aber von der Herde getrennt 
wurde, anläßlich der Restitution auf seinen Schultern zur Herde zurück. (Die 
Legenden ausfuhrlich bei Binhack, Gründung der Zisterzienserabtei Waldsassen . . ., 
1890, S. IG ff.) Vgl. S. 89. 

Die in den Stichkappen der Chorwölbung befindlichen kleineren Medaillons 
enthalten schwebende Engel mit Leidenswerkzeugen, die Medaillons an den mittleren 
Quergurten die vier Evangelisten. 



112 XIV, B.-A. Tirachenreuch. 

Das an der StimwaDd des Chores über dem Hochaltar befindliche Gemälde, 

die himmlische Einweihung Waidsassens durch den Apostel Johannes, malte 

n Joh. Claudius Mono, 1767 wurde es durch Georg Baader restauriert, (Binhack, S. 141.) 



Der Gemäldezyklus am Gewölbe des Schiffes schildert das Leben Jesu. Im 
ersten Joch (vom Westen): an den vier Hängezwickeln die Verkündigung, Besuch 
bei Elisabeth, Geburt Christi, Darstellung im Tempel ; in der Flachkuppel der zwölf- 
jährige Jesus im Tempel. Die auf dem großen Gesims der Seilenwände stehenden 
vier Propheten zeigen zugehörige Schrifttexte: Aggäus: VENIET DESIDESATUS 



Waldsassen 

Innenansicht der Klosterkirche gegen Westen 



XIV. B..A. Tirschenreuth 



WaMsassen. 113 

CVNCTIS 6^Äy77^ 6^5 (zur Verkündigung) ;Baruch: VIDE JUCUNDITATEM Kloster- 
ADEO TIBI F^^/£:iV^rJ?ilf (zur Heimsuchung); Isaias: PARVULUS NATUS ''*"^*- 
EST NO BIS (zur Geburt); Malachias: V ENI ET AD TEMPLUM SANCTUM^C<tL2^^f^n 
SU UM DOMINATOR (zur Aufopferung). 

Im zweiten Joch an den Hängezwickeln : Jesus am Olberg, an der Geißelsäule, 
Domenkrönung, Kreuztragung ; in der Kuppel die Kreuzigung Christi. Die zu- 
gehörigen Propheten verkünden die Leiden des Herrn: Jeremias: CHRIST * DNS* 
CAPTUS EST IN PECCATIS NOSTRIS; Michäas: IN VIRGA PERCU- 
TIENT; Zacharias: FACIES CO RON AM PONES IN CAPITE JESU] 
Moses: PO SU IT ERGO SERPENTEM PRO SIGNO. 

Im dritten Joch an den Hängezwickeln : Christi Auferstehung und Himmelfahrt, 
die Sendung des hl. Geistes, Maria Himmelfahrt; in der Kuppel Maria Krönung. 
Die Propheten zeigen folgende Texte: Sophonias: EXPECTA ME IN DIE 
RESURRECTIONIS MEAE; Amos: AEDIFICAT IN COELO ASCENSI- 
ONEM SUAM; David: EMITTE SPIRITUM TUUM ET CREABUNTUR; 
Salomon: VENI CORONABERIS. 

Die Vierungskuppel schildert in einem gruppenreichen Rundgemälde den 
Himmel. Unter den verschiedenen Heiligenchören sind die Heiligen des Zisterzienser- 
ordens, welche Maria unter ihrem Schutzmantel vereinigt, besonders ausgezeichnet. 
In den Kartuschen der Hängezwickel die vier ersten Heiligen des Ordens: Robert, 
Alberich, Stephan und Bernhard. 

An den Seitenwänden im Chor und Schiff malte Steinfels in den Kartuschen 
über den gekuppelten Pilastem Brustbilder von Heiligen aus dem Zisterzienserorden : 
Päpste, Bischöfe etc. 

Die sechs Seitenkapellen besitzen an der Decke der Oratorien je ein Öl- 
gemälde: links Abigail und David, Melchisedechs Opfer (v. Joh. Gebhard von 
Prüfening), Daniel in der Löwengrube; rechts Esther vor Ahasver, die Tochter 
Jephtas (v. Joh. Gebhard), Isaaks Opferung (v. Georg Baader aus Waldsassen). Die 
ursprünglichen Gemälde, eucharistische Vorbilder darstellend, waren von Steinfels 
gemalt, wurden aber später durch die jetzigen Bilder ersetzt. (Binhack, S. 140.) 

Die unbedeutenden Ölbilder an den Seitenwänden der Kapellen, mit Szenen 
aus dem Leben des hl. Bernhard, stammen von Theodor Freund aus Waldsassen. 
Nur mehr teilweise vorhanden. (Binhack, S. 144.) 

Die Malereien des Steinfels sind tüchtige Schöpfungen. Die frischerfundenen 
Szenen scheinen auch in der Farbengebung feine gobehnartige Wirkung besessen 
zu haben. Heute leidet die Leuchtkraft der Farben unter dem anhaftenden Staub. 

Kunstgeschichtliche Würdigung. Die Waldsassener Klosterkirche Kunstgcschicht- 
ist ein charakteristisches Denkmal der in der Spätzeit des 17. Jahrhunderts "^^^^ ^^'"''*'^""^' 
herrschenden Richtung auf dem Gebiet des katholischen Kirchenbaues. Die Eigen- 
art der verschiedenen Ordenskirchen, die im Mittelalter so bestimmt sich äußert, 
kommt nur wenig mehr zum Ausdruck. Bei der Waldsassener Kirche ist nur der 
gerade Chorschluß und die lange Ausdehnung des Chores etwas spezifisch Zisterzien- 
sisches. An architektonischen Motiven bietet der Bau nichts, was über den Rahmen 
der italienisierenden Kirchenbaukunst des 17. Jahrhunderts hinausreichen würde. 
Die Sprache des Architekten ist ruhig, im Sinne des strengen Barock, das noch der 
Renaissance nahesteht, teilweise sogar nüchtern. Die eigenartigen architektonischen 
Ausdrucksmittel des freien Barock, wie sie in der gleichzeitig entstandenen Kappel 
des Georg Dientzenhofer so frisch und kühn sich aussprechen, benützte er nicht. 

Heft XIV. 8 



XIV, B..A. Tirschenreuth. 



Sie waren ihm wohl auch gar nicht gelaufij;. Die Verhältnisse sind imposant und 
wohltuend. Die mächtige Wirkung des Innenraumea beruht vor allem auf der sehr 
bedeutenden Längenentwicklung : dieselbe betragt 82 ni. Da die Schiffsweite 13,67 m, 
die Höhe aber 23.90 m beträgt, so ergibt sich ein schlankes Verhältnis, das den Ein- 
druck des Erhebenden, Feierlichen hervoruft. Von wesentlicher Bedeutung für den 
Eindruck, den das Innere der Kirche erweckt, sind Carlones Stukkaturen: sie um- 
kleiden dieses an sich imposante Interieur mit höchster Pracht, ohne in Überladung 
zu verfallen, wie schon bemerkt wurde. Was die Meisterschaft in der Leichtig- 
keit der Erfindung, den Reichtum an technischem Können betrifft, steht Johann 
Baptist Carlone hinter seinem Bruder Antonio kaum zurück. Mit ihm teilt er die 



Wudsasaen. jie 

Vorliebe für figUrUche Motive, die auch in Waldsassen zahlreich zur Geltung \ 
kommen. Daß sich gewisse dekorative Gedanken in verschiedenen von den Carlooi ge- 
schmückten Kirchen wiederholen, kann nicht wundernehmen : so finden sich die über ng 
den Arkadenbögen der Seiten kapeilen sitzenden allegorischen Frau engestalten in ganz 
gleicher Weise auch im Dom zu Passau und in der Klosterkirche zu Schlierbach; 
auch den eigenartigen, unter nordischem Einfluß entstandenen Blätterkranz unterhalb 
der Deckplatte des Hauptgesimses hatte Carlone zuvor schon in der Klosterkirche 
zu Garsten ausgeführt. (Vgl. Göri.itt, Geschichte des Barockstils und des Rokoko 
in Deutschland, S. 147 ff.) 

Einrichtung. Die folgenden Künstlernachweise finden sich bei Binhack, i 
Waldsassen von 1661 — 1756, S. 134 — 156. 

Hochaltar. Schwarzer und roter Marmor. Mensa mit Tabernakel frei- 1 
stehend. Hochbau mit vier Säulen und geschweiften Giebelstücken, im oberen 
Auszug zwei Säulchen. Die Ausführung übernahm Carlone im Jahre 1696. (Binhack, 
S. 135.) Von ihm stammen auch die großen Seitenfiguren St. Benedikt und Bernhard, 
sowie im oberen Auszug Moses und Johannes Bapt. Die beiden Altarblätter: 
Kreuzigung Christi und Gott Vater malte Claudius Mopo, (Ebenda, S. 141.) Das 
Hauptbild ist stark nachgedunkelt. Der sehr originelle Tabemakelbau verzichtet 
auf architektonische Formen: Das Sakramentarium ist als Weltkugel gebildet; zu 
beiden Seiten die Figuren der Verkündigung und ein Kranz von anbetenden Engeln 
(Fig. 78). Die Gruppe wurde von Karl Stilp aus sehr hellem rötlichen Salzburger 
Marmor gemeißelt. (Karl Stilp war der SohndesWaldsassener Schreiners Ferdinand Stilp. 
[Vgl. S. 89.]) Er übernahm den Tabernakel im Jahre 1690. (Binhack, S. 150.) Das 
in getriebener versilberter Arbeit hergestellte Anlepeodium fertigte der Goldschmied 



Ii6 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Georg Göhringer von Eger im Jahre 1715- (Ebenda, S. 153.) Es zeigt schmale, 
vielverästelte Akanthusranken, mit FruchtstUcken gemischt. (Fig. 79. VgL auch S. 42). 



Marietialtar. An der Slirnseile des nördlichen QuerschilTes. Großer Aut- 
bau in Holz mit vier Säulen und Seitenfiguren wie der Hochaltar. Errichtet 1701. 
(BiNHACK, S. 146.) Das große, sehr bedeutende Altarblatt mit Darstellung der 
Himmelfahrt Mariens schuf 1708 der Münchener Maler Joh. Andreas Wolf, ebenso 




das Medaillon im oberen Auszug: Christus mit der Krone. (Ebenda, S. 141) I^i^ 
Seitenfiguren St. Joseph und Joachim und die Figuren über den Giebelschenkeln 
stammen von Karl Stilp, (Ebenda S. 146,) Getriebenes Antependium wie am 
Hochaltar von Gg. Göhringer. 



ii8 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Bcrnhardsaltar. 



Kloster- Der Tabemakelbau mit zwei seitlichen Reliquienkästen wurde in der Rokoko- 

*'*^ *■ zeit eingefugt. Die Tabemakeltüre enthält unter Glas eine in Nadelmalerei aus- 

Marienaltar. ^ , %^ „ , ^ . ^, • . . ^ , , -^.,. , • 

geführte Darstellung der Bewemung Christi, mit Engeln, umgeben von Filigranarbeit, 
in welche feine Miniaturschnitzereien mit Reliefszenen aus dem Leiden des Herrn 
eingelassen sind. Die einzelnen Szenen sind teils in Rokokokartuschen gefaßt, teils 
werden sie von schönen Putten gehalten. (Fig. 80.) Diese originellen, für Wald- 
sassen und das Stiftland (vgl. S. 147, 76, 137) charakteristischen Arbeiten stammen von 
Andreas Burgl aus Eger, einem Autodiktaten (Binhack, S. 148), die Nadelmalerei 
von einer Neuburger Ursulinerin X. Aicher, die Filigranarbeiten von dem Wald- 
sassener Laienbruder Adalbert Eder^). (Ebenda S. 151.) 

Im Tabernakel befindet sich eine Elfenbeinstatuette auf Buchsbaumsockel, 
darstellend den hl. Bernhard, wie er das mit den Leidens Werkzeugen bedeckte Kreuz 
betrachtet. (Fig. 81.) Gute Barockarbeit. H. 0,55 m. 

Bernhardsaltar. An der Stirnseite des südlichen Kreuzschiflfes, (Fig. 82.) 
Errichtet 1701. Pendant zum Marienaltar. Die Altarbilder: St. Bernhard in der 
Glorie und als Doktor Ecclesiä malte Andreas Maisthuber von München 1708. 
(Binhack, S. 141. Der Chronist schreibt »Masthueber«.) Gute Bilder. Die Seiten- 
figuren St. Edmund und St. Hermann fertigte Martin Hirsch, Bildhauer zu Waldsassen. 
(Ebenda, S. 146.) Der Tabemakelbau Rokoko. Die Schauseite der Tabemakeltüre 
zeigt unter Glas feine Miniaturschnitzereien des Andreas Burgl mit Szenen aus dem 
Leben des hl. Bemhard, umgeben von Filigranarbeit. Getriebenes Antependium von 
Göhringer wie am Marienaltar vom Jahre 17 15. 

Apostelaltar. (Erste Seitenkapelle nördlich.) Dem angebrachten Wappen 
zufolge unter Abt Eugen (1724 — 1744) errichtet. Gefaßt unter Abt Alexander, viel- 
leicht 175 1 durch Joh. Michael Hautmann von Waldsassen. Mensa Stuckmarmor, 
sonst Holz. Bewegter, baldachinförmiger Aufbau mit sechs Säulen. In der Mittel- 
nische bemalte Holzfigur des Christus Salvator, seitlich und im oberen Auszug die 
Figuren der zwölf Apostel. Bessere Barockarbeiten. Laub- und Bandwerkomamente. 
(Die Nachricht des Chronisten, den Apostelaltar habe Joh. Michael Hautmann im 
Jahre 1751 gefertigt, kann sich, wie das Wappen des Abtes Eugen erweist, nur auf 
die Fassung beziehen. [Vgl. Binhack, S. 148, 164.]) 

Benediktusaltar. (Erste Seitenkapelle südlich.) Mit Wappen des Abtes 
Eugen. (Fig. 83.) Gefaßt 1740 durch Joh. Gg. Baader von Waldsassen. (Ausführlicher 
Kontrakt im Reichsarchiv München, Kloster Waldsassen, Fasz. VII, Nr. 42.) Pendant 
zum Apostelaltar mit gleicher Ausführung. In der Mittelnische bemalte Holzfigur 
St. Benedikt, seitlich sechs Zisterzienserheilige, ebensoviele im obern Auszug. 

Altar des hl. Johannes Ev. (Mitdere Seitenkapelle nördlich.) Stuck- 
johannes Ev. j^jg^j-^^Qr, rötüch uud graublau. Nach dem Entwurf des Peter Appiani von dessen 
Gehilfen ausgeführt. Acht Säulen, im oberen Auszug vier. Das Altarbild von 
Joseph Ignaz Appiani stellt die Einweihung Waldsassens durch St. Johannes Ev. dar, 
wie sie Prior Wigand in der Vision sah. (Vgl. Binhack, Die Gründung der Zister- 
zienserabtei Waldsassen etc., S. 34 f.) Gutes Bild von 1727. (Binhack, S. 142.) 



Apostelaltar. 



Benediktusaltar 



Altar des hl. 



*) Frater Adalbert faßte auch die >hl. Leiber c auf den meisten Allaren im Zeitgeschmack, 
teils stehend, teils liegend, mit schöner Filigranarbeit und gestickten Gewändern oder Brokaten. 
(Vgl. über die Reliquien Sparrer, Der Reliquienschatz in der ehem. Stifts- und Klosterkirche 
Waldsassen, Regensburg 1892. — Studien und Mitteilungen aus dem lienedikliner- und dem Zister- 
zienserorden XIII [1892], 408 f.) 



Waldsassen 

Südliche Chorseite der Klosterkirche 



XEV. B.-A. Tirschenreulli 



Seitenfigurea St. Johannes Bapt. und Johannes Nep. (Der Chronist gibt dem kio 
Stukkateur Appiani den Vornamen Jakob. [Binhack, S. 138] Er hieß in Wirklich- Jj,'^ 
keit Peter Franz Anton. [K. Trautmann und Ono Aufi.kger, Die Kgl. Hofkirche J»*" 
zu Fürstenfeld, München 1894, S. 4 und 7.I) 



Michaclsaltar. (Mittlere Seitenkapelle südlich.) Pendant zum Johannes- Micha. 
altar in gleicher Ausführung durch Peter Appiani. Altarbild neu. Seitenfiguren 
Raphael und Schutzengel. Das ursprüngliche Altarbild war 1727 von Ignaz Appiani 
gemalt worden. (Binhack, S. 142.) 

Katharinenaltar. [Letzte Seitenkapeüe nördlich.) Stuckmarmor. Von Kaihari 
Peter Appiani in der Art der beiden vorigen. Das Altarbild des Ignaz Appiani 



XIV. B.-A. Tirscbenreutb. 



Fig. 8]. Walduiien. Bcocdlktuulur in der Klosterkirche. 

wurde noch im i8. Jahrhundert entfernt und durch ein Holzbildwerk: Christus am 
Kreuz und Mater Dolorosa ersetzt. Seitenfiguren St. Barbara und Apollo nia. 
Letztere gute Barockarbeiten, wohl von Karl Stilp. Im oberen Auszug Barockstatue 
der hl. Katharina. 
,, Magdalenenaltar. (Letzte Seitenkapelle südlich.) Stuckmarmor. Pendant 

zum vorigen. Das ursprüngliche Altarbild des Ignaz Appiani wurde ebenfalls unter 
Abt Eugen entfernt und durch eine handwerkliche Gruppe der Pietä ersetzt. Seiten- 
figuren St. Rochus und Sebastian. Letztere gute Figuren, wohl von Stilp. 



Die vier Stuckmarmor- i 

altäre Appianis würden mit j 

Rücksicht auf ihre stilisti- 
schen Formen dem ersten 
Dezennium des 1 8, Jahr- 
hunderts zuzuweisen sein. 
Das Wappen des Ables 
Eugen am Johannesaltar be- 
weist jedoch, daß sie erst 
um 1735 — 1727 entstanden 
sind. 

Kanzel. Sie ist ganz 1 

in getriebener, versilberter 
Arbeit hergestellt. (Fig. 84 
u. 85.) Am Korpus die ver- 
goldeten Relief brustbilder 
der Evangelisten, auf dem 
Schaudeckel die Holzfigur 
Christi als Lehrer. Die 
Engelchen zu seinen Füßen 
halten Spruchbänder mit den 
Texten: Ascendit Jesus in 
templum et docebat eodem 
und : Erat docens in templo. 
Stil und Technik stimmen 
mit den Antependien der 
drei Hauptaltäre Überein. 
Es handelt sich also wohl 
um eine Schöpfung des 
Georg Göhringer um 1715. 

Chorgestühl. (Tafel 
XU und Xni.) An den 
Seiten wänden des Chores 
1696 aufgestellt. Die Schni- 
tzereien stammen von dem 
Waldsassener Bildhauer Mar- 
tin Hirsch. (Binhack, S. 146.) 
Das auf Wirkung im Großen 
berechnete Gestühl zeigt an 

den aus der Rückwand ^«' *4- W"i'i™«n. Kanrei in d« Kioiwikifcht. 

vorspringenden Trennungs- 

gliedem der Stallen schwere Akanthusschnitzereien mit je einem Engelchen. Über 
dem kräftigen Gesims der Rückwand erheben sich die geschnitzten Figuren der zwölf 
Apostel, wohl auch von Hirsch (vgl. S. 147), verteilt zwischen zwölf ovalen Bildern in 
formen re ichen , aber etwas trockenen Akanthus rahmen. Die Bilder malte Claudius 
Mono 1701. (Ebenda S. 141.) Sie schildern alttestaraentliche Motive, welche die 
Eigenschaften des Gebetes charakterisieren : z. B. Judith mit dem Haupte des Holo- 
fernes (Text : Superbos oratio damat), Job in der Trübsal (Oratio in adversis solatur). 



.. Tirschenreulh. 



■ Susanna (Oratio servat insonUs), David mit dem Haupte Goliaths (Oratio juvat 
imbecilUs), ferner Tobias bewältigt den Fisch, Jonas im Bauche des Meerfisches, die 
Jakobsleiter, David in der Buße, Elisäus mit dem Mantel des Elias, Samson die 
Philister erschlagend, Moses schlägt Wasser aus dem Felsen, Jakob ringt mit dem 
Engel. Die Bilder haben gut dekorativen Wert. In ihren goldglänzenden Rahmen 
erzielen sie im Zusammenhang mit dem tiefbraunen Gestühl und den in Weiß ge- 
haltenen Apostelfiguren einen Gesamtakkord von hohem Reiz. 

Stuhlwangen. 1701 von Martin Hirsch geschnitzt. Üppige Akanthusranken 
mit Fruchtstücken, 

Beichtstühle. Mit gedrehten Säulen und bewegtem Gesims. Die Gesims- 
engel fehlen mehrfach. 

Altarschranken. Von Hirsch geschnitzt. Schöne Baluster mit Flach- 
omamenten und Drehniotiven. 

Orgel. 1 738 übernimmt der Orgelbauer Joh. Konrad Brandensteiner von 
Stadtamhof den Bau einer neuen Orgel. (Kontrakt im Reichsarchiv München, 
Kloster Waldsassen, Fasz. VII, Nr. 42 [Pfan Waldsassen]); F'assung 1765 durch 
Gg. Baader, Bewegtes Gehäuse mit Säulen, I-ambrequins und Gitterwerk, Auf 
dem Gesims musizierende Engel. (Tafel XI.) 



Waldsassen. 



"3 



In der Sakristei schön geschnitzte Schränke, marmoriert und vergoldet. Kloster- 
Mit Engelhermen und Flachomamenten.. Um 1670. hränke 

Kreuzweg. 1767 von Elias Dollhopf gemalt. (Binhack, S. 145.) Klein. Kreuzweg. 
Vermeidet verständnisvoll ein aufdringliches, störendes Format. Koloristisch gute Bilder. 

Gobelin. Im Chor links als Rückwand hinter den Vesperstühlen Gobelin GobcHn. 
mit Darstellung des Dreikönigsfestes. Der Teppich wurde anläßlich einer »Restau- 
ration« mit Farbe überstrichen. 

Eisengitter am Eingang der Kirche. Gefertigt von dem Waldsassener Eiscngiuer. 
Laienbruder Friedrich Hexemann um 1700. (Ebenda, S. 155.) Schöne Arbeit mit 
reichen Spiralwindungen und flachgeschlagenen Grotesken. 

Apostelleuchter. Zum Teil formenreiche schmiedeiseme Träger. Spiralen Apostciieucbter. 
mit Akanthuslaub. Um 17 10. Daneben mehrere einfache Arbeiten. Wohl auch von 
Friedrich Hexemann. 

Das zu Klosterszeiten vorhandene Chorgitter, das Chor und Laienkirche chorgitter. 
trennte, war auch eine Arbeit des Fraters Friedrich. Dasselbe ist nicht mehr vor- 
handen, sein Schicksal unbekannt. 

Grabdenkmäler, sämtlich in der Gruft, i. Gemeinsames Denkmal für die Grabdenkmäler. 
Abte Albert Hausner (f 17 10), Anselm Schnaus (f 1724) und Eugen Schmid (f 1744). 
Große Kalksteintafel, umgeben von einem stukkierten Rokokorahmen. H. ca. 3 m. 
(Die Inschriften ausführlich bei Binhack, Waldsassen von 1671 — 1756, S. 46, 83, 121.) 
— 2. Grabplatte für Abt Alexander Vogl (f 1756.) Ganz bescheidene, kleine 
Kalksteinplatte. (Inschrift ebenda, S. 190.). — 3. Ebensolche Grabplatte für Abt 
Wigand von Deltsch, f 1792. (Inschrift bei Binhack, Waldsassen unter Abt Wigand 
von Deltsch, S. 45.) — 4. Ebensolche Grabplatte für Abt Athanasius Hettenkofer, 
f II. Jan. 1803. 1856 aus dem Friedhof transferiert. (Fuchssteiner, S. 44.) — 
5. Ebensolche für Stephan von Deltsch, Hauptmann des Stiftes Waldsassen, f 1779. 
Mit Wappen der Deltsch. 

In der Gruft haben femer Aufstellung gefunden: 

6. Rotmarmorplatte mit Umrißfigur eines vornehmen Mannes in langem Ober- 
und Untergewand, mit Pelzkragen und Hut. (Fig. 68.) Darüber im Halbbogen die 
Inschrift in gotischen Majuskeln: HIC lACET FI LI 9 CO MI TIS GEBHARDI 
U SVLDZBACH. Frühzeit des 14. Jahrhunderts. Unten verletzt. H. 2, Br. 1,20 m. 

Es handelt sich also um den vom Chronisten des 16. Jahrhunderts (vgl. S. 98 f.) 
angeführten Grabstein des Sohnes des Grafen Gebhard von Sulzbach. Da die 
Familienverhältnisse des Grafen Gebhard II. von Sulzbach, der allein in Frage 
kommen kann, genügend bekannt sind, kann nur an einen in jungen Jahren ver- 
storbenen ungenannten Sohn desselben gedacht werden. (Vgl. Moritz, Stammreihe 
und Geschichte der Grafen von Sulzbach, Abhandlungen d. Hist. Kl. d. Kgl. Bayr. 
Akad. d. Wissensch., I. Bd., Teil 2 (1833), I, 273 f) Die Grafen von Sulzbach 
hatten ihre Famihengrablege im Kloster Kastl. Die Bestattung dieses einen Sohnes 
in Waldsassen erklärt sich am ungezwungensten, wenn man annimmt, daß derselbe 
etwa in Flossenbürg, das im 12. Jahrhundert den Sulzbachem gehörte (Moritz, I, 237), 
starb und deswegen im nahegelegenen Waldsassen bestattet wurde. 

Die erhaltene Grabplatte gehört aber erst dem 14. Jahrhundert an und zwar 
der ersten Hälfte desselben, wie der Stil der Figur und der Inschrift erweist, ist 
also Ersatzdenkmal. Zur Anfertigung desselben können verschiedene Gründe geführt 
haben : Die ursprüngliche Grabplatte kann eine derartige Beschädigung erlitten haben, 
daß ein Ersatz notwendig wurde, oder das 14. Jahrhundert fand das ursprüngliche 



kirche. 
Grabdenkmäler. 



124 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Kloster- Denkmal zu primitiv und ersetzte es durch ein besseres oder es war vorher über- 
haupt kein Denkmal vorhanden. Die ältere Zisterzienserregel gestattete das Be- 
gräbnis in der Kirche nur für Könige, Königinnen und Bischöfe. (S^jalon, Nomasticon 
Cisterziense, p. 344, 452. — Dohme, Die Kirchen des Zisterzienserordens in Deutsch- 
land, S. 31.) In Waldsassen ist diese Vorschrift sicher schon seit Mitte des 13. Jahr- 
hunderts außer Übung gekommen, wie die Leuchtenberger Grabstätten beweisen, 
aber im 12. Jahrhundert mag sie wohl eingehalten worden sein. Dann wäre die 
Leiche des Sulzbachers auf dem Friedhof neben der Kirche beigesetzt worden und 
es erfolgte vielleicht im 14. Jahrhundert eine Transferierung in die Kirche, bei 
welcher Gelegenheit der Grabstein verfertigt wurde. 

Der Grabstein stellt den Verstorbenen als erwachsen dar. Es bestehen keinerlei 
Anhaltspunkte zu einer Prüfung, ob diese Darstellung auf einem Irrtum beruht oder 
ob etwa eine Klostertradition bestand, die den Sulzbacher als jungen Mann be- 
zeichnete. 

7. Grabstein des 1592 in Tirschenreuth erschlagenen Oberhauptmanns Valentin 
Winsheim. Unterhalb der mehrfach verletzten Inschrift Ehewappen. Kalkstein. 
Jetzige Höhe 1,60 m. Sehr verstümmelt. Zur Geschichte des Winsheim vgl. VO. 
XXII, 114 ff. Der Grabstein wurde auf dem ehem. Friedhof neben der Kirche ge- 
funden und hieher transferiert. (Binhack, Der geweihte Boden der Klosterkirche 
zu Waldsassen, S. 6.) 

8. Grabstein fragment. Umschrift in gotischen Minuskeln : / / / / cccclxxxttt an 
vnser lieben fraven 1 1 1 1. Wappen in Umrissen, halb zerstört ; wohl das der Nothaft. 

9. Wappenstein. Wappen der Weze (mit dem Waldsassener Klosterwappen im 
Herzschild). Darüber teilweise zerstörtes Spruchband mit Inschrift: /// VS QVI 
FERSE VERA VERIT, Wahrscheinlich an einem der vom Administrator Rudolph 
von Weze 1549 errichteten Gebäude ursprünglich angebracht. (Vgl. Binhack, Wald- 
sassen von 1507 — 1648, S. 84.) Sandstein. H. 0,80, Br. 0,60 m. 

Geräte. Geräte. Monstranzen, i. Silber, teilvergoldet. Am Fuß und an der 

Sonne bunte Emailmedaillons mit Szenen aus der Passion und dem Marienleben. 
Am Fuß getriebene Akanthusranken, an der Sonne Silberfiligranranken mit Steinen 
und Emailblümchen. An der Spitze der Pelikan. Um 17 10. H. i m. — 2. Ver- 
goldetes Kupfer und Silber. Um das Gehäuse reiche Filigranarbeit. Um 17 10. 
H. 0,80 m. 

Kelche, i. Silber, teilvergoldet. Mit Laub- und Bandwerkornament. Je 
drei Maskenköpfe an Fuß und Kupa. Um 1730. Beschauzeichen ausgebrochen. 
Meistermarke TAB(?) — 2. Silber, vergoldet. An Fuß und Kupa je drei farbige 
Emailmedaillons mit Szenen aus der Passion. Dazwischen getriebene Engelsköpfchen 
und Akanthuslaub. Um 1700. — 3. Silber, vergoldet. An Fuß und Kupa ovale 
Emailmedaillons (rot in rot) mit Darstellung hl. Päpste und Bischöfe. Dazwischen 
Treibwerk im Laub- und Band werkstil. Um 1730. Marken K und MM. — 4. Sil- 
ber, vergoldet. An Fuß und Kupa je drei Kartuschen mit getriebenen Hoch- 
reliefs aus der Legende des hl. Johannes von Nepomuk. Dazwischen Engelsköpfchen, 
Bandwerk, Gitterfüllungen und Fruchtstücke. An dem sehr originellen dreikantigen 
Knauf drei sitzende Engelchen, welche die Kupa halten. (Fig. 86.) Beschauzeichen 
Augsburg. Jahresbuchstabe undeutlich. Meistermarke FOM. — 5. Silber, vergoldet. 
An Fuß und Kupa getriebene Medaillons mit Leidenswerkzeugen. Laub- und Band- 
werkomament. Um 1730. Ohne Marken. — 6. Silber, teilvergoldet. EmailmedaiUons 
(rot in rot) mit Passionsszenen an Fuß und Kupa; dazwischen Laub- und Band- 



Walduusen. 



"5 



werk. Um 1730. Beschau zeichen Eger. Meistermarke JAS. — 7. Silber, ver- 
goldet. An Fuß und Kupa farbige Emailmedaillons mit Szenen aus dem Marien- 
leben. Dazwischen Laub- und Bandwerk. Marken wie bei Nr. 6. — 8. Silber, teil- 
vergoldet. An Fuß und Kupa Emailmedaillons (rot in rot) mit Passionsszenen. 
Dazwischen I.aub- und Bandwerk. Bez. ijij. Marken wie bei Nr. 3. 



Ein großer Teil des Kirchensilbers war 1801 schon eingezogen worden. (Ver- 
zeichnis der eingezogenen Gegenstände im Pfarrarchiv Waldsassen. — Genauere 
Details bei Binhack, Waldsassen von 1800—1803, S. 6 ff.) 1803 wurde der noch 
übrige Bestand größtenteils veräußert. (Ebenda, S. 17 u. zi.) Der Requisition von 
1801 fiel unter anderen Silbergeräten die große Chorampel zum Opfer, die der 



kirche. 
Geräte. 



126 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Kloster- Goldschmicd Johann Andreas Frank zu Eger im Jahre 1733 für 2330 fl. angefertigt 
hatte. (Vgl. BiNHACK, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 153.) Von den 1803 ver- 
kauften Geräten kam eine Monstranz nach Weiden. (Vgl. Kunstdenkmäler der 
Oberpfalz, Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 136, Fig. 105.) Es verdient bemerkt 
zu werden, daß ein Paar silberne Kännchen mit Teller, die zu den 1801 ein- 
gezogenen Gegenständen gehörten, als Arbeit »des Gürtlers von Waldsassen« be- 
zeichnet werden. 
Ornate. Von den im Jahre 1803 verkauften Ornaten w^urden anläßlich der Denk- 

mälerinventarisation je eine ganze Kapelle in Winklam (Kunstdenkmäler der Ober- 
pfalz, Heft VII, B.-A. Oberviechtach , S. 75), in Weiden und Windischeschenbach 
(ebenda, Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 137 u. 157) verzeichnet. Eine Kasula 
in reichster Gold- und Seidenstickerei befindet sich in Hirschau. 
Glocke. Glocke. Umschrift in zwei Zeilen: SANCTUS DE US SANCTUS POR- 

TI S SAN CT US IMMORTALIS — I OH ANN ES FERNER GOS MICH IN 
PILSEN ANNO 17 18, Darunter ein Fries mit Putten und Blumengewinden. Am 
Mantel vier Reliefs : Kreuzigung, St. Bernhard, zwei Engelchen mit Kreuz, Wappen 
des Abtes Anselra Schnaus. 

Die übrigen Glocken neu. Über die älteren, nicht mehr vorhandenen Glocken 
vgl. BiNHACK, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 154. , 

Kloster- KLOSTERGEBÄUDE. Der Klostemeubau unter Abt Albert erhob sich 

gebaude. ^^ ^^j. gleichen Stelle, welche die mittelalterlichen Konventgebäude eingenommen 
hatten, an der Südseite der Kirche. Die drei bzw^. vier Flügel umschließen einen 
annähernd quadratischen Innenhof. Wie die Abbildung Fig. 69 zeigt, bestand die 
Absicht und zwar schon 1681, an diesen Gebäudekomplex gegen Westen zu einen 
weiteren ausgedehnten Bau anzuschließen, dessen drei Rügel einen zweiten Innen- 
hof umschließen sollten. Es kam aber nur je ein kurzes Stück des Nord- und Süd- 
flügels im Anschluß an die Konventgebäude zur Ausführung (Fig. 70), dann stockte 
der Bau aus nicht bekannten Gründen und kam nie mehr zur Ausführung. Dieser 
südwestlich von der Kirche gelegene Komplex sollte ein repräsentables Abteigebäude 
enthalten, dessen architektonisch reich ausgestattete Fassade nach Norden projektiert 
war, so daß sie zusammen mit der zweitürmigen Kirchenfassade und dem an- 
schließenden Gastbau eine imposante Baugruppe ergeben hätte ^). 

Die dreigeschossigen Fassaden sind in Putz ausgeführt. Durchgehends 
Gliederung durch Pilaster und Füllungen zwischen den Fenstern in vertikaler Richtung. 
Die Vertikallinie wird stark betont. 

Im Einzelnen wechseln die Motive: im Kreuzganghof durchlaufen die Pilaster 
die drei Stockwerke. Darüber ein Fries, in dem Konsolen mit Diamantquadem 
wechseln. Die Fenster des Erdgeschosses haben portalartige Umrahmung mit 
gebrochenen Giebeln. 

Am Bibliothektrakt und den anstoßenden Flügeln trennt ein Fries mit kleinen 
Füllungen das Erdgeschoß von den Obergeschossen. An den Pilastem rauhes Bossen- 
werk. Über dem Westflügel (Bibliothek und Refektorium) ein Kuppeldachreiter. 
Von den Innenräumen beansprucht die Bibliothek größtes Interesse. 

^) Es ist nicht gelungen, das Original dieser Abbildung ausfindig zu machen. Für Forschitng 
nach demselben sind wir Frau Regierungsdirektor Therese GLASER-München, Herrn Gymnasial- 
professor Fr. BiNHACK-München, sowie Herrn Konservator Dr. Weigmann am Kgl. Kupferstich- 
kabinett in München sehr zu Dank verpflichtet. 



Waldsassen, I9J 

BIBLIOTHEK. Sie nimmt die beiden ObergeschoOe im Westflügel des i 
Konventgebäudes ein. Ihre Ausstattung erhielt sie unter dem Abte Eugen Schmid ' 
1734 — 35.. (BiNMACK, Waldsassen von 1661 — 175Ö, S. 89 f., 138 Anm. i, 143, 147.) 

Die Stukkaturen schuf Peter Appiani, die Gemälde Karl Hofreiter, die kunst- 
vollen Bücherschränke der Waldsassener Schreinenneister Witt, die hgUrlichen Schnitz- 
arbeiten der mehrfach genannte Karl Stilp, (BiNHACK.) 



Schon 1688 hatte der Jesuitenbruder Hörmann auch fiir die Bibliothekschränke 
schöne, aber um vieles einfachere Entwürfe geschaffen als die heutige Ausstattung ist. 
(Fig. 87.) Wahrscheinlich sind diese Schränke ebensowenig zur Ausfuhrung gekommen 
wie die übrigen Projekte Hörmanns, aber interessant ist ein Vergleich der in den 
beiden Auffassungen zutage tretenden Unterschiede. (Vgl. S. 106.) 

Die Bibliothek ist ein langgestreckter Rechteckraum mit gedrücktem Tonnen- 
gewölbe, in welches auf den Langseiten sechs Paar Stichkappen einschneiden. An 
den zwei Schmalseiten Eingänge. An der westlichen Langseite sechs hohe, kirchen- 
ähnliche Fenster. (Ansicht Tafel XIV, Details Fig. 88— 91.) 

Die Gemälde Hofreiters schildern in zwei großen und zwei kleineren Feldern 
Szenen aus dem Leben des hl. Bernhard, die zur christlichen Wissenschaft Beziehung 
haben, r. (Vom nördlichen Eingang her) Christus neigt sich vom Kreuz herab und 
umarmt den Heiligen. In dem vor St. Bernhard aufgeschlagenen Buch die Legende: 
HAEC MEA PHILOSOPHIA SCIRE JESUM. — a. Dem Heiligen erscheinen 



XIV. B.-A. Tirlchenreiith. 



icmer- Christus und Maria. Vor Bernhard vier Bücher mit den Legenden: a) HINC 
'^^"^'y PASCOR AVVLNERE. h) HINC LACTOR AB UBERE. c) 5AÄ; (sc. sermo) 
""' • DE AQUAE DUCTU MARIAE. d) SER: SUPER MISSUS EST..— 3. Sieg 



Bernhards über Gilbert de la Porree auf dem Konzil von Rheims vor Papst Eugen II!. 
In einem aufgeschlagenen Buch die Legende: Comilium RemenCse in quo Giibertus 
poretang Episcopg PUtaviensis a SS. patrt Bernardo fiiit (onvUtg coram Eugenio III. 



s a 

3 i 



I30 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

— 4, Sl Bernhard am Studiertisch, nach oben blickend. Im aufgeschlagenen Buch 
die Legende: JESU DULCIS MEMORIA. Zwischen den Stichkappen zehn ovale 
Medaillons mit den liriistbildern der morgen- und abendländischen großen Kirchen- 
lehrer, dazu St. Bernhard und Thomas von Aquin. 

Appianis Stukkaturen umrahmen die Gemälde mit feinem Laub- und Band- 
werk, das zahlreiche Grotesken beleben: allerlei Vögel treiben ihr anmutiges Spiel, 
daneben possierliche Eichhörnchen, Häschen in Blumenkörben, Affen und phan- 
tastische Ttergestalten. (Fig. 90.) Zuweilen finden sich Lambrequinmotive. Das 
Bandwerk ist durcbgehends vergoldet, das Laubwerk in rosa getönt, die Lambrequins 
grün. Die (Jrotesken besitzen eine diskrete naturalistische Färbung. 

Die Bücherschränke, zwei Etagen hoch, nehmen die ganze östliche I^ng- 
seite, die beiden Schmalseiten und das äußersie Fensterjoch der Westseite ein. Eine 
holzgeschnitzte Galerie umläuft das obere Geschoß. Eine glänzende Filtle von oma- 
mentalem und figürlichem Schnitzwerk breitet sich über die Schränke aus. (Fig. 89.) 

Zehn originell erfundene und vortrefflich geschnitzte Genrofiguren tragen die 
Cialerie. Feiner Humor spricht aus den lebensvollen Gestalten : da trägt einer dieser 
-Männer eine Kopfbedeckung, die in einen Storch ausläuft und der Storch zwickt 
den Träger in seine dicke Nase. Einem andern hüpfen Mäuse aus dem überlangen 
Flachsl)art. Ein dritter zeigt seinem Kompagnon, dem Harlekin, die Zunge (Tafel XV). 
Dem einen pockennarbigen Träger am nördlichen Ausgang guckt die große Zehe 
aus dem zerrissenen Schuh, sein Geselle trägt eine Haube mit Eselsohren über dem 
stumpfnasigen Gesicht usw. Die Deutung der (Jestalten, die jedenfalls symbolisch- 
allegorischen Charakter besitzen, steht noch nicht fest. 



Fi|. 9'' WaiduHcn. DeUil von der GuleriehrUitunE im BiblioitiekiuL. 

Neben diesen Atlanten beleben das unlere (beschoß durchbrochen gearbeitete 
Kundpiloster, welche mit jugendlichen Köpfen, die Blumenkörbe tragen, und anderen 
flotten Ornamenten geschmückt sind. 

Die Balustrade der (lalerie wechselt zwischen Balustermoliven und durchbrochen 
geschnitzten Füllungen. In den letzteren vereinigt sich I^ub- und Bandwerk mit 
lebendig erfundenen Grotesken za formenreichen Kompositionen. (Fig. 91.) 

In den üppig geschnitzten Bekrönungen der Bücherschränke im zweiten Geschoß 
kommen neben Laub- und Bandwerk mit Grotesken auch Vasen und Imperatoren- 
biisten zur Geltung. 

Den Hauptzugang zur Bibliothek von Nonlen her schmückt ein geschnitztes 
Portal. Die schönen Statuen der Minerva und der Flora flankieren den Eingang. 
Im reichgeschnitzten Giebel das Wappen des Abtes Flügen mit Putten. (Fig. 88.) 

Unter den zahlreichen mit künstlerischen Mitteln ausgestatteten Bibliotheken 
des 18. Jahrhunderts nimmt die Waldsassener eine hervorragende Stelle ein. Den 
Hauptreiz des Saales, dessen Maßverhältnisse trotz der repriisentablen Größe den 
Eindruck des Intimen nicht unterdrücken, bildet die feine Farben Stimmung. Über 
dem viel gliederigen Aufbau der Büchergestelle mit ihrem warmen natürlichen Holzton 
spannt sich frei und leicht die Deckenwölbung, die Appianis Stukkaturen wie mit 
einer in CJold und zartfarbigen Seidenfäden geklöppelten Spitze überziehen. Mit 
reichen, feinen Linien umspielen sie die farbensatten Gemälde Hofreiters, die mit 
ihren volltönenden Akkorden kräftige Mittelpunkte bilden. 

Daß an einer der ernsten Wissenschaft gewidmeten Stätte der lebensvolle 
Humor des Bildhauers und Stukkateurs sich aussprechen durfte, erinnert an die 
Gepflogenheit des Mittelalters, das gar oft sogar im Kirchenbau Humor und Satire 
zur Geltung kommen ließ. 



13» ' XIV, B.-A. Tirscheoreuth. 

Den Wandel der Auffassungen," den die Jahrhunderte brachten, kann nichts so 
scharf charakierisieren, als die Erinnerung an das, was einst Bernhard von Clairvaux 
schrieb gegen die ^tmmundae simiae, monstruosi centauri, venatores tubicinantes« etc.. 



die in den Klöstern vor den lesenden Brüdern stünden und sie verleiteten, mehr 
sin marmoribus quam in codicibus« zu lesen. {Apologia ad Guhelmum Abbatem, 
Mabillon, Opera s. Bemardi, Paris I (1719), 545-) 

Von den weiteren Innenräumen kommen in Betracht: 

Der Kreuzgang, d.h. die vier gewölbten Gänge im Erdgeschoß, die den 
Innenhof umziehen. Die Gewölbe wurden 1688 von Bernhard Quadro (Quater) aus 



Bayreuth mit Stukkaturen geschmückt. (Binhack, S. 134.)') R'e Motive wechseln kiomic 

in den einzelnen Gewölbejochen: Die Grate bedecken Blattstäbe; in den Kappen e^baud 

Rankenwerk, Rosetten, Fruchtstücke, Engelsköpfchen u. a. (Fig. 92.) Die Formen "'"*'" 
sind etwas trocken. 



Die ehem. Sakristei (Fig. 93) im ösilichen Konventflügel neben dem Chor f 
der Kirche. Rechteckraum. Spiegeldcckc mit je vier Stichkappen an den I.angsciten 

') Bei GuRLlTT (S. ZOO) und Frieuricm Mkkm. IIofMANN, Die Kunst am Hofe der Mark- 
grafen von Brandenburg, Strafsburg 1901, S. 157, wird der Stukkateur Bernhard Conter (ttouter) 
genannt. Gouter ist wahrscheinlich eine auf Hkinhitz (Hokmann, S. 157 Anm. 2) zurückgehende 
Miftbildung «US Qoater. 



134 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Kapitelsaal. 



Speisesaal. 



Kloster- Und deren drei an den Schmalseiten. An der Decke schwere Barockstukkaturen von 
gebaude. (Ballone. (Vgl. S. io6.) Den Deckenspiegel rahmt ein Blumen- und Früchtestab ein. 
In den Kappen Kartuschen, in den Zwischenräumen kirchliche Embleme zwischen 
den die Grate der Stichkappen deckenden Blattfestons. In der Mitte der Langseiten 
an dieser Stelle in Stuckrelief die Porträte des damaligen Papstes Innozenz XII. und 
des Bischofs von Regensburg Joseph Clemens (?). Auf den Gesimsen der Wand- 
pilaster sitzen Engelchen, welche Meßgeräte und Pontifikalien tragen. 

Über der Sakristei des Erdgeschosses die obere Sakristei. An der von 
starken Konsolen getragenen Plachdecke Stukkaturen wie unten, nur einfacher. 
Mehrfach Engelchen, deren Füße in Akanthusranken übergehen. 1696 — 97 von 
Carlone ausgeführt. (Binhack, S. 135.) Im dritten Geschoß über der Sakristei 
gleichgroßer Raum (ehem. Noviziat) mit stukkierter Decke. Ebenfalls von Carlone. 
(Ebenda.) Die Stukkaturen haben denselben Charakter wie die in den unteren Räumen. 

Der Kapitelsaal, anstoßend an die Sakristei, im Ostflügel. Rechteckraum; 
Flachtonne mit Stichkappen. Die Wände durch jonisierende Pilaster gegliedert, da- 
zwischen Nischen. Die Deckenstukkaturen nur teilweise erhalten. Blattstäbe an den 
Graten der Stichkappen, an der nördlichen Seite noch Kartuschen, Akanthusranken 
und Engelsköpfchen. Nach Muttones Grundriß (vgl. S. 89) befand sich vor der 
Klosteraufhebung ein Altar im Kapitel. 

Der Speisesaal. Im Westflügel. Jetzt zu Schulzimmem verbaut Die 
Wände durch toskanische Pilaster gegliedert, dazwischen Nischen (wie im Kapitel- 
saal). Triglyphenfries. Die ursprüngliche Decke, eine Flachtonne, ist durch eine 
eingezogene Zwischendecke unsichtbar geworden. 

Nördlich schließen sich an die Kirche und zwar in gleicher Flucht mit deren 
Westfront das langgestreckte ehem. Gastgebäude des Klosters an, und an dieses 
als äußerster Ausläufer gegen Norden die ehem. Abtei. 

Der ehem. Gastbau (jetzt zur Hälfte Pfarrhof) ist in beiden Geschossen 
durch Rundbogenarkaden gegliedert. In jeder Arkade ein gekuppeltes Fenster. Das 
Obergeschoß belebt ein flacher Balustersockel. Unter dem Dachgesims ein Tri- 
glyphenfries. 

Innen Türverkleidungen mit gedrehten Pilastem und hübschem Schnitzwerk. 
Um 1700. 

Nördlich von der Pfarrwohnung im Obergeschoß ein Saal (der »Harmonie«). 
An den Wänden gekuppelte Pilaster, dazwischen kleine Nischen mit Muschelgewölbe. 
Plachdecke. Türverkleidungen wie im Pfarrhof. Schöne eiserne Türbänder. 

Die ehem. Abtei, jetzt K. Amtsgericht, steht an der Stelle des mittel- 
alterlichen Abteischlosses und wurde mit Benützung des alten Mauerbestandes 1676 
erbaut, war aber anfanglich nicht als Abtei in Aussiebt genommen. (Vgl. S. 103.) 

Ganz einfacher Bau zu drei Geschossen mit zwei hohen Giebeln. 

Im Erdgeschoß noch der gotische Eingang erhalten. Spitzbogiges Gewände 
mit breiter Kehlung. Die eiserne Doppeltüre mit schön gearbeitetem Schloß und 
Drückern um 1680. (Fig. 94.) 

Die Räume im ersten und zweiten Geschoß gewölbt und teilweise stukkiert. 
Die Stukkierung beschränkt sich durchgehends auf einfaches Rahmenwerk mit Perlen- 
stäben. Nur das südliche Joch des Mittelganges im zweiten Geschoß besitzt reichere 
Stukkierung: Rahmenwerk mit Blattstäben und Rosetten. 

Dieses Joch ist vom übrigen Gang durch ein sehr schönes Eisengitter 
getrennt. Das Gitter gehört derselben Stilrichtung wie jenes in der Kirche an 



Gastbau. 



Ehem. Abtei. 



Waldsassen. I^^ 

{vgl. S. 123} und wurde demnach zweifellos auch von dem Laienbruder Friedrich 
Hexemanun gefertigt Der ursprüngliche Zweck des abgeschlossenen Raumes ist ' 
nicht bekannt. 

Im dritten Geschoß ein Zimmer mit stukkierter Flachdecke. Die Motive: 
Bandwerk mit I^ambrequins und Grotesken erinnern an die Stukkaturen Appianis 
in der Bibliothek. Ebenda ein zweites Zimmer mit Quadratur an der Hachdecke. 



An der Westseite des Gebiiudes außen Olbergrelief. Darunter Petrus mit üiberBrei 
Hahn und Judas, den Herrn küssend (?). Verwittert, wohl spätes 14. Jahrhundert. 
H. ca. 80 cm. Sandstein. 

Die Anlage des mitte Iah erlichen Grabens rings um das Gebäude hat sich 
erhalten. Ebenso wird man in dem gemauerten runden (jartenpavillon gegen Nord- 
westen den Rumpf des ehedem hier befindlichen Rundturnis zu erkennen haben. 



3.-A. Tirschenreuth. 



Alieel.rochene PFARRKIRCHE ST. WALBURGA, Vgl. Über sie S. 99. 

'■ Auf dem Platze westlich vor der ehemaligen Pfarrkirche STANDBILD des 

hl. Johannes von Nepomuk. Von geschweifter Steinbalustrade umgeben. Am Sockel 

die Jahreszahl ijiS. Das Standbild wurde erst 1863 an den heutigen Platz transferiert. 

Die HÄUSER der Stadt bieten nichts Bemerkenswertes. 

Von der ehemaligen RINGMAUER ist ein längeres Stück nordösthch von 
der Kirche erhalten. Vgl. Fig. 70. 



Wernersreuth. 



137 



Südliche BRÜCKE über die Wondreb. An derselben Standbild des Brücke, 
hl. Johannes v. Nep., errichtet durch Abt Alexander, dem Chronistichon am Sockel Standbild, 
zufolge 1746. Vgl. BiNHACK, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 165. (Fig. 95.) 



WERNERSREUTH. 



KATH. PFARRKIRCHE ST. ANDREAS. Matrikel R., S. 459. — Pfarrkirche. 
VO. X, 347; XXII, 50. — Reg. Boic. I, 199. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 63. 

Ursprünglich Filiale von Wondreb. Durch Abt Anselm (17 10 — 1724) getrennt. 
(Brenner, S. 205.) Die Kirche wird 1639 als sehr baufällig geschildert. (Hö(;l, 
S. 1 1 6.) Um diese Zeit mag sie neugebaut oder mit Verwendung des alten Mauer- 
werkes restauriert worden sein. 

Eingezogener quadratischer Chor im Ostturm. Kreuzgratgewölbe. Langhaus 
fiachgedeckt. Sakristei südlich vom Chor. Turm quadratisch mit Kuppeldach ; 
Bruchstein werk. 

Altäre neu. Einrichtung. 

Kanzel. Klassizistisch, einfach. Um 1800. 

Tauf stein. Achtseitiges niedriges Becken mit Schräganschluß an den ein- 
gezogenen achtseitigen Ständer. Granit. 

Alterer Kreuzweg. 

Orgel mit Barockgehäuse. 

Am nördlichen Seitenaltar M i n i a t u r h o 1 z s c h n i t z w e r k : St. Martin, umgeben 
von Filigranarbeit. In Glasschrein. Wohl Arbeit des Andreas Burgl. Vgl. S. 118. 

Am südlichen Seitenaltar Kopie eines slavischen Marienbildes. Inkarnat braun. 
Goldgrund. 

Kelche, i. Silber, vergoldet. Sechspaßfuß und Vasennodus. Ohne Schmuck. Kcichc. 
Beschauzeichen Augsburg. Meistermarke MM im Oval. (Rosenberg, 341.) — 
2. Silber, teilvergoldet. Kupa mit Überfang. Breite Akanthusranken und Tulpen. 
Engelsköpfchen. Um 1680. Beschauzeichen Augsburg. Meistermarke JE?E im Oval. 
— 3. Silber, vergoldet. Elegantes Rokokoschweifwerk. Beschauzeichen Augsburg. 
Jahresbuchstabe L (= 1753 — 55). Meistermarke ^ im Dreipaß. (Rosenberg, 375: 
Georg Ignaz Baur.) 

KATH. KIRCHE ALLERHEILIGEN. Matrikel R., S. 459. Kirche. 

Die mittelalterliche Kirche, »St. Isidori Einsiedl« genannt, wurde im 16. Jahr- 
hundert zur Zeit des Kalvinismus abgebrochen. 1656 erbaute man eine hölzerne 
Kapelle und Klause, und weihte die Kapelle zu Ehren Allerheiligen. 1660 schaflte 
man drei Altäre an. (Kreisarchiv Amberg, Waldsassen Amt, Nr. 451, Fasz. 16.) In 
der Frühzeit des 18. Jahrhunderts wurde die jetzige Kirche gebaut und zwar wahr- 
scheinlich durch Philipp Mühlmayr von Bärnau. (Kreisarchiv Amberg, Bämau Amt, 
Nr. 1203, Fasz. 17 [26. u. 29. April 1732].) Vgl. S. 150. 

Eingezogener Chor mit drei Jochen und dreiseitigem Schluß. Langhaus zu 
drei Jochen. Tonne mit Stichkappen. In Chor und Langhaus eingezogene Pfeiler. 
Kuppeldachreiter über dem Chor. 

Die Kirche liegt malerisch auf einer Waldwiese in nächster Nähe von Wernersreuth. 

Hochaltar mit zwei Säulen und Seitenfiguren. Altarbild: Allerheiligen. Einrichtung. 
Knorpelwerkornamente. Auf der Tabernakeltüre Relief mit Darstellung des Manna- 
regens. 1660 errichtet. Vgl. oben. 



138 XIV. B.A. Tirschenreuth. 

Kirche. Zwei kleine Seitenaltäre. Gedrehte Säulen mit Weinlaub. Knorpelwerk- 

Einrichtung. omamentc. Geringe Bilder. Gleichzeitig mit dem Hochaltar. — An der südlichen 
Langhauswand im zweiten Joch weiterer Altar. Südlich gerichtet. Einfaches Rokoko. 
Kanzel und Orgel. Barock, einfach. 

Hübsches Pflaster. Die Platten wechseln in weiß und rot. 
Die ehemals mit der Kirche verbundene KLAUSE abgebrochen. 
Hoixfigurcn. PFARRHOF. Zw^ei bemalte Holzfiguren St. Sebastian und St. Wal- 

burga(.^). Um 1500. H. im. Teilweise überarbeitet. (Über die Figuren vgl. S. 152.) 

WIESAU. 

Pfarrkirche. KATH. PFARRKIRCHE ST. MICHAEL. Matrikel R., S. 459. — 

VO. XXXm, IG, 89; XXXV, 153—284; LIII, 201. — Reg. Boic. IV, 644; V, 28. — 
Brenner, S. 60, 114, 195. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 483, 484, 531. — Brunner, 
S. 148, 174 ff. — HöGL, S. 97 f. — J. B. Mayr, Notizen zur Geschichte von Wiesau, 
1881. MS. im Hist. Ver. O. 272 d. 

Ansicht auf den Karten Nr. 3121 u. 3122 (vgl. das Nähere S. 8). 

Nach Matrikel R. 1661 — 1663 erbaut. Am Portal die Jahreszahl i66j. Der 
Turm wurde 1665 vollendet. (Binhack, Jahresgeschichten von Joh. Gg. Ruprecht, 
S. 23.) Unter Abt Alexander Vogel (1744 — 1756) erfolgten, wie es scheint, wesent- 
liche Veränderungen, vielleicht die Wölbung der Kirche. (Binhack, Waldsassen 
von 1661 — 1756, S. 165.) Die Umfassungsmauern der alten Kirche blieben bestehen. 
Die Pfeiler zum Tragen des Gewölbes wurden wie bei Beidl (S. 17) außen angesetzt 
und mit Rundbögen verbunden. Baumeister war P>ater Philipp Muttone. (Kreis- 
archiv Amberg, Waldsassen Amt, Nr. 451, Fasz. 16.) Die vom »Bockmacher« Frater 
»Lipp« bei diesem Umbau begangenen Fehler erforderten im Jahre 1770 eine Ver- 
besserung. (Ebenda, Zugang 30, Nr. 679, Fasz. 31.) 

Eingezogener Chor mit einem Joch und dreiseitigem Schluß. Tonne mit 

Stichkappen. Langhaus mit drei Jochen. Flachtonne mit Stichkappen. Gekuppelte 

Wandpilaster. Sakristei dem Chor östlich vorgelegt. Westturm mit Kuppeldach. 

Einrichtung. Hochaltar. Hoher Barockaufbau mit Säulen und Seitenfiguren. Altarblatt 

St. Michael. Um 1700. 

Nebenaltäre neu. 

Kanzel. Einfaches, gefalliges Rokoko. Um 1750. 

Taufst ein. Das in die Wand eingelassene Becken besitzt eine barocke kon- 
solenartige Holzverkleidung. Auf dem Deckel holzgeschnitzte Gruppe der Taufe Christi. 

Orgel mit Rokokogehäuse. 
Kruzifix. An der Wand neben dem südlichen Seitenaltar holzgeschnitztes Kruzifix. 

Spätgotisch. Durch Fassung geschädigt. H. ca. 60 cm. (Über dasselbe vgl. S. 152.) 

Triumphbogenkruzifix. Barock. 
Kelche. K c 1 c h e. I. Silber, teilvergoldet. Kupa mit Uberfang. Breite Akanthusranken 

mit großen Blumen. Um 1680. Beschauzeichen Augsburg. Meistermarke AI. im Oval. 
— 2. Silber, vergoldet. Barockformen mit gepaarten Engelsköpfchen und Emails (rot 
in rot) am Fuß. Um 1690. Beschauzeichen Eger. Meistermarke IMF. — 3. Silber, 
vergoldet. Laub- und Bandwerkornamente. Am Fuß und Kupa farbige Emails mit 
Heiligen des Zisterzienserordens. Um 1730. Beschauzeichen K im Vierpaß. Meister- 
marke MM im Vierpaß. 



Wiesa.. ,39 

Glocken neu. Die älteren waren gegossen von Johannes Paner (Pauer?) pfarrk 
in Pilsen, 1719 und Magnus Gabriel Reipburg in Amberg, 1717. (Aufzeichnungen ^''•'^>" 
im Pfarrarchiv.) 

Am Friedhofeingang STEINTAFEI, mit unleserlicher Minuskelinschrift, sitin 
Jahreszahl 148/. H. ca. 60 cm. 

Auf dem Platze ebenda steinerne BILDSÄULE mit Marienstatue. Bez. 16^7. miii!a 
Granit H. ca. 5 m. 

KATH. KIRCHE HL. KREUZ. Matrikel R., S. 460. — Brenner, S. 194. Kirch 

Die im 16. Jahrhundert dem Ruin verfallene Kirche wurde von 1657 — 1661 
neu gebaut. (Kreisarchiv Amberg, Waldsassen Amt, Nr. 451, Fasz. 16.) 1740 Ver- 
größerung. (Matrikel R.) 

Auf einem Hügel über Wiesau gelegen. 

Eingezogener Chor im quadratischen Ostlurm. Langhaus mit drei Jochen, 
Neben dem östlichen Joch desselben springen nach Süden und Norden zwei <jua- 
dratische Kapellen aus, so daß der CIrundriß Kreuzesform beschreibt. Sakristei dem 
Chor östlich vorgelegt. Spiegelgewölbe, im Langhaus auf eingezogenen Pfeilern. 
Im mittleren Joch des l.anghauses Flachkuppel. Der Turm besitzt Mansardendach 
mit Kuppeldachreiter auf der Spitze. 

Für die naheliegende Vermutung, daß der Turm mittelalterlichen Ursprunges 
sei, finden sich stilistische Anhaltspunkte nicht. 

Deckengemälde. Im Chor: Christus mit dem Kreuz in den Armen fahrt Decinn 
im Triumphwagen über Luzifer, Amor und eine weibliche Gestalt mit Krone und 
Zcpler hinweg. (Die drei Gestalten symbolisieren vielleicht Augenlust, l-leischeslust 



140 XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Kirche. Und Hoffahrt dcs Lcbcns.) Im Langhaus: Auffindung des Kreuzes durch die Kaiserin 
Deckengemälde. Helena, die Verherrlichung des Kreuzes beim Weltgericht (in der Plachkuppel), 
Erhöhung des Kreuzes durch Kaiser Heraklius. Im südlichen QuerschifF: Die Welt- 
teile huldigen dem Kreuz; im nördlichen: Dem Kaiser Konstantin erscheint das 
Kreuz. In sämtlichen Jochen allegorische Seitenmedaillons. 

Die Gemälde sind bessere Arbeiten um 1740. Zustand defekt. 
Einrichtung. Hochaltar. Volutenpilaster. Seitlich und im Giebel Akanthusschnitzwerk 

mit Bändern. Um 1725. Altarbild gering. Zwei gute Seitenfiguren. Antependium 
schön geschnitzt in Laub- und Bandwerk. Um 1730. 

Seitenaltäre in den Kreuzflügeln gleichzeitig und von gleicher Ausfuhrung. 
Südlich gutes Altarbild: Maria als gute Hirtin. Bez. G, M, F. 1802 fecit (Vgl. S. 55.) 
Am Chorbogen Seitenaltäre mit Muschelnische für Mittel figur, Säulen und 
Seitenfiguren. Frühzeit des 18. Jahrhunderts. 
Kanzel. Barock, einfach. 
Grabstein. Grabstein am Eingang zum südlichen Kreuzflügel mit Wappen der Nothaft 

und Neuhaus (?). Abgetreten. Inschrift unleserlich. 

Kaivarien- Neben der Kirche gegen Osten ein KALVARIENBERG. (Fig. 96.) Neben 

*'*'^' der zur Kreuzigungsgruppe emporführenden steinernen Stiege sechs Standbilder des 
leidenden Erlösers : Christus betend am Olberg, mit Stricken gefesselt, an der Geißel- 
säule, mit Domen gekrönt, in der Ruhe, dem Volke vorgestellt (ecce homo), das 
Kreuz tragend. Granit, dreiviertel Lebensgröße. Bessere Arbeiten des 18. Jahr- 
hunderts. Die Kreuzigungsgruppe selber neu. Das Ganze ist eine originelle und 
seltene Anlage. 
Linde. WestHch vor der Kirche mächtige LINDE. Umfang des Stammes ca. 9 ni. 

Großenteils abgestorben, 
steinkreuie. An der Straße nach Falkenberg Gruppe von zwei STEINKREUZEN. 

Ohne Zeichen. Granit. Stark eingesunken. 



WILDENAU. 

Literatur. VC. V, 2l6, 223; XXIII, 3OO f. ; XXIV, 31. — SCHLEIS V. LöWENFELD, Obcr- 

pfalzisches statistisches Wochenblatt, Sulzbach 1794, S. 144. — Bavaria II, i, 634. 
— Hermann Frhr. v. Reitzenstein-Reuth, Geschichte der Familie v. Reitzenstein, 
I. Heft, Geschichte der Linie zu Wildenau 1493 — 1640, München 1882. — Gradl, 
Egerland, S. 314, 366. — Fr. X. Lommer, Die böhmischen Lehen in der Oberpfalz, 
I, Amberg 1907, S. 25, 40, 84, 93 f. — Flossisch Großes Saal-Buch 1667, Reichs- 
archiv München, Ger. Floß Nr. 6, S. 619 — 660. — Pronadl, Hist. topogr. Notizen 
über Wildenau, 1845. MS. im Hist. Ver. O. 815/1. — J. B. Wissmath, Chronik von Wil- 
denau, MS. im Gemeindearchiv Wildenau. 

Ansicht auf der Karte des Christophorus Vogel von 1600, vgl. das Nähere S. 8. 

Schloß. PROT. SCHLOSSKAPELLE ST. ERHARD. (Ehem. Simultan kirche.) 

Filiale zur prot. Pfarrei Plößberg. Statistische Beschreibung der prot. Pfarreien im 
Königreich Bayern, Nürnberg 1898, S. 252. (Matrikel R., S. 429.) 

Im Erdgeschoß des ehem. Schlosses gegen Norden gelegen. 

Sehr bescheidenes flachgedecktes Langhaus mit kleinem, ungefähr dreieckigem 
verschobenem Chor. 



kapellc. 



Altar, Ejnfaches Barock mit drei be- Sch 

malten Holzfiguren: St. Erhard (Fig. 97), ^'^^ 

Erasmus und Christophorus ; diese um 1500. hoi. 

H. ca. 0,90 m. Die in der Beilage zur 
Augsburger Postzeitung 1856, Nr. 132 er- 
wähnten Bildwerke; Christophorus und 
Nikolaus, Maria Verkündigung und Em- 
plängnis nicht mehr vorhanden. (Die Angabe 
scheint überhaupt irrig zu sein.) 

Glocken neu. (Eine ältere von ci« 

Johann Schelchshom in Regensburg, 1669. 
[Pronadl].) 

KATH. FILIALKIRCHE. Neu- f.i 

bau mit neuer Einrichtung. '" 

EHEM. SCHLOSS. Das einge- Eh 

sessene Geschlecht der Wildenauer wird seit ' 

dem frühen 12. Jahrhundert genannt mit 
Otto Wildenauer, der auf der väterlichen Burg 
saß (Quellen u. Erörterungen I, 242, 274} 
imd Heinrich von Wildenau, der Deutsch- 
ordenskomthur bei St, Gilg in Regensburg 
war. (Ried, Cod. dipl. Epjscop. Ratisb., 
Nr. 358. ~ Reg. Boic. IV, 742.) Noch in 
der Frühzeit des 14. Jahrhunderts haben wir 
Kunde über die Wildenauer. (Brenner, 
S. 80.) 

'379' '394 int' '4'^ werden die Plei- 
steiner als Inhaber von Wildenau genannt, 
(v. Renzenstein, S. 6. — VO. XXIV, 66, 
72, 133.) Bei der pfälzischen Landesteilung 
im Jahre 1410 fiel Wildenau in den Anteil 
des Herzogs Johann. (Tolner, Historia 
Palatina, Frankfurt a. M. 1700, Cod. dipl., 
S. 154.) Er verpfändete den Sitz 1424 vor- 
übergehend an die GrSfin Anna von Truhen- p.^ ^^ wiidcnau 
dingen und belehnte 1432 den Konrad Hoiitigur si. Erhjrd in der thtm. Sehioükapeiie. 
Ermesreuther. (Bavaria. — v. RerrzENSTEiN, 

S. 6.) Reinhart Ermesreuther verkaufte ihn 1503 an Sigmund und Veit von Reitzen- 
stein. Der Besitz des »Häuslein Wildenau" wurde allerdings durch Anarg von 
Wildenfels zu Schönkirch streitig gemacht, der Streit jedoch 1515 zugunsten der 
Reitzensteiner entschieden, (v. Reitzenstein, S. 6 ff.) 

Auf dem Weg der Pfändung kam das Gut um 1630 an den Freiherm Anton 
de Burry (Schleis v. Lüwenfei.d), der es 1653 an Christoph Albrecht von Sazen- 
hofen verkaufte. (VO. XXIII, 313.) Mit dem Aussterben der Sazenhofen (in dieser 
Linie) 1 78z (vgl. S. 6^) erfolgte keine weitere Belehnung mehr. (Schleis v. Löwenfeld.) 

Jetzt Eigentum des Brauereibesitzers Wild. 

Beschreibung. (Lageplan Fig. 98. — .'Ansicht Fig. 99.) Am westlichen b»sci 
Auslauf einer von Osten nach Westen sich erstreckenden schmalen Hügelzunge 



r42 XIV. B-A. Tirschenreulh. 

ichioo. gelegen. Kleine Anlage. Nach Süden, Westen und Norden Steilabßlle. Gegen Osten 
ibung. trennle ursprünglich ein heute nicht mehr sichtbarer Hatsgraben den Burgbering 
vom Hinterland. Hier befand sich der Zugang zur Burg und die einzig mögliche 
Angriffsseite, daher auch auf dieser Seite der Bergfried, der erhalten ist. 

Derselbe ist quadratisch mit einer Seitenlänge von 7,60 m. Die Mauerdicke 
beträgt im zweiten Geschoß bei der Einsteigöffnung i m. Erhalten vier Geschosse, 



von denen die beiden unteren dem fortgeschrittenen 12. Jahrhundert, die beiden 
oberen der Gotik angehören. Das Mauerwerk des romanischen Teiles zeigt in 
den ersten fünf Schichten *'om Boden auf durchgehends Kropfr|uadeni mit Rand- 
schlag. (Fig. roo.) H. 25 — 45 cm, Länge bis 1,10 m. Granit. Weiter oben kleinere 
Quadern. Vom dritten Geschoß ab Bruch stein werk mit Eckquadem. 

Auf der Nordseile, vom AngrifTsleld abgewendet, befindet sich im Hof in 
einer Höhe von ca. 10 m die rundbogige Einsteigöffnung. H. 1,60 m. Innen 



Mauerkanal für den Balkenriegel zum Verschluß. Gewölbansätze erhalten. An der 
Nordseite sitzen dieselben nicht in der Mauerecke, sondern ca. 0,80 m nach innen. 
Es blieb somit ein schmaler alkoven artiger Raum für die bis vor Jahrzehnten noch 
vorhandene Block st lege übrig. Im zweiten Obergeschoß Gewölbeansätze in der 
gleichen, eben beschriebenen Anordnung erhalten. Zwei im Stichbogen geschlossene 
Fenster mit Seitenbänken. Das dritte Obergeschoß zeigt keine Gewölbeansätze. 
Drei Fenster mit Seitenbänken. Der Bergfried war also bewohnbar. 

Der Bergfried dient jetzt als Glockenturm für die prot. Kirche. 

An den Bergfried schließen sich um einen sehr engen Hof nach Westen und 
Nordosten weitere schmale GebäulJchkeiten an, die der zweiten Hälfte des 17. Jahr- 
hunderts angehören. 



'i|illlM|'.llill flu lii'llllrl 



XIV. 1I..A, TiMchenrewÜi. 

iorfl<i*tli< licn nugcls ein Saal Derselbe besaß ur- 
. Ii j.t/t im naliflifgenden Wiidschen Gasthof als Saal- 
l.r mit i.r»niicrt.-n Uisten. In den Feldern Malereien: 



WONDREB. 



VO. X, 347; XXVI, 188; XXXIII, 90; I.III, 203; I.IV, 200. — Okkki.k, 
Rerum boicnnim scriptores, Augsburg I (1763), 409. — )iovari;i II, i, 636. — 
Brknner, S. 32 f., 59, 88, 113, 205, 212. — BrtHMER-FiCKER, Reg. imp. von 119S — 
1272, Nr. 2379, 4776. — Erbex-Kmlkk, Reg. Hohem. II, Nr. 227. — J.anner I, 624; 
II, 9, 183, 361; in, 306, 443. — Cradl, Mon. EgranLi, .Vr. 167, 171, 172, 180, 189, 
221, 231, 236, 355, 374, 376, 379. — HoGJ-, S. 84, 94. — (JR.AUL, Egerland, S. 57, 
84, 113. — Hrunker, S. 147. — J. lt. M.WR, Notizen zur (leschichte von Wondreii, 
1881. MS. im Hist, Ver, O. 2721-. 



KATH. PFARRKIRCHE MARIA HIMMELFAHRT. Matrikel R., 1 
S. 462. 

1227 schenkt König Heinrich VII. Kirche und Patronat in Wondreb dem 
Kloster Waldsassen. (MB. XXXIa, 524, 546. — Buhmer-Ficker, Reg. imp. von 
II 98 — 1272, Xr. 4034, 4187.) 1402 Waldsassen inkoq)oriert. (J.'VNNer III, 306. 
Vgl. BiNHACK, Waldsassen von 1133 — 1506, II, 39.) 

Umfassungsmauern des Chores untl die beiden Untergeschosse des Tuimes 
friihgotisch. Am Portal lyij. Wohl in diesem Jahre wurde das I-anghaus durch 
den Bamauer Maurermeister Philipp Mühlmayr neugebaut. (Kreisarchiv Amberg, 
Bärnau Amt, N'r. 1203, Fasz. 17 [16. u. 29. April 1732.;) Vgl. S. 150. 

Eingezogener gerade geschlossener Chor mit zwei Jochen. Langhaus mit drei 
Jochen. Tonne mit Stichkappen, Im I^nghaus eingezogene Pfeiler. Sakristei südlich, 
Turm nördlich vom Chor. Turm quadratisch mit Kuppeldach. Hinler dem Hoch- 



146 XIV, B.-A. Tirachenreulh. 

. altar siiitzboyiges Schlitz fensler erhalten. Nach außen vermauert. Im Innern des 
Turmes GraniKiuadern von 20—25 cm Höhe. Technik nicht sehr sorgfaltig. Kur 
bis zum zweiten Geschoß. 

Deckengemälde. Mittelgroße Medaillons. Im Chor: Die Personifikationen 
der Wellteile. Über ihnen wendet Maria die göttlichen Strafgerichte ab. (Symbolisiert 



durch Schwert, Rutenbündel und Tod.) Im Schiff: Verkündigung, Heimsuchung und 
die vier E\angelisten. Beachtenswerte weich getönte Arbeiten der Spätzeit des 
18. Jahrhunderts. 

Hochaltar mit Wappen des Abtes Eugen von Waldsassen (1724 — 1744). 
Stuckmarmor. Zwei Säulen und zwei Engelhermen. (Fig. loi.) Seitlich Petrus und 
Paulus, im oberen Auszug Gruppe der Trinität. Altarbild beachtenswert. 

Zwei Seitenaltäre. Stuckniarmor, dem Hochaltar gleichzeitig. An Stelle 
des Altarbildes Figurennische. Im oberen .Auszug Putten. 

Zwei weitere Seitenaltäre an der Süd- und Nordwand des Langhauses im 
Mitleljoch. Am nördlichen schön geschnitzter Akanthusrahmen, Um 1700. Der 
südliche Schöpfung des späten Rokoko um 1780. 

Kanzel. Stuckmarmor. Am Korpus Reliefs: Die Evangelisten, femer die 
Herde der Lämmer und Schafe. Mit den Stuckmarmoraltären gleichzeitig. 

Taufstein. Muschelschale auf Achteckfuß mit kerb schnittartiger Omamen- 
tierung. 16. Jahrhundert. Granit. Auf dem Deckel bolzgeschnitzte Gruppe der 
Taufe Christi. 

Urgel. Hübsches l'arockgehäuse um 1730. 



Wondreli. 14J 

An den Wänden die bemalten Holzfi^juren der u Apostel. GeschniUt 1 
von dem Waldsassener Bildhauer Martin Hirsch für die dortigen Cliorstiihle. 1719 ' 
nach Wondreb gegeben. (Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 146.) 

Monstranz. Bez. 1680. Silber, teil vergoldet. Breite Akanthus ranken und ' 
große Blumen. Neben dem Gehäuse St. Benedikt und Vitus, darüber Kruzifix mit 
Maria und Johannes. Beschauzeichen Augsburg. Meistermarke CP im Queroval. 
(Rosenberg, 280: Cornelius Poppe.) 

Kelche. 1. Silber, vergoldet. Laub- und Bandwerkornaniente. An Fuß 
und Kupa farbige Emails. Um 1730. Re schau sei eben E im Vierpaß. Meister- 
marke HK im Queroval. — 2. Silber, vergoldet, laub- und Randwerk mit gepaarten 
Engels köpfchen. An Fuß und Kupa Emails (rot in rot). Marken undeutlich. ^- 
3. Silber, vergoldet. Laub- und Bandwerk. 
Emails an Fuß und Kupa (rot in rot). 
Beschauzeichen .Augsburg. Meistermarke 
KH im Queroval. 

Meßkünnchen mit Teller. Silber, 
vergoldet. I.aub- und Bandwerk. Am 
Teller vier EmaiU (rot in rot). Marken 
und eu dich. 

Ampel. Kupfer, versilbert. Akan- 
thus ranken mit Bändern. Wappen des 
Abtes Eugen von Waldsassen. Um 1725. 
(Vgl. oben.) 

Glocke. Von Franz Vital in 
Eger, 1736. 

FRl ED HÜFK APELLE. 1669 
neu hergestellt. (Matrikel R-, S. 462.) 

Rechteckraum zu zwei Fensterachsen. 

Getäfelte Decke mit Rechteck- 
feldern und profiherten Leisten. In sämt- 
lichen Feldern Toten tanz darstellungen, 
(Fig. 102.) Grau in grau gemalt. Über 
jeder Szene ein Bibeltexi, darunter ein 
deutscher Reim, z. B. : Repentinus eis veniel 
interiiHs. i Thess. 5,3. 

Der Tod isl blind 
Und doch geschwind. 

Die originelle Malerei entstand um 
1669. 

Altar. Rokokoaufbau mit geschweif- 
ten Streben. Um Mitte des 18. Jalir- 
hundens. 

S t u h l w a n g e n. Dieselben wie in der 
Peterskirche bei Tirschenreuth. (Vgl. S. 78.) 

PFARRHÜF. In der Hauskapelle 
Altar mit schön geschnitztem Bildrahmen: y^^ ^^^ wondwb. 

Akanthus mit Bändern um 1725. nniifi^ur si. itariam im WairUnf, 



Holi;fij,'ur St. liarbnm. {Vis. '°3-) fVühzeit des 15. Jalirliunderts. Zur Zeit 
s Klassizismus mit Weißlütiche überstrichen. Sehr beachtenswerte Arbeit. H. 1,35 m. 



In einem Zimmer großer Ofen. (Fig. 104.) .Auf vierseitigem Untersat/, ein- 
gezogener Aufsatz mit vier gedrehten Säulchen. Segmentförmig gewölbtes Dach. 
Kartuschen werk und Fruchtschnüre. Glasur weiß mit blau. H. ca. 3 ni. Um 1680. 

In zwei weiteren Zimmern klassizistische Ofen. Einer rund, der andere 
rechteckig. Beide figürlich und ornamental reich ausgestattet. Gelbe Glasur. 



KUNSTSTATISTISCHE ÜBERSICHT. 

In der Barockzeit bildet Waldsassen das Zentrum der Kunstpflege für das 
Stiftland. Es war selbst Sitz von ausübenden Künstlern, allerdings nur solcher von 
untergeordneter Bedeutung. Für größere Aufträge wurden auswärtige Kräfte be- 
rufen, namentlich sind die Beziehungen zu böhmischen Künstlern zahlreich. Diese 
führende Stellung wird Waldsassen wohl auch im Mittelalter eingenommen haben, 
doch fehlen hierüber die Nachweise. 

I. BAUKUNST. 

I. KIRCHLICHE BAUTEN. 

Aus der romanischen Periode ist nur die kleine Kirche in Schönkirch erhalten. 
Sie gehört zur Gattung der mit profanem Obergeschoß versehenen Kirchen. Von 
der nicht weit entfernten gleichartigen Kirche in Wilchenreuth (Kunstdenkmäler der 
Oberpfalz, Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 152 ff.) unterscheidet sie sich durch 
die Anlage eines Ostturmes mit Chor im Erdgeschoß, femer durch vollständige 
Wölbung mit gratigen Kreuzgewölben, die im Schift' zwei Joche einnehmen. 

Auch die Gotik ist nur spärlich vertreten. Die Pfarrkirche zu Tirschenreuth 
besitzt einen polygonen Chorbau, der in den Umfassungsmauern teilweise auf 1299 
zurückgeht, während die Netzgewölbe und der Turm nach dem Brand von 1475 
entstanden. Der Turm trägt das Baudatum 1487. 

In Wondreb gehören die Umfassungsmauern des Chores und der Unterbau 
des Turmes der Erühgotik an. Außerdem ist noch die einfache Pfarrkirche in 
Münchenreuth und vielleicht auch Chor und Unterbau des Turmes in Leonberg 
gotisch, aber nur im Mauerwerk. 

Einen gotisierenden basilikalen Langhausbau ohne selbständige Beleuchtung 
des Mittelschiffes schuf das 17. Jahrhundert an der Pfarrkirche zu Tirschenreuth. 
Auch die Eilialkirche von Pfaffenreuth verkündigt das lange Fortdauern der gotischen 
Formensprache bis ins 17. Jahrhundert herein. 

Das Barock ist mit zwei kunstgeschichtlich bedeutsamen Bauten vertreten. 
Die Kappel bei Waldsassen, des Georg Dientzenhofer Schöpfung, beansprucht durch 
ihre originelle Anlage, die sowohl der Innen- wie Außenerscheinung ein seltenes 
Gepräge verleiht, bedeutendes Interesse. Die imposante Klosterkirche von Wald- 
sassen trägt zwar in ihrer iVußenarchitektur, von der Westfassade abgesehen, eine 
ausgesprochene Nüchternheit zur Schau, dagegen überrascht das Innere nicht nur 
durch seine bedeutende Größe, sondern auch durch glückliche Verhältnisse. Die 
Anlage selber ist, einem geläufigen Barocktypus entsprechend, einschiffig mit Seiten- 
kapellen am Langhaus. Über den Kapellen Emporen. 



I^o XIV. B.-A. Tirschenreuth. 

Carlone hat diesen imposanten Innenraum mit einer glänzenden Fülle von 
Stukkaturen geschmückt, in denen Leichtigkeit der Erfindung mit großem Schönheits- 
sinn und eminenter Technik wetteifern. Carlone ist auch im Figürlichen sehr 
tüchtig. Die Kappel ist nur in bescheidenem Umfang mit Stukkaturen im Laub- 
und Bandwerkstil ausgestattet, die vielleicht Paul Marazzi schuf. 

Seit Wiederherstellung des Klosters Waldsassen entstanden auch im ganzen 
Stiftlande im Laufe der Zeit viele neue Kirchen, zumeist stattliche, geräumige 
Bauten, aber ohne nennenswerte architektonische Durchbildung. Sie bevorzugen 
den bei den Zisterziensern traditionellen geraden Chorschluß, der auch in Wondreb, 
Leonberg und Münchenreuth sich findet. Erst in der Spätzeit des i8. Jahrhunderts 
wird diese Form verlassen, so in Stein, Konnersreuth und Waldershof. Eine Aus- 
nahme macht nur die Pfarrkirche in Wiesau, vielleicht weil sie vor Restitution 
Waldsassens (1661 — 1663) erbaut wurde. Die kleine Kirche in Marchaney ist die 
einzige, die den Gedanken des Zentralbaues aufgreift. 

Die Kunst des Stukkateurs kam nur in Bämau, Waldsassen und in der Kappel 
zur (jeltung. Die Stukkaturen des Hieronymus Andrioli in der Pfarrkirche zu 
Bärnau sind zugrunde gegangen. 

Der am Turm der Pfarrkirche zu Tirschenreuth zum Jahre 1487 genannte 
Jakob Mair ist wohl der Baumeister des Turmes und der spätgotischen Chonvölbung. 
Außer den in Waldsassen tätigen Architekten (Leutner, Schiesser und Dientzenhofer) 
lernen wir in unserm Gebiet als Kirchenbaumeister im 18. Jahrhundert den Zister- 
zienserfrater Philipp Muttone von Waldsassen (S. 17, 29, 68, 82, 106, 138), und den 
Bärnauer Maurermeister Philipp Mühlraayr (S. 12, 32, 36, 45, 166, 137, 145), außer- 
dem bei Bämau den Amberger Maurermeister (leorg Diller kennen. (Über die 
Diller vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft X, B.-A. Kemnath, S. 98.) 

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts werden in Waldsassen drei Mönche 
genannt, die Baumeister (: magistri operis«) waren, über ihre Tätigkeit besitzen wir 
aber keine Nachricht. (Vgl. S. 90.) Der Tirschenreuther Baumeister Hans von 
Kotza lieferte im Jahre 1595 Baupläne für die Kirche in Falkenberg. 

2. PROFANE BAUTEN. 

Die Ruine zu Falkenberg zählt mit zu den interessantesten Burgruinen der 
Oberpfalz. Wohl bis ins 1 1 . Jahrhundert reicht der Unterbau der Umfassungsmauern 
zurück. Der Aufbau dagegen und der Bergfried erzählen von den Zeiten der Husiten. 
Daß man hier in der Frühzeit des 15. Jahrhunderts die Einsteigöffnung des Berg- 
frieds im Rundbogen schloß, verdient bemerkt zu werden als Warnung, wie wenig 
Datierungen auf solche Einzelformen gestützt werden dürfen. 

Außer F'alkenberg treft'en wir in Wildenau einen Bergfried mit romanischen 
Bestandteilen. Er dient heute als Glockenturm. 

Liebenstein hat nur geringe Mauerreste bewahrt. 

Der späten (iotik gehört das malerisch nicht uninteressante ehem. Schloß in 
Waldershof an. 

Die Renaissance hat die Rathausfassade in Tirschenreuth mit Erker ge- 
schaffen. (1583.) 



Kunststatistische Übersicht. Igl 

Der Klosterbau zu Waldsassen wirkt vor allem durch seine bedeutenden Ab- 
messungen. Die Gliederung der langen dreigeschoßigen Fassaden durch toskanische 
Pilaster und Rustikamotive erinnert direkt an die Prager Barockarchitektur der 
zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Von den Innenräumen beansprucht die präch- 
tige Bibliothek mit ihren originellen, von Peter Appiani 1724 ausgeführten Stukka- 
turen und ihrem reichen Schnitzwerk, das Karl Stilp schuf, bedeutendes Interesse. 
Die Stukkaturen in den ehemaligen Sakristei räumen stammen von Carlone, die im 
Kreuzgang von Bernhard Quadro. 

Charakteristisch für die Gegend sind eine Anzahl von Bauten der Barockzeit, 
die mit Waldsassen zusammenhängen: die Schlösser in Fockenfeld und Hardeck, 
der Fischhof bei Tirschenreuth, die Pfarrhöfe zu Wondreb, Leonberg und Tirschen- 
reuth. Sie tragen dasselbe Gepräge einfacher Solidität wie das Kloster selber. 

Das Bürgerhaus der Vorzeit fehlt gänzlich. Dagegen finden sich im ehem. 
sog. Fraischgebiet : in Xeualbenreuth, Mähring, Altmugl interessante, malerisch wirk- 
same Fachbauten. Was die Bauernhäuser betrifft, so ist das geschlossene Hofsystem 
weit verbreitet. Reine Holzbauten finden sich seltener. 

Von der mittelalterlichen Befestigung Tirschenreuths hat sich nur ein Turm, 
der sog. Klettnerturm, erhalten. 

Der Kirchturm in Waldershof ist mit Schießscharten versehen, diente also 
ehemals, wohl im Zusammenhang mit einem befestigten Priedhof, zu Verteidigungs- 
zwecken. 

II. PLASTIK. 

Die Grabplastik fehlt in der Gegend fast gänzlich. Waldsassen, das an mittel- 
alterlichen Grabdenkmälern reich gewesen sein muß, hat das einzige Rotmarmor- 
denkmal für einen Grafen von Sulzbach aus den Stürmen der Zeit gerettet. Die 
Grabplatte gehört dem frühen 14. Jahrhundert an. Sie enthält ein stark abgetretenes 
Bildnis des Verstorbenen in Umrissen. 

Von selbständigen Werken der mittelalterlichen Plastik ist nur ein am ehe- 
maligen Abteischloß zu Waldsassen eingemauertes kleines Olbergrelief erhalten, das 
wohl dem späten 14. Jahrhundert angehört. 

Von den sicher einst zahlreichen Werken der mittelalterlichen Holzplastik 
haben sich gleichfalls nur wenige Denkmäler erhalten, darunter aber ein ganzer 
Flügelaltar in Tirschenreuth. Er gehört der Frühzeit des 16. Jahrhunderts an und 
ist im Figürlichen eine gute Schöpfung. Um die gleiche Zeit entstand die schöne 
Statue der hl. Elisabeth in Bärnau, die Wildenauer Altarfiguren, drei Statuen in 
Wernersreuth und ein Kruzifix in Wiesau. Die Trinitätsgruppe in der Wallfahrts- 
kirche Kappel zeigt schon den Stil, wie er um 1520 sich geltend macht. Die älteste 
Figur im Bezirk ist die Statue der hl. Barbara im Pfarrhof zu Wondreb; sie gehört 
dem frühen 15. Jahrhundert an. 

Die übrigen Werke der mittelalterlichen Bildschnitzerkunst sind dem Bilder- 
sturm des 16. Jahrhunderts zum Opfer gefallen. Es steht dies gelegentlich für unser 
Gebiet urkundlich fest. So ließ in Waldershof der Waldsassener Hauptmann Graf 
von Dohna die 12 Apostel und was an Bildern vorhanden war, verbrennen. (Kreis- 



1^2 XIV. B.-A. Tirschenreuth . 

archiv Amberg, Klöster und Pfarreien, Xr. 1477, Fasz. 30.) Dohna war 16 18 — 1628 
Hauptmann des Stiftes Waldsassen. (Binhack, Waldsassen von 1507 — 1648, S. 48.) 
Als Kurfürst Maximilian unter dem 18. August 1626 den Befehl erließ, ein Ver- 
zeichnis der in der Oberpfalz noch vorhandenen Reliquien und Heiltümer anzu- 
legen, fanden sich im Amt Waldsassen noch folgende Stücke : in Wiesau ein Kruzifix 
ohne Arme und etliche alte Stangen, in Leonberg ein Salvatorbild und ein halbes 
weibliches Brustbild, in Wernersreuth drei alte Bilder, von denen einem der Kopf 
fehlte, in Mähring ein kleines zerbrochenes Bild. (Kreisarchiv Amberg, Klöster und 
Pfarreien Nr. 1477, Fasz. 30.) Es fehlte nur noch der Bericht des P. Johannes 
Balsterer von Waldsassen. 

Von den genannten Stücken haben sich mehrere bis heute erhalten, wie der 
Bestand ausweist. 

Die Bildhauerkunst der Barockzeit betätigte sich durchgehends im Zusammen- 
hang mit Altären. Ein sehr tüchtiger Schnitzer dieser Zeit war Karl Stilp, von dem 
eine Reihe von Heiligenfiguren in Waldsassen sowie die vortrefflichen Genrefiguren 
in der Bibliothek daselbst stammen. Weniger bedeutend war der ebenfalls vom 
Kloster Waldsassen vielbeschäftigte Martin Hirsch. Wir erwähnen hier die feinen 
Miniaturschnitzereien des Andreas Burgl aus Eger, die für unser Gebiet ein Spe- 
zifikum bilden. Auf die Bedeutung Carlones in der figürlichen Plastik haben wir 
bereits hingewiesen. 

III. MALEREI. 

Von den im Mittelalter vorhandenen Werken ist außer den Altarflügelbildern 
mit Passionsszenen in Tirschenreuth nichts übrig geblieben. 

In der Barockzeit scheinen zumeist böhmische Maler in unserem Gebiet tätig 
gewesen zu sein. Den großen Gemäldezyklus in Waldsassen schuf Jakob Steinfels 
aus Prag von 1695 — 1699. Die Kuppelgemälde der Kappel stammen von Smichäus 
aus Laun, der auch in Fockenfeld beschäftigt war und vielleicht auch in Bämau. Neben 
ihm lernen wir den Elias Dollhopf aus Schlackenwald kennen, der um die Mitte 
des 18. Jahrhunderts die Deckengemälde in Ottengrün schuf. Auch in Waldsassen 
und Fockenfeld war er tätig. 

Von wem die beachtenswerte Bemalung der Elisabethenkirche in Bärnau 
stammt, ist nicht bekannt. Sie entstand um 1700. Auch der Zyklus in Marchaney, 
ebenso der in der Kreuzkirche zu Wiesau und in der Pfarrkirche zu Wondreb, ferner 
das Chorgemälde in Neualbenreuth und die Deckenbilder in der Steinbergkirche zu 
Bämau verdienen Beachtung. Die Gemälde des Maurus und Vitus Fuchs in Schwarzen- 
bach sind restauriert. 

Die tüchtigen (iemälde in der Waldsassener Bibliothek schuf Karl Hofreiter 
im Jahre 1724. Er wird als Egerer bezeichnet. (Binhack, Waldsassen von 1661 — 1756, 

S. 143) 

Die besten Altarblätter besitzt Waldsassen von der Hand des Joh. Andreas Wolf 
und des Andreas Maisthuber, beide von München. Von den Altarbildera des 
Ignaz Appiani ist nur das am Johannesaltar noch erhalten. 



Kunststatistische Übersicht. 



153 



Drei Altarbilder in Bärnau, die aus Bamberg stammen, werden dem Os- 
wald Onghers zugeschrieben. 

Bessere Altarblätter befinden sich ferner noch in Münchenreuth, Wiesau und 
Wondreb. Das Signum GMF in Münchenreuth und Wiesau konnte nicht bestimmt 
werden. Das Signum VF in Münchenreuth ist wohl das des Vitus Fuchs von 
Tirschenreuth. 

Von kulturgeschichtlichem Interesse sind die Totentanzdarstellungen an dem 
Getäfel in der Friedhofkirchc in Wondreb. Sie entstanden um 1669. Die Friedhof- 
kapelle in Mitterteich wurde um 1780 mit Totentanzszenen versehen. 

IV. KIRCHLICHE EINRICHTUNGSGEGENSTÄNDE. 

Der spätgotische Altarschrein in Tirschenreuth beansprucht bei der Seltenheit 
von mittelalterlichen Altarwerken in der nördlichen Oberpfalz besonderes Interesse. 

Die frühesten Altäre nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges sind der 
mit 1656 datierte Altar in der Elisabethenkirche zu Bärnau und drei im Jahre 1660 
aufgestellte Altäre in der Allerheiligenkirche bei Wemersreuth. Sie zeigen den um 
diese Zeit geläufigen Typus" mit rebenumwundenen Säulen und Ornamenten im sog. 
Knorpelstil. 

1696 bzw. 1701 entstanden die stattlichen von je vier Säulen getragenen 
Hauptaltäre in Waldsassen, alle drei wohl nach Entwürfen des Johann Bapt. Carlone. 
Der Hochaltar ist in Marmor ausgeführt, die Altäre der Kreuzflügel in Holz. Der 
gleichen Zeit gehören die schönen Stuckmarmoraltäre in den drei Hauptkapellen 
der Kappel an. Der Hochaltar in der Wallfahrtskirche zu Fuchsmühl ist gleichfalls 
eine Schöpfung dieser Zeit. Er stammt aus der Deutschordenskirche St. Agidius 
in Regensburg. Die säulenreichen Stuckmarmoraltäre des Peter Appiani in vier 
Seitenkapellen zu W^aldsassen zeigen, obwohl • erst um 1727 errichtet, den Typus, 
wie er um 1700 gebräuchlich war. 

Ein in der Oberpfalz vielfach üblicher Altartypus, der unter Verzicht auf ein 
architektonisches Gerüst als reichgeschnitztes Rahmenwerk in Akanthusranken sich 
aufbaut, ist im Gebiet zweimal vertreten: in Leonberg und Schönkirch. Reichliche 
Verwendung von Akanthusschnitzwerk weisen auch drei um 1725 entstandene Altäre 
in der Kreuzkirche zu Wiesau auf. 

Der um 1708 verfertigte Altar in Pfafienreuth hält noch an der gotischen 
Dreiteilung fest. 

Barockaltäre vom Ende des 17. und aus den ersten Jahrzehnten des 18. Jahr- 
hunderts finden sich femer in Beidl, Großkonreutli, Hohenthan, Münchenreuth und 
Wiesau. 

Die Formen des frühen Rokoko kommen an den Stuckmarmoraltären in 
W^ondreb zur Geltung, ferner am Benediktus- und am Apostelaltar in Waldsassen; 
auch die zugrunde gegangenen Stuckmarmoraltäre des Hieronymus Andrioli in Bärnau 
gehörten dieser Zeit an. Altäre des entwickelten Rokoko besitzt die Kirche in 
Ottengrün, einfachere stehen zu Konnersreuth und Stein. 



154 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Der klassizistischen Richtung gehören der Altar in der Steinbergkirche zu 
Bämau und die Altäre in Griesbach an. 

Unter den Kanzeln nennen wir an erster Stelle die originelle Kanzel in Wald- 
sassen. Sie wurde wohl von dem Egerer Goldschmied Georg Göhringer um 17 15 
ganz mit versilberter Treibarbeit verkleidet. Daneben kommt besonders die mit 
reichlichem Akanthuschnitzwerk geschmückte Kanzel in der Kappel, ferner die 
schönen Kanzeln in Neualbenreuth und Ottengrün zur Geltung. Einfachere Barock- 
bzw. Rokokokanzeln finden sich allenthalben. Eine barocke Stuckmarmorkanzel 
besitzt Wondreb. 

Das wirkungsvolle Chorgestühl in Waldsassen mit seinen schweren Akanthus- 
formen entstand im Jahre 1696. Der Bildhauer Martin Hirsch verfertigte es. 

Hirsch schnitzte auch die Wangen der Kirchenstühle zu Waldsassen, gleich- 
falls mit üppigen Akanthusranken. Die originellen Stuhlwangen der Kappel, die 
noch stark von der Renaissance beeinflußt sind, verdienen besondere Beachtung. 
Der gleiche Typus, aber in einfacherer Form, findet sich noch öfter im Bezirk, so 
in Tirschenreuth, Schönkirch und Schwarzenbach. 

Das imposante Orgelgehäuse der Waldsassener Klosterkirche, obwohl erst 1738 
entstanden, bevorzugt wuchtige Barockformen mit Rücksicht auf die übrige Kirchen- 
ausstattung. Der gleichen Zeit gehört das mit elegantem I>aub- und Bandwerk 
geschmückte Gehäuse der Kappel an. Schöne Rokokogehäuse besitzen Leonberg 
und Griesbach. Das letztgenannte stammt aus Speinshardt. 

Charakteristisch für den Bezirk sind die feinen Filigranarbeiten, die zum 
Schmuck von Reliquien hauptsächlich in Waldsassen zur Geltung kommen. Es 
finden sich solche aber auch in Tirschenreuth, Leonberg und Wemersreuth. 

Die Formen der spätesten Gotik zeigen die Taufsteine in Konnersreuth, Leon- 
berg, Tirschenreuth und Wondreb. Der Barockzeit gehören die Taufsteine in Mün- 
chenreuth und Neualbenreuth an. 

Von den auf dem Gebiet der Kirchenausstattung tätigen Meistern haben wir 
Carlone, Appiani, Andrioli und Hirsch bereits genannt. Außerdem wissen wir, daß 
der Tirschenreuther Schreiner Joseph BuUing 1801 den Hochaltar für Griesbach ver- 
fertigte. Weitere Nachrichten fehlen. Zweifellos haben die Glieder der Familie 
Hautmann in die Kirchen des Stiftlandes vielerlei Arbeiten geliefert. (Vgl. über sie 
BiNHACK, Waldsassen von 1661 — 1756, S. 148. — Kunstdenkmäler der Oberpfalz, 
Heft IX, B.-A. Neustadt a. W., S. 27 f. — Kreisarchiv Amberg, Amberg Stadt, Nr. 14 
und 15, Fasz. 97.) Die Hautmann bezeichnen sich um 1780 als Tirschenreuther 
(Kunstdenkmäler der Oberpfalz a. a. O.), der Waldsassener Chronist dagegen als 
Waldsassener Bürger. (Bin hack.) 

V. GLOCKEN. 

Eine Glocke des Meisters Konrad Lichtenberger von Regensburg in Falken- 
berg von 1422 ist eingeschmolzen. (Über einen Glockengießer Hans Lichtenberger 
von Regensburg vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft II, B.-A. Neunburg v. W., 
S. 91.) Eine mit 1473 datierte gleichfalls eingeschmolzene Glocke besaß Leonberg 



Kunststatistische Übersicht. 15^ 

Im 16. Jahrhundert begegnet zuerst der Nürnberger Meister Hans Glocken- 
gießer mit einer 15 11 für St. Klara in Nürnberg gegossenen Glocke, die 18 14 nach 
Tirschenreuth geschenkt wurde. Von seinem Sohne Christoph stammt eine Glocke 
in Konnersreuth, dem fortgeschrittenen 16. Jahrhundert angehörend. 

'535 goß ^^^ Regensburger Meister Hans Durnknopf eine Glocke für 
Schwarzenbach, 1586 der Amberger Gießer Hans Stain eine solche für Mähring. 

Das 17. Jahrhundert nennt den Glockengießer Hans Bergler aus Weimar, der 
1644 iii Tirschenreuth nicht mehr vorhandene Glocken goß. Eine mit 1645 datierte 
Glocke in Neualbenreuth nennt als Gießer den Meister Georg Hirschfeld. Der 
Wohnort war wegen Unzugiinglichkeit nicht zu lesen. 

Balthasar Blatzer von Eger wird 1609 in Mitterteich, 1692 in Hohenthan, 
1703 in Plößberg genannt. Sämtliche Glocken sind eingeschmolzen. Wenn die 
Daten (um 1845 aufgezeichnet) richtig gelesen wurden, handelt es sich um Vater 
und Sohn. 

Im 18. Jahrhundert werden die Schelchshom von Regensburg 1707 in Mitter- 
teich genannt, der Stadtamhofer Joh. Erhard Kißner 1786 in Hohenthan. 

Der Amberger Meister Magnus Gabriel Reinburg goß 17 17 Glocken für 
Falkenberg und Wiesau, 17 18 für Mähring. 

Von Gießern aus Eger treffen wir Franz Vital 1736 in Wondreb und Joh. 
Gg. Jordan 1741 in Leonberg. 

Eine mit 17 19 datierte Glocke des Joh. Paner (oder Bauer?) von Pilsen befand 
sich in Wiesau. 

VI. KIRCHLICHE GERÄTE. 

Die mittelalterliche Goldschmiedekunst ist nur mit einer Monstranz in Mähring 
vertreten, bei welcher Gotik und Renaissance sich vermischen. Die Kleinodien des 
Klosters Waldsassen sind spurlos verschwunden. (Vgl. Binhack, Kloster Waldsassen 
von 1133— 1506, II, 4, 19, 25, 45, 61.) 

Die Geräte der Barock- und Rokokozeit sind den Beschauzeichen zufolge 
Augsburger und Egerer Arbeiten. Häufig findet sich im Bezirk das Zeichen K im 
Vierpaß, das jedenfalls als Beschauzeichen anzusehen ist. Die Identifizierung des- 
selben fehlt noch. (Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft X, B.-A. Kemnath, 
S. loi.) Es sei darauf hingewiesen, daß auch in Waldsassen Goldschraiedearbeiten 
entstanden. Vgl. S. 126. 

Aus den Marken konnten folgende Augsburger Meister konstatiert werden: 
Jakob Hezebik in Mitterteich, Georg Ignaz Baur in Kappel, Schwarzenbach und 
Wemersreuth, Jakob Luz in Tirschenreuth, Kornelius Poppe in Wondreb, Franz 
Xaver Stipeldey in Hohenthan, Leonberg und Schwarzenbach. 

Eine Münchner Arbeit fanden wir in Falkenberg. 

Der reiche Bestand an Goldschmiedearbeiten des 17. und 18. Jahrhunderts in 
Waldsassen wurde schon vor der Säkularisation eingezogen. Vgl. S. 125. 



156 XIV. I).-A. Tirschenreuth. 

VII. SONSTIGE ALTERTÜMER. 

Steinkreuze (meist als Sühnekreuze, bisweilen wohl auch als Erinnerungssteine 
für Unfälle zu erklären^ finden sich vielfach im Bezirk, mit und ohne Zeichen und 
zwar mehrfach gruppenweise: so bei Falkenberg, Schwarzenbach und Wiesau. 

Ebenso häufig sind steinerne Bildstöcke aus der Barockzeit. Sie weisen im 
Stiftland einen durchgehenden Typus auf: über dem säulenartigen Schaft sitzt ein 
vierseitiger Bildertabemakel mit Pyramidendach. Die schönsten sahen wir bei Loder- 
mühl, Münchenreuth und Tirschenreuth. Diese drei tragen ein Relief mit Dar- 
stellung der hl. Dreifaltigkeit. 

Totenbretter begegneten bei Falkenberg und Wondreb. 

Schöne Ofen befinden sich in den Pfarrhöfen zu Wondreb und Großkonreuth, 
einer auf dem Mitterhof bei Waldsassen. 



I. Ortsregister. 



(Die stärkeren Ziffern bezeichnen die zusammenhängende Beschreibung, die schwächeren gelegcnUiche Flrwähnung.) 



Altherrgottskapelle 1 1 . 
Altneuhaus 3, 11, 68. 
Bärnau i, 3, 4» 6, 7, 11, 32, 36, 45, 50, 66, 

137, 145, 150, 151, 152, 153» 154. 
Beidl 3, 17, 68, 138, 153. 
Ernestgrün siehe Ottengrün. 
Falkenbcpg i, 3, 5, 6, 7, 11, 18, 48, 68, 83, 

150, 154, 155, 156. 
Fockenfeld 29, 44, 151, 152. 
Fuchsmtthl 3, 7, 30, 153. 
Griesbach i, 3, 31, 50, 154. 
Großkonreuth 2, 7, 32, 153, 156. 
Grün 33. 
Gummelberg 34. 
Hardeck 7, 34, 151. 
Högelstein 35. 

Hohenthan 3, 35, 69, 153, 155. 
Hohen wald 36. 
Kappel 36, 52, 105, 113, 149, 150, 151, 152, 

153. 154, 155. 
Konnersreuth i, 7, 30, 44, 150, 153, 154, I55- 
Leonberg 3, 45, 149. 150. ^Si, 152, I53» I54i 

155. 
Liebenstein 3, 5, 7, 48, 150. 

Lodermühl 50, 68, 156. 

Mähring I, 3, 7, 35, 50, 151, 152, 155- 

Marchaney 52, 150, 152. 

Mitterhof 53, 156. 



Mitterteich i, 3, 6, 7, 53, I53i »SS- 
Mtinchenreuth 36, 44, 54, 149, ^SO, 153, 154, 

156. 
Neualbenreuth 8, 55, 58, 151, 152, 154, 155. 
Ottengrtm 5, 7, 58, 152, i53i 154- 
Pfaffenreiith 61, 149, 153. 
Pirk 62. 

Plößberg 3, 4, 6, 7, 62, 63, 66, 155. 
Schönficht 18, 63. 

Schönkirch 3, 4, 6, 7, 63, 141. I49i I53, 154- 
Schwarzenbach 52, 66, 152, 154, 155, 156. 
Schwarzenschwall 3, 68. 
Stein 68, 150, I53- 
Thanhausen 69. 
Tirschenreuth i, 3, 4, 5, 6, 7, 17, 20, 32, 33, 

3^ 4Si 50. 52, 62, 66, 67, 68, 69, I47i 
149, 150, 151, 152, 153, 154, 155, 156. 
Waldershof i, 3, 7» 37, 83, 99i 106, 150, 151. 
Waldsassen i, 2. 3, 4, 5, 6, 7, 11, 12, 16, 17, 

20, 21, 22, 29, 31, 34, 35, 36, 37, 39, 42, 

44, 45, 48, 52, 53, 61, 63, 68, 71, 76, 82, 

831 85, 86, I45i 146, 147» 149, 150, 15^ 

152, 153. 154, 155' »56. 
Wernersreuth 137, 151, 152, I53i 154. 155- 
Wiesau 7, 17, 138, 150. iS^i 152, i53. '55. 156. 
Wildenau 3, 4, 6, 7, 62, 66, 140, 150. i5>- 
Wondreb 3, 7, 32, 137, 145, 149. 150» <5i» 

152, 153, 154, 155» 156. 



1 
> 



IL Abbildungen im Text. 



Seite 
Fig. I. Bärnau. Ansicht auf Vogels 
Karte des Amtes FlossenbUrg von 
1600 12 

2. Bärnau. Ansicht von Merian, 1644 13 

3. Bärnau. Inneres der Elisabethen- 
kirche 14 



Seite 



Fig. 4. Bärnau. Holzfigur St. Elisabeth in 

der Elisabethen kirche 15 

> 5* Bärnau. Lageplan der Stadt nach 

dem Katasterblatt 16 

> 6. Falkenberg. Wegkapelle mit 

Totenbrettern und Kreuzsteinen . 19 



158 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



9. 



10. 



21 



22 



Seite 
^^Z' 7- Falkenberg. Ansicht vom Jahre 
1621. Im Reichsarchiv München, 

Oberpfalz Nr. 239 20 

8. Falkenberg. Lageplan des Marktes 
und der Burgruine nach dem 

Kataster blatt 

Falkenberg. Grundriß der Burg- 
ruine 

Falkenberg. Profil der Burgruine 
von Osten nach Westen und von 
Süden nach Norden 23 

11. Falkenberg. Ansicht des Torturms 
von Südosten 25 

12. Falkenberg. Ansicht der Burgruine 
von Norden 26 

13. Falkenberg. Ansicht der Burgruine 
von Süden 27 

14. Falkenberg. EinsteigöfTnung am 
Bergfried der Burgruine .... 28 

15. Fockenfeld. Ansicht des 
Schlosses um 1750 auf einer Ta- 
batiere des Abtes Alexander von 
Waldsassen 29 

16. Großkonreuth. Pfarrkirchen- 
turm 33 

17. Hardeck. Ansicht des Schlos- 
ses von Westen 34 

18. Kappel. Gnmdriß der Wallfahrts- 
kirche 38 

19. Kappel. Schnitt der Wallfahrts- 
kirche 39 

20. Kappel. Kanzel der Wallfahrts- 
kirche 40 

21. Kappel. Ansicht der Orgel. . . 41 

22. Kappel. Holzgruppe der Krönung 
Mariens 42 

23. KappeL Kelch und Opferkännchen 
in der Wallfahrtskirche 43 

24. Konnersreuth. Taufstein in 
der Pfarrkirche 44 

25. Leonberg. Hochaltar in der 
Pfarrkirche 46 

26. Leonberg. Taufstein in der Pfarr- 
kirche 47 

27. Leonberg. Apostelleuchter in der 
Pfarrkirche 47 

28. Liebenstein. Ansicht auf Vogels 
Karte des Amtes Flossenbürg von 
1600 48 

29. Liebenstein. Profil der Burgruine 
von Nordwest nach Südost ... 48 

30. Lodermüh 1. Dreifaltigkeitssäule 49 



Seile 
Fig. 31. Mähring. Spätgotische Mon- 
stranz in der Pfarrkirche .... 51 

32. M arch an ey. Grundriß der Kirche 52 

33. Marchaney. Ansicht der Kirche 
von Süden 53 

34. MUnchenreuth. Die »weiße 
Marter« 55 

35. Neualbenreuth. Häuserpartie 56 

36. Neualbenreuth. Fachwerkhaus 57 

37. Neualbenreuth. Häusergruppe 57 

38. Neualbenreuth. Fachwerkhaus 58 

39. Neualbenreuth. Häusergruppe . . 59 

40. Ottengrün. Kanzel und Seiten- 
altar in der Wallfahrtskirche . . 60 

41. Pirk. Steinerner Bildstock. . . 62 

42. Schönkirch. Grundrisse der 
Schloßkapelle 64 

43. Schönkirch. Schnitte der Schloß- 
kapelle 65 

44. Schönkirch. Details an der Schloß- 
kapelle 66 

45. Schönkirch. Ansicht der Schloß- 
kapelle von Südosten 67 

46. Tirschenreuth. Ansicht von 
Merian, 1644 70 

47. Tirschenreuth. Ansicht der Stadt 
nach einem Ölgemälde im Pfarrhof 
daselbst, zweite Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts : • • 7' 

48. Tirschenreuth. Grundriß der Pfarr- 
kirche 72 

49. Tirschenreuth. Bauinschrift am 
Chor der Pfarrkirche 73 

50. Tirschenreuth. Chor und Turm 
der Pfarrkirche 74 

51. Tirschenreuth. Holzrelief der Heim- 
suchung Maria in der Pfarrkirche 75 

52. Tirschenreuth. Glocke in der 
Pfarrkirche 76 

53. Tirschenreuth. Reliquienaltärchen 
in der Pfarrkirche 77 

54. Tirschenreuth. Lageplan nach dem 
Katasterblatt 79 

55. Tirschenreuth. Ansicht des Fisch- 
hofes von Nordosten 80 

56. Tirschenreuth. Ansicht des Rathauses 81 

57. Tirschenreuth. Dreifaltigkeitssäule 
am Weg nach Falkenberg ... 82 

58. Waldershof. Ansicht auf einer 
Karte, wohl von 1536, in der 
graphischen Sammlung des bayer. 
Nationalmuseums 84 



Verzeichnisse. 



Fig. 59. 

> 60. 

> 61. 



62. 



63. 



64. 



65. 



66. 



> 67. 

> 68. 



69. 



» 70. 
» 71. 



> 72. 



» 73. 

> 74. 

> 75. 

> 76. 



Seite 
Waldershof. I^geplan nach dem 

Katasterblatt 84 

Waldershof. Ansicht des ehem. 

Schlosses von Süden 85 

Waldershof. Wappenstein des 
Arnold von Hirschberg im Schloff 

hof 85 

Waldsassen. Konventsiegel an 
einer Urkunde vom 2. Februar 1353 
(Reichsarchiv München, Urkk. von 
Waldsassen, Fasz. 44). Konvent- 
siegel, bez. XXXIIII (== X434). 
Origtnalstempel im. Reichsarchiv 
München 87 

Waldsnssen. Abbildung des Klo- 
sters auf Karte Nr. 3122 im 

Reichsarchiv München 90 

Waldsassen. Hammer bezw. Mühl- 
werke des Klosters auf Karte 
Nr. 3122 im Reichsarchiv München 91 
Waldsassen. Grundriß vom Jahre 
1621 im Reichsarchiv München, 
Oberpfalz Nr. 239 92 

Walds.isscn. Grundriß der Kloster- 
gebäude um 16 18 auf Karte 
Nr. 1087 b im Reichsarcbiv Mün- 
chen 93 

Waldsassen. Ansicht bei Ertl, 1690 95 
Waldsassen. Grabstein eines Gra- 
fen von Sulzbach in der Gruft . 97 
Waldsassen. Ansicht des Klosters 
aus der Vogelperspektive mit der 
nicht zur Ausführung gekommenen 
Abtei. Nach einem unbekannten 

Original um 1700 100 

Waldsassen. Lageplan nach dem 

Katasterblatt 102 

Waldsassen. Projekt des Fr. Hör- 
mann zu einem Laienaltar für die 

Klosterkirche, 1688 103 

Waldsassen, llochaltarprojekt des 
Fr. Hörmann für die Klosterkirche, 

1688 104 

Waldsassen. Projekt des Fr. Hör- 
mann zu einem Chorgestühl, 1688 105 
Waldsassen. Grundriß der Kloster- 
kirche 107 

Waldsassen. Querschnitt der 

Klosterkirche 108 

Waldsassen. Ansicht der Kloster- 
kirche von Nordosten 109 



Fig. 77. 
> 78. 



» 79. 



» 80. 
> 81. 



> 82. 

> 83. 

> 84. 
» 85. 

> 86. 
» 87. 

> 88. 

> 89. 

> 90. 
» 91. 

> 92. 

» 93. 

» 94. 

» 95. 

> 96. 

» 97. 

> 98. 

> 99. 
» 100. 



159 

Seite 
Waldsassen. Detail vom Gewölbe 

der Klosterkirche 112 

Waldsassen. Mensa und Taber- 
nakelbau am Hochaltar der Kloster- 
kirche 114 

Waldsassen. Detail vom Ante- 
pendium des Hochaltares in der 

Klosterkirche 115 

Waldsassen. Tabernakel türe am 
Marienaltar der Klosterkirche . .116 
Waldsassen. Elfenbeinstatue des 
hl. Bernhard im Tabernakel des 

Maricnaltares 117 

Waldsassen. Altar des hl. Bern- 
hard in der Klosterkirche. . . .119 
Waldsassen. Benediktusaltar in der 

Klosterkirche 120 

Waldsassen. Kanzel in der Kloster- 
kirche 121 

Waldsassen. Detail von der Kanzel 

in der Klosterkirche 122 

Waldsassen. Kelch in der Kloster- 
kirche 125 

Waldsassen. Projekt des Fr. Hör- 
mann zu einer Bibliothekein rich- 

tung, 1688 127 

Waldsassen. Portal zum Bibliothek- 
saal 128 

Waldsassen. Östliche Wand des 

Bibliotheksaales 129 

Waldsassen. Detail von der Decke 

des Bibliotheksaales 130 

Waldsassen. Detail von der Galerie- 
brüstung im Bibliotheksaal . . .131 
Waldsassen. Südflügel des Kreuz- 
ganges 132 

Waldsassen. Ehem. Sakristei im 

Erdgeschoß 133 

W^aldsassen. Portal am Kgl. Amts- 
gericht (ehem. Abteischloß) . . .135 
Waldsassen. Johannesstatue an der 
südlichen Wondrebbrücke . . . .136 
W i e s a u. Kalvarienberg bei der 

hl. Kreuzkirche 139 

W i 1 d e n a u. Holzfigur St. Erhard 

in der ehem. Schloßkapelle . . .141 

Wildenau. Lageplan nach dem 

Katasterblatt 142 

Wildenau. Ansicht des Schlosses 

von Süden 143 

Wildenau. Westseite des Berg- 
frieds mit Einsteigöffnung ... 144 



i6o 



XIV. B.-A. Tirschenreuth. 



Seite 
Fig. I o I . \V o n d r e b . Stuckmarmoraltäre 

in der Pfarrkirche 145 

3 102. Wondreb. Innenansicht der 

Friedhof kapelle 146 



Seite 



Fig. 103. Wondreb. Holzfigur St. Barbara 

im Pfarrbof 147 

> 104. Wondreb. Ofen im Pfarrhof. . 148 



III. Tafeln. 



Tafel I. Falk enb erg. Ansicht der Burg- 
ruine von Norden. 
? ''II. Falkenberg. Ansicht der Burgruine 
von Westen. 

> -^11 1. Kappe 1. Außenansicht der Wall- 

fahrtskirche. 

> '^IV. Kappel. Innenansicht der Wallfahrts- 

kirche. 

> V. Schwarzenbach. Monstranz in 

der Pfarrkirche. 
» vVI. Tirschenreuth. Flügelaltar in 

der Pfarrkirche. 
* 'Vn. Waldsassen. Ansicht des Klosters 

Waldsassen, 1670. 



Tafel VIII. 

^IX. 

"X. 

"XI. 

V XII. 

'XIII. 

^XIV. 
^XV. 



Waldsassen. Westfassade der 

Klosterkirche. 

Waldsassen. Längsschnitt der 

Klosterkirche. 
"^ Waldsassen. Innenansicht der 

Klosterkirche. 
" Waldsassen. Innenansicht der 

Klosterkirche gegen Westen. 
•Waldsassen. Südliche Chorseite 

der Klosterkirche. 

Waldsassen. Chorgestühl in der 

Klosterkirche. 

Waldsassen. Bibliotheksaal. 

W^aldsassen. Atlanten im Bibliothek- 
saal. 



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• 12 3^ 



Von dem Denkmälenverk der Oberpfalz ist erschienen: 

Heft 1 Bezirksamt Roding. VIII u. 232 S., mit 11 Tafeln, 200 Abb. im Text 
und einer Karte. Ladenpreis in Leinen geb. 8 M. 

Heft H Bezirksamt Neunburg v. W. VI u. 95 S., mit 2 Tafeln, 99 Abb. im 
Text und einer Karte. Ladenpreis in Leinen geb. 3,50 M. 

Heft Hl Bezirksamt Waldmunchen. VI u. 83 S., mit i Tafel, 65 Abb. im Text 
und einer Karte. Ladenpreis in Leinen geb. 3,50 M. 

Heft IV Bezirksamt Parsberg. VI u. 267 S., mit 13 Tafeln, 209 Abb. im Text 
und einer Karte. Ladenpreis in Leinen geb. 9 M. 

Heft Y Bezirksamt Burglengenfeld. VI u. 167 S., mit 8 Tafeln, 127 Abb. im 
Text und einer Karte. Ladenpreis in Leinen geb. 7 M. 

Heft VI Bezirksamt Cham. VII u. 159 S., mit 6 Tafeln, 108 Abb. im Text und 
einer Karte. Ladenpreis in Leinen geb. 7 M. 

Heft Vn Bezirksamt Obervieditach. V u. 84 S., mit 6 Tafeln, 73 Abb. im Text 
und einer Karte. Ladenpreis in Leinen geb. 3,50 M. 

Heft Vni Bezirksamt VohenstrauB. VI u. 140 S., mit 9 Tafeln, 99 Abb. im Text 
und einer Karte. Ladenpreis in Leinen geb. 7 M. 

Heft IX Bezirksamt Neustadt a. W.-N. VI u. 172 S., mit 6 Tafeln, 123 Abb. 

im Text und einer Karte. Ladenpreis in Leinen geb. 7 M. 

Heft X Bezirksamt Kemnath. VI u. 104 S., mit 8 Tafeln, 74 Abb. im Text 

und einer Karte. Ladenpreis in Leinen geb. 5 M. 

Heft XII Bezirksamt Beilngries I, Amtsgericht l^eilngries. VI u. 175 S., mit 

12 Tafeln, 137 Abb. im Text und einer Karte. Ladenpreis in Leinen 
geb. 8 M. 

Heft XIII Bezirksamt Beilngries II, Amtsgericht Riedenburg. VI u. 171 S., mit 

5 Tafeln, 135 Abb. im Text und einer Karte. 

Heft XIV Bezirksamt Tirschenreuth. VI u. 160 S., mit 15 Tafeln, 104 Abb. im 
Text und einer Karte. 



Im Drucke ist: 

Heft XI Bezirksamt Eschenbach. 
Heft .XV Bezirksamt Amberg. 



Jedes Heft ist einzeln käuflich. 
Bayerische Behörden und Ämter (Staats- und Gemeindebehörden, Kirchenbehörden etc.) erhalten die 
Hefte bei direktem Bezüge von der Verlagsbuchhandlung R. Oldenbourg, München, Gltickstr. 8, 

laut einer Ministerialverfügung zu einem Vorzugspreis. 



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